Benjamin Harrison
Benjamin Harrison (* 20. August 1833 in North Bend, Ohio; † 13. März 1901 in Indianapolis, Indiana) war ein amerikanischer Politiker der Republikaner und von 1889 bis 1893 der 23. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
Er wurde in die einflussreiche Harrison-Familie geboren; sein Großvater war Präsident William Henry Harrison und sein Vater John Scott Harrison Abgeordneter im Kongress. Dennoch war seine Kindheit und Jugend auf der väterlichen Farm eher von bescheidenen Verhältnissen, seine Erziehung durch die presbyterianische Mutter religiös geprägt. Harrison studierte Recht an der Miami University und praktizierte nach der Zulassung vor Gericht in Indianapolis, wo er bald erste politische Anfänge bei den neu gegründeten, abolitionistischen Republikanern unternahm. Während des Sezessionskriegs diente Harrison als Brigade- und Divisionschef in der Unionsarmee und nahm am Atlanta-Feldzug teil. Er verließ den Militärdienst 1865 im Brevet-Rang Brigadegeneral.
Danach verstärkte er sein politisches Engagement und gehörte zum Lager der Radikalen Republikaner. In den 1870er Jahren bewarb er sich mehrfach erfolglos als Gouverneur von Indiana. Ab 1881 war er Senator für Indiana. Bei der Präsidentschaftswahl 1888 besiegte er den demokratischen Amtsinhaber Grover Cleveland und machte viele von dessen Gesetzesmaßnahmen wieder rückgängig, insbesondere mit dem McKinley-Tarif die Senkung der Schutzzölle. Auch Clevelands Versuche, das „Beutesystem“ (spoils system) aus Parteipatronage und die Macht der „politischen Maschinen“ bei der Postenvergabe einzuhegen, revertierte er. Eine wichtige Gesetzesmaßnahme seiner Amtszeit ist mit dem Sherman Antitrust Act eine erste staatliche Begrenzung von Kartellen. Die Wiederwahl 1892 erschwerte, dass er in der Parte nicht mehr so viel Rückhalt hatte und seine Frau zwei Wochen vor dem Wahltag starb, so dass er in der Neuauflage des Rennens von 1888 Cleveland unterlag.
Leben[Bearbeiten]
Erziehung und Ausbildung (1833–1854)[Bearbeiten]
Benjamin Harrison entstammte der von jeher politisch einflussreichen Harrison-Familie, die seit 1632 in der Kolonie Virginia lebte. Er war der Sohn des relativ wohlhabenden Farmers und späteren Abgeordneten im Repräsentantenhaus John Scott Harrison und Enkel des neunten Präsident und Kriegsheld der Schlachten bei Tippecanoe und am Thames River General William Henry Harrison, in dessen Herrenhaus auf dem Landgut The point er 1833 geboren wurde. Sein Urgroßvater, Benjamin Harrison V, war Mitunterzeichner der Unabhängigkeitserklärung.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Routledge, Oxon 2015, ISBN 0-7656-8046-7 (E-Book), S. 194.</ref>
Harrisons Mutter Elizabeth Irwin Harrison, stammte aus Pennsylvania<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 194.</ref> und war eine strenggläubige Presbyterianerin.<ref>Charles W Calhoun: Benjamin Harrison (= The American Presidents Series. Hrsg. von Arthur M. Schlesinger, Sean Wilentz. The 23rd President). Times Books, New York City 2005, ISBN 0-7656-8046-7 (E-Book), Position 189.</ref> Ihr Großvater Major James Ramsey war aus Glasgow nach Mercersburg in die damalige Province of Pennsylvania ausgewandert, wo sein Sohn später die Stadt Ligonier gründete.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 194.</ref>
Sein Vater hatte sich erst als Anwalt in Cincinnati versucht, bevor er nach North Bend zurückgekehrt war.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 194.</ref> Neben seiner Tätigkeit als Farmer engagierte sich Scott Harrison als Friedensrichter.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 256.</ref> Harrisons Eltern heirateten am 12. August 1831 auf The point. Für Scott Harrison war dies die zweite Heirat; seit 1830 war er Witwer. Aus der ersten, 1824 geschlossenen Ehe mit Lucretia K. Johnson gingen drei und aus der zweiten Ehe mit Benjamin Harrisons Mutter zehn Kinder hervor, von denen vier in den beiden ersten Lebensjahren starben und Harrison der Zweitgeborene war.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 194.</ref>
Anfänglich erhielt er Unterricht von Hauslehrern.<ref name="BP">Benjamin Harrison: Life before the presidency. Miller Center of Public Affairs, University of Virginia (englisch), abgerufen am 18. April 2018.</ref> Ab 1847 besuchte er an der Seite seines zwei Jahre älteren Bruders Irwin das Farmers College in Cincinnati. Dort geriet er unter Einfluss des Lehrers Robert H. Bishop, der zuvor Dekan an der Miami University in Oxford, Ohio, gewesen war.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 242.</ref> Aus dem folgenden Jahr ist Harrisons erste politische Äußerung bekannt; in einer Notiz kritisierte er die Nominierung des demokratischen Ex-Präsidenten Martin Van Buren zum Präsidentschaftskandidat für die abolitionistisch geprägte Free Soil Party. Er sah darin einen Verrat an der Faktion früherer Whigs innerhalb der Partei.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 245.</ref>
Bis 1849 hatte sich die wirtschaftliche Situation der Harrisons derart verschlechtert, dass der Besuch des Farmers College von Benjamin und Irwin zur Disposition stand als im Oktober ein weiterer Sohn geboren wurde.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 248 f.</ref> Im September 1850 beendete Harrison das Farmers College und begann ein Studium an der Miami University. Möglicherweise aus finanziellen Gründen, die der Tod seiner Mutter im Monat zuvor erheblich verschärft hatte, konnte er seinen ursprünglichen Wunsch eines Studiums an der Yale University nicht verwirklichen. Zudem war Harrisons Jugendliebe Caroline Lavinia Scott eine Schülerin in Oxford.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 251 f.</ref>
An der Universität entwickelte sich Harrison gut und wurde 1851 Präsident einer studentischen Literaturgesellschaft und Mitglied einer Fraternity namens Phi Delta Cappa. Sein christlicher Glaube erwachte und er war sich nicht sicher, ob er sein Studium Richtung Theologie, Jura oder in ein anderes Fach vertiefen sollte. Gleichfalls 1851 verlobte er sich im Geheimen mit Caroline.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 253.</ref>
Er schloss 1852 die Miami University als einer der besten seines Semesters ab.<ref name="BP">Benjamin Harrison: Life before the presidency. Miller Center of Public Affairs, University of Virginia (englisch), abgerufen am 18. April 2018.</ref> Der Arbeitsstil, den er sich bis dahin angeeignet hatte, zeichnete sich durch enormes Tempo aus. Bei der Abschlussfeier der Graduierten im Juli 1852 war er einer der Redner; er wählte als Thema Die Armen in England und prangerte die Sozialpolitik des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland an. Sein Vater, der im November als Repräsentant in den 33. Kongress der Vereinigten Staaten gewählt wurde, schickte ihn an die Rechtsschule der Miami University, zu dieser Zeit die einzige in Ohio. Die praktische Ausbildung fand in der Anwaltskanzlei von Bellamy Storer in Cincinnati statt.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 256.</ref>
