Alexander Calder
Alexander Calder (* 22. Juli 1898 in Lawnton, Pennsylvania; † 11. November 1976 in New York) war ein US-amerikanischer Bildhauer der Moderne. Ein Großteil seines Werkes ist der kinetischen Kunst zuzuordnen. Er gilt als Erfinder des Mobiles.<ref>Alexander Calder & Fischli/Weiss | Artinside. Abgerufen am 15. Mai 2018.</ref>
Leben und Werk[Bearbeiten]
Alexander Calder stammte aus einer bedeutenden Bildhauerfamilie. Sein Großvater Alexander Milne Calder gestaltete die 250 Figuren der City Hall von Philadelphia, und auch sein Vater Alexander Stirling Calder war ein bekannter Bildhauer. Seine Mutter Nanette (geb. Lederer; 1866–1960), war Malerin. Alexander Calder begann seine künstlerische Arbeit als Autodidakt, indem er neben seiner Berufstätigkeit, unter anderem als Schiffsheizer, Landschaften malte. Von 1915 bis 1919 absolvierte er ein Ingenieurstudium am Stevens Institute of Technology in Hoboken, New Jersey, bevor er von 1923 bis 1926 Zeichen- und Malkurse an der Art Students League in New York belegte und von 1924 bis 1926 als Zeichner bei der Zeitschrift The National Police Gazette sein Geld verdiente.
Calder ging 1926 nach Paris,<ref>Alexander Calder (amerikanisch, 1898–1976). In: Biografie. 2021. Artnet Worldwide Corporation. Auf Artnet.de, abgerufen am 12. Februar 2021.</ref> besuchte von 1926 bis 1933 die Académie de la Grande Chaumière, befreundete sich mit Stanley William Hayter und lernte andere zeitgenössische Künstler kennen, unter anderem Piet Mondrian, Man Ray und Fernand Léger.<ref name=":0">Claire Lebossé, Sophie Lévy, Maud Marron-Wojewódzki (für die Biografien): United States of Abstraction : Artistes américains en France 1946–1964. Musée d’arts de Nantes / Musée Fabre Montpellier / Éditions Snoeck, Gand (Gent) 2021, ISBN 978-94-6161-667-8, S. 224 f.</ref> 1927 entstanden hier seine erste Holzskulptur, sein erstes bewegliches Spielzeug und seine ersten beweglichen Drahtkonstruktionen, „sowie der berühmte Zirkus, eine aus verschiedenen Materialien erstellte Spielzeugmanege voller Draht-Akrobaten, mit denen Calder ganze Aufführungen für Freunde gestaltete.“<ref>Gerhard Finckh, Antje Birthälmer (Hrsg.): Privat. Wuppertaler Sammler der Gegenwart im Von der Heydt-Museum. Von der Heydt-Museum Wuppertal, S. 328</ref> Aus der Begegnung mit Piet Mondrian erwuchsen seine ersten Mobiles, die scheinbar nicht der Schwerkraft unterliegen. Mit ihnen wurde er bekannt und hatte 1932 in der Galerie Vignon in Paris eine erste größere Ausstellung.<ref name=":0" /> Er war seit 1932 Mitglied der Künstlergruppe Abstraction-Création, die Einfluss auf seine Entwicklung hin zur Abstraktion hatte.
In New York zeigte er die Mobiles beim Galeristen Julien Levy.<ref name=":0" /> Im Juni 1929 lernte er an Bord des französischen Ozeandampfers De Grasse auf dem Weg von New York nach Paris Louisa Cushing James (1905–1996) kennen, eine Großnichte von Henry James und William James. Sie heirateten am 17. Januar 1931 in Paris und bekamen zwei Töchter, Sandra Calder Davidson (* 1935) und Mary Calder Rower (1939–2011). Im Zeitraum von sieben Jahren legte er zwölf<ref name=":0" /> Mal den Hin- und Rückweg Paris-New York zurück.
