Anselm Lenz
Anselm Lenz (geboren 1980 in Hamburg<ref>Corona-Leugner Anselm Lenz in Berlin verurteilt t-Online vom 6. April 2022. Abgerufen am 27. Juni 2022.</ref>) ist ein deutscher Dramaturg. Lenz ist Mitorganisator von Protesten gegen staatliche Coronaschutzmaßnahmen und verbreitet Falschinformationen und Verschwörungstheorien zur COVID-19-Pandemie.
Wirken[Bearbeiten]
Anselm Lenz produzierte gemeinsam mit Sarah Drath von 2010 bis 2012 das Filmspiel Taxi Altona,<ref>Filmvorführung: "Taxi Altona" mit Gespräch und Abschlußfest. Abgerufen am 16. April 2018.</ref> bei dem neun Personen in vier Taxis eine Nacht durch die Stadt fuhren.<ref>„Auf die Straßen dieser Stadt“, taz vom 28. November 2012.</ref> Er war Gründungsmitglied der Bar Golem am Hamburger Fischmarkt, für die er wöchentlich den literarischen Newsletter Golem Cogitationes verfasste.<ref>FALL: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Anselm Lenz ( vom 7. Mai 2016 im Internet Archive), abgerufen am 7. Mai 2016.</ref>
2013 gab Lenz mit Alvaro Rodrigo Piña Otey, dem Wirt der Kneipe Golem, das Buch Das Ende der Enthaltsamkeit heraus, das der Spiegel als qualitativ sehr unterschiedlich beurteilte.<ref>Tobias Becker, Im sakralen Bereich der Bier-Magie, Spiegel Online vom 25. Februar 2013.</ref>
2014 gründete er mit Alix Faßmann und Jörg Petzold in Neukölln den 2017 aufgelösten Verein Haus Bartleby.<ref>Contraste, Die Monatszeitung für Selbstorganisation: Karriereverweigerungszentrum Haus Bartleby, abgerufen am 7. Mai 2016.</ref> Dieses Projekt wurde in der taz als ein Versuch gewertet, mit der Behauptung der Karriereverweigerung eine kleine Karriere im Radical-Chic-Segment des subventionierten Kulturbetriebs zu machen.<ref name="taz_Mai_2020">Peter Laudenbach, Aluhüte am Rosa-Luxemburg-Platz, taz vom 7. Mai 2020.</ref> 2016 organisierte er mit dem Haus Bartleby in Kooperation mit dem brut Wien, dem Club of Rome, dem Wiener Passagen Verlag und Hendrik Sodenkamp in Wien das freie Theaterprojekt Das Kapitalismustribunal.<ref>Haus Bartleby: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Das Kapitalismustribunal ( vom 7. Mai 2016 im Internet Archive)</ref> Als Journalist schrieb Lenz unter anderem für die taz.<ref name="taz_Mai_2020" /><ref>Artikel von Anselm Lenz. In: Die Tageszeitung. Abgerufen am 21. Oktober 2022.</ref>
Verschwörungstheorien während der COVID-19-Pandemie[Bearbeiten]
Während der COVID-19-Pandemie in Deutschland organisierte Lenz 2020 zusammen mit Hendrik Sodenkamp und einer Person namens Batseba N’Diaye, die nach Recherchen der taz vermutlich nicht existiert,<ref>Erik Peter: Verschwörungsideologe Anselm Lenz: Das perfekte Alibi. In: Die Tageszeitung: taz. 3. April 2021, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 3. April 2021]).</ref> die sogenannten Hygienedemos auf dem Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin. Diese würden, so Erik Peter in einem taz-Artikel, von einer „Szene der Verschwörungstheoretiker“ besucht.<ref>Erik Peter: Corona und Verschwörungstheoretiker: Mit Grundgesetz gegen den Verstand. In: Die Tageszeitung: taz. 31. März 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 26. April 2020]).</ref> Die Journalisten Julius Betschka und Christoph Kluge bezeichneten diese Veranstaltungen im Tagesspiegel als Querfrontdemonstration.<ref>Das steckt hinter der Querfrontdemonstration in Berlin, Der Tagesspiegel, 18. April 2020</ref> Das Haus Bartleby und der Chef der Berliner Volksbühne Klaus Dörr distanzierten sich nach Beginn der Demonstrationen von Lenz.