Am 20. Oktober 1853 heirateten Caroline Scott und Benjamin Harrison im Haus des Brautvaters in Oxford.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 259.</ref> Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor; im August 1854 Russell Benjamin<ref>https://de.findagrave.com/memorial/19504719/russell_benjamin-harrison, abgerufen am 10. September 2026.</ref> und im April 1858 Mary Scott.<ref>https://de.findagrave.com/memorial/6535363/mary_scott-mckee, abgerufen am 10. September 2026.</ref>
Im März 1854 zog mit seiner schwangeren Frau nach Indianapolis, wo er die Anwaltsprüfung ablegen und danach praktizieren wollte. Harrison kam mit der Zulassung vor Gericht langsamer als gedacht voran, weshalb Caroline aus Kostengründen zurück zu ihren Eltern nach Oxford zog. Nach der Geburt von Russell kehrte sie zu Harrison zurück. Gegen Ende des Jahres eröffnete er seine Anwaltskanzlei; den Schwerpunkt anfangs bildeten notarielle Fälle wie Urkunden und Nachlass-Angelegenheiten.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 261 f.</ref>
Anwalt und politische Anfänge (1855–1861)[Bearbeiten]
Anfang 1855 kontaktierte ihn William Wallace, Bruder des Autors Lew Wallace und Sohn des früheren Indiana-Gouverneurs David Wallace, weil er mit ihm eine Kanzlei eröffnen wollte. Durch die Gemeinschaftspraxis erhoffte sich Wallace eine Entlastung in seinem Wahlkampf für die Stelle als Leiter der Stadtverwaltung (city clerk). Im Rahmen von Wallaces Wahlkampagne für die People’s Party hielt Harrison seine erste politische Rede. Die People’s Party war vor allem eine Oppositionsbewegung gegen den Kansas-Nebraska Act von 1854, der die Ausbreitung der Sklaverei in neue Bundesstaaten erlaubt hatte, weshalb Harrison in seiner Ansprache den immer stärker werdenden Partikularismus von Nord- und Südstaaten kritisierte. Als Wallace die Wahl verloren hatte, kehrte er in die Kanzlei mit Harrison zurück. Dieser erreichte Ende des Jahres die Ernennung zum regionalen Beauftragten zur Beweisaufnahme für den gerade erst geschaffenen United States Court of Claims („Bundesgericht für Entschädigungsansprüche“).<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 264.</ref>
Bis 1856 war Harrison zum überzeugten Sklavereigegner geworden und fand Anschluss an die unlängst gegründete Republikanische Partei, in der sich die Gegner einer weiteren Ausbreitung der Sklaverei in den Staaten sammelten. Entsprechend engagierte er sich bei der Präsidentschaftswahl 1856 für John Charles Frémont und hielt weitere öffentliche Reden. Harrisons Vater hingegen machte Wahlkampf für Millard Fillmore, den Präsidentschaftskandidaten der nativistischen Know-Nothing Party („Nichtswisser-Partei“).<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 267.</ref> Im Jahr 1857 wurde Harrison zum Verdruss von Vater und Bruder, der auch ein Know-Nothing war, für die Republikaner zum Staatsanwalt (city attorney) von Indianapolis gewählt.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 270.</ref> Nach Ablauf seiner Amtszeit 1858 entschied er sich gegen eine erneute Kandidatur, setzte seinen Aufstieg in den Rängen der Republikaner aber fort, als er zum Sekretär des Zentralausschusses der Republikaner Indianas gewählt wurde. In dieser Funktion wurde er zum Hauptverantwortlichen für das Einwerben von Parteispenden und machte seinen Namen rasch in der Parteiorganisation des Bundesstaats bekannt.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 273.</ref>
Im Jahr 1860 wurde Harrison zum offiziellen Berichterstatter des State Supreme Court von Indiana gewählt. Seine Aufgabe bestand darin, alle Anhörungen des Gerichts zu dokumentieren, und in einem Band zusammenzuführen. Im Präsidentschaftswahlkampf von 1860 betätigte er sich als Kampagnenredner für Abraham Lincoln.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 279 f.</ref>
Den ersten Band als Berichterstatter des Indiana Supreme Court veröffentlichte er 1861. Das Arbeitspensum für dieses Projekt und seine sonstige Anwaltstätigkeit stieg so sehr an, dass er Familie und Gesundheit vernachlässigte. Obwohl neben seiner Frau und den beiden Kindern der Haushalt zusätzlich aus einem seiner Brüder, einem Neffen und einem Schwager bestand, verdiente Harrison mittlerweile so viel Geld, dass er am Jahresende mit Familie und Anhang ein größeres Haus beziehen konnte. Gleichfalls 1861 löste er die Partnerschaft mit Wallace auf und nahm William P. Fishback als neuem Sozius eine Kanzlei auf.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 288.</ref>
Im Amerikanischen Bürgerkrieg (1862–1865)[Bearbeiten]
Oberst des 70. Indiana-Regiments[Bearbeiten]
Im Sommer 1862 stellte sich die Stimmung in Indiana als sehr bedrückt dar. Die Unionstruppen konnten während des Sezessionskriegs im Osten kaum Erfolge gegen die Army of Northern Virginia der Confederate States Army erzielen, während Südstaatengeneral Braxton Bragg Ohio bedrohlich nahekam. Lincoln ließ daraufhin weitere Truppen ausheben, aber in Indiana, das seine Quota an Rekruten 1861 übererfüllt hatte, blieben die Freiwilligen aus. Gouverneur Oliver Morton bat daher Harrison um Unterstützung und forderte ihn auf, ein Regiment aufzustellen bis sich ein Kommandeur fand. Harrison lehnte ab, weil er ein von ihm ausgehobenes Regiment selbst führen wollte und Bedenken wegen seiner mangelnden militärischen Erfahrung hatte. Morton sah daher davon ab, Harrison zum Oberst und Regimentschef zu ernennen, sondern setzte ihn als Unterleutnant für die Rekrutierung ein. Mitte Juli sprachen sie beide bei Veranstaltungen zur Truppenwerbung, allerdings blieb angesichts des Abbruchs des Halbinsel-Feldzugs durch die Army of the Potomac nach der Sieben-Tage-Schlacht der Erfolg aus. Nach zwei Wochen Personalwerbung hatte Harrison lediglich 85 Männer als Unionssoldaten gewinnen können. Am 22. Juli ernannte ihn Morton zum Hauptmann des 70. Indiana-Regiments.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 294.</ref>
