Birgit Birnbacher
Birgit Birnbacher (* 1985 in Schwarzach im Pongau) ist eine österreichische Schriftstellerin.
Leben[Bearbeiten]
Birnbacher brach früh die Schule ab, lernte einige Berufe<ref>schreibART ONLINE: Birgit Birnbacher. Abgerufen am 5. November 2023.</ref> und ging für eine Weile zur Freiwilligenarbeit nach Äthiopien und Indien.<ref>Andrea Heinz: Literatin mit sozialem Gespür. In: Der Standard. 30. Juni 2019, S. 20 (Online [abgerufen am 19. Juni 2021]).</ref> Später holte sie ihre Matura nach und studierte Soziologie und Sozialwissenschaften. Sie arbeitete bis 2018 als Sozialarbeiterin und Soziologin in der Gemeinwesen- und Quartiersarbeit.<ref name="Bachmann">Kurzbiografie, Bachmannpreis-2019-Autorenprofil, abgerufen am 27. Juni 2019</ref> Zeitgleich begann sie, literarisch zu schreiben und ab 2012 auch zu veröffentlichen.
Seit 2025 verantwortet sie gemeinsam mit Nadine Samija und Carmen Schwarz die künstlerische Leitung des jährlichen mehrtägigen Literaturfestivals Literaturfest Salzburg.<ref>Willkommen beim Literaturfest Salzburg! Abgerufen am 30. Dezember 2025.</ref>
Sie ist Mitglied der IG Autorinnen und im Präsidium der Internationalen Erich-Fried-Gesellschaft.<ref>Mitglieder. In: Internationale Erich Fried Gesellschaft. Abgerufen am 25. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
In der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur gilt Birnbacher als unsentimentale Dialektikerin, die ihre Position anhand der Klarheit ihrer Erzählung und der Ökonomie ihrer Beobachtung untermauert.<ref>ORF Topos. Abgerufen am 30. Dezember 2025.</ref><ref>Carsten Otte: „Wovon wir leben“ von Birgit Birnbacher: Erst die Arbeit, aber dann? In: Die Zeit. 22. Februar 2023, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 31. Dezember 2025]).</ref> Immer wieder wird ihr besonderer Ton und ihr „leichtfüßiger Ernst“ hervorgehoben, mit dem sie gesellschaftspolitisch relevante Themen stilistisch eigenwillig bearbeitet.<ref>Birgit Birnbacher. BUCHAUTOR. Abgerufen am 8. April 2026.</ref> Durch diesen gilt sie als „glanzvolle Erzählerin und elegante Stilistin“ (Rainer Moritz 2026 in der NZZ).<ref>Rainer Moritz: «Sie wollen uns erzählen»: Birgit Birnbachers Familienroman über Normen und Anderssein. 25. März 2026, abgerufen am 8. April 2026.</ref>
Autorentätigkeit[Bearbeiten]
Birnbacher erhielt für erste Veröffentlichungen viel Aufmerksamkeit und mehrere Preise<ref>Oliver Pfohlmann: Zwischen Kummerkörper und Kleinstadthirnwichsen - Porträt der Generation WhatsApp: Über Birgit Birnbachers (Nicht-)Romandebüt „Wir ohne Wal“. In: literaturkritik.de. Abgerufen am 6. November 2023.</ref>, u. a. den Rauriser Förderungspreis<ref>Förderungspreise. Abgerufen am 6. November 2023.</ref>, den Theodor Körner Förderpreis<ref>Theodor Körner Förderpreis 2016. 12. Mai 2016, abgerufen am 6. November 2023.</ref> und den Autorenpreis des Irseer Pegasus<ref>Autoren mit 17. „Irseer Pegasus“ ausgezeichnet. Abgerufen am 6. November 2023.</ref>. Ihr Romandebüt „Wir ohne Wal“ erschien 2016 bei Jung und Jung<ref name="JungundJung">LauraFreudenthaler - Iris. In: Jung und Jung Verlag. Abgerufen am 6. November 2023.</ref> und wurde vor allem für die gegenwärtige Sprache und den eigenwilligen Sound gelobt.<ref name="JungundJung"/> Inhaltlich verhandelt „Wir ohne Wal“ bereits, was Birnbacher später thematisch weiter verfolgen wird: Themen rund um soziale Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Teilhabe<ref>Walgesänge. In: Missy Magazine. 15. November 2016, abgerufen am 6. November 2023.</ref>: „Es ist erstaunlich, wie es der Autorin gelingt, unterschiedliche Grade an emotionaler Beteiligung, Brüche, Sprünge und Komik zu erzeugen, ohne den mitreißenden Fluss des markant rhythmisierten Parlandos und die spürbare Energie des eigenwilligen Sounds zu verlieren, der die Leser in die Erzählsituation hineinzieht.“.<ref name="JungundJung"/>
