Arnold Renz
Arnold Renz SDS, getauft als Wilhelm Renz<ref name="wolff" /> (* 14. Januar 1911 in Hiltensweiler bei Tettnang; † 17. Mai 1986 in Feldkirch), war ein deutscher Pater. Große Aufmerksamkeit erregte er, weil er an Anneliese Michel in den Jahren 1975 und 1976 mehr als 60 Mal den großen Exorzismus vollzogen hatte und juristisch für ihren Tod mitverantwortlich gemacht wurde.
Leben und Wirken[Bearbeiten]
Renz wurde 1911 in Hiltensweiler bei Tettnang auf dem Renz-Hof geboren. Sein Taufname war Wilhelm. Er besuchte ein Gymnasium des Salvatorianerordens. Ab 1933 studierte er für vier Semester Philosophie, danach sechs Semester Theologie in Passau. Seine Weihe zum Priester erhielt er im Jahr 1938. Sodann war er bis Oktober 1953 als Ordensmann der Salvatorianer in der chinesischen Provinz Fujian als Missionar und Exorzist tätig. Danach hatte er verschiedene Kaplan-Stellen inne.<ref name="wolff" />
Ab 1965 betreute er die Gemeinde der St.-Pius-X.-Kirche in Rück-Schippach (Ortsteil der Gemeinde Elsenfeld) und war zeitgleich Superior des dortigen Klosters des Salvatorianerordens. Renz hatte damals in Kirchenkreisen eine gewisse Bekanntheit erlangt, da er sich intensiv für die Seligsprechung der in Schippach gestorbenen Seherin Barbara Weigand einsetzte.<ref>Der Exorzismus von Klingenberg. In: Materialien und Informationen zur Zeit. Nr. 3, 1976, S. 3–15 (online, abgerufen am 9. Dezember 2014). (PDF; 2,36 MB).</ref>
Aufgrund von Vorbehalten innerhalb seiner Gemeinde infolge der Ereignisse rund um den Exorzismus an Anneliese Michel wurde Renz im Dezember 1976 von seiner Tätigkeit als Gemeindepfarrer in Rück-Schippach abberufen und vom Provinzialat der Salvatorianer in München im Einvernehmen mit der Diözese Würzburg in die Ordensgemeinschaft zurückgerufen.<ref> Petra Ney-Hellmuth: Der Fall Anneliese Michel. Königshausen & Neumann, Würzburg 2014, ISBN 978-3-8260-5230-9, S. 59 f.</ref>
Renz starb am 17. Mai 1986 in Feldkirch.<ref>Pressestelle des Bischöflichen Ordinariats Würzburg: Dokumentation. Auswahl wichtiger kirchlicher Verlautbarungen zum „Fall Klingenberg“. (PDF; 2,12 MB) 21. November 2005, S. 2, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. März 2016; abgerufen am 9. Dezember 2014.</ref> Er wurde in seinem Kloster in Lochau bei Lindau beerdigt.
Renz wurde allgemein für sein unerschütterlich frommes, wenngleich schlichtes Gemüt geschätzt. Zudem war er aber auch als treuer Anhänger des erzkonservativen französischen Erzbischofs und Gründers der Pius-Bruderschaft Marcel Lefebvre bekannt.<ref name="wolff" />
Exorzismus an Anneliese Michel[Bearbeiten]
Bekanntheit weit über seinen Wirkungskreis hinaus erlangte Renz im Jahre 1976, als an die Öffentlichkeit drang, dass er auf Anordnung des Würzburger Bischofs Josef Stangl<ref>Wörtliche Wiedergabe der Anordnung in: Felicitas D. Goodman: Anneliese Michel und ihre Dämonen. 5. Auflage. Christiana-Verlag, Weil am Rhein 2005, ISBN 3-7171-0781-X, S. 121 f.</ref><ref>Ausführliche Schilderung der Vorgeschichte der Anordnung nebst Verweis auf weitere Fundstellen: Petra Ney-Hellmuth: Der Fall Anneliese Michel. Königshausen & Neumann, Würzburg 2014, ISBN 978-3-8260-5230-9, S. 39 ff. S. 41.</ref> an der mainfränkischen Lehramtsstudentin Anneliese Michel von September 1975<ref>Ausführliche Schilderung des Exorzismus in: Felicitas D. Goodman: Anneliese Michel und ihre Dämonen. 5. Auflage. Christiana-Verlag, Weil am Rhein 2005, ISBN 3-7171-0781-X, S. 126–129.</ref> bis zu deren Tod durch Unterernährung im Juli 1976 mehr als 60 große Exorzismen nach dem Rituale Romanum vollzog<ref>Petra Ney-Hellmuth: Der Fall Anneliese Michel. Königshausen & Neumann, Würzburg 2014, ISBN 978-3-8260-5230-9, S. 44.</ref>.
Wegen fahrlässiger Tötung der Anneliese Michel durch Unterlassung verurteilte das Landgericht Aschaffenburg Renz im April 1978 rechtskräftig zu einer sechsmonatigen Haftstrafe, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.<ref>Mit Verweis auf Fundstellen im Urteil: Eric Hilgendorf: Teufelsglaube und freie Beweiswürdigung. (PDF; 9,6 MB) Würzburger Rechtswissenschaftliche Schriften, Bd. 80. In: Festschrift für Rainer Paulus. Klaus Laubenthal, 20. Januar 2009, S. 97, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. Dezember 2014; abgerufen am 27. November 2014. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Film[Bearbeiten]
- Tod durch Teufelsaustreibung. Reportage, Deutschland 1976, 45 Minuten, Buch und Regie: Helge Cramer, Produktion: Bayerischer Rundfunk, Reihe: Der Weiße Fleck, Erstausstrahlung am 2. August 1976. Erste Dokumentation über den Exorzismusfall Anneliese Michel unter anderem mit ausführlichem Interview mit Pater Renz.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Tod durch Teufelsaustreibung. ( vom 12. November 2014 im Internet Archive) Auf: cramerfilm.de, abgerufen am 9. Dezember 2014.</ref>
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="wolff">Uwe Wolff: Der Teufel ist in mir. Heyne, München 2006, ISBN 3-453-60038-X, S. 223 f.</ref> </references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Renz, Arnold |
| ALTERNATIVNAMEN | Renz, Wilhelm |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Salvatorianerpater und Exorzist |
| GEBURTSDATUM | 14. Januar 1911 |
| GEBURTSORT | Hiltensweiler bei Tettnang |
| STERBEDATUM | 17. Mai 1986 |
| STERBEORT | Feldkirch |
- Seiten mit TemplateStyles-Fehlern
- Wikipedia:Seite mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2023-03
- Wikipedia:GND fehlt 2024-07
- Wikipedia:GND in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Wikipedia:VIAF in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Salvatorianer
- Exorzist
- Römisch-katholischer Geistlicher (20. Jahrhundert)
- Deutscher
- Verurteilte Person
- Geboren 1911
- Gestorben 1986
- Mann