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Alma Wittlin

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Vorlage:Hinweisbaustein Alma Stephanie Wittlin (zeitweise verheiratete Wittlin-Frischauer, geboren am 23. März 1899 in oder bei Lemberg, Österreich-Ungarn, gestorben am 31. Dezember 1991 in Palo Alto, USA) war eine österreichische Kunsthistorikerin, Schriftstellerin, Erziehungswissenschaftlerin und Museologin.

Leben[Bearbeiten]

Datei:Monument to victims of Kunsthistorisches Insitut, University of Vienna 02.jpg
Wittlin auf der Gedenktafel für Opfer des Nationalsozialismus am Kunsthistorischen Institut Wien, seit 2008

Alma Wittlin verbrachte ihre Jugend in Wien und besuchte die Mädchenschule, das Reformrealgymnasium der Eugenie Schwarzwald. Sie war von jüdischer Herkunft und evangelisch getauft. Sie studierte ab 1918 in Wien Kunstgeschichte, Anthropologie und Philosophie. 1921 heiratete sie Paul Frischauer, die Ehe dauerte bis 1932. Im Jahr 1925 wurde sie an der Universität Wien in Kunstgeschichte bei Josef Strzygowski, einem kämpferischen Antisemiten, über Die christliche Baukunst des ersten Jahrtausends in Spanien promoviert. Sie wurde Schriftstellerin sowie Journalistin für das Feuilleton, verfasste Texte für Fach- oder populäre Zeitschriften, Essays über Architektur oder Fragen der Lebensführung der modernen Frau und hielt Vorträge an der Volkshochschule in Wien.<ref>z. B. Alma St. Wittlin-Frischauer: Noch einmal "Schöner Garten in rauhem Klima". In: Deutsche Kunst und Dekoration. Wohnungskunst - Malerei - Plastik - Architektur - Gärten - Künstlerische Frauen-Arbeiten. Jg. 26, H. 10. F. Bruckmann, München Juli 1933.</ref>

In Berlin arbeitete sie nach 1925 kurzzeitig als Volontärin am Kaiser Friedrich-Museum, Abteilung für Byzantinische und Orientalische Kunst, und für das P.E.N.-Zentrum. Sie hielt Vorträge an Volkshochschulen in Berlin und Wien, über den historischen Hintergrund von Kunst sowie soziologische und psychologische Aspekte des Kunstschaffens. Mehrere Spanien-Reisen vertieften ihre Kenntnis des Landes.

Zugleich verfasste sie populärwissenschaftliche Bücher über Isabella von Kastilien und über Abdülhamid II.,<ref>Abdul Hamid: The Shadow of God. John Lane at The Bodley Head, London 1940.</ref> die jeweils in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Das Isabella-Buch ist die erste historische Biographie der Königin auf Deutsch; Wittlin verbindet in ihrer Darstellung Aspekte der Kunstgeschichte, von Ausgrabungen, der Philosophie und Anthropologie.

Im Mai 1933 setzte sie sich auf dem P.E.N.-Kongress in Ragusa für die schließlich gegen Widerstände verabschiedete Erklärung deutschsprachiger Autoren gegen die Verfolgung von Intellektuellen durch das nationalsozialistische Deutsche Reich ein.

Wittlin verließ 1937 Österreich in Richtung England. In der fremdsprachigen Umgebung und ohne Einkünfte, erlangte sie Unterstützung durch die International und die British Federation of University Women. An der Universität Cambridge befasste sie sich am Archäologisch-anthropologischen Museum mit der Frage, wie museale Ausstellungen durch gezieltere Vorbereitung für die Allgemeinheit erfreulich und fruchtbar zu machen wären. Wittlins fortschrittliche Ideen, 1949 in der von Karl Mannheim herausgegebenen Reihe International Library of Sociology and Social Reconstruction veröffentlicht, stießen in Großbritannien aber auf Widerstand konservativer Museumskreise.

Im Jahr 1952 wanderte Wittlin in die USA aus und wurde 1959 US-Staatsbürgerin. Sie arbeitete bis 1960 als Leiterin eines Wandermuseums für Naturwissenschaften und Anthropologie (Science Comes to You, Inc.) mit Sitz in Santa Fe und in Albuquerque. 1961 war sie eine der ersten Stipendiatinnen des Radcliffe Institute for Independent Studies (Cambridge, MA) was ihr Forschungsarbeit an der Harvard Graduate School for Education ermöglichte. Danach war sie mit kürzeren Forschungsaufenthalten an verschiedenen universitären und musealen Einrichtungen tätig (UCSB; Smithsonian Institution in Washington, D.C.), ab ca. 1974 in Kalifornien, wo sie das Biopsychological Institute for Education gründete und leitete und zuletzt an der Stanford University.

Rezeption[Bearbeiten]

Der Museologe Dominique Poulot urteilte 2012 über Wittlins Fachschriften<ref>Dominique Poulot: Museums and museologies. In: Mathew Remplay, Thierry Lenain, Hubert Lochner, Andrea Pinotti, Charlotte Schöll-Glass, Kitty Zijlmans (Hrsg.): Art history and visual studies in Europe. Transnational Discourses and National Frameworks. Brill, Leiden 2012, ISBN 978-90-04-21877-2, S. 197–216; hier S. 209. ...true masterpieces of museological and historical lucidity. Against the inertia of European museums and the conservatism of their directors, she called for their educational mission to be taken seriously, and showed herself prophetic in her analysis of developments to come, as well as the impasses in the institutions.</ref>:

„(Sie schuf) ein wahres Meisterwerk an Klarheit, museologisch und historisch betrachtet. Im Gegensatz zur Behäbigkeit europäischer Museen und zum Konservatismus ihrer Leiter forderte sie dazu auf, ihre pädagogische Aufgabe ernst zu nehmen. In ihrer Untersuchung künftiger Entwicklungen blickte sie nicht nur in die Zukunft, sondern stellte auch die Sackgassen dar, in denen die vorhandenen Einrichtungen steckten.“

– Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dominique Poulot über Wittlins Fortwirken, 2012

Ehrungen[Bearbeiten]

Der International Council of Museums führt auf seiner jährlichen Hauptversammlung eine Gedächtnisvorlesung mit dem Titel Alma S. Wittlin Memorial lectures durch.

