Zum Inhalt springen

Analytische Task Force

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:MUC Analytics Task Force 20260804 03.jpg
Analytische Task Force München im Einsatz, August 2026

Die Analytische Task Force (ATF) sind Spezialeinheiten zur Erkennung und Bekämpfung biologischer, chemischer oder radiologischer Gefahren in Deutschland, wobei der Schwerpunkt auf der chemischen Analytik liegt.<ref name="ATF-Trebbe">Roman Trebbe: Der zivile CBRN-Schutz des Bundes. (PDF) In: www.bbk.bund.de. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 5. Dezember 2022.@1@2Vorlage:Toter Link/www.bbk.bund.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive), Bevölkerungsschutz, Nr. 2 2008</ref> Diese Einheiten sind in der Regel bei Berufsfeuerwehren stationiert, die über große Erfahrung in der Bewältigung von CBRN-Einsätzen verfügen, und werden durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe materiell ausgestattet, koordiniert und ausgebildet.

Sie bilden die vierte und höchste Versorgungsstufe im Bevölkerungsschutz Deutschlands.<ref name="BBK-NL">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Newsletter 5/2006 (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive; PDF)</ref> Die ATF-Einheiten sind damit nicht nur eine Ergänzung regulärer Einheiten, sondern auch spezieller ABC-Dienste einschließlich der Schnelleinsatzgruppen Gefährliche Stoffe und Güter und ähnlicher Einrichtungen. Die ATF dient daher der Unterstützung bei schwersten CBRN-Einsätzen. Die Anforderungswege in den Ländern sind landestypisch gestaltet, laufen aber alle über das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum des Bundes und der Länder.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Infobroschüre/Flyer zur ATF (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive; PDF)</ref>

Eine ATF-Einheit besteht aus einem Einsatzleitwagen (ELW ATF), einem CBRN-Erkundungswagen sowie einem Gerätewagen Analytische Task Force (GW ATF). Eine Erweiterung des Fuhrparks ist derzeit beim BBK in Planung.<ref name="ATF-Trebbe" /><ref>Ergänzung des Katastrophenschutzes der Länder für Zwecke des Zivilschutzes. (PDF; 48 kB) Bezeichnungen (AZ.: III.6-569-00). In: www.bbk.bund.de. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. April 2016; abgerufen am 8. Juli 2024.</ref>

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 2002 wurde von den Ländern die „Neue Strategie zum Schutze der Bevölkerung in Deutschland“ auf den Weg gebracht, die die Einrichtung von Spezialeinheiten („Task Forces“), wie beispielsweise auch der Medizinischen Task Force (MTF) vorsieht.<ref>Schriftenreihe „WissenschaftsForum“ – Band 4: „Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Neue Strategie zum Schutze der Bevölkerung in Deutschland (Memento vom 6. Juli 2007 im Internet Archive)“, Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ), 2003</ref> An vier Pilotstandorten (Feuerwehr Hamburg, Feuerwehr Mannheim, Landeskriminalamt Berlin, Institut der Feuerwehr Sachsen-Anhalt) wurde in den Jahren 2002 bis 2006 die praktische Umsetzung erprobt.<ref name="ATF-Trebbe" /> Die Feuerwehren Dortmund, Köln und München kamen danach hinzu.

Mit Ende des Jahres 2013 stieg das Institut der Feuerwehr in Sachsen-Anhalt (Heyrothsberge) aus der ATF aus.<ref name="EndeHeyrothsberge">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Ende der Einsätze für Heyrothsberger Spezialisten (Memento vom 30. Dezember 2013 im Internet Archive), Volksstimme.de vom 29. Dezember 2013, abgerufen am 29. Dezember 2013</ref> Als Ersatz wurde im September 2014 die Feuerwehr Leipzig ausgewählt.<ref>ATF-Standort: Braunschweigs Bewerbung kommt nicht zum Zug, wird aber ausdrücklich gelobt. In: www.presse-service.de. Presse Service, 11. September 2014, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 8. Juli 2024.@1@2Vorlage:Toter Link/www.presse-service.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)</ref> Der Probebetrieb in Leipzig startete am 30. November 2016.<ref>Analytische Task Force Leipzig: Start des Probebetriebs. In: Website der Stadt Leipzig. Stadt Leipzig, 30. November 2016, abgerufen am 12. Dezember 2016.</ref>

