Amtsgericht Runkel
Das Amtsgericht Runkel war ein von 1867 bis 1968 bestehendes Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit mit Sitz in der Stadt Runkel.
Geschichte[Bearbeiten]
Vorgeschichte[Bearbeiten]
Im Herzogtum Nassau wurde die Rechtsprechung in Zivilsachen erster Instanz durch die Ämter, hier also dem Amt Runkel, vorgenommen. Rechtsprechung und Verwaltung waren nicht getrennt.
Nach der Märzrevolution 1848 wurde die Verwaltung neu geordnet. Mit Gesetz vom 4. April 1849 wurden in Nassau Verwaltung und Rechtsprechung auf unterer Ebene getrennt. Die Reform trat zum 1. Juli 1849 in Kraft.<ref>Gesetz vom 4. April 1849 (VBl S. 87); Gesetz, die Vollziehung des Gesetzes über die Trennung der Rechtspflege von der Verwaltung in der unteren Instanz betreffend vom 31. Mai 1849, (VBl S. 409)</ref> Für die Verwaltung wurden 10 Kreisämter gebildet, die Ämter als Justizämter (also Gerichte der ersten Instanz) weitergeführt. Die Verwaltungsaufgaben des Amtes Runkel wurden vom Kreisamt Limburg wahrgenommen, die Rechtsprechung vom Justizamt Runkel. Die Reform wurde jedoch bereits am 1. Oktober 1854 wieder rückgängig gemacht, die Kreise wieder abgeschafft und die vorigen Ämter wiederhergestellt.<ref>Gesetz vom 24. Juli 1854 (Bvl. S. 160)</ref>
Richter waren in dieser Zeit:
- Cuntz (Justizamtsverwalter) 1849–1851
- Wilhelm Usener (1851 Justizamtsverwalter) 1851–1854
Amtsgericht[Bearbeiten]
Nach der Annektierung des Herzogtums Nassau durch den preußischen Staat erging im Juni 1867 eine königliche Verordnung, welche die bisherigen nassauischen Gerichtsbehörden, die teilweise auch administrative Funktionen ausübten, aufhob und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzte.<ref>Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094)</ref> Daraufhin ordnete das preußische Justizministerium zum 1. September 1867 die Errichtung eines Amtsgerichtes zu Runkel an<ref>Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden neuen Gerichte (JMBl. S. 218–220)</ref>, dessen Bezirk aus dem Amt Runkel gebildet wurde und somit aus der Stadt Runkel und den Dörfern Arfurt, Aumenau, Blessenbach, Ennerich, Eschenau, Falkenbach, Gaudernbach, Heckholzhausen, Hofen, Langhecke, Laubuseschbach, Münster, Obertiefenbach, Schadeck, Schupbach, Seelbach, Steeden, Villmar, Weyer, Wirbelau und Wolfenhausen.<ref>21. Herzoglich Nassauisches und Fürstlich Wiedisches Amt Runkel, mit der Gräflich Leiningen-Westerburgischen Herrschaft Schadeck. In: Staats- und Adreß-Handbuch des Herzogthums Nassau für das Jahr 1866. Stein, Wiesbaden, S. 153–156.</ref>
Gehörte dieses Gericht zunächst noch zum Bezirk des Kreisgerichtes Limburg, kam es aufgrund des Gerichtsverfassungsgesetz mit Wirkung zum 1. Oktober 1879 zum Wechsel in den Bezirk des neu errichteten Landgerichtes Limburg<ref>Reinhold Sydow: Verordnung, betreffend die Errichtung der Amtsgerichte vom 26. Juli 1878. PrGS 1878, S. 275–283. In: digital.staatsbibliothek-berlin.de. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, 26. Juli 1878, abgerufen am 6. Juli 2026.</ref>, der Bezirk des Amtsgerichtes selbst änderte sich jedoch nicht.<ref>Verordnung, betreffend die Bildung der Amtsgerichtsbezirke vom 5. Juli 1879 (PrGS 1879, S. 549)</ref> Mit Wirkung zum 1. Januar 1933 wurde aus dem Bezirk des Amtsgerichtes Hadamar die Gemeinde Niedertiefenbach zugewiesen.<ref>Zweite Verordnung über Änderungen in der Abgrenzung von Amtsgerichtsbezirken vom 24. November 1932 (PrGS 1932, S. 353)</ref> Am 1. Juli 1968 wurde das Amtsgericht Runkel aufgelöst und sein gesamter Bezirk dem Amtsgericht Weilburg zugelegt.<ref>Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 5 c) und Artikel 2, Abs. 7 a) (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 298 kB]).</ref>
Gerichtsgebäude[Bearbeiten]
Das Gericht befand sich an der Burgstraße 4 in Runkel. Der große Blankziegelbau wurde von 1883 bis 1887 nach dem Entwurf des königlichen Baurates Max Spinn errichtet und dient heute, nachdem es nach der Auflösung des Gerichtes zunächst einige Jahre von dem Filmleuchtenhersteller Otto Hedler genutzt wurde, als Rathaus der Stadt.<ref>Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Ehem. Amtsgericht. In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen.</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Historie des Kreises ( vom 4. November 2012 im Internet Archive)</ref>
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
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Braubach | Diez | Ems | Hadamar | Limburg | Montabaur | Nassau | Nastätten | Oberlahnstein | Runkel | Usingen | Wallmerod
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Dillenburg | Limburg a. d. Lahn | Weilburg | Wetzlar
Ehemalige Amtsgerichte: Bad Ems | Biedenkopf | Braunfels | Camberg | Diez | Ehringshausen | Gladenbach | Hachenburg | Hadamar | Herborn | Höhr-Grenzhausen | Marienberg im Westerwald | Montabaur | Nassau | Rennerod | Runkel | Selters | Wallmerod
Koordinaten: 50° 24′ 20,2″ N, 8° 9′ 17,1″ O
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- Erbaut in den 1880er Jahren
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