Auguste Kirchhoff
Auguste Christine Louise Kirchhoff (* 23. Juni 1867 in Asbach; † 12. Juli 1940 in Bremen) war eine deutsche Frauenrechtlerin.
Biografie[Bearbeiten]
Auguste Zimmermann war die Tochter bürgerlicher, rheinländischer Eltern. Ihr Vater, war der katholische Justizrat Peter Zimmermann (1830–1900), die evangelische Mutter war Caroline Eleonore Colonius (1841–1903)<ref name= "K">Susanne Klein; Auguste Kirchhoff (1867-1940) Das Leben einer Frauenrechtlerin, Von Frau zu Frau – Auf der Suche nach der verschütteten Geschichte bedeutender Frauen in und um Neuwied, Frauenbüro Neuwied (Hrsg.), S. 88 ff.</ref>
Aufgewachsen in der Neuwieder Pfarrstraße, besuchte sie bis 1884 eine Höhere Töchterschule im Rheinland. Sie absolvierte ein Lehrerinnenseminar, dem ein Gesangsstudium folgte. Die Ausbildung zur „geprüften Gesangslehrerin“ in Frankfurt hatte sie aber nie beendet.<ref name = "K"/>
Am 5. Mai 1888<ref name = "K"/> heiratete sie den Bremer Rechtsanwalt und Notar, später Amtsrichter, Landgerichtsdirektor und Senator, Gerhard Heinrich Kirchhoff (1854–1929). Beide wohnten in Bremen in der Besselstraße, der Roonstraße und der Graf-Moltke-Straße. In den Jahren von 1889 bis 1905 bekam sie drei Töchter und zwei Söhne.
Als große Musikliebhaberin ließ sie weiterhin ihre Stimme ausbilden. Sie gab Musikunterricht und Konzerte und sie lud in ihr großes Haus Künstler ein.
Parallel dazu erwachte ihr politisches und soziales Interesse. Inspiriert und beeinflusst wurde sie von dem Bremer Pastor Albert Kalthoff, mit dem das Ehepaar Kirchhoff eine langjährige innige Freundschaft hegte.<ref name = "K"/> Als Freidenker und „praktizierender Sozialist“ machte sich Kalthoff mit seinem radikalen freiheitlichen Geist ein eigenes Bild über den „Neuen Menschen“ und predigte dieses lautstark in der Bremer St.-Martini-Kirche. Als Anregung dienten ihm u. a. Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Nietzsche. Bei Auguste Kirchhoff zogen die radikalen Ansichten dieses hochstehenden und vielseitigen Menschen nicht spurlos vorüber. Sie hörte von ihm u. a. in einer Rede über das „Recht der Frau“, in der er veranschaulicht, dass das Unrecht darin bestehe, „daß die Frau ihr Recht aus der Hand des Mannes empfange und ihm hörig sei, wodurch die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu kurz komme“.<ref>Wottrich, H.: Auguste Kirchhoff, 1990, S. 39 ff.</ref> In Auguste Kirchhoffs späteren Forderungen über die „Rechte für die Frau“ greift sie ganz klar auf Kalthoffs Thesen zurück und benutze zum Teil sogar seine Sprache. Kalthoff starb im Mai 1906 sechsundfünfzigjährig. Sein Geist blieb jedoch in Kirchhoffs Aufsätzen lebendig.<ref name = "K"/>
Die Frauenbewegung verfolgte sie angeregt durch die Zeitschrift wie Die Gesellschaft und 1904 durch ihre Teilnahme an der sozialdemokratischen Frauenkonferenz in Bremen. 1905 wurde sie Mitglied und Vorstandsbeisitzende im Bremer Zweig des Verbandes für Frauenstimmrecht. Sie trat dem Deutschen Bund für Mutterschutz und Sexualreform bei. 1906 gründete sie zusammen mit Minna Bahnson den Verein Mütter- und Säuglingsheim und eröffnete drei Häuser für ledige Mütter und deren Kinder. 1909 gründete sie zusammen mit Rita Bardenheuer eine Beratungsstelle für hilfsbedürftige Frauen und Mütter und 1915 den Hausfrauenverein Bremen sowie den Verein zum Schutz gegen Wucher und Schwarzmarkt. So wie Minna Bahnson prangerte sie die Prostitution mit ihrer Doppelmoral an.
