Amtsgericht Pinneberg
Das Amtsgericht Pinneberg ist ein deutsches Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit. Es ist eines von vier Amtsgerichten (AG) im Bezirk des Landgerichtes Itzehoe und eines von 22 Amtsgerichten in Schleswig-Holstein. Es hat etwa 130 Mitarbeiter.
Gerichtssitz und -bezirk[Bearbeiten]
Das Gericht hat seinen Sitz in der Stadt Pinneberg.<ref>§ 2 des Landesjustizgesetzes (LJG) vom 17. April 2018, GVOBl. 2018, 231, ber. 441.</ref>
Der Gerichtsbezirk umfasst das Gebiet der folgenden Gemeinden und Städte.<ref>II. Nr. 4 der Anlage 1 zu § 30 Abs. 1 LJG.</ref>
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Zudem gehören zum Gerichtsbezirk die gemeindefreien Küstengewässer um die Insel Helgoland,<ref>§ 30 Abs. 2 Nr. 1 LJG.</ref> während die übrigen Nordsee-Küstengewässer Schleswig-Holsteins dem Bezirk des Amtsgerichtes Husum zugelegt wurden.<ref>§ 30 Abs. 2 Nr. 2 LJG.</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Pinneberg hat eine weit zurückreichende Tradition als Gerichtsort. Noch heute befinden sich zwei von ursprünglich vier Schwursteinen auf der Thingstätte, der heutigen Dingstätte, vor dem Gebäude der Drostei. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Pinneberger „Göding“ im Jahr 1397, in der Freeseschen Landtafel von 1588 ist die Gerichtsstätte mit einem Schandpfahl, dem „Kaak“, gekennzeichnet.<ref>Hamburger Abendblatt Die Lösung des Schwurstein-Rätsels, 10. Oktober 2001.</ref>
Mit der Annexion Schleswig-Holsteins wurden 1867 in der nunmehr preußischen Provinz fünf Kreisgerichte und das übergeordnete Appellationsgericht Kiel eingerichtet.<ref>Verordnung vom 26. Juni 1867, Preußische Gesetzsammlung 1867, S. 1073 ff.</ref> Als Eingangsgerichte wurden Amtsgerichte geschaffen, darunter das Amtsgericht Pinneberg als eines von 13 Amtsgerichten des Kreisgerichtes Altona. Den Gerichtssprengel bildete die Haus- und Waldvogtei Pinneberg, ausgenommen Poppenbüttel und Hummelsbüttel.<ref>Verfügung vom 6. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in den Herzogthümern Schleswig und Holstein zu bildenden neuen Gerichte (JMBl. S. 213)</ref>
Mit dem Inkrafttreten des deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes am 1. Oktober 1879 wurden reichsweit einheitlich Amts-, Land- und Oberlandesgerichte geschaffen. Das Amtsgericht Pinneberg blieb bestehen und war nun dem Landgericht Kiel nachgeordnet.
Sein Gerichtsbezirk umfasste nun Kreis Pinneberg außer den Teilen, die den Amtsgerichten Altona, Blankenese, Elmshorn, Rantzau und Uetersen zugeordnet waren.<ref>Verordnung, betreffend die Bildung der Amtsgerichtsbezirke vom 5. Juli 1879, GS Nr. 30, S. 495, Digitalisat</ref> Am Gericht bestanden 1880 drei Richterstellen. Das Amtsgericht war damit ein größeres Amtsgericht im Landgerichtsbezirk.<ref>Carl Pfafferoth: Jahrbuch der deutschen Gerichtsverfassung. 1888, S. 441 online</ref>
Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 wurde das Amtsgericht Blankenese zu einem hamburgischen Amtsgericht und gab die preußisch gebliebene Gemeinde Schenefeld an das Amtsgericht Pinneberg ab.<ref name="rgbl_1937__312">Gesetz über die Gerichtsgliederung in Groß-Hamburg und anderen Gebietsteilen vom 16. März 1937, RGBl. I S. 312.</ref>
Im Jahre 1959 wurde in Garstedt eine Zweigstelle des Amtsgerichtes Pinneberg gebildet. Diese wurde 1962 als Amtsgericht Garstedt selbständig.
