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Barbara Yelin

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Datei:Barbara Yelin, Literaturfest München 2023.jpg
Barbara Yelin (2023)
Ateliertisch auf dem verschiedene Mal- und Zeichenutensilien liegen, daneben Skizzen und Aquarelle. Rechts unten sind die Hände von Barbara Yelin zu sehen, orangefarbener Nagellack, Pinsel in der rechten Hand
Arbeitstisch von Barbara Yelin in ihrem Atelier in der Villa Massimo (2026)

Barbara Yelin (<phonos file="De-barbara-yelin.ogg">anhören</phonos>/?; * 26. Juli 1977 in München) ist eine deutsche Comic-Künstlerin.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Barbara Yelin studierte Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Zunächst erschienen von ihr in Frankreich die Comicgeschichten Le visiteur (2004) und Le retard (2006). In deutscher Sprache zeichnete sie Beiträge für die Anthologien Spring<ref>Spring, website</ref> und Pomme d’amour.

Ihren Comic Gift über die Geschichte der Gesche Gottfried produzierte sie 2010 nach einem Szenario von Peer Meter. Die Frankfurter Rundschau brachte zwischen 2011 und 2012 regelmäßig ihren Comicstrip Riekes Notizen, eine Auswahl der Strips veröffentlichte Reprodukt im Jahr 2013.<ref name="REP">Riekes Notizen. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Januar 2022; abgerufen am 12. März 2022.</ref> 2014 erschien ebenfalls bei Reprodukt ihre Geschichte Irmina über eine Mitläuferin in der Zeit des Nationalsozialismus, womit sie auch ein Stück eigener Familiengeschichte aufarbeitete.<ref>Petra Morsbach: Wie ich lernte, Comics zu lieben, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Dezember 2015, S. 20</ref> Das Werk wurde bisher in 10 Sprachen übersetzt (Stand März 2022), unter anderem ins Englische, Französische, Italienische, Niederländische und Türkische.<ref name="GR">Irmina. Abgerufen am 12. März 2022.</ref> Ab Herbst 2015 veröffentlichte sie zusammen mit dem Autor Thomas von Steinaecker den Webfortsetzungscomic Der Sommer ihres Lebens,<ref>der-sommer-ihres-lebens, bei hundertvierzehn.de. Siehe Richard Kämmerlings: Woraus das Glück ist. Rezension, in: Literarische Welt, 25. Juni 2016, S. 4</ref> das 2016 ebenfalls bei Reprodukt als Buch erschien. 2018 brachte der Carlsen Verlag in der von Isabel Kreitz herausgegebenen Reihe Die Unheimlichen Yelins Adaption von Das Wassergespenst von Harrowby Hall heraus. 2019 brachte Yelin im Eigenverlag die Geschichte Unsichtbar heraus, in der sie in Zusammenarbeit mit Ursula Yelin die Geschichte eines eritreischen Flüchtlings erzählt.<ref>„Aber ich lebe!“ In: arolsen-archives.org. 17. März 2021, abgerufen am 17. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In Zusammenarbeit mit Alex Rühle erschien 2020 das Kinderbuch Gigaguhl und das Riesen-Glück bei dtv Junior.

Datei:FrankfurterBuchmesse2022-005BarbaraYelin.jpg
Barbara Yelin auf der Frankfurter Buchmesse 2022. Gespräch mit Andreas Platthaus über die Graphic Novel Aber ich lebe.

Im Mai 2022 erschien But I live bei University of Toronto Press, in der Yelin über das Thema Erinnerung anhand der Lebensgeschichte der Holocaustüberlebenden Emmie Arbel erzählt.<ref>"Aber ich lebe!" 17. März 2021, abgerufen am 3. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Buch porträtiert drei Holocaustüberlebende in Comicgeschichten.<ref>Barnes & Noble: But I Live: Three Stories of Child Survivors of the Holocaust|Hardcover. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. November 2021; abgerufen am 3. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Anschluss setzte Yelin die Gespräche mit Emmie Arbel fort und erweiterte die Kurzgeschichte But I live um mehr als 100 Seiten für die Graphic Novel Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung, die im Herbst 2023 veröffentlicht wurde. Sie entstand im Rahmen des internationalen Projekts „Survivor-Centred Visual Narratives“ und wurde herausgegeben von Charlotte Schallié und Alexander Korb.<ref>Rieke C. Harmsen: Die Farbe der Erinnung: Wie sich die Illustratorin Barbara Yelin dem Holocaust nähert. Abgerufen am 11. April 2026.</ref>