Werke, Briefe, Essays[Bearbeiten]

  • Alma Stephanie Frischauer: Altspanischer Kirchenbau. (= Studien zur spätantiken Kunstgeschichte 3). De Gruyter, Leipzig 1930; Reprint De Gruyter, Berlin 1978, ISBN 3-11-005703-4 (Zugl. überarb. Diss. phil. Universität Wien 1925)
  • als Hrsg.: International P.E.N Bulletin of selected books - Choix de notices critiques. Vol. 3, No. 3, International PEN, London, Oktober - Dezember 1952 und weitere Jgg.
  • Isabella. Begründerin der Weltmacht Spanien. Historischer Roman. Rentsch, Zürich & Leipzig 1936<ref>Neuauflagen bis in die 1990er Jahre, auch unter leicht abweichenden Titeln. Zahlr. Übersetzungen.</ref>
  • Abdul Hamid. Shadow of God. Historischer Roman. John Lane, London 1940. Übers. aus dem Deutschen Norman Denny<ref>Deutsche Fassung verloren gegangen</ref>
    • in Arabisch: ʻAbd al-Ḥamīd ẓill Allāh ʻalā al-arḍ. Verlag al-Qāhira, 1950
  • The Museum. Its history and its tasks in education. Reihe: International Library of Sociology and Social Reconstruction. Hrsg. von Karl Mannheim. Routledge & Paul Kegan, London 1949 (Digitalisat).
    • Erweiterte Fassung: Museums. In search of a usable future. MIT-Press, Cambridge, Mass. 1970, ISBN 0-262-23039-9
      • Teilabdruck wieder in: The Twelve-Point Program for Museum Renewal. In: Gail Anderson (Hrsg.): Reinventing the Museum, Historical and Contemporary Perspectives on the Paradigm Shift. Altamira, Walnut Creek 2004, S. 44–60
  • Briefe, die A. S. nach Europa nach 1945 geschrieben hat, in: Hadwig Kraeutler: Exil ohne Ende? Briefe einer Rastlosen. Alma S. Wittlins Briefwechsel in (inter)nationalen Netzwerken, in: Irene Below, Inge Hansen-Schaberg, Maria Kublitz-Kramer (Hrsg.): Das Ende des Exils? Briefe von Frauen nach 1945. Reihe: Frauen und Exil, 7. Edition text + kritik, München 2015<ref>Neben A. S. Briefe von Ella Bergmann-Michel, Ilse Bing, Erna Blencke, Erna Döblin, Maria Gleit, Gabriele Kätzler, Hildegard Kramer, Vera Lachmann, Luise von Leyden, Johanna Marum, Lili Pollatz, Anna Siemsen, Minna Specht, Hilde Spiel, Grete Weil</ref>
  • Zighunderttausend Kinder auf der Strasse / X Centmille enfants dans la rue, In: Schweizer Illustrierte Zeitung, Nr. 49, Redaktion H. Brack. Zofingen 30. November 1932 (zweisprachig)
  • als A. Wittlin: Europa und Spanien, in Ciba-Rundschau. Heft 29: Die Entwicklung der Textilkunst in Spanien. Ciba, Basel 1938. S. 1050–1088 der fortlaufend paginierten Hefte zu je ca. 30 Seiten
    • engl. Fass.: in The development of the textile crafts in Spain. Ciba Review 29, Basle
  • Alma Stefanie Wittlin: Spanien, eine Welt für sich. Eine Österreicherin reist kreuz und quer durch die Pyrenäenhalbinsel, in Herbert Stifter (Hrsg.): Bergland. Illustrierte Alpenländische Monatsschrift. Jg. 18, Heft 12. Wagner, Innsbruck 1936, S. 39–46

Literatur[Bearbeiten]

  • Hadwig Kraeutler, Museum. Learning. Democracy. The Work and Life of Alma S. Wittlin (1899-1991), LIT Verlag, Wien – Münster 2025
  • Wittlin-Frischauer, Alma Stefanie, in: Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler. Teil 2: L–Z. K. G. Saur, München 1999, ISBN 3-598-11339-0, S. 799–801.
  • Hadwig Kraeutler: Alma S. Wittlin (1899–1992). In bester Gesellschaft und ,Self-made‘. In: Ursula Seeber, Veronika Zwerger, Claus-Dieter Krohn (Hrsg.): Kometen des Geldes. Exil und Ökonomie. (= Exilforschung 33). edition text + kritik, München 2015, ISBN 978-3-86916-451-9, S. 228–245.
  • Hadwig Kraeutler: Wittlin, v Alma S. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografıA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 3: P–Z. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, Sp. 3573–3575.
  • Hadwig Kraeutler: Alma S. Wittlin. Beobachtungen zu Kriegs- und Friedensreflexionen einer Emigrierten. In: Zwischenwelt, Zeitschrift der Theodor Kramer Gesellschaft Wien, 34, 1–2, Juni 2017 ISSN 1606-4321 S. 28–32<ref>mit zahlreichen Quellenhinweisen und Foto Wittlins, ca. 1971.</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

<references />

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