Ihr zweiter Roman Ich an meiner Seite handelt von einem haftentlassenen Jugendlichen. Für den Roman verwendet Birnbacher die wahre Lebensgeschichte eines jungen Mannes<ref>schreibART ONLINE: Birgit Birnbacher. Abgerufen am 5. November 2023.</ref>. Der Roman landete im März 2020 auf der SWR Bestenliste (Platz 2)<ref>Birgit Birnbacher: Ich an meiner Seite. SWR2, 17. März 2020, abgerufen am 5. November 2023.</ref>, sowie im Mai 2020 auf Platz eins der ORF-Bestenliste,<ref>Die Beste im Mai: Birgit Birnbacher. In: ORF.at. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. April 2020; abgerufen am 29. April 2020.</ref> und wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert (Longlist).<ref>Birgit Birnbacher beim Deutschen Buchpreis.</ref> Im Feuilleton wurde vor allem die lakonische Sprache und der nüchtern-humorvolle Stil gelobt. Paul Jandl schrieb in der NZZ: „Ich an meiner Seite‘ ist ein tragikomischer Spass, der seine Pirouetten immer so setzt, dass man auf dem falschen Fuss erwischt wird. Bei aller sozialen Härte, die der Roman nicht zu erwähnen vergisst, gibt es auch eine beinahe utopische Botschaft (...).“<ref>Ich an meiner Seite. Hanser Literaturverlage, abgerufen am 5. November 2023.</ref>
Im Februar 2023 erschien ihr dritter Roman Wovon wir leben.<ref>Birgit Birnbachers „Wovon wir leben“: Suche nach einem Neuanfang - Literatur - derStandard.de › Kultur</ref><ref>Carsten Otte: „Wovon wir leben“ von Birgit Birnbacher: Erst die Arbeit, aber dann? In: Zeit Online. 22. Februar 2023, abgerufen am 28. Mai 2023.</ref> Die Protagonistin des Romans ist eine lungenkranke Frau in einem Pflegeberuf, die arbeitsunfähig und gekündigt wird.<ref name="autogenerated2">Birgit Birnbacher, Schriftstellerin | rbbKultur</ref> Thematisch behandelt der Roman patriarchale Strukturen im österreichischen Innergebirg, von wo auch Birnbacher selbst herkommt.<ref name="autogenerated2" /> „Wenn eine Frau ausfällt, muss eine andere herhalten. So geht das Rezept zur alten und ewigen Suppe“, ist einer der vielzitierten Sätze aus dem Buch, dessen Hauptthema gegenwärtige Arbeitswelten, Generationenkonflikte und Geschlechterrollen sind.<ref>Literaturclub - Stationen des Lebens: Bücher von Claire Keegan, John M. Coetzee, Birgit Birnbacher und C.F. Ramuz - Play SRF. Abgerufen am 5. November 2023.</ref> Im deutschsprachigen Feuilleton wurde „Wovon wir leben“ breit besprochen. Beispielsweise schrieb P. Teuwsen in der NZZ: „Einer der präzisesten und intensivsten Romane dieses Bücherjahres. Die Sprache ist von einer Lakonie, in der ein Feuer lodert.“<ref>Wovon wir leben, auf hanser-literaturverlage.de</ref> „Wovon wir leben“ wurde 2023 für den Österreichischen Buchpreis nominiert<ref>Alexander Lippmann: Österreichischer Buchpreis 2023: 13 Titel nominiert. 5. September 2023, abgerufen am 25. September 2023.</ref> und erlangte Plätze auf der ORF- und der SWR-Bestenliste.<ref>SWR2: Birgit Birnbacher: Wovon wir leben. 3. März 2023, abgerufen am 25. September 2023.</ref><ref>Lesley Kirnbauer: ORF Bestenliste April. 3. April 2023, abgerufen am 25. September 2023.</ref>
Ihre Bücher wurden in mehreren Sprachen übersetzt.