2025 veröffentlichte Yelin die Graphic-Novel-Biografie Die Giehse. Ein Leben für das Theater 1898–1975 über die Schauspielerin Therese Giehse, in der sie deren von Engagements an den Münchner Kammerspielen, Jahren im Schweizer Exil, dem politischen Kabarett Die Pfeffermühle und der Arbeit im Berliner Ensemble geprägtes Leben nachzeichnet.<ref name="TAZ-Giehse">Katharina Granzin: Barbara Yelins Buch über Therese Giese: Und Therese spielt … In: taz.de. 29. November 2025, abgerufen am 29. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Als Titelbild wählte Yelin eine Szene aus Maksim Gorkis Drama Wassa Schelesnowa, in der Giehse mit sichtbarer Leidenschaft aus einem leeren Teller isst und damit laut Überlieferung einer jungen Kollegin, die an der Schauspielerei zu verzweifeln drohte, neue Lust auf ihren Beruf zurückgegeben haben soll.<ref name="TAZ-Giehse" /> In dem Band respektiert Yelin das Bedürfnis ihrer Protagonistin nach Privatheit und lässt etwa die genaue Natur der engen Beziehungen Giehses zu Erika Mann und Marianne Hoppe bewusst offen, obwohl diese in anderen Darstellungen als Lebensgefährtinnen bezeichnet werden.<ref name="TAZ-Giehse" /> Zugleich zeigt sie Giehse als lesbische Künstlerin, die während des Zweiten Weltkriegs den schwulen britischen Schriftsteller John Hampson heiratet, um einen britischen Pass zu erhalten.<ref name="TAZ-Giehse" /> Gestalterisch arbeitet Yelin mit aquarellierten, überwiegend in gedeckten Farben gehaltenen Bildern, in denen zwei schmale Textbänder eine auktoriale Erzählinstanz und aus Interviews entnommene Originalzitate Giehses parallel führen.<ref name="TAZ-Giehse" /> Die Figuren wirken meist weich konturiert und aus leichter Distanz, während Giehses Gesicht immer wieder groß ins Bild rückt und der Bildfluss dadurch etwas Entrücktes, an vergangene Zeiten Erinnerndes erhält.<ref name="TAZ-Giehse" /> Leitmotivisch kehrt auf mehreren Seiten die Unterzeile „Therese spielt“ wieder, unter der Giehse in verschiedenen Bühnensituationen gezeigt wird, sodass der Eindruck entsteht, sie habe gleichsam ihr ganzes Leben hindurch gespielt.<ref name="TAZ-Giehse" />

2012 wurde sie für eine Gastprofessur für Comics und Graphic Novels an die Hochschule der Bildenden Künste Saar berufen<ref>Personenverzeichnis HBK Saar, 25. Juli 2020.</ref> 2013 bis und 2015 war sie Dozentin beim Comic-Seminar Erlangen. 2018 war sie Writer-in-Residence am Grinnell College in Iowa.<ref>Writer-in-Residence: Barbara Yelin. Abgerufen am 3. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Von 2018 bis 2022 hatte sie einen Lehrauftrag an der Universität für angewandte Kunst Wien. Außerdem leitet und moderiert sie seit 2018 die ComicBar, eine Vortragsreihe der Münchner Stadtbibliothek mit internationalen Gästen.<ref>Monacensia im Hildebrandhaus: Comic Bar: Der Spalt. Abgerufen am 3. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2025/26 war sie Stipendiatin der Villa Massimo.<ref>Villa Massimo Stipendien 2025/26 – Barbara Yelin. In: https://www.villamassimo.de/. Abgerufen am 14. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Seit 2026 hat Yelin die Leibinger Professur für Comics und Comicforschung an der Merz Akademie Stuttgart inne.<ref>Barbara Yelin wird Professorin für Comics und Comicforschung an der Merz Akademie. In: https://www.merz-akademie.de/blog/. 13. März 2026, abgerufen am 14. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Yelin war Mitglied im Berliner Atelier Bilderbureau.<ref>Der Tagesspiegel-Fragebogen (2): 15 Fragen an - Barbara Yelin. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 3. Februar 2025]).</ref> Sie arbeitet und lebt mit ihrem Lebenspartner und dem gemeinsamen Sohn in München.

