Brunnhausen
Brunnhausen ist ein Wohnplatz der Stadt Pfullendorf im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg, Deutschland.<ref name="Amtliche Beschreibung">Vgl. Pfullendorf g) Pfullendorf. In: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 838–840, hier S. 840.</ref>
Geographie[Bearbeiten]
Geographische Lage[Bearbeiten]
Der Weiler Brunnhausen liegt auf der Gemarkung Pfullendorf<ref name="Amtliche Beschreibung" /> im Andelsbachtal. Hier befindet sich auch das Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Taubenried“.<ref>Bund-Gruppe betreut Storchenprojekt. In: Südkurier vom 27. Februar 2007</ref> Die ursprüngliche Riedlandschaft ist durch Flussbegradigung und Entwässerung gestört. Straßenbau war stets mit Mühen verbunden: So fand sich bei Aushubarbeiten für den Ausbau der Kreisstraße 8272 zwischen Spitalmühle und der Einmündung nach Brunnhausen ein Knüppeldamm aus Fichtenstämmen, der als Trägerrost für die alte Straße diente.<ref>Siegfried Volk (siv): “Die Straße ist endlich fertig”. In: Südkurier vom 17. Juni 2006</ref> Die Unterhaltung der Gräben und Bäche ist Aufgabe des „Wasser- und Bodenverbandes Taubenried-Brunnhauser Ried“.<ref>Josef Unger (ugr.): Nein zum Naturschutzdirigismus. In: Südkurier vom 29. November 2002</ref> Brunnhausen lässt sich vom Rosslauf herkommend durch den Walddistrikt Eichberg über eine rund 600 Meter lange Allee erreichen.<ref name="Lebensgefühl Pfullendorf">Kirsten Johanson (kaj): Großes Naturparadies für Kinder. In: Südkurier vom 27. Juli 2010</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Brunnhausen wurde erstmals im Jahr 1272 als Brůneshůse, womöglich ein Personenname, erwähnt.<ref name="Amtliche Beschreibung" />: Rudolf von Ramsberg und dessen Söhne Burchart und Rudolf beurkunden am 24. Februar 1272, dass sie, nachdem sie in den Johannisorden aufgenommen und die nötigen Gelübde geleistet haben, dem Orden ihren Eigenbesitz zu Denkingen, Rickertsreute, Brunnhausen und wo sie sonst solche Liegenschaften haben, übergeben, sowie alle ihre Lehen, wo immer sie der Orden oder der Beurkunder sie zu Eigen machen oder mit Recht behaupten können.<ref>Vgl. Friedrich Wilhelm: Corpus der altdeutschen Originalurkunden bis zum Jahr 1300. Band 1. S. 20</ref>
Am 4. November 1388 wird der Ort in einem Entscheid über den Novalzehnten im Hohenbergerwalde, zwischen Brunnhausen und Mettenbuch gelegen, genannt.<ref>Vgl. Regesten zur Geschichte der Bischöfe von Constanz, Band 3. Wagner, 1926. S. 55.</ref>
1405 wird ein Geori Vayler genannt, der ein Gut in Brunnhausen bebaute.<ref>Vgl. Walter Fauler: Der Name und das Geschlecht der Fauler. In: Verein für Geschichte, Kultur- und Landeskunde in Hohenzollern in Verbindung mit der hohenzollerischen Lehrerschaft (Hrsg.): Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Hohenzollerische Heimat, 14. Jg., Nr. 1/Januar 1964 ( des Vorlage:IconExternal vom 24. September 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. S. 7f., hier S. 7.</ref> Aus dem Jahr 1473 ist ein Streit zwischen der Reichsstadt Überlingen und dem Grafen von Heiligenberg um die Niedere Gerichtsherrschaft in den Dörfern Aftholderberg, Egg und Brunnhausen beurkundet.<ref>Vgl. Otto von Gierke: Untersuchungen zur deutschen Staats- und Rechtsgeschichte. W. Koebner, 1913, S. 38 u. 49.</ref>
Der Weiler Brunnhausen war lange Zeit Teil der Grafschaft Heiligenberg und dem Amt Ruschweiler untergeordnet.<ref name="Amtliche Beschreibung" /> 1806 kam die Grafschaft an Baden. Brunnhausen unterstand dem standesherrlich Fürstlich-Fürstenbergischen Amt Heiligenberg im Seekreis.
Der Ort Brunnhausen war bis 1923 der Gemeinde Ruschweiler im Amt Pfullendorf zugeordnet.<ref name="Amtliche Beschreibung" /> Das Badische Ministerium des Innern in Karlsruhe verfügte mit Wirkung zum 1. April 1923, den Ort Brunnhausen (Gesamtgemeinde Ruschweiler) in der Stadtgemeinde Pfullendorf im Amtsbezirk Pfullendorf umzugemeinden.<ref>Vgl. Landkreis Überlingen. (= Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl; Heft 14). Hrsg. vom Innenministerium und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, Bearbeitung und Druck Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 1965. S. 3</ref>
1936 wurden die badischen Ämter Überlingen und Pfullendorf zum Amt Überlingen vereinigt. Daraus entstand 1939 der Landkreis Überlingen.
