Aramayoit
| Aramayoit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Ary<ref name="Warr" /> |
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfide und Sulfosalze |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
II/B.12 II/C.16-020<ref name="Lapis" /> 2.HA.25<ref name="IMA-Liste-2009" /> 03.07.04.01<ref name="Dana-1997" /> |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | triklin |
| Kristallklasse; Symbol | triklin-pinakoidal; 1<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | P1 (Nr. 2)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 7,76 Å; b = 8,85 Å; c = 8,23 Å α = 100,2°; β = 90,7°; γ = 103,8°<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 6<ref name="StrunzNickel" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2,5<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 5,602; berechnet: 5,88<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {010}, deutlich {100}, undeutlich {001}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Bruch; Tenazität | dünne Flocken biegsam, aber nicht elastisch<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | eisenschwarz, an dünnen Kanten tiefblutrot<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Strichfarbe | schwarz bis rotbraun<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Transparenz | undurchsichtig, nahezu opak<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Glanz | starker Metallglanz<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
Aramayoit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung Ag3Sb2(Bi,Sb)S6<ref name="IMA-Liste" /> und besteht entsprechend aus Silber, Antimon, Bismut und Schwefel im Stoffmengenverhältnis von 3 : 2 : 1 : 6. Da bei natürlichen Aramayoiten meist ein geringer Anteil des Bismuts durch Antimon vertreten (substituiert) ist, wird dies mit runden Klammern um die beiden Elemente markiert. Zusammen stehen diese jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. Strukturell gehört Aramayoit zu den Sulfosalzen.
Aramayoit kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt bis zu einem Zentimeter große, silbermetallisch glänzende, aber ansonsten eisenschwarze, dünntafelige und entlang {100} und {001} gestreifte Kristalle. Diese sind zwar nahezu opak, können aber an dünnen Kanten dunkelblutrot durchscheinen. Die Strichfarbe ist schwarz bis rotbraun.
Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]
Erstmals entdeckt wurde Aramayoit 1925 in der „Animas Mine“ bei Atocha-Quechisla im bolivianischen Departamento Potosí und ein Jahr später beschrieben durch den englischen Mineralogen Leonard James Spencer (1870–1959)<ref name="Mindat-Spencerite" />, der das Mineral nach dem bolivianischen Grubenbesitzer Don Felix Avelino Aramayo (1846–1929) benannte.<ref name="Spencer" />
Da der Aramayoit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Aramayoit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Aramayoit lautet „Ary“.<ref name="Warr" />
Das Typmaterial des Minerals wird im Natural History Museum (NHM) in London (England) unter der Inventarnummer BM 1980,532 (möglicherweise auch 1926,292 und 1940,10 sowie im Royal Ontario Museum in Toronto, Kanada unter der Inventarnummer M15125<ref name="Handbookofmineralogy" />) und im National Museum of Natural History (NMNH) in Washington, D.C. (USA) unter der Inventarnummer 95553 aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />
Klassifikation[Bearbeiten]
In der letztmals 1977 überarbeiteten und daher veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Aramayoit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Sulfide mit M : S = 1 : 1“, wo er gemeinsam mit Matildit, Miargyrit, Schapbachit und Volynskit in der „Miargyrit-Schapbachit-Gruppe“ mit der Systemnummer II/B.12 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/C.16-020. Dies entspricht der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo Aramayoit zusammen mit Baumstarkit, Bohdanowiczit, Cuboargyrit, Matildit, Miargyrit, Schapbachit und Volynskit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/C.16 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Aramayoit in die neu definierte Abteilung „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Cu, Ag, Fe (ohne Pb)“ zu finden, wo es zusammen mit Baumstarkit die „Aramayoitgruppe“ mit der Systemnummer 2.HA.25 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Aramayoit die System- und Mineralnummer 03.07.04.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 03.07.04.<ref name="Dana-1997" />
Kristallstruktur[Bearbeiten]
Aramayoit kristallisiert isotyp mit Baumstarkit im triklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2) mit den Gitterparametern a = 7,76 Å; b = 8,85 Å; c = 8,23 Å; α = 100,2°; β = 90,7° und γ = 103,8° sowie 6 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Bildung und Fundorte[Bearbeiten]
Aramayoit bildet sich hydrothermal in Zinn- und Silbererzen. Begleitminerale sind unter anderem Miargyrit, Pyrit, Quarz, Stannit und Tetraedrit.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Als seltene Mineralbildung konnte Aramayoit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 40 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2026).<ref name="Mindat-Anzahl" />
Außer an seiner Typlokalität „Animas Mine“ konnte Aramayoit in Bolivien noch in der „Chocaya Mine“ und den „Portugalete Minen“ gefunden werden, die alle im Municipio Atocha in der Provinz Sur Chichas liegen.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist das Gebiet Silbereck-Altenbergkar (Bergbauregion Rotgülden) in der Gemeinde Muhr im Salzburger Land.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Chile, China, Frankreich, Italien, Japan, Ostsibirien, Peru, Polen, Russland, der Slowakei, Tadschikistan, Tschechien und den Vereinigten Staaten von Amerika (Alaska, Montana).<ref name="Fundorte" />
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
- Aramayoit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Aramayoite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- IMA Database of Mineral Properties – Aramayoite. In: rruff.net. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Aramayoite search results. In: rruff.net. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Aramayoite. In: rruff.net. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Dana-1997"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Aramayoit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 5. September 2026. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 5. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – A. (PDF 357 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 5. September 2026 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Aramayoite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 5. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Spencerite"> Spencerite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 5. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), benannt nach Leonard James Spencer). </ref> <ref name="Spencer"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Aramayoite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 5. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>