Altbelgern
Altbelgern ist ein Gemeindeteil der Kleinstadt Mühlberg/Elbe im südbrandenburgischen Landkreis Elbe-Elster. Der Ort befindet sich unmittelbar rechtsseitig der Elbe und etwa einen Kilometer westlich von Martinskirchen.
Geschichte[Bearbeiten]
Ursprung und Parochie Altbelgern[Bearbeiten]
Altbelgern hat seinen Ursprung in einer wendischen Siedlung. Bei dem Ort handelt es sich um einen der ältesten Kirchenstandorte in der Region Elbe-Elster. Bereits im Jahre 1251 wurde hier eine Kirche urkundlich erwähnt, die 1253 vom Meißner Bischof Konrad I. geweiht wurde.<ref name="Kirche Mühlberg"/><ref name="FV Altbelgern"/> Die Parochie Altbelgern war vergleichsweise groß. Das Kirchspiel umfasste einen großen Teil des westlichen Altkreises Bad Liebenwerda. Orte, wie beispielsweise die heutigen Städte Uebigau und Falkenberg/Elster und die Gemeinden Schmerkendorf, Blumberg, Grassau, Koßdorf, Saxdorf, Bönitz und Lönnewitz waren ursprünglich nach Altbelgern oder deren Filialkirchen eingepfarrt.<ref name="Kirche Mühlberg"/> Neben Mühlberg wohl der wichtigste Ort in der Region zwischen Elbe und Schwarzer Elster zu jener Zeit verlor Altbelgern aber bald an Bedeutung.<ref name="Lange1931"/>
Im 15. Jahrhundert wurden Dorf und Kirche durch die Hussiten zerstört.<ref name="Kirche Mühlberg"/> In der Folgezeit wieder aufgebaut, wurde der Ort im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges vollständig eingeäschert.<ref name="Lange1931"/> In den Jahren 1626 und 1633 grassierte außerdem die Pest im Ort.<ref name="Schumann 14"/> Kirche und Ort wurden wieder aufgebaut. Der Neubau der Kirche wurde vermutlich um 1656 vollendet, zunächst allerdings noch ohne Turm. Dessen Errichtung war erst im Jahre 1756 vollendet.<ref name="Lange1931"/><ref name="Schumann 14"/>
Altbelgern im 18. und 19. Jahrhundert[Bearbeiten]
In Altbelgern befand sich ein Lehnsgut. Besitzer und gleichzeitig auch Kirchenpatron war in der Mitte des 18. Jahrhunderts Friedrich Wilhelm von Brühl. Er hatte 1738 mit Hilfe seines Bruders dem später berühmt gewordenen kursächsischen Premierminister Heinrich von Brühl die Herrschaft Martinskirchen erworben.<ref name="Lange1931"/>
Die im Jahre 1803 erschienene Schrift Erdbeschreibung der churfürstlich- und herzoglich- sächsischen Lande des Schriftstellers und Ökonomen Friedrich Gottlob Leonhardi verzeichnet für Dorf und Rittergut Altbelgern in jenem Jahr 2 Hüfner, 2 Gärtner und 20 Häusler als ansässig. Schriftsässig soll der Ort im Jahre 1739 geworden sein. Zu Altbelgern gehörten des Weiteren das Vorwerk Langenrieth und das Dorf Brottewitz, mit welchen es zusammen 262 Einwohner besaß.<ref name="Leonhardi"/> Band 1 des im Jahre 1814 erschienenen Vollständigen Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikons von Sachsen von August Schumann übernahm diese Daten noch einmal.<ref name="Schumann"/> Der im Jahre 1827 erschienene Band 14 desselben Werkes verzeichnet dann allerdings, dass Altbelgern für sich allein 25 Häuser und 121 Einwohner besitzt.<ref name="Schumann 14"/>