Am 4. Mai 1945, den ersten Tagen der französischen Besatzung, kam es im ehemaligen Bahnwärterhäuschen am Eichberg zwischen Pfullendorf und Brunnhausen zu einer Bluttat mit acht Toten. Das Gebäude wurde im Jahr 1961 abgebrochen.<ref>Peter Herrmann: Schreckliche Mordtaten in den ersten Tagen der Besatzung. In: Südkurier vom 6. Mai 2005</ref>
Seit 1970 befindet sich hier die Reitsportanlage des am 3. Mai 1958 gründeten Reit- und Fahrvereins Pfullendorf e. V.<ref name="Lebensgefühl Pfullendorf" /><ref>Gudrun Beicht (bei): Gründungsmitglieder mit viel Weitblick. In: Südkurier vom 3. Juni 2008</ref>
Mit Pfullendorf kam Brunnhausen mit Wirkung zum 1. Januar 1973 an den Landkreis Sigmaringen.
Im einst bäuerlich geprägten Weiler stehen 14 Häuser<ref>Julia Schönmuth (js): Frust im Schweinestall. In: Südkurier vom 7. Februar 2011</ref>, davon zwei aktive Landwirtschaftsbetriebe<ref name="Lebensgefühl Pfullendorf" />.
Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]
In Brunnhausen leben aktuell 43 Einwohner (Stand: Juni 2015).<ref name="Geschichte, Zahlen und Fakten">Jürgen Witt (jüw): Erst staufisch, dann Reichsstadt. In: Südkurier vom 9. Juni 2015</ref>
| Stand | Einwohner |
|---|---|
| 2010, Juli | 45<ref name="Lebensgefühl Pfullendorf" /> |
| 2015, Juni | 43<ref name="Geschichte, Zahlen und Fakten" /> |
Politik[Bearbeiten]
Der Weiler gehört zur Stadt Pfullendorf, einen eigenen Ortschaftsrat gibt es nicht.<ref name="Lebensgefühl Pfullendorf" />
Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
Bauwerke[Bearbeiten]
- Die Kath. Kapelle St. Georg (Brunnhausen 4) ist ein verputzter Massivbau mit Dachreiter. Die denkmalgeschützte Kapelle wurde 1610/11 erbaut und 1711/12 vergrößert.<ref name="Kapelle">St. Georg (Brunnhausen 4, Pfullendorf) auf den Seiten von www.leo-bw.de (landeskundliches Informationssystem für Baden-Württemberg)</ref><ref name="Edwin Ernst Weber">Peter Herrmann: Himmelsstimme im Sakralbau. In: Südkurier vom 24. Mai 2012</ref> Nach anderen Angaben ist der Chor von 1598, das Langhaus entstand nach 1700.<ref name="Amtliche Beschreibung" /> Die St.-Georgs-Kapelle wurde 1958/59 renoviert.<ref name="Kapelle" /> 1996 wurden Wandmalereien aus dem frühen 17. Jahrhundert freigelegt.<ref name="Lebensgefühl Pfullendorf" /><ref name="Edwin Ernst Weber" />
Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]
Verkehr[Bearbeiten]
Die Planungen für den Bau des zweiten Bauabschnittes der Umgehungsstraße von Pfullendorf sehen vor, für den Straßenkörper bei Brunnhausen einen zehn Meter hohen Damm aufzuschütten, um die Straße über die Schienen der Bahnstrecke Altshausen–Schwackenreute zu führen.<ref>Siegfried Volk (siv): Radexpress rollt auf der Bahnstrecke. In: Südkurier vom 29. April 2011</ref><ref>Siegfried Volk (siv): Im Sommer 2011 könnte der 2. Bauabschnitt der Umgehungsstraße gebaut werden. In: Südkurier vom 23. Dezember 2009</ref> Ursprüngliche Planungen sahen einen sieben Meter hohen Damm ohne Durchlass vor.<ref>Siegfried Volk (siv): “Dritten Bauabschnitt nicht fallen lassen”. In: Südkurier vom 20. Oktober 2007</ref><ref>Siegfried Volk (siv): Diskussion um Bahnstrecke. In: Südkurier vom 7. Dezember 2006</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Edwin Ernst Weber (Redakteur): 775 Jahre Denkingen. 1226-2001: Langgassen – Straß – Hilpensberg – Andelsbach – Kleinstadelhofen – Mettenbuch – Neubrunn – Furtmühle – Sylvenstal – Ochsenbach – Oberochsenbach – Zoznegg – Freudenberg – Gampenhof – Krähenried – Oberhaslach – Brunnhausen. 10. Juni 2001 Jubiläumsfest. hrsg. v. d. Stadt Pfullendorf – Ortsteil Denkingen, Denkingen 2001.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Weblinks[Bearbeiten]
- Brunnhausen auf den Seiten von www.leo-bw.de (landeskundliches Informationssystem für Baden-Württemberg)
Koordinaten: 47° 55′ 4″ N, 9° 17′ 19″ O
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