Bohrschlammgrube
Eine Bohrschlammgrube (auch Schlammgrube oder Ölschlammgrube) ist eine Grube, die Bohrschlamm vornehmlich aus Bohrungen der Öl- und Gasindustrie beinhaltet.<ref name="lbeg1">Bohr- und Ölschlammgruben. Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, 5. Dezember 2014, abgerufen am 22. Januar 2015.</ref> Der Betrieb und die Überwachung laufen unter Bergrecht. Durch die Abgrenzung zum Abfall- und Bodenschutzrecht entspricht die Bohrschlammgrube unter Bergrecht nicht einer Deponie.<ref name="mue_lar">Johannes Müller, Ulf Larres: Bergbau und Bodenschutz. (PDF, 3,97 MB) In: 14. Niedersächsisches Bodenschutzforum. Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), 28. November 2013, abgerufen am 22. Januar 2015.</ref> Unterschieden werden Bohrschlammgruben und Ölschlammgruben. In Bohrschlammgruben wurden in der Regel Bohrspülungen entsorgt, die überwiegend aus Wasser (60 bis zu 95 %) und Bohrklein (5 bis 15 %) bestehen. In Ölschlammgruben wurden feste und flüssige ölhaltige Spülungen und Rückstände eingelagert.<ref name=":0">Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie: Bohr- und Ölschlammgruben. Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, 2017, abgerufen am 5. Februar 2023.</ref>
Rechtliche Grundlagen in Deutschland[Bearbeiten]
Bohrschlammgruben unterliegen im engeren Sinne während des Betriebes dem Bergrecht. Für den Betrieb von Bohrschlammgruben sind Betriebspläne zu erstellen<ref name="mue_lar" />, für die Einstellung eines Betriebes ist ein Abschlussbetriebsplan aufzustellen.<ref name=":1">Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) und Länderausschuss Bergbau (LAB): Abgrenzung zwischen Bundes-Bodenschutzgesetz und Bundesberggesetz. Hrsg.: Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Bodenschutz und Landerausschuss Bergbau. 2000 (labo-deutschland.de [PDF]).</ref> Nach Wiedernutzbarmachung der Bohrschlammgrube kann die Bergaufsicht beendet werden. Nach Entlassung aus der Bergaufsicht findet das Bodenschutzrecht Anwendung.<ref name="mue_lar" /><ref name=":1" />
Umweltrelevanz[Bearbeiten]
Die Umweltproblematik wurde bis in die 1950er/1960er-Jahre nur untergeordnet betrachtet. Aufgrund von Gasbohrungen in (teilweise auch erst später ausgewiesenen) Wasserschutzgebieten gibt es auch Bohrschlammgruben in Wasserschutzgebieten.<ref>Gasindustrie in Wasserschutzgebieten (in Nds.), Google-Karte.</ref>
Im Grundwasserabstrom sind hauptsächlich Chlorid und Natrium in erhöhten Konzentrationen zu finden: „Bei den Bohrschlammdeponien ist deutlich die Dominanz der Parameter Natrium (KF = 30,7) und Chlorid (KF = 22,4) zu erkennen, die aus der eingelagerten Ton-Salz-Spülung stammen.“<ref>Grundwasseruntersuchungen im Rahmen der Deponieüberwachung in Niedersachsen (PDF), Niedersächsisches Landesamt für Ökologie 2004</ref> Untergeordnet finden sich Sulfat und Schwermetalle.
Durch die Einlagerung von Bohrgut aus Öl- und Gasbohrungen sind auch Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW), aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX) und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nachgewiesen worden. Die Bohr- und Ölschlammgruben bekamen durch einen Beitrag des NDR im ARD-Magazin Plusminus im Dezember 2014 mediale Aufmerksamkeit.<ref name="+-">Alexa Höber: Zeitbombe Bohrschlamm. In: Plusminus. ARD, 4. Dezember 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 14. Januar 2015; abgerufen am 22. Januar 2015.</ref> Auf einer Internetplattform konnten im Anschluss durch jedermann Verdachtsflächen gemeldet werden.<ref>Verdachtsflächen, Google-Karte</ref> Bohrschlammproben sollen bis zu 44 mg/kg PAK und 55 mg/kg MKW enthalten.<ref name="+-" /> Als Reaktion wurden auch alle 40 unter Bergaufsicht stehenden niedersächsischen Bohrschlammgruben untersucht und bewertet.<ref>LBEG überprüft alle unter Bergaufsicht stehenden Bohr- und Ölschlammgruben. In: lbeg.niedersachsen.de. Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, 5. Dezember 2014, abgerufen am 22. Januar 2015.</ref><ref>Erste Rechercheergebnisse zu Bohr- und Ölschlammgruben: LBEG veröffentlicht Standorte im Internet | Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie. Abgerufen am 7. April 2023.</ref> In Niedersachsen wurden 2012 98.000 Tonnen Bohrschlamm entsorgt – der bisherige Höchstwert; 2013 belief sich die Menge auf 68.000 Tonnen.<ref>Fakten 2013. (PDF, 848 kB) Niedersächsische Gesellschaft zur Endablagerung von Sonderabfällen mbH (NGS), 11. Juni 2014, abgerufen am 22. Januar 2015.</ref> Sanierte Bohrschlammgruben können Biotope für Tiere wie beispielsweise Amphibien sein.<ref>Beatrix Koberstein: 280 Millionen Euro für Sanierungsmaßnahmen. Rückbau von Bohrschlammgruben und Sondenplätzen. In: az-online.de. 31. März 2010, abgerufen am 22. Januar 2015.</ref>
Anzahl der Schlammgruben[Bearbeiten]
- Niedersachsen: mindestens 500,<ref name=":0" /> davon 38 noch unter Bergrecht.<ref name=":0" /> 2015 ging die letzte verbliebene Schlammgrube außer Betrieb.<ref name="lbeg1" />
- Brandenburg: 400<ref name="+-" />
- Mecklenburg-Vorpommern: rund 345<ref name="+-" />
- Sachsen-Anhalt: 278, 249 bereits saniert<ref name="+-" />
- Bayern: rund 170<ref name="+-" />
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />