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Andreas Lubitz

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Andreas Günter Lubitz (* 18. Dezember 1987 in Neuburg an der Donau; † 24. März 2015 bei Prads-Haute-Bléone, Frankreich) war ein deutscher Pilot. Als Co-Pilot eines Airbus A320 des Germanwings-Flugs 9525 brachte er das Flugzeug in den französischen Alpen absichtlich zum Absturz. Laut Abschlussbericht der französischen Untersuchungsbehörde BEA steuerte Lubitz das Flugzeug „durch eine bewusste und geplante Handlung“ gegen den Berg, wodurch alle 150 Personen an Bord zu Tode kamen.

Leben[Bearbeiten]

Lubitz wuchs bis zu seinem sechsten Lebensjahr in Neuburg an der Donau auf, wo er mit seinen Eltern bei seinem Großvater (mütterlicherseits) lebte.<ref>Kerstin Herrnkind: Die Tagebuch-Aufzeichnungen von Andreas Lubitz. In: Stern.de, 18. März 2016, abgerufen am 9. Juli 2016.</ref> Danach zog die Familie nach Montabaur.<ref>Andreas Lubitz: first picture of Germanwings co-pilot's father emerges. In: Telegraph, 7. April 2015</ref> Er besuchte dort das Mons-Tabor-Gymnasium, an dem er 2007 sein Abitur ablegte. Als 14-Jähriger wurde er Mitglied im örtlichen Segelflugverein LSC Westerwald und machte dort etwa zwei Jahre später seinen Segelflugschein.<ref>Der Amokflug. In: Der Spiegel, 14/2015 vom 28. März 2015, S. 20–27, hier S. 24 (online).</ref> Im Jahr 2008 begann Lubitz an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen eine Pilotenausbildung, die er 2009 für mehrere Monate unterbrach. Vor seiner weiteren Ausbildung zum Berufspiloten war er „über einen längeren Zeitraum mit vermerkter Suizidalität in psychotherapeutischer Behandlung“.<ref>Das Statement der Staatsanwaltschaft im Wortlaut. Andreas Lubitz. Berliner Morgenpost, 30. März 2015, abgerufen am 31. März 2015.</ref> Nach dem Ende der Ausbildung arbeitete Lubitz zunächst elf Monate als Flugbegleiter, ab September 2013 dann als Erster Offizier (Co-Pilot) bei der Lufthansa-Tochter Germanwings.<ref>„Sein Vater war immer so stolz“ Andreas L. wollte unbedingt Pilot werden. In: Focus Online. 27. März 2015, abgerufen am 30. März 2015.</ref> Er absolvierte etwa 630 Flugstunden auf dem Airbus A320,<ref>Kai Biermann, Frida Thurm: „Er war glücklich über den Job bei Germanwings“. Andreas Lubitz. In: Zeit Online. 26. März 2015, abgerufen am 29. März 2015.</ref> bevor er eine solche Maschine beim Germanwings-Flug 9525 zum Absturz brachte und mit allen Insassen zusammen starb.

Nachleben[Bearbeiten]

Für die bei dem Flugunfall Getöteten wurde am 17. April 2015 ein Trauergottesdienst mit anschließendem Staatsakt im Kölner Dom abgehalten. Mit einer für Lubitz entzündeten Kerze, eine von insgesamt 150, wurde dabei auch seiner gedacht.<ref>„Wir sind verbunden durch Trauer und Schmerz“. In: Zeit Online, 17. April 2015</ref><ref>Gottesdienst für Germanwings-Opfer: „Ein ganzes Land rückt zusammen“. In: Spiegel Online, 17. April 2015</ref> Am 27. Juni 2015 wurde seine Urne in Montabaur beigesetzt.<ref>Germanwings-Absturz: Jetzt wurde auch Todespilot Lubitz beigesetzt. In: B.Z., 29. Juni 2015</ref> Im Juli 2015 wurde beim Amtsgericht Montabaur das Insolvenzverfahren über den Nachlass von Lubitz eröffnet.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Insolvenzverfahren beim AG Montabaur. (Memento vom 11. Juli 2015 im Internet Archive) In: MSN</ref> Die Allianz-Versicherung meldete aufgrund der an Angehörige von verstorbenen Flugpassagieren geleisteten Zahlungen Forderungen von 7,5 Mio. Euro an.<ref>Germanwings-Katastrophe: Allianz fordert Millionensumme von Lubitz' Insolvenzverwalter. In: Süddeutsche Zeitung, 11. September 2015</ref>

Untersuchungen[Bearbeiten]