Seit Ende 2018 ist die Analytische Task Force (ATF) Deutschland für Einsätze in Europa gemeldet. Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat hatte die ATF im Civil Protection Pool der Europäischen Union angemeldet.<ref>Analytische Task Force (ATF) Deutschland – In Europa aktiv. In: www.bbk.bund.de. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BB), 8. April 2020, abgerufen am 8. Dezember 2022.</ref>

Pilotprojekt ATF-B[Bearbeiten]

Ergänzend zur ATF (nun „ATF-CRN“ genannt), deren Schwerpunkt in der Detektion radioaktiver und chemischer Gefahrstoffe liegt, wurde im August 2012 ein Pilotprojekt zur Erweiterung des Einsatzspektrums auf biologische Agenzien gestartet. Als Pilotstandorte für die ATF-B wurden die Feuerwehr Essen (in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Essen) und das Landeskriminalamt Berlin (in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut) ausgesucht.

Die ATF-B soll zukünftig mobil molekularbiologische und immunobiologische Nachweisverfahren einsetzen können, um damit Einsatzleiter vor Ort beraten zu können.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Standorte für das Pilotprojekt Analytische Task-Force – Biologie (ATF-B) ausgewählt: Projekt kann beginnen (Memento vom 1. Januar 2014 im Internet Archive), Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe</ref>

Standorte[Bearbeiten]

Datei:Position der Analytischen Task Forces des Bundes.svg
Standorte der ATF

An insgesamt sieben Standorten in Deutschland werden aktuell ATF-Einheiten vorgehalten. Die Standorte wurden so ausgewählt, dass jeder Punkt in Deutschland innerhalb eines 200-km-Umkreises liegt und in zwei bis drei Stunden erreicht werden kann. Hier sind aktuell ATF-Einheiten stationiert<ref name="BBK-HP">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Die Analytische Task Force (ATF) des Bundes (Memento vom 30. Dezember 2013 im Internet Archive), http://www.bbk.bund.de, abgerufen am 29. Juli 2010</ref>:

Zusätzlich gibt es einen Standort für die ATF B (Biologische Gefahrenlagen) bei der Feuerwehr Essen.

Aufgaben[Bearbeiten]

Aufbauend auf den örtlichen CBRN-Abwehrstrukturen soll die ATF mit den Aufgabenbereichen

  • Detektion und Identifikation gefährlicher chemischer Substanzen und Substanzgemische,
  • Überwachung großer Areale mittels Fernerkundung,
  • Lokalisation und Identifikation luftgetragener Schadstoffe,
  • Situationsbewertung basierend auf Analyseergebnissen und toxikologischen Aspekten,
  • Einschätzung der Lageentwicklung und
  • Erarbeiten von Vorschlägen für Einsatzmaßnahmen (beispielsweise Warnung der Bevölkerung, Evakuierung, Dekontaminationsmaßnahmen)

unterstützend tätig werden.<ref name="BBK-NL" />

Einsätze[Bearbeiten]

Die ATF wird jährlich etwa 160 bis 180 Mal zu Einsätzen hinzugerufen,<ref name="BBK-HP" /> wobei das Spektrum der Unterstützungsleistung der ATF für die Örtliche Einsatzleitung von der telefonischen Beratung bis zum Ausrücken mit der ATF in voller Personalstärke reicht.

Erfahrungen konnte die ATF durch die Teilnahme an verschiedenen europäischen Katastrophenschutzübungen, unter anderem der EULUX 2007 in Luxemburg und der VAR 2008 in Frankreich sowie die im Jahr 2011 etablierte und im Zweijahresrhythmus stattfindende nationale Übung ATFEX gewinnen.

Neben internationalen Übungen wurden ATF-Einheiten bereits mehrfach präventiv bei Großereignissen wie der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, dem G8-Gipfel in Heiligendamm 2007, der Fußball-Europameisterschaft 2008, dem NATO-Doppelgipfel 2009 in Baden-Baden und Kehl, den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin und dem Papstbesuch in Deutschland 2011 eingesetzt.<ref name="BBK-HP" /><ref name="EndeHeyrothsberge" />

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Analytische Task Force (ATF) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />