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Barberinischer Faun

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Zwei Gipsabgüsse des Barberinischen Fauns, links mit den Ergänzungen vor 1965, rechts ohne Ergänzungen. Diese Abgüsse befinden sich im Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke in München

Der Barberinische Faun (auch Barberinischer Satyr genannt) ist eine Skulptur eines schlaftrunkenen Satyrs oder Faunus in der Gestalt eines jungen, muskulösen Mannes, die vermutlich um 220 v. Chr. geschaffen wurde. Als mythisches Wesen ist die Figur an einem aus der unteren Rückenpartie abstehenden Pferdeschweif zu erkennen. Die Skulptur befindet sich heute in der Glyptothek München.

Hintergrund[Bearbeiten]

In der Wissenschaft ist die Herkunft strittig, so wird die Auffassung vertreten, dass die Figur in der Römerzeit entstand und nur ein Abbild einer hellenistischen Skulptur sei. Die Bezeichnung Faun wäre nur dann zutreffend, wenn es sich um ein römisches Kunstwerk handeln würde (römische Mythologie), denn die griechische Mythologie kennt nur Satyrn bzw. Silene (Synonyme).

Die an eine Felssporn angelehnte, liegende Figur ist nackt und stellt ihre männlichen Geschlechtsorgane offen zur Schau. Die marmorne, 1,81 Meter hohe Skulptur (die oft erwähnten Maße von 2,15 Metern beziehen sich auf alte Ergänzungen) wurde im 17. Jahrhundert im Graben der Engelsburg in Rom gefunden. Es fehlten damals das rechte Bein, Teile beider Hände und des Kopfes. Die Engelsburg hatten die Oströmer unter Belisar im Jahr 537 gegen die Ostgoten unter Witichis durch Herabstürzen von Bildsäulen verteidigt.

Kardinal Maffeo Barberini beauftragte den italienischen Künstler Gian Lorenzo Bernini (1598–1680) mit einer Restaurierung, wobei auch die fehlenden Teile ergänzt wurden. Ferner veränderte er die Figur in Richtung eines barocken Stilempfindens sowie einer mehr sexuellen Ausrichtung. Es herrscht keine Einigkeit darüber, ob Bernini oder Giuseppe Giorgetti, einer seiner Schüler, die Figur bearbeitet hat. Anschließend war die Skulptur Teil der Sammlung der Barberini in deren Palast. Die Figur wurde fortan nach dem Haus Barberini benannt.

Am 31. Dezember 1798 erwarb der klassizistische Bildhauer Vincenzo Pacetti den Faun von den in Finanznöte geratenen Barberini. Er nahm die Stuckergänzungen der Figur ab und fertigte neue Ergänzungen in Marmor. Die entscheidende Veränderung betraf den Aufstellungswinkel des rechten Beines, das Pacetti mit angespannter Muskulatur weit nach außen spreizte, wodurch sich die Figur dem Betrachter noch weiter öffnete. Ein päpstliches Edikt verhinderte den geplanten Verkauf des Fauns an einen englischen Sammler und 1804 kehrte der Faun zurück in die Casa Barberini, wo ihn im nächsten Winter Kronprinz Ludwig von Bayern sah.

1813 erwarb Johann Martin von Wagner im Auftrag von Ludwig I. die Figur von den Barberini und ließ sie von Rom über die Alpen nach München schaffen. Der Faun ist seit den 1830er Jahren auf Wunsch des Königs in der Glyptothek in München ausgestellt (Inv. 218), wo er noch heute eine der Hauptattraktionen ist.

Rezeption[Bearbeiten]

Der Franzose Edmé Bouchardon (1698–1762) schuf 1726 in Rom eine originalgroße Nachbildung in Carrara-Marmor, die sich seit 1892 im Louvre in Paris befindet.

Die komplexe Rezeptionsgeschichte des antiken Werkes vom Barock bis in die Moderne wurde anlässlich der Neuerwerbung einer klassizistischen Bronzestatuette des Fauns durch die Staatlichen Antikensammlungen 2015 durch den Archäologen Harald Schulze und den Kunsthistoriker Jens Ludwig Burk vorgelegt.<ref>Harald Schulze: "Die sinnlichste Statue der Welt". In: Florian S. Knauß (Hrsg.): Das schönste Kaufbare. Untersuchungen zu Skulpturen der Glyptothek. Forschungen der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek. "1." Auflage. Band 4. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2018, ISBN 978-3-95976-015-7, S. 132–157.</ref><ref>Jens Ludwig Burk: Eine Kleinbronze des Barberinischen Fauns und Neues zu seiner Geschichte in Barock und Klassizismus. In: Florian S. Knauß (Hrsg.): Das schönste Kaufbare. Untersuchungen zu Skulpturen der Glyptothek. Forschungen der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek. "1." Auflage. Band 4. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2018, ISBN 978-3-95976-015-7, S. 158–183. </ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Walter: Satyrs Traum: Ein Gang durch die griechische Satyrlandschaft. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1991, ISBN 3-422-06105-3, S. 127–154.
  • Harald Schulze: "Die sinnlichste Statue der Welt". In: Florian S. Knauß (Hrsg.): Das schönste Kaufbare. Untersuchungen zu Skulpturen der Glyptothek. Forschungen der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek. "1." Auflage. Band 4. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2018, ISBN 978-3-95976-015-7, S. 132–157.
  • Jens Ludwig Burk: Eine Kleinbronze des Barberinischen Fauns und Neues zu seiner Geschichte in Barock und Klassizismus. In: Florian S. Knauß (Hrsg.): Das schönste Kaufbare. Untersuchungen zu Skulpturen der Glyptothek. Forschungen der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek. "1." Auflage. Band 4. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2018, ISBN 978-3-95976-015-7, S. 158–183.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Barberinischer Faun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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