Der zuständige französische Staatsanwalt Brice Robin ging am 26. März 2015 nach der ersten Auswertung des Stimmenrekorders davon aus, Lubitz habe als Pilot Flying etwa zwei Minuten nach Erreichen der Reiseflughöhe einen kontrollierten Sinkflug eingeleitet. Er habe dem Flugkapitän nach einem kurzzeitigen Verlassen seines Postens den Wiedereintritt in das Cockpit durch die Verriegelung der gepanzerten Cockpittür verwehrt und auf Ansprachen der Flugsicherung nicht reagiert. Aus vom Stimmenrekorder aufgezeichneten Atemgeräuschen schloss die Staatsanwaltschaft, dass Lubitz bis zum Aufprall am Leben gewesen und in Anbetracht hörbarer Bedienungsgeräusche von Reglern handlungsfähig gewesen sei. Der Co-Pilot habe aus Gründen, die man noch nicht kenne, die sich aber als Wille zur Zerstörung des Flugzeugs auslegen ließen, so gehandelt.<ref name="FAZ">Christoph Schäfer: Was wir über den Absturz wissen – und was nicht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. März 2015, abgerufen am 29. März 2015.</ref><ref>Le copilote a eu la «volonté de détruire l’avion» de Germanwings. In: france24.com. 26. März 2015, abgerufen am 13. April 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Die seltsam schnelle Festlegung auf eine Wahrheit. In: Die Welt, 27. März 2015.</ref><ref>Pressekonferenz des Staatsanwalts Brice Robin in voller Länge auf BMFTV (französisch)</ref> Laut Jean-Pierre Michel, dem Chef einer französischen Ermittlerdelegation in Düsseldorf, sollte auch die Möglichkeit eines technischen Defekts untersucht werden, der zu diesem Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden konnte.<ref name="FAZ" />

Die französische Flugunfalluntersuchungsbehörde BEA erklärte am 3. April 2015, dass die erste Auswertung des Flugdatenschreibers die Untersuchungsergebnisse des Stimmenrekorders bestätige. Der Co-Pilot habe den Autopiloten genutzt, um das Flugzeug in einen Sinkflug auf eine Höhe von 100 Fuß (30 m) zu bringen. „Dann hat der Pilot während des Sinkflugs mehrfach die Einstellungen des Autopiloten geändert, um die Geschwindigkeit des sinkenden Flugzeugs zu erhöhen.“<ref>Zweite Blackbox bestätigt Absturzabsicht des Co-Piloten. In: Spiegel Online. 3. April 2015, abgerufen am 3. April 2015.</ref>

Bei der Polizei Düsseldorf wurde eine Sonderkommission gebildet, um in Deutschland die Lebensumstände von Lubitz zu ermitteln. Bei einer Durchsuchung seiner Düsseldorfer Wohnung wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft Düsseldorf „zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen“ gefunden. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf nimmt daher an, Lubitz habe eine Erkrankung gegenüber dem Arbeitgeber verheimlicht.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Presseerklärung II (Memento vom 2. April 2015 im Internet Archive) der Staatsanwaltschaft Düsseldorf zum gegenwärtigen Stand der Ermittlungsergebnisse vom 27. März 2015</ref> Bereits 2009 hatte er als Flugschüler seinen Arbeitgeber Lufthansa per E-Mail über eine depressive Vorerkrankung informiert. Nach Angaben der Lufthansa habe er der Verkehrsfliegerschule medizinische Unterlagen übermittelt und dabei eine vorangegangene „schwere depressive Episode“ als „abgeklungen“ bezeichnet.<ref>Kopilot hatte Lufthansa über Depression informiert. In: FAZ, 31. März 2015</ref><ref name="Sueddeutsche">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Lufthansa wusste von schwerer Depression des Copiloten (Memento vom 2. April 2015 im Internet Archive)</ref> Die US-Luftfahrtbehörde (FAA) war im Jahr 2010 ebenfalls über eine depressive Erkrankung Lubitz’ informiert und erteilte die US-Pilotenlizenz erst nach einer schriftlichen Erklärung des behandelnden Arztes.<ref>Germanwings-Absturz: US-Behörden wussten von Depression des Co-Piloten. In: Spiegel online, 30. April 2015</ref>

Im April 2015 teilte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf mit, dass mit dem Tablet-PC von Lubitz im Internet nach Informationen zur Sicherung von Cockpittüren und über Selbsttötung gesucht worden sei;<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Germanwings-Absturz: Co-Pilot informierte sich im Netz über Suizid.] In: spiegel.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 2. April 2015.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> im Juni ergänzten die französischen Untersuchungsbehörden, dass er auch nach Zyankali, Valium und tödlichen Medikamenten-Cocktails gesucht habe.<ref name="Zeit Juni 2015">Germanwings-Absturz: Staatsanwalt stuft Copilot Lubitz als fluguntauglich ein. In: Die Zeit Online. 12. Juni 2015, abgerufen am 18. Juni 2015.</ref> Aufgrund von Sehstörungen und der Furcht zu erblinden hatte Lubitz in den fünf Jahren vor dem Absturz insgesamt 41 Ärzte aufgesucht, 7 innerhalb des letzten Monats. Einige Ärzte diagnostizierten ihn als labil und nicht flugtauglich oder stellten Angststörungen fest. Weitergegeben wurden entsprechende Informationen aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht nicht.<ref name="Zeit Juni 2015" />