<ref>Julius Betschka: Linker Gegenprotest gegen „Hygiene-Demonstration“ in Berlin. Coronavirus und Verschwörungstheorien. Der Tagesspiegel, 24. April 2020, abgerufen am 30. April 2020.</ref><ref name="ts-25793934">Christoph Kluge: Verschwörungstheorien zum Coronavirus – und ein Streit um Bill Gates. „Hygienedemo“ am 1. Mai. Tagesspiegel.de, 1. Mai 2020, abgerufen am 1. Mai 2020.</ref> Peter Laudenbach von der taz schrieb: „Früher tat er als Kulturbetriebs-Selbstvermarkter so, als sei er politischer Aktivist. Heute ist er beim Gegenteil angekommen: Er wäre gern ein Teil einer von ihm imaginierten Volksbühne und macht sich zum nützlichen Idioten der Rechtsradikalen, die seine Demonstration besuchen.“<ref>Peter Laudenbach: Selbstvermarkter Anselm Lenz: Aluhüte am Rosa-Luxemburg-Platz. In: taz. 7. Mai 2020, abgerufen am 8. Mai 2020.</ref> Auf Demonstrationen am 1. Mai und 29. August 2020 wurde Lenz von der Polizei abgeführt bzw. kurzzeitig festgenommen.<ref name="brWiderstand">Bernd Oswald: #Faktenfuchs: Wie der Begriff "Widerstand" zweckentfremdet wird. Bayerischer Rundfunk, 27. Juni 2020, abgerufen am 15. August 2020.</ref><ref name="welt-">dpa/epd/gub/jr/sebe/lep/mre/cwu: Corona-Demo Berlin: 300-400 Menschen besetzten Reichstagstreppe. In: welt.de. 30. August 2020, abgerufen am 30. August 2020.</ref> Im Oktober 2021 begann in Berlin der Strafprozess gegen Lenz. Die Staatsanwaltschaft warf ihm unter anderem Aufforderung zu Straftaten und Körperverletzung vor.<ref>Straftaten bei Corona-Protest? Mitorganisator vor Gericht. 20. Oktober 2021, abgerufen am 20. Oktober 2021.</ref>
Lenz ist Autor des Blogs Rubikon und Mitherausgeber der neurechten<ref>Sandra Demmelhuber: Fall Michael Meyen sorgt weiter für Unruhe in der LMU | BR24. In: br.de. 14. April 2023, abgerufen am 13. März 2024.</ref> Querdenkerzeitung Demokratischer Widerstand, die auf Demonstrationen gegen die staatlichen Coronaschutzmaßnahmen verteilt wurde<ref>Joana Lehner: Sicherheitsbehörden warnen vor russischer Propaganda in der Corona-Krise – sehen aber keinen direkten Einfluss auf jüngste Demos. businessinsider.de, 5. August 2020, abgerufen am 15. August 2020.</ref><ref>Sebastian Engelbrecht: Händewaschen ist keine Bürgerpflicht. Deutschlandfunk Kultur, 5. Juni 2020, abgerufen am 15. August 2020.</ref>, deren Erscheinen Ende September 2025 aber vorläufig eingestellt wurde und mit einer Abokampagne erneut ermöglicht werden soll. Im Nachgang der Demonstration „Das Ende der Pandemie – Tag der Freiheit“, an der nach Medien- und Polizeiangaben etwa 20.000 Menschen teilnahmen, verbreitete die Zeitung eine Teilnehmerzahl von 1,3 Millionen. Auf der Website der Zeitung wurde daraufhin eine „lügnerische Berichterstattung der gleichgeschalteten System- und Konzernpresse“ behauptet.<ref>Cornelie Barthelme: Wer hinter der Anti-Covid-Demo in Deutschland steht. Der IT-Unternehmer Michael Ballweg sieht in Berlin eine "Diktatur" am Werk. DerStandard.de, 3. August 2020, abgerufen am 15. August 2020.</ref>
Lenz versteht die Corona-Regelungen als „größten und umfassendsten Angriff auf das Menschenrecht seit 1945“ und sieht einen „Angriff auf unsere Verfassung“. Bei seiner Festnahme am 1. Mai 2020 berief er sich auf den Artikel 20 Absatz 4 des Grundgesetzes. Der Politikwissenschaftler Florian Hartleb sieht in der Berufung auf diesen Grundgesetzartikel eine Zweckentfremdung. Der Widerstand von Lenz richte sich „gegen die staatliche Souveränität“, so Hartleb.<ref name="brWiderstand" />