Im Verlauf der Befreiungskriege zerstörte schließlich im Jahre 1813 abermals ein Brand einen Teil des Dorfes und die Altbelgerner Kirche.<ref name="Kirche Mühlberg"/><ref name="Lange1931"/> In Altbelgern einquartierte Kosaken hatten sich auf dem Pfarrhof ein offenes Feuer bereitet, dass außer Kontrolle geriet und schließlich eine Scheune in Brand setzte. Anschließend griff das Feuer auf die Kirche, das Pfarrhaus und weitere Gebäude über. Fünf Jahre später konnte 1817 die Kirche in ihrer heutigen Form wieder aufgebaut werden.<ref name="Kirche Mühlberg"/><ref name="Dehio"/><ref name="FV Altbelgern"/><ref name="Alte Kirchen"/><ref name="Lange1931"/>
Nach den Bestimmungen des Wiener Kongresses 1815 gelangte Altbelgern vom Königreich Sachsen zum Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen und es entstand 1816 der Kreis Liebenwerda, in dem ein großer Teil des Amtes Mühlberg, das Amt Liebenwerda sowie Teile des Amtes Großenhain aufgingen. Eine in der heimatkundlichen Schriftenreihe Schwarze Elster erschienene „Übersicht der Bevölkerung und des Viehstandes“ für das Jahr 1835 berichtete, dass Altbelgern zusammen mit dem Vorwerk Langenrieth zu jener Zeit 29 Wohnhäuser und 154 Einwohner besaß. An Nutzvieh waren hauptsächlich Schafe (350) und Rinder (116) vorhanden.<ref name="SE 596"/>
Jüngere Vergangenheit[Bearbeiten]
Altbelgern wurde schließlich ein Ortsteil der benachbarten Gemeinde Martinskirchen. Das Dorf gehörte wie Martinskirchen ab dem Jahre 1874 zum damals neugeschaffenen Amtsbezirk Fichtenberg des Kreises Liebenwerda, dessen Vorsteher damals der Martinskirchener Rittergutsbesitzer Stephann war. Im in jenem Jahr erschienen Amtsblatt der Regierung zu Merseburg wird Altbelgern allerdings noch als eigenständige Gemeinde verzeichnet. Das Vorwerk Langenrieth wird allerdings inzwischen als Bestandteil von Martinskirchen geführt.<ref name="AB 1874"/>
Zusammen mit Martinskirchen wurde Altbelgern am 31. August 2001 in die Stadt Mühlberg/Elbe eingemeindet.<ref name="HG"/>
Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
Bauwerke und Denkmäler[Bearbeiten]
Bei der heutigen Altbelgerner Kirche handelt es sich um einen verputzten Saalbau mit dreiseitigem Ostschluss aus dem Jahre 1817. Westlich des Kirchenschiffs schließt sich ein mit einem Zeltdach versehener quadratischer Turm an.<ref name="Dehio"/><ref name="Alte Kirchen"/> Das Innere der Kirche ist von einer flachen Putzdecke und einer Hufeisenempore geprägt. Auf der Empore befindet sich eine kleine Orgel, im Osten an der Nord- und Südseite zwei Patronatsstühle.<ref name="Alte Kirchen"/> Des Weiteren besitzt sie einen schlichten bauzeitlichen Kanzelaltar.<ref name="Dehio"/><ref name="Alte Kirchen"/> Das Bauwerk befindet sich inzwischen unter Denkmalschutz.<ref name="bldam Kirche"/>
Auf dem die Kirche umgebenden Friedhof ist des Weiteren ein Gedenkstein aus poliertem Granit mit Inschrift für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Dorfbewohner zu finden, der einst von deren Angehörigen gestiftet wurde.<ref name="Onlineprojekt Gefallenendenkmäler"/>
Ein weiteres historisches Bauwerk im Ort, das ebenfalls unter Denkmalschutz steht, ist die Altbelgerner Bockwindmühle. Die historische Bockwindmühle stammt aus dem Jahre 1834 und befindet sich seit fünf Generationen in Familienbesitz der Familie Nitzsche. In der Gegenwart dient das zum Teil funktionstüchtige technische Denkmal sporadisch als Schaumühle.<ref name="bldam Mühle"/><ref name="Woitzik"/>
Touristische Anbindung und Vereinsleben[Bearbeiten]
Touristisch angebunden ist Altbelgern unter anderem über den Elbe-Radweg.