1914 sprach sie sich bei Kongressen in Deutschland gegen den Ersten Weltkrieg aus und fand dabei auch bei ihrem Mann Unterstützung. In verschiedenen Aufsätzen in Zeitschriften und Zeitungen, im ganzen 111, bezog sie ihre pazifistische Stellung gegen den Krieg. 1915 besuchten sie und Adele Schmitz den internationalen Frauenfriedenskongress in Den Haag und berichteten in den Bremer Nachrichten darüber. Mehr als 100 Frauen unterzeichneten daraufhin einen Protestbrief, in dem ihnen ein Mangel an „vaterländischer Gesinnung“ vorgeworfen wurde. Kirchhoff war nun unter der Zensur und durfte sich nicht mehr öffentlich äußern.
1919 gründete sie und Rita Bardenheuer eine Ortsgruppe der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF); sie wurde Vorsitzende. 1922 organisierte sie den Jahreskongress der IFFF in Bremen. Dabei wurden zahlreiche Anträge an die deutsche Regierung. „Nie wieder Krieg“ war 1923 der Tenor einer öffentlichen Kundgebung, auf der sie eine Rede hielt. 1924 warnte sie: „Wir müssen die Gefahren des Faschismus und des Hakenkreuzlertums für unsere Jugend und unser ganze Volk erkennen und uns gegen diese Kreise richten, die an die Macht der Waffe, an die Macht der Gewalt glauben.“ Unermüdlich kämpfte sie gegen Krieg, Militarismus und Antisemitismus.
Als 1929 ihr Mann starb, erlitt sie einen seelischen und körperlichen Zusammenbruch, der ihre Aktivitäten enden ließ. Schon der plötzlicher Freitod im Jahre 1897, ließ sie in eine sehr schwere seelische Krise stürzen. Zwei Schlaganfälle und Anfänge tiefer Depressionen ließen sie in ein langsames Siechtum gleiten, bis sie dann am 12. Juli 1940 in aller Stille verstarb.<ref name = "K"/>
Kirchhoff war eine der bedeutenden Frauen in der Bremer Frauenbewegung. Beerdigt wurde sie auf dem Riensberger Friedhof.<ref>Christine Holzner-Rabe, Regine Contzen: Bremer Frauen. Eine Spurensuche auf dem Riensberger Friedhof. Carl Schünemann Verlag, Bremen 2024, ISBN 978-3-7961-1209-6, S. 101–103.</ref>
Ehrungen[Bearbeiten]
- Die Auguste-Kirchhoff-Straße in Bremen-Schwachhausen wurde 1956 nach ihr benannt.
Werke[Bearbeiten]
- Warum muß der Deutsche Verband für Frauenstimmrecht sich zum allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht bekennen? Bremen 1912. (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
- Frauenwahlrechtsdebatte im Bremer Parlament. In: Zeitschrift für Frauenstimmrecht (1914), S. 45–46. (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
- Zur Entwicklung der Frauenstimmrechts-Bewegung. Bremen [1916]. (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
- Frauenrechte – Volksrechte. Berlin 1917. (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
Literatur[Bearbeiten]
- Elfriede Bachmann: Auguste Kirchhoff. In: Bremische Biographie 1912–1962, S. 271/273. Hrsg.: Historische Gesellschaft Bremen und Staatsarchiv Bremen, Verlag Hauschild, Bremen 1969.
- Hannelore Cyrus: Kirchhoff, Auguste Christine Louise, geb. Zimmermann. In: Frauen Geschichte(n), Bremer Frauenmuseum (Hrsg.). Edition Falkenberg, Bremen 2016, ISBN 978-3-95494-095-0.
- Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. 2., aktualisierte, überarbeitete und erweiterte Auflage. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X.
- Christine Holzner-Rabe: Von Gräfin Emma und anderen Em(m)anzen. Bremen 2007.
- Johann-Günther König: Die streibaren Bremerinnen. Bremen 1981.
- Henriette Wottrich: Auguste Kirchhoff. Donat-Verlag, 1990, ISBN 3-924444-48-X.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kirchhoff, Auguste |
| ALTERNATIVNAMEN | Kirchhoff, Auguste Christine Louise |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Frauenrechtlerin |
| GEBURTSDATUM | 23. Juni 1867 |
| GEBURTSORT | Asbach (Westerwald) |
| STERBEDATUM | 12. Juli 1940 |
| STERBEORT | Bremen |