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Asconius Pedianus

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Quintus Asconius Pedianus (* um 9 v. Chr., Padua; † um 76 n. Chr.)<ref>Bruce A. Marshall (A historical commentary on Asconius, 1985, S. 27–30) nimmt dagegen an, dass Asconius um 3 n. Chr. geboren worden und um 88 n. Chr. gestorben sei.</ref> war ein Gelehrter der frühen römischen Kaiserzeit, der vor allem als Kommentator der Reden Ciceros bekannt ist.

Leben[Bearbeiten]

Asconius Pedianus war ein hervorragender Gelehrter der frühen römischen Kaiserzeit. Der antike Biograph Sueton behandelte Asconius’ Leben im nicht erhaltenen Abschnitt über Historiker seiner Sammelschrift De viris illustribus. Der Kirchenvater Hieronymus entnahm Suetons biographischem Werk für seine Chronik die Angabe, dass Asconius im Alter von 73 Jahren erblindete und 85 Jahre alt wurde. Aus Asconius’ erhaltenen Kommentaren einiger Cicero-Reden geht hervor, dass er sie in der Anfangszeit der Regierung des römischen Kaisers Nero (regierte 54–68 n. Chr.) verfasste. Über seine Lebensumstände ist sonst kaum etwas bekannt. Durch Servius<ref>Servius, Kommentar zu Vergils Eklogen 4, 11.</ref> wird bezeugt, dass Asconius mit Gaius Asinius Gallus und dem Suffektkonsul Quintus Iunius Blaesus in persönlichem Kontakt stand.<ref>Georg Wissowa: Asconius 3. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,2, Stuttgart 1896, Sp. 1524–1527 (hier: Sp. 1524).</ref>

Offenbar verfolgte Asconius keine öffentliche Laufbahn. Er dürfte aber seine Werke hauptsächlich in Rom verfasst haben, da er mit der zeitgenössischen Politik der Stadt sehr vertraut war.<ref>Peter Kenneth Marshall: Asconius Pedianus, Quintus. In: Simon Hornblower et al. (Hrsg.): The Oxford Classical Dictionary, 4. Auflage. Oxford University Press, 2012, ISBN 978-0-19-954556-8.</ref> Wahrscheinlich entstammte er einer dem Ritterstand angehörigen Familie und dürfte ein Mitglied des Senats gewesen sein, da er sich mit den senatorischen Modalitäten gut auskannte.<ref>R. G. Lewis (Hrsg.): Asconius: commentaries on speeches by Cicero, Clarendon Ancient History Series. Oxford University Press, 2006, ISBN 978-0-19-929053-6, S. xi.</ref>

Werke[Bearbeiten]

Verlorene Werke[Bearbeiten]

Plinius der Ältere zitiert aus einem wohl nach dem Vorbild von Platons Symposion verfassten verlorenen Werk des Asconius über Langlebigkeit die Angabe über das außergewöhnlich hohe Alter einer Summula.<ref>Plinius der Ältere, Naturalis historia 7, 159.</ref> Die Suda referiert die Rahmenhandlung desselben Werks: Im Haus des Marcus Apicius treffen sich der Konsul des Jahres, der 60-jährige Iunius Blaesus – der den Asconius als ungeladenen Gast mitbringt –, der 91-jährige ehemalige Athlet Isodoros und andere bejahrte Männer zu einem Gastmahl und unterhalten sich über die Übungen der Palästra und die Kunst, sich lang am Leben und agil zu erhalten.<ref>Suda, s. Apikios, Markos.</ref> Da die beiden infrage kommenden Konsuln namens Iunius Blaesus – die Suffektkonsuln von 10 n. Chr. und 28 n. Chr. – zur Zeit ihres Konsulats noch nicht 60 Jahre alt gewesen sein können, ist die Darstellung der Suda in diesem Punkt inkorrekt. Vermutlich hat Asconius in seinem Werk berichtet, dass im Konsulat des jüngeren Quintus Iunius Blaesus (28 n. Chr.) dessen gleichnamiger Vater als 60-jähriger Mann an dem geschilderten Gastmahl teilnahm.<ref name=RE-2-1525>Georg Wisso-wa: Asconius 3. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,2, Stuttgart 1896, Sp. 1524–1527 (hier: Sp. 1525).</ref>

Unsicher ist, ob Asconius eine Vita des römischen Geschichtsschreibers Sallust schrieb, wie Pseudo-Acro<ref>Pseudo-Acro, Kommentar zu Horaz, Sermones 1, 2, 41.</ref> angibt. Ebenfalls verschollen ist eine gegen die Kritiker Vergils gerichtete Schrift des Asconius (Titel: Contra obtrectatores Vergilii), die von Aelius Donatus zitiert<ref>Donatus, Vita Vergilii p. 66, 2 nach der Edition von Reiff.</ref> und öfters in den Scholien zu Vergil als Quelle herangezogen wird.<ref name=RE-2-1525/>

Kommentar zu Reden Ciceros[Bearbeiten]

Asconius verfasste zur Belehrung seiner jungen Söhne im Zeitraum zwischen 54 und 57 n. Chr. einen historisch ausgerichteten Kommentar zu mehreren – mindestens 16 – Reden Marcus Tullius Ciceros. Die Anordnung der Reden war chronologisch, der Titel des Werks ist unbekannt. In gestörter Reihenfolge der Reden und mit größeren Textlücken erhalten ist Asconius’ Kommentar zu den folgenden fünf Reden Ciceros: in L. Calpurnium Pisonem, („Gegen Lucius Calpurnius Piso“), pro Aemilio Scauro („Für Aemilius Scaurus“), pro T. Annio Milone („Für Titus Annius Milo“), pro Cornelio de maiestate, in toga candida.<ref name=RE-2-1525/> Interessant sind die Kommentare zu den letzten beiden genannten Reden aus den Jahren 65 bzw. 64 v. Chr., da die Reden selbst nicht erhalten sind und zu deren Rekonstruktion herangezogen werden können.<ref>Christoph Kugelmeier: Asconius Pedianus. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 2, Metzler, Stuttgart 1997, ISBN 3-476-01472-X, Sp. 76.</ref> Weitere Kommentare sind verloren bzw. unecht.