Rezeption[Bearbeiten]

Im Vorwort zu Riekes Notizen zeigt sich Hella von Sinnen begeistert: „Ich bin sicher, dass meine Nachttischlampe meinen Wecker auch oft tröstet und ihm sagt, er ist nicht der Einzige, der nicht richtig tickt! Ein bunter, beschwingter, humorvoller Comic-Strip.“<ref name="REP" />

In ihrer Laudatio für den Ernst-Hoferichter-Preis schreibt die Regisseurin Doris Dörrie: „In die Zeichnungen von Barbara Yelin kann man abtauchen wie in immer andere Gewässer: mal sind sie still und kontemplativ, zart, mal wild und stürmisch. Sie erzählt mit Vorliebe Geschichten von Widersprüchen, Ambivalenzen und Brüchen.“<ref>Landeshauptstadt München, Redaktion: Ernst Hoferichter-Preis 2021 an Barbara Yelin. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. November 2021; abgerufen am 3. Februar 2025.</ref>

Die taz beschrieb Yelins Giehse-Biografie 2025 als eine prägnante und fesselnde Graphic Novel, die das Leben der Schauspielerin in eine überschaubare Form bringt, um in Erinnerung zu rufen, dass es Künstlerinnen wie „die Giehse“ gegeben hat.<ref name="TAZ-Giehse" /> Die Rezension hebt besonders die wiederkehrenden Bühnenbilder mit der Unterschrift „Therese spielt“ sowie die zurückhaltend kolorierten Aquarellzeichnungen mit gezielten Rot- und Blauakzenten hervor, durch die die Erzählung zugleich entrückt und nahbar wirke.<ref name="TAZ-Giehse" />

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Le visiteur. Edition de l’An 2, Angoulême 2004, ISBN 978-2-84856-029-8.
  • Le retard. Edition de l’An 2, Angoulême 2006, ISBN 978-2-84856-068-7.
  • Mit Peer Meter: Gift. Reprodukt, Berlin 2010, ISBN 978-3-941099-41-8.
  • Albrecht Dürer. Kunst-Comic, mit Mona Horncastle, Prestel, München 2011, ISBN 978-3-7913-7070-5.
  • Mit Mona Horncastle: Vincent van Gogh. Kunst-Comic, Prestel, München 2011, ISBN 978-3-7913-7071-2.
  • Riekes Notizen. Vorwort Hella von Sinnen. Reprodukt, Berlin 2013, ISBN 978-3-943143-51-5.
  • Irmina. Reprodukt, Berlin 2014, ISBN 978-3-95640-006-3.
  • Mit David Polonsky: Vor allem eins: Dir selbst sei treu. Die Schauspielerin Channa Maron. Reprodukt, Berlin 2016, ISBN 978-3-95640-102-2.
  • Mit Thomas von Steinaecker: Der Sommer ihres Lebens. Reprodukt, Berlin 2017, ISBN 978-3-95640-135-0.
  • Die Unheimlichen: Das Wassergespenst von Harrowby Hall. Carlsen Verlag, Hamburg 2018, ISBN 978-3-551-71350-6.
  • Mit Alex Rühle: Gigaguhl und das Riesen-Glück. dtv Junior, München 2020, ISBN 978-3-423-76286-1.
  • Mit Paul-Moritz Rabe (Herausgeber): Tagebuch eines Zwangsarbeiters. Verlag C. H. Beck, München 2022, ISBN 978-3-406-78165-0.
  • Mit Gilad Seliktar, Miriam Libicki: But I Live: Three Stories of Child Survivors of the Holocaust. University of Toronto Press, Toronto 2022, ISBN 978-1-48752684-9.
  • Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung. Reprodukt 2023, ISBN 978-3-95640-396-5.
  • Die Giehse. Ein Leben für das Theater 1898–1975. Reprodukt, Berlin 2025, 56 S.<ref name="TAZ-Giehse" />
  • Mit Hannah Brinkmann, Nathalie Frank, Michael Jordan, Julia Kleinbeck, Moritz Stetter, Birgit Weyhe: Wie geht es dir?: 60 gezeichnete Gespräche nach dem 7. Oktober. Avant, 2025, ISBN 978-3-96445-140-8.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Barbara Yelin – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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