Privates[Bearbeiten]
Birgit Birnbacher lebt mit ihrer Familie als freie Schriftstellerin in Salzburg.<ref name="Bachmann" /><ref>Interview mit Birgit Birnbacher: Die Stadt Salzburg als „Befreiung“. 16. Mai 2023, abgerufen am 5. November 2023.</ref>
Werke (Auswahl)[Bearbeiten]
- Die Tant´. Anthologie zum Schreibwettbewerb Zürich. Museumsgesellschaft, Literaturhaus Zürich, Zürich, 2012.<ref>Literaturhaus | Die Tant´ von Birgit Birnbacher. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. März 2018; abgerufen am 8. März 2018. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
- Mal lichterloh, mal wasserblau. Edition Tandem Verlag, Salzburg, 2013.
- Ein Badewasserrest. Rauriser Förderungspreis. In: SALZ, Zeitschrift für Literatur, 159. Salzburg, 2015.<ref name=autogenerated3>Birgit Birnbacher | Rauriser Literaturtage. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. März 2018; abgerufen am 8. März 2018. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
- Zwei Jahre. In: konzepte. Zeitschrift für Literatur, 35. Neu-Ulm, 2015.
- aber wir. In: Beziehung.Krisen.Herd. Anthologie zum Münchner Kurzgeschichtenwettbewerb. Louisoder. München, 2016.
- Rote Riesen. In: Lichtungen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik, 144. Graz, 2015.
- Wir ohne Wal. Roman. Jung und Jung Verlag, Salzburg/Wien. 2016, ISBN 978-3-99027-089-9.<ref>Oliver Pfohlmann: Zwischen Kummerkörper und Kleinstadthirnwichsen. Porträt der Generation WhatsApp: Über Birgit Birnbachers (Nicht-)Romandebüt „Wir ohne Wal“. In: literaturkritik.de. 1. März 2017 (Online [abgerufen am 30. Juni 2019]).</ref>
- Über Peter Laubichler. In: Menschen aus Salzburg. Anthologie, Hg. Arno Kleibel, Jochen Jung. Otto Müller Verlag, Salzburg 2016
- Häuser von oben. In: manuskripte. Zeitschrift für Literatur, 212, Graz, 2016.
- Funktionsjacken. In: 100xÖsterreich. Neue Essays aus Literatur und Wissenschaft. Hrsg. von Sommerer, Zeyringer, Uhl. Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 2018, ISBN 978-3-218-01131-0.
- Der Schrank, gelesen beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2019.
- Ich an meiner Seite, Roman, Zsolnay Verlag, Wien 2020, ISBN 978-3-552-05988-7.
- Wovon wir leben, Roman. Zsolnay Verlag, Wien 2023, ISBN 978-3-552-07335-7.
- Sie wollen uns erzählen, Roman. Zsolnay Verlag, Wien 2026, ISBN 978-3-552-07521-4.