Für die Erstellung seines Kommentars wertete Asconius zu einem bedeutenden Teil die Angaben in Ciceros eigenem schriftstellerischen Nachlass einschließlich nicht veröffentlichter Entwürfe aus. Zur Korrektur berücksichtigte er in kritischer Auswahl aber auch andere Quellen, u. a. zeitgenössische Geschichtswerke wie jene von Livius, Sallust und Fenestella, ferner Senatsakten sowie Reden der Parteigänger und Gegner Ciceros. Er besaß eine große Sachkenntnis, zitierte seine Quellen ungewöhnlich genau und gab gewissenhaft an, wo er keine authentische Auskunft zu erlangen vermochte. Er bemühte sich, die zeitgeschichtlichen Beziehungen klarzustellen und erörterte auch antiquarische Details sowie juristische und verfassungsrechtliche Fragen, um das Verständnis von Ciceros Reden zu erleichtern.<ref name=RE-2-1526>Georg Wissowa: Asconius 3. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,2, Stuttgart 1896, Sp. 1524–1527 (hier: Sp. 1526).</ref> In seinem Kommentar Pro T. Annio Milone berichtet er glaubwürdig, dass Titus Annius Milo seinen politischen Gegner Publius Clodius Pulcher 52 v. Chr. bei einer zufälligen Begegnung ermorden ließ, während Cicero fälschlicherweise Milo als den Angegriffenen hinzustellen versuchte.<ref>Elimar Klebs: Annius 67). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,2, Stuttgart 1894, Sp. 2271–2276 (hier: Sp. 2274).</ref>

Erhaltene Handschriften; Editionsgeschichte[Bearbeiten]

Als der Humanist Poggio Bracciolini 1416 am Konzil von Konstanz teilnahm, entdeckte er im Kloster St. Gallen in der Schweiz eine Handschrift von Asconius’ Cicero-Kommentar. Er gibt an, dass er das vermutlich aus dem 9. Jahrhundert stammende Manuskript in einem schmutzigen Keller eines Turms des Klosters fand. Es war offenbar in einem schlechten Erhaltungszustand. Nicht nur Poggio machte eine Abschrift dieses Manuskripts, sondern etwa gleichzeitig auch Bartolomeo von Montepulciano (heute in der Biblioteca Medicea Laurenziana in Florenz aufbewahrt) sowie der Kanoniker Sozomenos von Pistoia (heute in der Bibliothek von Pistoia). Die Originalhandschrift ging später verloren. Nach seinem eigenen Eingeständnis machte Poggio seine Abschrift flüchtig und überarbeitete sie zwar scharfsinnig, aber häufig willkürlich. Diese Kopie Poggios bildete die Grundlage für die Editio princeps (Venedig 1477) und durch diese für alle folgenden Ausgaben, von denen jene von F. Hotoman (Leiden 1551) sowie jene von Johann Georg Baiter im fünften Band von Orellis Cicero-Ausgabe (Zürich 1833) hervorzuheben sind. Erst durch die von Adolph Kießling und Rudolf Schöll besorgte Edition (Berlin 1875) wurde eine völlig neue Grundlage geschaffen.<ref name=RE-2-1526/>

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Q. Asconii Paediani In Orationes M. Tullii Ciceronis enarrationes : nuper qua licuit cura, ac diligentia collatis, adhibitisque variis exemplaribus recogn., ac locis innumeris restitutae. Paris 1520 (Digitalisat).
  • Adolph Kießling, Rudolf Schöll, Berlin 1875.
  • Albert Curtis Clark, Oxford 1907.
  • Bruce Atkinson Marshall, Missouri U.P., Columbia 1985.
  • Asconius Pedianus, Quintus: Commentaries on Five Speeches of Cicero. Edited with a Translation by Simon Squires. Bristol Classical Press, Bristol 1990.
  • (Ps.-Asconius) Cesare Giarratano, Rom 1920 (Nachdruck 1976).
  • Marcus Tullius Cicero: Rede für Titus Annius Milo. Mit dem Kommentar des Asconius. Lateinisch und deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Marion Giebel. Reclam, Stuttgart 1992.
  • Quintus Asconius Pedianus: Commentaries on speeches of Cicero. Transl. with commentary by R. G. Lewis. Oxford University Press, Oxford 2010.

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Wissowa: Asconius 3. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,2, Stuttgart 1896, Sp. 1524–1527.
  • Thomas Stangl: Pseudoasconiana (= Studien zur Geschichte und Kultur des Altertums. 2. Bände, 4. und 5. Heft). Schöningh, Paderborn 1909, OCLC 10248570 (Textgestaltung und Sprache der anonymen Scholien zu Ciceros vier ersten Verrinen untersucht auf Grund der erstmals verwerteten ältesten Handschriften).
  • Bruce A. Marshall: A historical commentary on Asconius. University of Missouri Press, Columbia 1985.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

<references/>

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