Apateon
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| Apateon | ||||||||||
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| Datei:Apateon pedestris 2.jpg
Fossilien von Apateon pedestris, im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main | ||||||||||
| Zeitliches Auftreten | ||||||||||
| Gzhelium bis Sakmarium (Oberkarbon bis Unterperm) | ||||||||||
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| Fundorte | ||||||||||
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| Systematik | ||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||
| Apateon | ||||||||||
| Meyer, 1844 | ||||||||||
| Arten | ||||||||||
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Apateon ist eine artenreiche Gattung der Temnospondylen, die im Oberkarbon und Unterperm von Mitteleuropa gefunden wird.<ref>Schoch, R.R. & Milner, A.R. (2008): The intrarelationships and evolutionary history of the temnospondyl family Branchiosauridae. Journal of Systematic Palaeontology, 6: 409-431.</ref> In vielen unterpermischen Fundstellen sind diese Branchiosauriden die häufigsten Wirbeltiere.<ref>Werneburg, R. (2002): Apateon dracyiensis – eine frühe Pionierform der Branchiosaurier aus dem europäischen Rotliegend. Teil 2: Paläoökologie. – Veröffentlichungen des Naturhistorischen Museums Schleusingen 17: 17-32.</ref>
Beschreibung[Bearbeiten]
Apateon war ein 5–12 cm langer, molchähnlicher Temnospondyle mit einem schwach verknöcherten Skelett und breitem, kurzem Schädel. Trotz der Ähnlichkeit zu heutigen Salamandern war der Schädel geschlossen. Allerdings waren die Augenöffnungen riesig, und die sie umrandenden Knochen stark reduziert (Präfrontale, Postfrontale, Postorbitale, Jugale). Auf der Gaumenseite befanden sich große Öffnungen, die Zähne waren klein und stiftförmig. In der Wirbelsäule waren meist nur die Neuralbögen verknöchert, und die Hand- und Fußwurzel blieben knorpelig. Aus erhaltenen Hautschatten weiß man, dass der Schwanz seitlich abgeflacht und sehr lang war. Der Körper war rundum mit rundlichen Knochenschüppchen bedeckt.<ref>Boy, J.A. (1972): Die Branchiosaurier (Amphibia) des saarpfalzischen Rotliegenden (Perm, SW-Deutschland). Abhandlungen des hessischen Landesamtes für Bodenforschung 65: 1-137.</ref>
Fossilerhaltung[Bearbeiten]
In feinkörnigen Fundschichten blieben bei Apateon häufig Reste der äußeren Kiemen erhalten, die meist wie bei Salamanderlarven büschelförmig gebaut waren.<ref>Witzmann, F. (2004): The external gills of Palaeozoic amphibians. Neues Jahrbuch für Geologie und Apaläontologie Abhandlungen 232: 375–401</ref> Auch Hautschatten sind häufig erhalten, mitunter sogar mit Farbmustern.<ref>Werneburg, R. (2007): Timeless design: colored pattern of skin in Early Permian branchiosaurid (Temnospondyli: Dissorophoidea). Journal of Vertebrate Paleontology 27: 1047-1050.</ref>
Lebensweise[Bearbeiten]