1933 siedelte Calder nach Roxbury (Connecticut) über, wo er 1934 das erste für den Außenraum konzipierte Mobile anfertigte, daneben aber auch erste abstrakte Großskulpturen. Ein wichtiges Anliegen war ihm, ausgehend von Bemühungen von Marcel Duchamp – dieser taufte „die mit Hand- oder Motorantrieb betriebenen bewegten Konstruktionen von Calder ‚Mobiles‘“<ref>Thaddaeus Ropac (Vorw.): Ensemble Moderne. Das moderne Stilleben. The Still-Life in Modern Art. Galerie Thaddeus Ropac, Salzburg 25. Juli bis 31. August 1998; Paris 12. September bis 10. Oktober 1998, Salzburg, Paris 1998, S. 154</ref> – und anderen, Abstraktion und Bewegung miteinander zu verbinden. Neben seinen Mobiles, die durch die Luftzirkulation bewegt werden, konstruierte er auch von Motoren angetriebene Skulpturen. Das MoMA kaufte 1934 das erste seiner Mobile mit dem Titel A Universe.<ref name=":0" /> Für die Weltausstellung 1937 in Paris baute er für den spanischen Pavillon einen Quecksilberspringbrunnen zum Gedenken an die Todesopfer des Quecksilberabbaus. Weitere Werke im spanischen Pavillon waren unter anderem die Wandbilder von Pablo Picasso mit dessen weltbekanntem Guernica sowie Le Faucheur (Der Schnitter) von Joan Miró, das als verschollen gilt. Heute befindet sich Calders Brunnen in der Fundació Joan Miró.
1943 richtete ihm das MoMA eine Retrospektive aus.<ref name=":0" /> Im Juni 1952 fand in der Wuppertaler Galerie Parnass Calders erste Einzelausstellung Calder Mobile in Deutschland statt. 1953 kaufte er ein Haus in Basse Chevrière in Frankreich,<ref name=":0" /> später auch in La Roche Jaune und Saché.
Alexander Calder zählt zu den Hauptvertretern der kinetischen Plastik. Von dem lebenslangen und konstruktiven künstlerischen Austausch mit seinem Freund Joan Miró zeugen zahlreiche Querverweise in den Werken der beiden Künstler. Er war Teilnehmer der documenta 1 (1955), der documenta II (1959) und der documenta III im Jahr 1964 in Kassel. 1959 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences und 1960 in die American Academy of Arts and Letters<ref>Membership. Abgerufen am 11. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> gewählt.
1975 gestaltete er einen Rennwagen für BMW, das erste BMW Art Car. Zwei Mobiles aus der Sammlung von Leonard Lauder erreichten im November 2025 Preise von 700.000 bzw. 520.000 US-Dollar bei einer Auktion von Sotheby’s.<ref>Carlie Porterfield: Record $236.3m Klimt leads Sotheby’s first night of auctions in Breuer Building. In: The Art Newspaper. 19. November 2025, abgerufen am 19. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Cirque Calder[Bearbeiten]
Miniaturzirkus aus über 70 Figuren
Die Calder Foundation[Bearbeiten]
Seit 1987 wird der künstlerische Nachlass Calders von der in New York ansässigen Calder Foundation betreut, die über eine große Privatsammlung verfügt. Die gemeinnützige Familienstiftung sieht ihre Hauptaufgabe in der Katalogisierung des Gesamtwerks sowie der Organisation von posthumen Ausstellungen des Künstlers. Im Zusammenhang mit der Vergabe von Inventarnummern – die geschätzte Gesamtzahl liegt bei ca. 22.000 Werken – kam es wiederholt zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit Kunsthändlern um die „Echtheit“ einiger Objekte.<ref>Klage gegen Calder-Stiftung: Wer hat die Macht? 30. März 2014, abgerufen am 11. Januar 2025.</ref>
Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]
- 1929: Drahtfiguren, Berlin<ref>Alexander Calder, einige Werke In. Zeitbilder, Beilage der Vossischen Zeitung, 7. April 1929.</ref>
- 1952: Großer Preis für Skulptur der Biennale von Venedig<ref name=":0" />
- 1959: Mobile in der Hamburger Kunsthalle
- 1993: Doppelausstellung Die großen Skulpturen/Der andere Calder, Bundeskunsthalle, Bonn<ref>Alexander Calder: Die großen Skulpturen/Der andere Calder, Hatje Cantz Verlag, Stuttgart 1995. ISBN 3-89322-552-8</ref>
- 2013: Alexander Calder – Avantgarde in Bewegung, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. Katalog mit DVD.
