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Bromismus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Klassifikation nach ICD-10
F13 Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika
G92 Toxische Enzephalopathie
T42 Vergiftung durch Antiepileptika, Sedativa, Hypnotika und Antiparkinsonmittel
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Bromismus ist die Bezeichnung für ein Syndrom, das aus einer längeren Einnahme von Bromiden wie beispielsweise Carbromal oder Lithiumbromid resultiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Bromismus war früher sehr verbreitet und verantwortlich für etwa 5 bis 10 % der psychiatrischen Krankenhausaufnahmen. 1928 wurde eins von fünf Rezepten in den USA für bromhaltige Medikamente ausgestellt.<ref>Hans Bangen: Geschichte der medikamentösen Therapie der Schizophrenie. Berlin 1992, ISBN 3-927408-82-4, S. 22.</ref> Seit der Abkehr von bromidhaltigen Wirkstoffen in Arzneimitteln, beginnend Mitte der 1980er Jahre, nachdem diese 1978 rezeptpflichtig wurden,<ref>Bromismus. In: Deutsches Ärzteblatt. 91, Heft 49, 9. Dezember 1994, S. A3444.</ref> nahmen die Vergiftungen rasch ab, wodurch das Krankheitsbild zunehmend in Vergessenheit geriet. Ähnliche Suchtprobleme gab es auch bei anderen Beruhigungsmitteln (z. B. Barbiturate, Benzodiazepine).<ref>Hans Bangen: Geschichte der medikamentösen Therapie der Schizophrenie. Berlin 1992, ISBN 3-927408-82-4, S. 22.</ref>

Symptome[Bearbeiten]

Datei:An introduction to dermatology (1905) Bromide Rash.jpg
Brom-Akne

Hohe Dosen von Bromiden stören die Membranen der Neuronen, wodurch es zu Somnolenz, Psychose und Krampfanfällen kommen kann.<ref name="pdo2003">Kent R.Olson: Poisoning & drug overdose. 4. Auflage. Appleton & Lange, 2003, ISBN 0-8385-8172-2, S. 140–141 (google.co.uk).</ref><ref>Marc Galanter, Herbert D. Kleber: The American Psychiatric Publishing Textbook of Substance Abuse Treatment. 4. Auflage. American Psychiatric Publishing, Washington u. a. 2008, ISBN 978-1-58562-276-4, S. 217 (google.co.uk).</ref>

Die neurologische und psychiatrische Symptomatik ist variabel ausgeprägt. Dabei können Hyperexzitabilität, Irritation, Ataxie, Tremor, Benommenheit, Halluzinationen, Psychose, Schwäche, Stupor und Koma eintreten.<ref name="pdo2003" /> Darüber hinaus können gastrointestinale Symptome wie Erbrechen und Appetitlosigkeit<ref name="pdo2003" /> und Hauterscheinungen wie „Brom-Akne“,<ref>Die Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin: Abszesse & Erythema; Akne, Brom-Akne</ref> Abszesse und Erytheme vorkommen.<ref name="pdo2003" /><ref>M. Lewandowsky: Praktische Neurologie für Ärzte. (= Fachbücher für Ärzte. Band 1). Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-99259-9, S. 17. (online)</ref>

Diagnose[Bearbeiten]

Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis von höheren Mengen von Bromiden im Blut oder Urin. Zusätzlich sind bei Bromismus häufig die Elektrolyt-, Glukose- und Kreatininwerte gestört. Ein Röntgen des Abdomens kann wegen der Röntgenopazität von Brom hilfreich sein.

Therapie[Bearbeiten]

Es sind keine spezifischen Antidote bei einer Bromidvergiftung bekannt; die Gabe von Chlorid kann die Niere jedoch dabei unterstützen, das Bromid über die Niere auszuscheiden. Furosemid kann Patienten mit renalen Komplikationen oder bei schwerem Bromismus helfen.<ref name="pdo2003" />

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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