Bruno Kramm
Bruno Gert Kramm (* 13. Oktober 1967 in München; † 25. September 2026 in Granada, Spanien) war ein deutscher Musiker, Musikproduzent, KI-Unternehmer und Politiker (Bündnis 90/Die Grünen, Piratenpartei Deutschland). Von November 2014 bis Ende September 2016 war er Landesvorsitzender der Piratenpartei Berlin und deren Spitzenkandidat zur Abgeordnetenhauswahl 2016, nach welcher er zurücktrat.<ref name="vorsitz">Musiker Brandner Kaspar übernimmt Vorsitz der Berliner Piratenpartei. Heise online, 17. November 2014, abgerufen am 17. November 2014.</ref><ref>Musiker Bruno Kramm führt Berliner Piraten in den Wahlkampf Berliner Tagesspiegel vom 24. Januar 2016</ref><ref name="ruecktritt">Nach Wahl-Debakel Berliner Piraten-Chef Kramm tritt zurück. Berliner Zeitung, 22. September 2016, abgerufen am 22. September 2016.</ref>
Leben[Bearbeiten]
Bereits zu Schulzeiten auf dem städtischen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasium (WWG) in Bayreuth gründete Kramm 1986 die Band Fahrenheit 451 (später unter dem Namen Alva Novalis). Drei Jahre später gründete er mit Stefan Ackermann Das Ich, in dem er bis zuletzt als Komponist und Produzent tätig war. 1991 gelang Das Ich der Durchbruch in der alternativen Musik-Szene.
Zudem war er einer der vier Gründer der AIoT (Artificial Intelligence / Internet of Things) Firma Infinite Devices GmbH in Magdeburg. 2021 belegte Infinite Devices beim Hugo-Junkers-Preis in der Kategorie „Innovativste Produktentwicklung“ den 3. Platz.<ref>Julius Lukas: Trotz innovativer Produkte in Schwierigkeiten - Infinite Devices aus Magdeburg braucht Investor. In: Mitteldeutsche Zeitung. Abgerufen am 27. September 2026.</ref> Ab 2020 fungierte Kramm als einer der Leiter des KI Verbandes e. V. in Ostdeutschland.
Am 25. September 2026 brach Kramm nach einem Auftritt seiner Band Das Ich in Granada in der Garderobe zusammen und starb im Alter von 58 Jahren.<ref>Das-Ich-Musiker tot: Bruno Kramm stirbt mit 58 Jahren nach Konzert. In: t-online.de. 26. September 2026, abgerufen am 26. September 2026.</ref><ref name="NYTimes20260930">Clay Risen: Bruno Kramm, German Goth Musician Who Moonlighted in Politics, Dies at 58. In: New York Times. 30. September 2026 (nytimes.com).</ref>
Musikalische Karriere[Bearbeiten]
Kramm war unter anderem Produzent von Atrocity, Illuminate, Saviour Machine, Die Schinder, Distorted Reality, Ancient Ceremonies, Sanguis et Cinis, In Strict Confidence, Placebo Effect, Relatives Menschsein, Printed at Bismarck’s Death, Ghosting, Cyan Kills E. Coli, Collide, Dark Diamonds, Dorsetshire, Felsenreich, Tilt!. Er wirkte als Gastmusiker und Koproduzent am Album Salvation von Rozencrantz mit. Seit 2017 beteiligte sich Kramm zudem an der Neuauflage des Bandprojekts Dorsetshire. Er betrieb das Nebenprojekt Kramm, dessen Album Coeur 2001 erschien.
Kramm war Begründer und Geschäftsführer des Labels Danse Macabre und schrieb bis 2006 die regelmäßige Kolumne Krimskram(m)s in der Zeitschrift Zillo. Bis 2013 schrieb er auf FAZ.NET eine zweiwöchentliche Kolumne namens Kramms Hits.
Politik[Bearbeiten]
Politisches Engagement[Bearbeiten]
Kramm war bis Ende Februar 2012 Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen Bayern und trat im November 2011 in die Piratenpartei ein, zu der er durch das Thema Urheberrecht gelangte.<ref>Blogeinleitung, am 26. Februar mit „Ich bin aktives Mitglied in der Piratenpartei.“ ergänzt und Mitgliedschaft bei den Grünen entfernt.</ref> Er trug durch seine Übersetzung und Synchronisation des von Anonymous veröffentlichten Videos „Was ist ACTA?“ zu den deutschlandweiten Protesten bei. Auf seinem Blog schrieb er zu gesellschaftlichen Themen wie Bedingungsloses Grundeinkommen, Zensur, Informationsfreiheit, Finanzkrise, Drogenpolitik und Tierschutz. Politisch bezeichnete er sich als „Grüner Pirat“, um auch seinen umweltpolitischen Aktivitäten gerecht zu werden.