In einem Interview mit Ken Jebsen äußerte Lenz, die Pandemie mache offenbar, dass sich der Staat „mit Pharma- und Digitalkonzernen verbündet [habe], um die Demokratie abzuschaffen“. Mit der Coronakrise sei der „Zusammensturz des Finanzmarktkapitalismus, wie wir ihn kannten“ verbunden.<ref name="ts-25793934" />
Im Deutschlandfunk sprach Lenz am 8. August 2020 unter anderen Punkten von einer „fanatische[n] Überzeichnung der Gefährlichkeit des Virus“. Das Virus sei „nicht außergewöhnlich gefährlich“. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes lehnte Lenz ab, Masken seien „nachgewiesenermaßen vollkommen nutzlos […] und sogar schädlich […]“. Das Virus würde „quasi durch diese Maske hindurchflieg[en] wie ein Fußball durch ein Scheunentor“.<ref>Hitzige Debatte über Corona-Maßnahmen. Deutschlandfunk, 9. August 2020, abgerufen am 15. August 2020.</ref><ref>Deutschlandradio - Mediathek. Abgerufen am 29. März 2021.</ref>
Im Deutschlandfunk gab es vier Stunden nach dem Interview den Beitrag Corona und die Demonstrationen – Einordnung des Interviews mit Anselm Lenz, in dem Christine Sartori Äußerungen von Lenz zur Gefährlichkeit der Erkrankungen und zum Schutz durch Masken kommentierte.<ref>Corona und die Demonstrationen – Einordnung des Interviews mit Anselm Lenz, Interview mit Christina Sartori, 6:06 Minuten, Deutschlandfunk vom 8. August 2020</ref> In Übermedien kritisierte Jürn Kruse das Interview mit Lenz hinsichtlich der Gesprächsführung von Rainer Brandes. Interviews seien „das falsche Werkzeug“ für die Darstellung der Auseinandersetzung mit „Verschwörungsideologen und ihren Erzählungen“.<ref>Oder soll man es lassen? Ja. In: Übermedien. 12. August 2020, abgerufen am 29. März 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Trotzdem ist es natürlich richtig, sich mit Verschwörungsideologen und ihren Erzählungen auseinandersetzen. Privat wie auch im Journalismus. Das Interview ist als Darstellungsform dafür aber gänzlich ungeeignet, es ist das falsche Werkzeug. Es ist das Sieb, das man mit an den Strand nimmt, um Wasser zu schöpfen.“</ref>
Bei einer Demonstration gegen staatliche Coronaschutzmaßnahmen im August 2020 trat Lenz als Redner auf. Er forderte eine Revolution und bezeichnete die Regierung als „faschistoid“ und die Parteien als „völlig fertig“.<ref>Konrad Litschko, Mitsuo Iwamoto: Abstand? Fehlanzeige. Demonstration gegen Corona-Regeln. taz.de, 30. August 2020, abgerufen am 1. September 2020.</ref>
Verurteilungen[Bearbeiten]
Im April 2022 wurde gegen Lenz wegen übler Nachrede zulasten von Jens Spahn vom Amtsgericht Berlin-Tiergarten ein Strafbefehl in Höhe von 4800 Euro (120 Tagessätze zu 40 Euro) erlassen.<ref>Corona-Leugner Anselm Lenz in Berlin verurteilt t-online vom 6. April 2022. Abgerufen am 10. Juli 2022</ref> Lenz legte dagegen erfolglos Einspruch ein und wurde am 7. November 2022 zu einer Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro (90 Tagessätze zu je 50 Euro) verurteilt.<ref>Spahn als „kokainsüchtig“ bezeichnet: Corona-Kritiker in Berlin verurteilt. 7. November 2022, abgerufen am 7. November 2022.</ref>
Publikationen als Herausgeber[Bearbeiten]
- (Hrsg.), gemeinsam mit Alvaro Rodrigo Piña Otey: Das Ende der Enthaltsamkeit. Über Bars, Cocktails, Selbstermächtigung und die Schönheit des Niedergangs. Hamburg: Edition Nautilus 2013, 272 Seiten. ISBN 978-3-89401-774-3.
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Anselm Lenz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lenz, Anselm |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Dramaturg |
| GEBURTSDATUM | 1980 |
| GEBURTSORT | Hamburg |