Das Regiment kampierte auf dem Messegelände von Indianapolis. Bis August wies das Regiment einen Aufwuchs von 250 Soldaten auf und Harrison wurde am 8. August vom Gouverneur zum Oberst und Regimentschef ernannt. Auf eigene Kosten rekrutierte er einen militärischen Ausbilder aus Chicago. Militärischer Drill war entsprechend die Hauptbeschäftigung des Regiments in den ersten Wochen. Daneben war eine Aufgabe der Einheit, die Bewachung von Zügen mit Kriegsgefangenen der Konföderierten. Ende August erhielt das Regiment den Marschbefehl nach Bowling Green in Kentucky, wo der Einmarsch von Südstaaten-Truppen unter Oberst John Hunt Morgan und die Zerstörung der Eisenbahnstrecken befürchtet wurde. Bald machten Gerüchte in Indianapolis den Umlauf, dass das 70. Indiana-Regiments zurückgeschlagen und Harrison gefangen worden war, doch Harrison konnte seine besorgte Frau in einem Brief beruhigen.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 294.</ref>
Die Konföderierten sammelten sich bis 30. September in Russellville knapp 50 km südwestlich von Bowling Green. Just an diesem Tag erhielt Harrison die Order, auf Russellville vorzustoßen. Am 3. Oktober hatte das 70. Indiana-Regiment den Ort umzingelt und konnte diesen in einem kleineren Gefecht einnehmen. Auf Seite der Union fiel nur ein Soldat, während es auf Seite der Konföderation 33 Soldaten waren. Im Folgemonat organisierte Generalmajor William Starke Rosecrans das Regiment um und gliederte es in das 12. Korps der Army of the Cumberland ein. Am 24. November erreichte das 12. Korps Gallatin in Tennessee und kurz darauf wurde das 70. Indiana-Regiment zur Überwachung der Eisenbahnstrecke zwischen Gallatin und Nashville eingesetzt.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 294.</ref>
Das folgende Jahr war durch Routine- und Bereitschaftsdienst gekennzeichnet, das Regiment 1863 an keinen Gefechten beteiligt. Im August verlegte es nach Nashville, um den Nachschub Richtung Chattanooga abzusichern. Harrison vertrieb sich den Lagerkoller mit Lektüre von Romanen und militärwissenschaftlicher Literatur; im Mai und September besuchte ihn seine Frau im Camp. Auf Empfehlung seines Vorgesetzten besuchte Harrison im Oktober einen Generalstabslehrgang.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 300.</ref>
Brigadechef und Atlanta-Feldzug[Bearbeiten]
Im Rahmen einer Umorganisation bekam Harrison am 2. Januar 1864 das Kommando über eine Brigade innerhalb eines erst von Oliver Otis Howard und ab April von Joseph Hooker geführten Korps. Harrisons direkter Vorgesetzter war Divisionschef William Thomas Ward. Ende Februar rückte Harrisons Division aus Nashville ab, wobei er in Rage geriet, als Ward den Weg verlor und die ganze Division umkehren musste, denn er machte dafür die Trunksucht seines Vorgesetzten verantwortlich. Währenddessen hatten ihn seine Parteifreunde ohne sein Wissen erneut zum Berichterstatter des State Supreme Court nominiert. Harrison akzeptierte die Nominierung, machte aber klar. dass er erst nach dem Militärdienst dieses Amt übernehmen könnte. Im März 1863 erhielt Harrison die Kommandantur über ein Feldlager in Wauhatchie, Tennessee. Im gleichen Monat wurde im Rahmen einer Umorganisation Harrisons Brigade aufgelöst; er fungierte wieder als Regimentschef unter General Ward. Anfang Mai begann der Atlanta-Feldzug von William Tecumseh Sherman und das 70. Indiana-Regiment stieß im Rahmen dieser Operation über das letztjährige Schlachtfeld von Chickamauga nach Süden vor und erreichten nach kleineren Scharmützeln eine Position nahe Dalton.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 305.</ref>
Bei den Gefechten bei Tunnel Hill am 9. und 10. Mai hielt Korpsführer Hooker das 70. Indiana-Regiment in Reserve; am 13. Mai warf er es in vorderster Linie in die Schlacht von Resaca gegen die Konföderierten unter Joseph E. Johnston. Am nächsten Tag geriet das Regiment unter Beschuss, als es in ein Tal vorrückte. Harrison führte sie zu einer feindlichen Batterie, wo sie mit einem Bajonettangriff eine Granatkanone eroberten. Danach rückte das Regiment mit Harrison vorweg in die von Truppen John Bell Hoods bemannten Brustwehr der Konföderierten. Nach einer Verwundung General Wards sammelte er die Brigade und übernahm ihre Führung. Auf Befehl vom Divisionschef setzte Harrison die Attacke nicht weiter fort, sondern unterstütze die Brigade von General John Coburn.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 305.</ref>
Ende Mai erhielt Harrison eine Beförderung und wurde offiziell Brigadeführer. Er nahm weiter am Atlanta-Feldzug Shermans teil und erhielt Anfang September in Atlanta die Order, sich bei Gouverneur Morton in Indiana zu melden. Bis dahin hatte er deutlich mehr Gefechtsergahrung gesammelt als sein berühmter Großvater „Tippecanoe“ Harrison. In Indianapolis angekommen, bestimmte ihn Morton zum Wahlkampfhelfer für Lincoln und teilte ihn zur weiteren Rekrutierung von Unionssoldaten ein. Mitte Oktober hatte er die Wahl zum Berichterstatter für den Indiana Supreme Court gewonnen. Seine Hoffnung, wieder dieser Beschäftigung nachzugehen, wurde enttäuscht, denn er wurde Ende des Jahres zu seiner Einheit zurückbefohlen.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 305 f.</ref>
Harrisons Brigade wurde nach Nashville in Marsch gesetzt, wo sie Armeechef Generalmajor George Henry Thomas Truppen verstärken sollten und in der Schlacht von Nashville am 15./16. Dezember 1864 mitkämpften. Am ersten Gefechtstag rückte Harrison am rechten Flügel gegen eine Batterie unter General Benjamin Franklin Cheatham vor, ohne etwas zu erreichen. Am nächsten Tag wurde Hood zurückgeworfen und Harrison vergeblich mit der Anweisung nach Murfreesboro entsandt, diesem den Rückzug über den Tennessee River abzuschneiden.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 306.</ref>
Im Januar 1865 wurde Harrison von General Thomas nach Savannah in Georgia beordert, wo sein altes Regiment auf ihn wartete. Währenddessen hatte sein Vorgesetzter ihn zur Beförderung zum vorgeschlagen und im Februar wurde Harrison vom Kriegsministerium der Vereinigten Staaten über die Beförderung zum Brevet-Brigadegeneral informiert. Mit Frau und Kindern auf Familienbesuch in Pennsylvania erkrankte er an Scharlach.und stand 30 Tage unter Quarantäne. Gegen ärztlichen Rat und immer noch geschwächt machte er sich auf die Seereise nach Hilton Head Island in South Carolina, um dort Anfang März wieder das Kommando über das 70. Indiana-Regiment zu übernehmen. Von dort ging es Anfang April nach Wilmington, wo sie sich den Truppen Shermans anschließen sollten. Als Harrison am 19. April dort eintraf, erfuhr er von der Kapitulation General Robert Edward Lees vor den Truppen unter General Ulysses S. Grant in Appomattox Court House und wenige Tage später in Raleigh von der Ermordung Lincolns. Am 8. Juni wurde er aus dem Militärdienst entlassen.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 311.</ref>