Die meisten Branchiosauriden lebten zeitlebens in stehenden oder fließenden Gewässern, wo sie mit ihren differenzierten Kiemendentikeln Kleinstlebewesen filterten.<ref>Boy, J.A. (1987): Studien über die Branchiosauridae (Amphibia: Temnospondyli; Ober-Karbon-Unter-Perm) 2. Systematische Übersicht. Neues Jahrbuch für Geologie und Palaontologie Abhandlungen 174: 75-104.</ref> Histologische Befunde zeigen, dass manche Arten von Apateon im larvalen Zustand geschlechtsreif wurden (Neotenie).<ref>Sanchez, S., A. de Ricqles, R. R. Schoch & J. S. Steyer (2010): Developmental plasticity of limb bone microstructural organization in Apateon: histological evidence of paedomorphic conditions in branchiosaurs. Evolution and Development 12: 315-328.</ref> Dies war seit langem aufgrund ihrer zahlreichen larvalen Merkmale vermutet worden.<ref>Boy, J.A. (1971): Zur Problematik der Branchiosaurier (Amphibia, Karbon-Perm). Paläontologische Zeitschrift 45: 107-119.</ref> Umgewandelte Exemplare wurden bisher nur von einer einzigen Art beschrieben, Apateon gracilis aus Niederhäslich.<ref>Werneburg, R. (1991): Die Branchiosaurier aus dem Unterrotliegend des Döhlener Beckens bei Dresden. Veröffentlichungen des Naturhistorischen Museums Schleusingen 6: 75-99.</ref> Aus diesem Befund ließ sich die Metamorphose dieser fast 300 Mio. Jahre alten Temnospondylen rekonstruieren.<ref>Schoch, R. R. & N. B. Fröbisch (2006): Metamorphosis and neoteny: alternative developmental pathways in an extinct amphibian clade. Evolution 60: 1467-1475.</ref>
Historisches[Bearbeiten]
Hermann von Meyer benannte 1844 ein winziges, unscheinbares Skelett als Apateon pedestris (griech. „Betrüger mit Beinen“) – zu dieser Zeit waren Landwirbeltiere aus solch alten Schichten noch nicht bekannt. Antonin Fritsch und Hermann Credner berichteten dann erst in den 1880er Jahren über massenhafte Funde von Branchiosauriden aus Nýřany (Böhmen) und Niederhäslich (Sachsen). Branchiosauriden wurden lange Zeit als Larven größerer Temnospondylen gedeutet, wie z. B. Sclerocephalus, Onchiodon oder Eryops.<ref>Romer, A.S. (1939): Notes on branchiosaurs. American Journal of Science 237: 748-761.</ref> Erst Jürgen Boy (Universität Mainz) gelang der Nachweis, dass es sich um eine eigene Gruppe larval aussehender Temnospondylen handelt, die näher mit Dissorophoiden als Eryopiformes verwandt waren.<ref>Boy, J.A. (1972): Die Branchiosaurier (Amphibia) des saarpfälzischen Rotliegenden (Perm, SW-Deutschland). Abhandlungen des hessischen Landes-Amtes für Bodenforschung 65: 1-137.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Hermann von Meyer, 1844: Briefliche Mittheilung an Prof. Bronn gerichtet. Neues Jahrbuch für Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde 1844: 329-340.
- Hermann von Meyer, 1848: Apateon pedestris aus der Steinkohlenformation von Münsterappel. – Palaeontographica 1: 153-154.
- Jürgen Boy, 1972: Die Branchiosaurier (Amphibia) des saarpfalzischen Rotliegenden (Perm, SW-Deutschland). Abhandlungen des hessischen Landes-Amtes für Bodenforschung 65: 1-137.
- Jürgen Boy, 1987: Studien über die Branchiosauridae (Amphibia: Temnospondyli; Ober-Karbon-Unter-Perm) 2. Systematische Übersicht. Neues Jahrbuch für Geologie und Palaontologie Abhandlungen 174: 75-104.
- Rainer Schoch, 1992: Comparative ontogeny of Early Permian branchiosaurid amphibians from Southwestern Germany. Developmental stages. Palaeontographica A 222: 43-83.
- Ralf Werneburg, 1991: Die Branchiosaurier aus dem Unterrotliegend des Döhlener Beckens bei Dresden. Veröffentlichungen des Naturhistorischen Museums Schleusingen 6: 75-99.
- Rainer Schoch und Andrew Milner, 2014: Temnospondyli. In: Sues, H.D. (Hrsg.): Encyclopedia of Paleoherpetology, Band 3A2. Pfeil: München.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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