- 2013/2014: Calder and Abstraction: From Avant-Garde to Iconic, Los Angeles County Museum of Art.<ref>Calder and Abstraction: From Avant-Garde to Iconic. Abgerufen am 5. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- 2014: Alexander Calder in the Rijksmuseum Summer Sculpture Garden, Rijksmuseum, Amsterdam.<ref>Alexander Calder Amsterdamer Outdoor-Schau Rijksmuseum. Abgerufen am 11. Januar 2025.</ref>
- 2016: Alexander Calder & Fischli/Weiss, Fondation Beyeler, Riehen, 29. Mai bis 4. September 2016. Katalog.
- 2021/2022: Alexander Calder. Minimal / Maximal, Neue Nationalgalerie, Berlin, 22. August 2021 bis 13. Februar 2022
Bildergalerie Skulpturen[Bearbeiten]
-
Crinkly avec disc rouge (1973)
Schlossplatz in Stuttgart
Literatur[Bearbeiten]
- Jacob Baal-Teshuva: Alexander Calder 1898–1976. Verlag Taschen, Köln 2002, ISBN 3-8228-7915-0.
- Margaret Calder Hayes: Three Alexander Calders: A Family Memoir. Paul S. Eriksson, 1977, ISBN 0-8397-8017-6. (englisch)
- Pedro E. Guerrero: Calder at Home. The Joyous Environment of Alexander Calder. Stewart, Tabori & Chang, New York 1998, ISBN 1-55670-655-3.
- Karin von Maur, Gudrun Inboden (Bearb.): Malerei und Plastik des 20. Jahrhunderts. Staatsgalerie Stuttgart, 1982.
- Marla Prather: Alexander Calder 1898–1976. National Gallery of Art, Washington D.C. 1998, ISBN 0-89468-228-8 (kartoniert), ISBN 0-300-07518-9 (gebunden).
- Thaddaeus Ropac (Vorw.): Ensemble Moderne. Das moderne Stillleben. The Still-Life in Modern Art. Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg 25. Juli bis 31. August 1998; Paris 12. September bis 10. Oktober 1998, Salzburg/Paris 1998, ISBN 3-901935-03-7. (deutsch/englisch).
- Alexander S. C. Rower (Hrsg.): Calder by Matter. Cahiers d’Art, Paris 2013.<ref>Alexander S. C. Rower (Hg.): Calder by Matter: Aus Spielzeug lässt sich eine Menge machen. 6. Juni 2013, abgerufen am 11. Januar 2025.</ref>
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Alexander Calder im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von und über Alexander Calder in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Suche nach Alexander Calder im Online-Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
- Alexander Calder bei artfacts.net
- Calder Foundation
- Vorlage:Whoswho
- Das Flugzeug-Projekt
- Alexander Calder bei Google Arts & Culture
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references responsive />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Calder, Alexander |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Bildhauer und Objektkünstler (Mobiles) |
| GEBURTSDATUM | 22. Juli 1898 |
| GEBURTSORT | Lawnton (Pennsylvania) |
| STERBEDATUM | 11. November 1976 |
| STERBEORT | New York City |
- Wikipedia:Seite mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Bildhauer (Vereinigte Staaten)
- Bildhauer der Moderne
- Kinetische Kunst
- Künstler (documenta)
- Objektkünstler (Vereinigte Staaten)
- Träger der Presidential Medal of Freedom
- Mitglied der American Academy of Arts and Sciences
- Mitglied der American Academy of Arts and Letters
- Kaiserringträger der Stadt Goslar
- US-Amerikaner
- Geboren 1898
- Gestorben 1976
- Mann