Rückkehr in die Politik und Anwaltstätigkeit (1866–1871)[Bearbeiten]
Nach einem feierlichen Empfang in Indianapolis kehrte Harrison zur Tätigkeit des gerichtlichen Berichterstatters zurück. Politisch identifizierte er sich immer mehr mit der Faktion der Radikalen Republikaner.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 311.</ref> Im April 1867 erlitt der völlig überarbeitete Harrison während eines Gerichtsverfahrens einen Nervenzusammenbruch. Er entschied sich daher gegen eine erneute Kandidatur als Berichterstatter für den Indiana Supreme Court und ging mehrere in Minnesota zur Erholung Jagen und Fischen. Im Herbst 1867 nahm er die Kanzleitätigkeit wieder auf.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 317.</ref>
Die Präsidentschaftswahl 1868 ging in der Öffentlichkeit in Indiana wegen eines lokalen Doppelmords, den Cold Spring murders, unter, der die Gemüter bewegte. Harrison hielt im Wahlkampf für Grant nur zwei öffentliche Reden. Weil nach dem republikanischen Sieg mit Schuyler Colfax ein Politiker aus Indiana zum Vizepräsident wurde, ging damit auch eine größere Bedeutung Harrisons innerhalb der Republikaner einher.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 320.</ref> Im nächsten Jahr sorgte Harrison für eine erneute Klageerhebung im Falle der Cold Spring murders gegen die im ersten Prozess freigesprochene Nancy Clem und konnte ihr im ersten Verfahren die Bestechung von Zeugen nachweisen. Sie wurde zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt, aber der Indian Supreme Court hob das Urteil bald auf. Erst elf Jahre später nach weiteren Prozessen erreichte Harrison eine Verurteilung wegen Meineid, die Clem vier Jahre im Gefängnis einbrachten.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 324.</ref>
Bei den Kongresswahlen 1870 hielt er eine Wahlkampfrede für den befreundeten Schriftsteller Lew Wallace, der sich um einen Sitz im Repräsentantenhaus bewarb. Ansonsten zog er sich in diesem Jahr weitgehend aus der Politik zurück und unternahm mit der Familie eine ausgedehnte Reise durch den Nordosten der Vereinigten Staaten.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 326.</ref> Im Jahr 1871 sahen ihn viele entscheidende Republikaner in Indiana als einen aussichtsreichen Kandidaten für eine Gouverneurswahl an. Er war ein guter Parteisoldat, sich als Unionssoldat einen Namen gemacht und galt als ein hervorragender Verteidiger und Strafverfolger. Präsident Grant engagierte Harrison in einem Folgeprozess von Ex parte Milligan als Verteidiger von Gouverneur Morton und anderen gegen die Schadensersatzforderungen des Demokraten Lambdin P. Milligan, der während des Bürgerkriegs von einem Militärgericht wegen Landesverrats verurteilt worden war. Das Gericht gab am Ende Milligan recht, sprach ihm aber nur 5 US-Dollar Schadensersatz zu. Das Urteil erhöhte Harrisons Renommee noch weiter.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 328.</ref>
Gouverneurskandidat (1872–1880)[Bearbeiten]
Anfang 1872 überredeten schließlich Freunde den zögernden Harrison zu einer Kandidatur als Gouverneur. Auch weil er auf Anraten seines Vaters keine eigene Wahlkampagne betrieb, verlor er auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner Indianas Mitte Februar gegen General Thomas McLean Browne im zweiten Wahldurchgang. Im anschließenden Gouverneursrennen, das der demokratische Kandidat gewann, engagierte sich Harrison für Browne und hielt auch Wahlkampfreden für Grant beim Präsidentschaftsrennen 1872.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 331.</ref> Durch die Panik von 1873 bekam es Harrisons Kanzlei vermehrt mit Schuld- und Insolvenzrecht sowie Zwangsvollstreckungen zu tun, so dass das Geschäft trotz der Depression weiterhin Gewinn abwarf.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 334.</ref>
Im Herbst 1874 baute Harrison ein Anwesen für mehr als 20.000 US-Dollar in Indianapolis auf einem Grundstück, das seit 1857 in seinem Besitz war. Das zweistöckige Haus hatte 16 Zimmer und eine geräumige Bibliothek.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 337.</ref> Anfang 1875 sprachen ihn wieder führende Republikaner in Indiana auf eine Gouverneurskandidatur an, aber Harrison lehnte ab. Seine Freunde bedeuteten ihm, dass er ohne diese Kandidatur offen für eine mögliche Nominierung als Präsidentschaftskandidat für die Wahl 1876 sei. Tatsächlich begannen noch im gleichen Jahr einige Zeitungen in Ohio und Indiana für Harrison als Präsidentschaftskandidat die Werbetrommel zu rühren.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 341.</ref>
Bei der Republican State Convention im Februar 1876 blieb Harrison passiv, sowohl bei der Nominierung des Gouverneurs- als auch des Präsidentschaftskandidaten. Als Gouverneurskandidat Godlove Stein Orth im Juli 1876 aus dem Rennen ausstieg, weil er in einen Skandal verwickelt war, entschieden sich die Republikaner Indianas für eine Nominierung Harrisons. Wiederum zögerte Harrison, bevor er die Nominierung annahm, und Mitte August seine Wahlkampagne eröffnete. Im Oktober unterlag er dem Demokraten James D. Williams knapp mit 5000 Stimmen. Kurz nach dem Präsidentschaftswahltag bat ihn Präsident Grant Mitte November vor dem Hintergrund des Disputs um Wahlergebnisse, die Stimmenauszählung im strittigen Louisiana zu überwachen, doch Harrison stellte sich nicht zur Verfügung.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 344 f.</ref>
Anfang 1877 erwog der neu gewählte Präsident Rutherford B. Hayes kurzzeitig, Harrison als Marineminister zu berufen, aber Indianas führender Republikaner Oliver Morton, mittlerweile Senator, überzeugte den Präsidenten mit Richard W. Thompson von einem anderen „Landeskind“ für dieses Ressort. Mitte Juli 1877 erreichte ein landesweiter Streik der Eisenbahner Indianapolis; kurz zuvor hatten Harrison, Albert G. Porter und andere Anwälte zur Kontrolle des Streiks ein „Komitee für öffentliche Sicherheit“ gegründet. Am 25. Juli traf sich dieses Gremium mit den Streikenden und konnte auf der anderen Seite reaktionäre Konservative davon abhalten, die Miliz Indianas gegen die Eisenbahnarbeiter einzusetzen. Das Komitee zeigte Verständnis für die Lohnforderungen der Streikenden in einem Mediationstext, der öffentlich verlesen wurde. Nachdem die von Gouverneur Orth bewusst verzögert einberufene Miliz doch eingetroffen war und einige Streikführer verhaftet hatte, konnte Harrison vor dem Richter ihre Freilassung bewirken. Dieses Bemühen um Schlichtung machte Schlagzeilen und förderte Harrisons Prestige.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 348 f.</ref>