Die französische Untersuchungsbehörde BEA veröffentlichte ihren Abschlussbericht im März 2016<ref name="BEA_2016-02-29">Publication of the final report on the accident to the Airbus A320-211, registered D-AIPX and operated by Germanwings, on 03/24/15 at Prads-Haute-Bléone. In: bea.aero. BEA, 29. Februar 2016, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 13. April 2020: „(02/29/16) The BEA will release the final investigation report Sunday, March 13, 2016 at 11H AM during a press briefing.“</ref><ref>Accident to the Airbus A320-211, registered D-AIPX and operated by Germanwings, flight GWI18G, on 03/24/15 at Prads-Haute-Bléone. Safety investigations. BEA, 13. März 2016, abgerufen am 13. Juli 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und bestätigte die Theorie des Zwischenberichts, nach der Lubitz sich im Cockpit eingeschlossen und das Flugzeug bewusst und absichtlich zum Absturz gebracht habe. Er habe zum Zeitpunkt des Absturzes Antidepressiva eingenommen und unter einem psychotischen Schub gelitten. Ein Arzt hatte zwei Wochen vor dem Absturz eine mögliche Psychose bei Lubitz diagnostiziert und eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik empfohlen.<ref name="tagesschau-Abschlussbericht">Bericht zum Germanwings-Absturz: Ermittler für strengere Kontrolle von Piloten. In: tagesschau.de. 13. März 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. Januar 2017; abgerufen am 13. März 2016.</ref>

Zum zweiten Jahrestag des Ereignisses im März 2017 präsentierte der Journalist Tim van Beveren in einer Pressekonferenz unter Beteiligung des Vaters von Lubitz die Ergebnisse eigener Ermittlungen, wonach der Co-Pilot den Absturz nicht absichtlich herbeigeführt haben soll. So sei „durchaus in Betracht zu ziehen“, dass Andreas Lubitz durch „kontaminierte Kabinenluft“ gesundheitlich beeinträchtigt gewesen sei, was „psychische Veränderungen, bis hin zu einem kognitiven Totalausfall“ verursacht haben könne.<ref>Lubitz-Gutachter spekuliert über verunreinigte Kabinenluft. In: FAZ. 3. Mai 2017, abgerufen am 13. Mai 2017.</ref> Möglich seien auch Turbulenzen oder technische Defekte gewesen.<ref>Petra Sorge: Oder waren es Turbulenzen? In: Die Zeit. 24. März 2017, abgerufen am 25. März 2017.</ref> Die zuständige Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wies diese Ausführungen umgehend zurück.<ref>Nach Faktencheck bleibt wenig von Lubitz-Gutachten übrig. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 24. März 2017, abgerufen am 25. März 2017.</ref> Das abgeschlossene Verfahren habe „eine klare Verantwortlichkeit von Andreas Lubitz als Schuldigen“ belegt.<ref>Dirk Banse, Michael Behrendt, Per Hinrichs, Ibrahim Naber: Lubitz’ Verschwörungstheorien. „Andreas war lebensbejahend und verantwortungsvoll“. In: Die Welt. 24. März 2017, abgerufen am 25. März 2017.</ref> Auch die französischen Ermittlungsbehörden bekräftigten, der Co-Pilot habe das Flugzeug gezielt zum Absturz gebracht.<ref>Reinhard Kowalewsky, Rena Lehmann: Günter Lubitz gegen den Rest der Welt. In: Rheinische Post. 25. März 2017, abgerufen am 25. März 2017.</ref> Bundesregierung und Bundesverkehrsministerium erklärten, es bestünden keine Zweifel an den Ermittlungsergebnissen. Die deutsche BFU und die französische BEA wiesen die erhobenen Vorwürfe ebenfalls zurück. Opfer-Vertreter bezeichneten die Pressekonferenz als „Affront“ und „geschmacklos“.<ref>Zwei Jahre nach Germanwings-Absturz. Neues Gutachten verärgert Hinterbliebene. In: Focus. 24. März 2017, abgerufen am 25. März 2017.</ref> Anfang Mai 2017 veröffentlichte die Familie von Andreas Lubitz das umstrittene Gutachten van Beverens in Auszügen im Internet,<ref>Lubitz-Gutachter spekuliert über verunreinigte Kabinenluft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 3. Mai 2017, abgerufen am 7. Mai 2017.</ref><ref>Tim van Beveren: Gutachten zum Germanwings Absturz 4U9525 (Auszug, PDF). 30. März 2017, abgerufen am 4. Mai 2018.</ref> im April 2018 wurde das Gutachten dann in Gänze veröffentlicht.<ref>Tim van Beveren: Gutachten zum Germanwings Absturz 4U9525 (komplett). 18. April 2018, abgerufen am 4. Mai 2018.</ref>

In einem Brief vom Februar 2018 an die Lufthansa-Konzernführung forderten Angehörige der Opfer von der Lufthansa eine juristische und finanzielle Übernahme der Verantwortung für die Tat ihres Piloten.<ref>Massenmörder Lubitz: Angehörige der Opfer erhöhen Druck auf Lufthansa. In: AustrianWings.info, 5. Februar 2018, abgerufen am 3. Mai 2023.</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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