Auszeichnungen[Bearbeiten]
- 2015: Rauriser Förderungspreis<ref name=autogenerated3 />
- 2015: Autorenpreis Irseer Pegasus<ref>Literaturpreis Irseer Pegasus verliehen. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 8. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)</ref>
- 2015: Startstipendium Literatur des BKA<ref>nikt online communication, Austria, http://www.nikt.at: Literaturnetz.at | Details. Abgerufen am 8. März 2018.</ref>
- 2016: Theodor-Körner-Förderpreis<ref name=autogenerated1>nikt online communication, Austria, http://www.nikt.at: Literaturnetz.at | Details. Abgerufen am 8. März 2018.</ref>
- 2016: Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung<ref name=autogenerated1 />
- 2017: Shortlist zum Rauriser Literaturpreis<ref>Shortlist Literaturpreis 2017 | Rauriser Literaturtage. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Januar 2017; abgerufen am 8. März 2018.</ref>
- 2017: Finalistin zum Alpha Literaturpreis<ref>Literaturpreis Alpha 2017 wird zwischen drei Autorinnen entschieden. In: OTS.at. (Online [abgerufen am 8. März 2018]).</ref>
- 2018: Jahresstipendium Land Salzburg
- 2018/19: Projektstipendium Literatur BKA
- 2019: Ingeborg-Bachmann-Preis
- 2020: Nominierung Deutscher Buchpreis (Longlist)
- 2021: Buchpreis der Salzburger Wirtschaft<ref>Mag Eva MRAZEKWirtschaftskammer Salzburg, Buch-und Medienwirtschaft: Literatur als Seismograph der Gesellschaft. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. November 2021; abgerufen am 26. November 2021.</ref>
- 2023: Projektstipendium BKA<ref>BMKÖS/Mayer: Literaturstipendien 2023 vergeben. In: ots.at. 11. Juli 2023, abgerufen am 9. März 2024.</ref>
- 2023: Nominierung zum Österreichischen Buchpreis für Wovon wir leben<ref>Longlist 2023. In: Österreichischer Buchpreis. Abgerufen am 1. Oktober 2023.</ref>
- 2023: Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch; Sonderpreis Arbeitswelten Bildungswelten für Wovon wir leben<ref>Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch. Renner-Institut, abgerufen am 1. Januar 2024.</ref>
- 2024: Pèter Horvath Literaturpreis, Literaturhaus Stuttgart<ref>Péter Horváth Literaturpreis 2025 - Preisverleihung mit Apéro. Abgerufen am 12. Oktober 2024.</ref>
- 2025: AK-Literaturpreis: Hauptpreis und Publikumspreis
- 2026: Robert Musil Stipendium für mehrjährige literarische Projekte (2026–2029)<ref>Vergebene Langzeitstipendien für Literatur 2026-2029. Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 22. September 2026 (gleichzeitige Vergabe an Birgit Birnbacher, Natascha Gangl, Marko Dinić, Reinhard Kaiser-Mühlecker und Margit Schreiner).</ref>
- 2026: Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag für Sie wollen uns erzählen<ref>boersenblatt.net vom 28. September 2026, abgerufen am 28. September 2026</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Andrea Heinz: Literatin mit sozialem Gespür. In: Der Standard. 30. Juni 2019, S. 20 (Online [abgerufen am 30. Juni 2019]).
- Oliver Pfohlmann: Zwischen Kummerkörper und Kleinstadthirnwichsen. Porträt der Generation WhatsApp: Über Birgit Birnbachers (Nicht-)Romandebüt „Wir ohne Wal“. In: literaturkritik.de. 1. März 2017 (Online [abgerufen am 30. Juni 2019]).
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Birgit Birnbacher im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Birgit Birnbacher bei Perlentaucher
- Profil – auf den Seiten des Bachmannpreises
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Birnbacher, Birgit |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 1985 |
| GEBURTSORT | Schwarzach im Pongau |
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