Im Jahr 1878 wurde die Harrison-Familie Opfer einer makabren Verbrechensserie in Form von Leichendiebstahl. Kurz nach der Beerdigung des angeheirateten Cousins Samuel Augustus Devin<ref>https://de.findagrave.com/memorial/14628055/samuel_augustus-devin, abgerufen am 17. September 2026.</ref> Mitte Mai auf dem Congregational Green Cemetery in North Bend wurde dessen Leichnam gestohlen. Als eine Woche später John Scott Harrison starb und auf demselben Friedhof beigesetzt wurde, stellten die Harrisons Wachmänner für das Grab ein. Benjamins jüngerer Bruder machte sich derweil auf die Suche nach dem Leichnam Devins. Dabei stieß er in Begleitung eines Polizisten in die Räume des Ohio Medical College vor, wo er die an einem Seil hängende, inzwischen gleichfalls gestohlene Leiche seines Vaters vorfand. Nachdem ein Professor der Uni den Vorfall mit der Bemerkung wegwischte, das am Tage der Auferstehung ohnehin alle ihre Gräber verließen, wandte sich Harrison in einem Brief an die Bürger Cincinnatis. Darin räumte er zwar den Wert medizinischer Forschung ein, beschrieb aber die stillschweigende Duldung der Leichendiebstähle durch die medizinische Fakultät als Heuchelei. Tatsächlich war Cincinnati zu dieser Zeit ein wichtiger „Umschlagsplatz“ für Leichenbeschaffung und -Transport in andere Bundesstaaten. Bei den Wahlen im Herbst engagierte sich Harrison wieder als Wahlkampfredner, ohne den Sieg der Demokraten in Indiana verhindern zu können.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 351.</ref>
Im Februar 1879 unterlag Harrison dem Demokraten Daniel W. Voorhees bei der Wahl zum Senator in der Indiana General Assembly; zu dieser Zeit bestimmten noch in den meisten Bundesstaaten die state legislatures über die Besetzung im Senat in Washington. Im Juni berief ihn der Kongress in die siebenköpfige Mississippi River Commission. Harrison nahm die Auswahl erst nicht an, sondern musste von Präsident Hayes per Brief überzeugt werden. Aufgabe des Gremiums war, Maßnahmen zum Hochwasserschutz und Navigation auf dem Mississippi zu erarbeiten.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 354.</ref>
Bei der Republican National Convention Anfang Juni 1880 in Chicago führte Harrison die Delegation aus Indiana. Vor dem Nominierungsparteitag war nur klar, dass Indiana gegen eine Kandidatur von Grant für eine dritte Amtszeit (nach 1869–1877) stimmen werde. Harrison selbst wurde von einigen als möglicher Vizepräsidentschaftskandidat gehandelt. Am Ende unterstützte Harrison die Wahl des Überraschungskandidaten James A. Garfield und wurde dessen enger Freund und Berater. Er engagierte sich im Wahlkampf Garfields, der Indiana knapp gewann und ins Weiße Haus einzog.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 358.</ref>
Senator von Indiana (1881–1887)[Bearbeiten]
Garfield hoffte auf eine Zusage Harrisons für sein Kabinett, aber dieser präferierte das Senatorenamt, in das ihn die state legislature im Januar 1881 wählte. Im Senat stand er dem Ausschuss für Transport vor und war Mitglied unter anderem in den Ausschüssen für Indian Affairs, das Militär und die Territorien, der die Aufnahme der Territorien als Bundesstaaten in die Vereinigten Staaten vorbereitete.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 363.</ref> Anfang 1882 machten sich in Indiana wieder Stimmen nach einer Präsidentschaftskandidatur Harrisons breit. Im Senat trat Harrison für eine protektionistische Handelspolitik mit hohen Zöllen ein. Die Haushaltsüberschüsse sollten seiner Ansicht nach für die Versorgung der (Unions-)veteranen des Sezessionskriegs eingesetzt werden. Außerdem unterstützte er Präsident Chester A. Arthur, Nachfolger des im Sommer 1881 ermordeten Garfield, bei dessen kritischer Haltung beim Chinese Exclusion Act, den dieser am Ende zwar in Kraft setzte, aber mit einem Veto zuvor Abmilderungen beim Gesetz erreicht hatte. Bereits in dieser Zeit war Harrison angewidert von der Masse an Stellenbewerbern, die ihn als Senator bedrängten.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 365.</ref>
Das Jahr 1883 wurde für Harrison durch die schwere Erkrankung seiner Frau von Januar bis März überschattet. Im Juli lebten die Harrisons zur Regeneration im Kurort West Baden Springs im Süden Indianas. Er hielt im Wahlkampf für Senator William B. Allison mehrere Reden und sprach auch für die Republikaner in Ohio, wobei er stets Werbung für einen stärkeren Handelsprotektionismus machte.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 368.</ref> Vor dem Nominierungsparteitag 1884 hatten ihn die Republikaner Indianas als ihren Präsidentschaftskandidaten auf der Liste, nahmen davon aber Abstand, als sie die fehlende Unterstützung für Harrison jenseits von Indiana bemerkten.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 371.</ref>
Als eine zweite Hochzeitsreise verschlug es die Harrisons 1885 an die Pazifikküste und in den Yellowstone-Nationalpark. Im Senat war er vor allem mit der Gesetzgebung zu Eisenbahnen beschäftigt, die damals noch wenig reguliert war. Harrison sah die Notwendigkeit einer Kommission zur Regulierung zwischen den Bundesstaaten (interstate commerce commission), auch weil der einzelne Bürger den Eisenbahnunternehmen weitgehend machtlos gegenüberstand. Als die Demokraten in Indiana Versuche des Gerrymandering, auch in Vorbereitung der Senatskandidatur von Isaac P. Gray 1887, unternahmen, ging der zutiefst verärgerte Harrison an die Öffentlichkeit.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 375.</ref>
Im Senat brachte er 1886 ein Gesetz zur Anerkennung von South Dakota als Bundesstaat gegen den Widerstand der Demokraten durch. Diese befürchteten durch eine Aufnahme des den Republikanern zuneigenden Dakota-Territoriums in die Vereinigten Staaten eine Störung der Machtbalance im Electoral College.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 378.</ref> Drei Jahre später im November 1889 unter dem neuen Präsidenten Harrison wurden dann neben den beiden Dakotas noch Montana und Washington als Bundesstaaten integriert.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 386.</ref> In einer landesweit vielbeachteten Rede griff Harrison das korrupte „Beutesystem“ (Spoils System) an, das die Stellenbesetzung im öffentlichen Dienst dominierte. Die Attacke verletzte den demokratischen Präsident Grover Cleveland persönlich, der seinen Wahlsieg 1884 vor allem seinem Versprechen verdankte, das „Beutesystem“ einzugrenzen.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 378.</ref>