Da die Altbelgerner Kirche inzwischen sanierungsbedürftig ist, wurde im April 2015 der Förderverein Kirche zu Altbelgern gegründet, der unter anderem das Ziel verfolgt notwendige Reparaturarbeiten anzuschieben und zu organisieren. Des Weiteren möchte man die Kirche mit kulturellen Veranstaltungen mehr in das öffentliche Leben einbinden und sie touristisch anbinden.<ref name="FV Altbelgern"/><ref name="Alte Kirchen"/>
Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]
- Aus dem Visitationsprotokoll der Kirche Altbelgern 1575. In: Die Schwarze Elster. Nr. 420, 1931.
- Lange: Altbelgern einst. In: Die Schwarze Elster. Nr. 424, 1931.
Weblinks[Bearbeiten]
- Der Ortsteil Martinskirchen mit Altbelgern auf der Homepage der Stadt Mühlberg/Elbe
- Die Bockwindmühle Altbelgern auf der Homepage der Stadt Mühlberg/Elbe
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="bldam Mühle">Datenbank des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, abgerufen am 27. September 2016.</ref>
<ref name="Woitzik">Manfred Woitzik: „Wer zuerst kommt - mahlt zuerst“ eine Kulturgeschichte der Mühlen im Landkreis Elbe-Elster. Hrsg.: Kulturamt des Landkreises Elbe-Elster. Herzberg, S. 127.</ref>
<ref name="bldam Kirche">Datenbank des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, abgerufen am 22. Oktober 2016.</ref>
<ref name="Lange1931">Lange: Altbelgern einst. In: Die Schwarze Elster. Nr. 424, 1931 (kostenlose heimatkundliche Beilage zum Liebenwerdaer Kreisblatt).</ref>
<ref name="Kirche Mühlberg">Die Altbelgerner Dorfkirche auf der Homepage des Evangelischen Pfarrbereichs Mühlberg/Elbe und Koßdorf, abgerufen am 2. November 2016</ref>
<ref name="Dehio">Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler – Brandenburg. 2. Auflage. 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 4.</ref>
<ref name="FV Altbelgern">Internetauftritt des Fördervereins Kirche zu Altbelgern, abgerufen am 27. November 2016</ref>
<ref name="Alte Kirchen">Die Altbelgerner Kirche auf www.altekirchen.de, abgerufen am 27. November 2016</ref>
<ref name="Onlineprojekt Gefallenendenkmäler">Onlineprojekt Gefallenendenkmäler, abgerufen am 2. November 2016</ref>
<ref name="SE 596">„Übersicht der Bevölkerung und des Viehstandes im Jahre 1835“ in „Die Schwarze Elster-Unsere Heimat in Wort und Bild“. Nr. 596. Bad Liebenwerda 1985, S. 8 bis 10.</ref>
<ref name="AB 1874">Amtsblatt der Regierung zu Merseburg: 1874. S. 13.</ref>
<ref name="HG">Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Elbe-Elster. S. 35</ref>
<ref name="Leonhardi">Friedrich Gottlob Leonhardi: Erdbeschreibung der churfürstlich- und herzoglich- sächsischen Lande. Band 2. Leipzig 1803.</ref>
<ref name="Schumann">August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen. Band 1. Zwickau 1814.</ref>
<ref name="Schumann 14">August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen. Band 14. Zwickau 1827.</ref>
</references>
Koordinaten: 51° 28′ 50,2″ N, 13° 11′ 38,3″ O
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