1970 wurde das Amtsgericht Schenefeld aufgehoben.<ref>§ 39 des Zweiten Gesetzes einer Neuordnung von Gemeinde- und Kreisgrenzen sowie Gerichtsbezirken vom 23. Dezember 1969, Gesetz- und Verordnungsblatt für Schleswig-Holstein S. 99.</ref> Heute besteht die Außenstelle Schenefeld des Amtsgerichtes Pinneberg unter der Adresse Osterbrooksweg 42 in Schenefeld.
Gerichtsgebäude[Bearbeiten]
Im Jahre 1855 erfolgte der Bau eines Amtsgerichtsgebäudes an der Dingstätte 25, 1908 wurde der Sitz des Amtsgerichtes an die heutige Adresse in der Bahnhofstrasse 17 verlegt. Das neo-barocke Gebäude wurde 1977 abgerissen und durch den heutigen Zweckbau ersetzt.<ref>pinneberg museum – Das Haus</ref>
Ende Mai 2021 musste der Westflügel des 1975 errichteten Gebäudes aufgrund massiver Bauschäden geräumt werden.<ref>Arne Kolarczyk: Amtsgericht hat Betonkrebs – Gebäude gesperrt. abendblatt.de, 29. Mai 2021, abgerufen am 27. September 2022.</ref> Die Tragfähigkeit der Fundamente ist durch eine Alkali-Kieselsäure-Reaktion (umgangssprachlich „Betonkrebs“) in Frage gestellt. Untersuchungen des Ostflügels ergaben, dass dieser zwar nicht einsturzgefährdet, aber eine Sanierung zwingend erforderlich ist, weil auch die Fundamente des Ostflügels von „Betonkrebs“ betroffen sind. Das Gerichtsgebäude ist daher für einen längerfristigen Zeitraum geräumt.<ref>Wolf Gehrmann: Betonkrebs: Teilgeräumtes Amtsgericht Pinneberg muss zwecks Sanierung des Gebäudes seine Tätigkeit vollständig an andere Standorte verlagern. Ministerium für Justiz, Europa und Verbraucherschutz, 8. August 2021, abgerufen am 27. September 2022.</ref>
Derzeit ist das Gericht daher ausschließlich in den beiden Außenstellen Osterbrooksweg 42 und 44 in Schenefeld sowie Pascalkehre 1 in Quickborn untergebracht.<ref>Erreichbarkeit. Anschriften des Amtsgerichts Pinneberg. Abgerufen am 25. September 2022.</ref>
Übergeordnete Gerichte[Bearbeiten]
Dem Amtsgericht Pinneberg übergeordnet ist das Landgericht Itzehoe.<ref>§ 31 Abs. 2, S. 2 Nr. 2 lit. d LJG.</ref> Zuständiges Oberlandesgericht ist das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht.
Siehe auch[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Internetpräsenz des Amtsgerichtes Pinneberg. Abgerufen am 25. September 2022.
- Übersicht der Rechtsprechung des Amtsgerichtes Pinneberg. Abgerufen am 25. September 2022.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
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Elmshorn | Itzehoe | Meldorf | Pinneberg
Ehemalige Amtsgerichte: Brunsbüttelkoog | Garstedt | Glückstadt | Kellinghusen | Krempe | Marne | Rantzau | Schenefeld | Uetersen | Wedel | Wilster
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Ahrensburg | Altona | Bargteheide | Blankenese | Elmshorn | Oldesloe | Pinneberg | Rantzau | Reinbek | Reinfeld | Trittau | Uetersen | Wandsbek
Koordinaten: 53° 39′ 28,4″ N, 9° 47′ 54,2″ O
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