Nach langem Ringen verlor Harrison 1887 seinen Senatssitz an den Demokraten David Turpie. Wesentlich dafür war, dass die Demokraten die Besetzung des Präsident pro tempore mit einem Republikaner verhindern konnten, wobei Harrison vor dem Indiana Supreme Court unterlag, und Alonzo G. Smith dieses Amt behielt. Dadurch begünstigt gewann Turpie im Anfang 1887 die Wahl vor der General Assembly nach 16 Durchgängen. Harrisons durch diese Niederlage bereits getrübten Aussichten auf eine Präsidentschaftskandidatur 1888 verschlechterten sich weiter, als Anfang Dezember 1887 der letzte republikanische Präsidentschaftskandidat James G. Blaine zu signalisieren schien, erneut um die Nominierung zu kämpfen.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 380.</ref>
Nominierung und Präsidentschaftswahl 1888[Bearbeiten]
Anfang 1888 hatte sich Harrison eigentlich schon aus der Politik zurückgezogen, als seine Aussichten auf eine Nominierung Aufschwung erhielten, denn Blaine gab Ende Januar dem Republican National Committee den Verzicht auf eine Kandidatur bekannt. Im gleichen Monat erkundete James N. Huston die Lage in New York City, wo er mit New Yorker Parteigrößen eine mögliche Unterstützung Harrisons diskutierte. Kurz nach der Veröffentlichung von Blaines Verzichtserklärung machten dessen Anhänger klar, dass sie fortan Harrison und nicht den eigentlichen Favoriten John Sherman unterstützten. Neben Sherman wurden auch die Aussichten von Senator Allison höher eingeschätzt als die von Harrison. Dieser ergriff nun die Initiative und hielt in Detroit eine Rede, die national großen Applaus erhielt und als seine bis dahin beste angesehen wurde. Einige Wochen später folgte in Chicago eine weitere Ansprache; ein Schwerpunkt war die Kritik an den Zollsenkungen von Präsident Cleveland.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 382.</ref>
Auf dem Nominierungsparteitag wurde Sherman im ersten Wahldurchgang seiner Favoritenrolle gerecht und erreichte von 20 Kandidaten die meisten Stimmen. Bis zum fünften Wahldurchgang lichtete sich das Kandidatenfeld und Harrison hatte nun fast so viele Delegierte wie Sherman. Nach einer Meldung aus Schottland, dass der dort weilende Blaine die Kandidatur Harrisons präferierte, gewann dessen Wahl an Momentum. Im achten Durchgang sicherte sich Harrison mit 544 Stimmen die Nominierung. Als Running Mate für die Vizepräsidentschaft entschied sich die Convention für Levi P. Morton aus New York.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 382 f.</ref> Der Slogan seiner Präsidentschaftskampagne lautete Rejuvenated Republicanism, also in etwa „verjüngter Republikanismus“.<ref name="CE">Benjamin Harrison: Campaigns and Elections. Miller Center of Public Affairs, University of Virginia (englisch), abgerufen am 18. April 2018.</ref><ref>Vgl. dazu Jeffrey Normand Bourdon: Trains, Canes, and Replica Log Cabins: Benjamin Harrison’s 1888 Front-Porch Campaign for the Presidency. In: Indiana Magazine of History. Vol. 110, No. 3, September 2014, Skriptfehler: Ein solches Modul „URIutil“ ist nicht vorhanden., S. 246–269.</ref> Harrison führte eine Front Porch Campaign von der heimischen Veranda aus. In mehr als 80 spontanen Reden sprach er zu mehr als 300.000 Besuchern, die während des Wahlkampfs täglich vom Bahnhof zu Harrisons Anwesen pilgerten.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 383.</ref>
Obwohl er am 6. November beim popular vote 90000 Stimmen weniger als Cleveland erhielt, gewann Harrison relativ deutlich die Mehrheit im Electoral College. In den nächsten beiden Monaten war Harrison vor allem mit der Zusammenstellung seines Kabinetts beschäftigt.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 383.</ref> Neben dem Weißen Haus gewannen die Republikaner im 50. Kongress die Mehrheit in beiden Häusern, so dass eine „vereinte Regierung“ möglich war.
Präsidentschaft (1889–1893)[Bearbeiten]
- Präsidentschaftsübergang und Amtseinführung
Wie sein Vorgänger wollte Harrison gegen das „Beutesystem“ vorgehen, aber die schiere Masse an Stellenbewerbern noch vor seinem Einzug in das Weiße Haus überwältigte ihn. Während des Präsidentschaftsübergangs war er daher bis zu sechs Stunden täglich allein mit dieser Aufgabe beschäftigt, denn er wollte persönlich die Besetzung von mehr als 1700 Dienstposten schnellstmöglich sicherstellen. Am 25. Februar verließen die Harrisons Indianapolis Richtung Washington, wo er am 2. Februar den ausscheidenden Präsidenten Cleveland im Weißen Haus besuchte.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 385.</ref>
Die Amtseinführung von Harrison erfolgte am 4. März. Den Amtseid nahm ihm der Oberste Bundesrichter Melville W. Fuller ab. In seiner Antrittsrede bestärkte er einmal mehr seine protektionistischen Überzeugungen. Außerdem verneinte er, in den Südstaaten eine gesonderte Politik zu verfolgen, und forderte die Sicherstellung des Wahlrechts der dort lebenden Schwarzen. Harrison regte ferner eine Wiederbelebung der Monroe-Doktrin an und sprach sich für eine Vergrößerung von Kriegs- und Handelsmarine aus.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 385.</ref>
- Kabinettsauswahl und Berufungen ins Oberste Bundesgericht
In sein nur aus Nordstaatlern und Männern des Mittleren Westens bestehendes Kabinett berief Harrison unter anderem Blaine als Außenminister und mit William H. H. Miller einen Kanzleipartner zum Justizminister. Den Kaufhausbesitzer John Wanamaker bestimmte er zum Postminister.
Im Dezember 1889 nominierte Harrison David Josiah Brewer zum Obersten Bundesrichter; der Senat bestätigte kurz darauf diese Personalie.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 386.</ref>
Oklahoma Land Run[Bearbeiten]
Am 22. April 1889 wurde der westliche Teil des Indianerterritoriums zur Besiedlung freigegeben. Beim sogenannten Oklahoma Land Run strömten innerhalb kürzester Zeit mehr als 200.000 Menschen in die „nicht zugewiesenen Ländereien“ Unassigned Lands um sich eine Parzelle zu sichern.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 385.</ref> Nach der Öffnung des westlichen Teils des Indianerterritoriums für weiße Siedler machte sich dort schnell Gesetzlosigkeit breit. Um dem Herr zu werden, beschloss der Kongress Anfang Mai 1890 die Schaffung des Oklahoma-Territoriums, das vom Indianerterritorium abgetrennt wurde.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 387.</ref>
McKinley Tariff[Bearbeiten]
Eine der bedeutendsten Entscheidungen der Präsidentschaft Harrisons war der McKinley Tariff, der die Schutzzölle auf nahezu 50 % hob. Zudem stattete dieses Gesetz den Präsidenten mit weitreichenden handelspolitischen Befugnissen aus, die keine Beteiligung des Kongresses mehr vorsahen.
Sherman Antitrust Act[Bearbeiten]
Harrison unterstützte den Sherman Antitrust Act, der die marktbeherrschende Stellung von Trusts und Kartellen wie zum Beispiel der Standard Oil Company einschränken sollte. Das auf Senator John Sherman zurückgehende Gesetz war das erste dieser Art auf Bundesebene in den Vereinigten Staaten. Der Sherman Antitrust Act war allerdings zu vage gefasst und mit zu geringen finanziellen und personalen Mitteln ausgestattet, um eine besondere Wirkung zu entfalten. Zudem waren die in ihm vorgesehenen Sanktionen, die eine Höchststrafe von 5.000 US-Dollar (nach heutiger Kaufkraft 178.000 Dollar) vorsahen, sehr niedrig und kaum abschreckend. Die Amtsnachfolger von Harrison verschärften das Gesetz nach und nach und schränkten damit die Macht der Monopole ein. Der Sherman Antitrust Act ist bis heute die Grundlage des amerikanischen Wettbewerbsrechts.<ref name="DA">Benjamin Harrison: Domestic Affairs. Miller Center of Public Affairs, University of Virginia (englisch), abgerufen am 18. April 2018.</ref>
Geldpolitik[Bearbeiten]
Anfang 1890 gingen die für freies Silber eintretenden Senatoren der Weststaaten (silver bloc) in die Initiative, um den Bland-Allison Act aufzuweichen. Dieses 1878 beschlossene Gesetz beschränkte den staatlichen Aufkauf zur Prägung von Silbermünzen auf vier Mio. US-Dollar pro Monat.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 387.</ref>
Wahlrecht für Schwarze in den Südstaaten[Bearbeiten]
Gleichfalls zum Jahresbeginn 1890 gab es landesweit in vielen Städten Massenversammlungen von Schwarzen, die ihr Wahlrecht in den Südstaaten einforderten, wo es von den lokalen Behörden unterdrückt wurde. Am 3. Februar veröffentlichten sie eine Botschaft an den Präsident, wo sie neben dem Wahlrecht die im Süden virulente Lynchjustiz, fehlende Schulen für Afroamerikaner und Ausschluss von der politischen Teilhabe südlich der Mason-Dixon-Linie thematisierten. Mit Hilfe des Sprechers des Repräsentantenhauses Thomas Brackett Reed wurde zwar der lodge bill im Haus verabschiedet, der eine Überwachung der Wahlen in den Südstaaten durch Bundesbehörden vorsah, aber im Senat scheiterte dieses Gesetz.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 387.</ref>
Außenpolitik[Bearbeiten]
Anfang Oktober 1889 fand in Washington unter Vorsitz von Außenminister Blaine die erste Panamerikanische Konferenz statt. Mit Ausnahme der Dominikanischen Republik nahmen alle unabhängigen Nationen der westlichen Hemisphäre daran teil. Blaine gab als Ziel der Zusammenkunft eine gemeinsame Amerikapolitik aus, die auf „Freundschaft statt auf Gewalt“ basieren sollte.<ref>Lyle Emerson Nelson: American Presidents: Year by Year. Volumes 1–3: 1732–2000. Oxon 2015, S. 385 f.</ref>
Im außenpolitischen Tagesgeschäft kam es zu einem Streit mit dem Nachbarn Kanada um die reichen Fisch- und Robbengründe um den Aleuten-Archipel in Alaska und mit einigen europäischen Staaten, insbesondere mit dem Deutschen Reich, die aus hygienischen Bedenken ein Embargo auf amerikanisches Schweinefleisch verhängten. 1891 gerieten die chilenisch-amerikanischen Beziehungen in eine tiefe Krise, als der dortige amerikanische Botschafter Patrick Egan sich zu sehr in die inneren Angelegenheiten des Landes eingemischt hatte, indem er Flüchtlingen in der Botschaft Unterschlupf bot. Der Baltimore-Zwischenfall um die Gefangensetzung von einem Dutzend amerikanischer Seeleute und der Mord an zwei von ihnen brachten die beiden Länder an den Rande eines Krieges. Im Rückblick lobte der spätere Präsident Theodore Roosevelt die energische Außenpolitik Harrisons und seines Außenministers James G. Blaine. Als 1893 amerikanische Pflanzer die Monarchie in Hawaii stürzten, hielt sich Harrison, der sehr wohl an einer Marinebasis interessiert war, zurück und reagierte nicht wie erwartet mit der Annexion der Inseln.<ref>Vgl. dazu George W. Baker, Jr.: Benjamin Harrison and Hawaiian Annexation: A Reinterpretation. In: Pacific Historical Review. Vol. 33, No. 3, August 1964, Skriptfehler: Ein solches Modul „URIutil“ ist nicht vorhanden., S. 295–309.</ref>
Nominierung und Präsidentschaftswahl 1892[Bearbeiten]
Bei der Präsidentschaftswahl 1892 trat Harrison erneut gegen Cleveland an, mit Whitelaw Reid als Running Mate. Er führte aber keinen Wahlkampf, da er sich um seine tuberkulosekranke Frau kümmerte, die schließlich zwei Wochen vor der Wahl starb.<ref>Vgl. dazu Donald Marquand Dozer: Benjamin Harrison and the Presidential Campaign of 1892. In: The American Historical Review. Vol. 54, No. 1, Oktober 1948, Skriptfehler: Ein solches Modul „URIutil“ ist nicht vorhanden. S. 49–77.</ref> So setzte sich am Ende Cleveland durch, wobei Harrison dieses Mal im Popular Vote und im Electoral College den Kürzeren zog. Neben dem Solid South gewann Cleveland wichtige Bundesstaaten wie New York, Illinois und auch Harrisons Heimatstaat Indiana.
Nach der Präsidentschaft (1893–1901)[Bearbeiten]
Nach dem Ende seiner Amtszeit kehrte er nach Indianapolis zurück und heiratete 1896 die verwitwete Mary Lord Dimmick, eine Nichte seiner ersten Gattin.<ref name="LB">Benjamin Harrison: Life in Brief. Miller Center of Public Affairs, University of Virginia (englisch), abgerufen am 18. April 2018.</ref> Ansonsten führte Harrison das Leben eines Elder Statesman. So hielt er eine Vorlesungsreihe über Verfassungsrecht an der Stanford University und war leitender Berater Venezuelas bei seinen Grenzdisputen mit Britisch-Guayana. Er starb 1901 an einer Lungenentzündung in seinem Haus in Indianapolis. Harrison wurde neben seiner ersten Frau auf Crown Hill National Cemetery in Indianapolis begraben.<ref name="AP">Benjamin Harrison: Life after the Presidency. Miller Center of Public Affairs, University of Virginia (englisch), abgerufen am 18. April 2018.</ref>
Nachleben[Bearbeiten]
Seine Zeitgenossen hielten Harrison nach der Panik von 1893, welche die Amtszeit seines Nachfolgers Cleveland überschattete, zunächst in guter Erinnerung, wurde aber in Folge der stürmischen Entwicklung und des großen Wirtschaftsaufschwungs, welcher die USA um die Jahrhundertwende erfasste, bald schon wieder vergessen. Im Urteil der Historiker stand Harrison lange Zeit im Schatten späterer Präsidenten wie William McKinley und Theodore Roosevelt und galt als farblos und unbedeutend. In letzter Zeit wird jedoch sein Eintreten für Bürgerrechte positiv hervorgehoben. Seine Außenpolitik, insbesondere in Hinblick auf die Beziehungen mit Lateinamerika und dem pazifischen Raum, gilt ebenso als richtungsweisend.
In der von Arthur M. Schlesinger, Sr. im Jahr 1948 erstmals durchgeführten und 1962 sowie 1996 durch seinen Sohn Arthur M. Schlesinger wiederholten systematischen Expertenbefragung zur Bewertung der Präsidentschaften landete Harrison zuletzt in der vierten („Durchschnitt“) von sechs Kategorien, womit er sich in Gesellschaft von John Adams, Rutherford B. Hayes und Bill Clinton befand.<ref>Vgl. dazu Arthur M. Schlesinger, Jr.: Rating the Presidents: Washington to Clinton. In: Political Science Quarterly. Vol. 112, No. 2, Sommer 1997, Skriptfehler: Ein solches Modul „URIutil“ ist nicht vorhanden., S. 179–190.</ref> Bei einer anderen, seit 2000 mehrfach wiederholten Expertenbefragung auf C-SPAN erreichte Harrison Platzierungen von 30 bis 32.<ref>c-span.org, abgerufen am 12. September 2026.</ref>
Siehe auch[Bearbeiten]
Werke[Bearbeiten]
- This Country of ours. Zweite Auflage. C. Scribner, New York 1897, Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:LCCN“ ist nicht vorhanden..
- Mary Lord Harrison (Hrsg.): Views of an ex-president. Bowen-Merrill, Indianapolis 1901, Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:LCCN“ ist nicht vorhanden..
Literatur[Bearbeiten]
- Allan B. Spetter: Benjamin Harrison. In Ken Gormley (Hrsg.): The Presidents and the Constitution. Volume 1 (= From the Founding Fathers to the Progressive Era). New York State University Press, New York 2020, ISBN 978-1-4798-2323-9, S. 297–307.
- Raimund Lammersdorf: Benjamin Harrison (1889–1893): Präsident im Schatten des Kongresses. In: Christof Mauch (Hrsg.): Die amerikanischen Präsidenten: 44 historische Portraits von George Washington bis Barack Obama. 6., fortgeführte und aktualisierte Auflage. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-58742-9, S. 234–238.
- Michael J. Gerhardt: The Forgotten Presidents: Their Untold Constitutional Legacy. Oxford University Press, New York 2013, ISBN 978-0-19-938998-8, S. 141–154 (= 9. Benjamin Harrison).
- Charles W Calhoun: Benjamin Harrison (= The American Presidents Series. Hrsg. von Arthur M. Schlesinger, Sean Wilentz. The 23rd President). Times Books, New York City 2005, ISBN 978-0-8050-6952-5.
- Homer E. Socolofsky, Allan Spetter: The Presidency of Benjamin Harrison. University Press of Kansas, Lawrence 1987, ISBN 978-0-7006-0320-6.
- Harry Joseph Sievers:
- Benjamin Harrison: Hoosier Warrior. New York University Press, New York 1960, OCLC 1152918564.
- Benjamin Harrison: Hoosier statesman, from the Civil War to the White House, 1865–1888. New York University Press, New York 1960, OCLC 999549969.
- Benjamin Harrison: Hoosier President, The White House and after, 1889–1901. Bobbs Merrill, 1968, ISBN 978-0-672-50615-4.
Weblinks[Bearbeiten]
- Benjamin Harrisons Stimme (OGG; 695 kB)
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/WaybackSkriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden. auf whitehouse.gov (englisch)
- American President: Benjamin Harrison (1833–1901), Miller Center of Public Affairs der University of Virginia (englisch, Redakteur: Allan B. Spetter)
- The American Presidency Project: Benjamin Harrison. Datenbank der University of California, Santa Barbara mit Reden und anderen Dokumenten aller amerikanischen Präsidenten (englisch)
- Life Portrait of Benjamin Harrison auf C-SPAN, 20. August 1999, 130 Minuten (englischsprachige Dokumentation und Diskussion mit den Historikern Douglas Shumavon und Charles W. Calhoun sowie Führung durch das Benjamin Harrison Home)
- Skriptfehler: Ein solches Modul „WLink“ ist nicht vorhanden. in der Datenbank Find a GraveVorlage:Abrufdatum
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />
George Washington (parteilos, 1789–1797) | John Adams (F, 1797–1801) | Thomas Jefferson (D-R, 1801–1809) | James Madison (D-R, 1809–1817) | James Monroe (D-R, 1817–1825) | John Quincy Adams (D-R, 1825–1829) | Andrew Jackson (D, 1829–1837) | Martin Van Buren (D, 1837–1841) | William Henry Harrison (W, 1841) | John Tyler (W/parteilos 1841–1845) | James K. Polk (D, 1845–1849) | Zachary Taylor (W, 1849–1850) | Millard Fillmore (W, 1850–1853) | Franklin Pierce (D, 1853–1857) | James Buchanan (D, 1857–1861) | Abraham Lincoln (R, 1861–1865) | Andrew Johnson (D, 1865–1869) | Ulysses S. Grant (R, 1869–1877) | Rutherford B. Hayes (R, 1877–1881) | James A. Garfield (R, 1881) | Chester A. Arthur (R, 1881–1885) | Grover Cleveland (D, 1885–1889) | Benjamin Harrison (R, 1889–1893) | Grover Cleveland (D, 1893–1897) | William McKinley (R, 1897–1901) | Theodore Roosevelt (R, 1901–1909) | William Howard Taft (R, 1909–1913) | Woodrow Wilson (D, 1913–1921) | Warren G. Harding (R, 1921–1923) | Calvin Coolidge (R, 1923–1929) | Herbert Hoover (R, 1929–1933) | Franklin D. Roosevelt (D, 1933–1945) | Harry S. Truman (D, 1945–1953) | Dwight D. Eisenhower (R, 1953–1961) | John F. Kennedy (D, 1961–1963) | Lyndon B. Johnson (D, 1963–1969) | Richard Nixon (R, 1969–1974) | Gerald Ford (R, 1974–1977) | Jimmy Carter (D, 1977–1981) | Ronald Reagan (R, 1981–1989) | George H. W. Bush (R, 1989–1993) | Bill Clinton (D, 1993–2001) | George W. Bush (R, 2001–2009) | Barack Obama (D, 2009–2017) | Donald Trump (R, 2017–2021) | Joe Biden (D, 2021–2025) | Donald Trump (R, seit 2025)
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang
Klasse 1: Noble | Hanna | Tipton | White | Bright | Wright | Turpie | T. Hendricks | Pratt | McDonald | Harrison | Turpie | Beveridge | Kern | New | Ralston | Robinson | Minton | Willis | Jenner | Hartke | Lugar | Donnelly | Braun | Banks
Klasse 3: Taylor | W. Hendricks | Smith | Hannegan | Whitcomb | Cathcart | Pettit | Fitch | Lane | Morton | Voorhees | Fairbanks | Hemenway | Shively | Taggart | Watson | Van Nuys | Jackson | Jenner | Capehart | B. Bayh | Quayle | Coats | E. Bayh | Coats | Young
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Harrison, Benjamin |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Politiker, 23. Präsident der USA (1889–1893) |
| GEBURTSDATUM | 20. August 1833 |
| GEBURTSORT | North Bend, Ohio |
| STERBEDATUM | 13. März 1901 |
| STERBEORT | Indianapolis, Indiana |
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