Auf der Jahrestagung des Netzwerk Recherche am 3. Juni 2012 erntete Kramm deutliche Kritik, als er die Ermöglichung des Zugriffs auf Filme oder Serien wie Game of Thrones als ein „Recht dieser Gesellschaft“ bezeichnete.<ref>Christian Wölbert: Menschenrecht auf „Mad Men“? In: Heise online. 4. Juni 2012, abgerufen am 4. Juni 2012.</ref> Auf dem Parteitag der Piratenpartei Bayern wurde er am 15. September 2012 als Politischer Geschäftsführer in den Vorstand gewählt. Seine Amtszeit endete regulär am 26. Oktober 2013.<ref>Live-Blog zum Landesparteitag 2013.3. Piratenpartei Bayern, 26. Oktober 2013, abgerufen am 26. September 2026.</ref> Im November 2014 wurde er zum Landesvorsitzenden der Piratenpartei Berlin gewählt und auf der Landesmitgliederversammlung im Oktober 2015 im Amt bestätigt.<ref>Peter Amende: PiratenBerlin wählen neuen Landesvorstand und bestätigen bisherigen 1. Vorsitzenden. In: Piratenpartei Berlin. 4. Oktober 2015, abgerufen am 26. September 2026.</ref> Nach einem in seinen Worten „desaströsen Wahlergebnis“ bei der Abgeordnetenhauswahl 2016 trat Kramm als Landesvorsitzender der Berliner Piratenpartei zurück.<ref name="ruecktritt" /> Anschließend verlegte er seinen Wohnsitz nach Werder (Havel), wo er ein Haus mit Tonstudio besaß.<ref>Berliner Piraten verlieren ihren Chef: Bruno Kramm verlässt Piraten und wechselt zu den Grünen. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 26. September 2026]).</ref>
Er engagierte sich in der Anti-TTIP-Protestbewegung, auch mit seinen Videos.<ref>Kramms Videoengagement zur Anti-TTIP-Protestbewegung auf wordpress.com</ref> Darüber hinaus engagierte er sich in der Kampagne „Stopp Ramstein“ gegen die Drohneneinsätze, die über die Relaisstation Ramstein ausgeführt werden.<ref>Kampagne Stopp Ramstein: Kein Drohnenkrieg! In: Stopp Ramstein. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 15. November 2016; abgerufen am 26. September 2026.</ref>
Am 22. April 2016 wurde Kramm während einer Demonstration der Piraten vor der türkischen Botschaft in Berlin festgenommen. Er hatte während seiner Rede eine Zeile aus dem Gedicht Schmähkritik des Satirikers Jan Böhmermann zitiert und damit gegen die Auflagen der Polizei verstoßen.<ref>Lorenz Vossen: Berliner Piraten-Chef wegen Erdogan-Kritik festgenommen. In: www.morgenpost.de. Abgerufen am 22. April 2016.</ref> Die Festnahme stieß auf Kritik.<ref>Erdogan-Gedicht - Festnahme von Piraten-Chef löst Kritik aus. In: www.morgenpost.de. 23. April 2016, abgerufen am 2. Juni 2024.</ref>
Wahlergebnisse[Bearbeiten]
Zur Bundestagswahl 2013 trat Kramm auf Platz 1 der Landesliste der Piratenpartei Bayern und im Bundestagswahlkreis Kulmbach an.<ref>Top 6 der Landesliste zur Bundestagswahl in Bayern › Piratenpartei Bayern. Piratenpartei Bayern, 21. Oktober 2012, abgerufen am 26. September 2026.</ref> In seinem Wahlkreis erhielt er 1,8 % der Erststimmen und die Piratenpartei 1,9 % der Zweitstimmen. Da die Piratenpartei bundesweit lediglich 2,2 % der Zweitstimmen erhielt, zog Kramm nicht in den Deutschen Bundestag ein.
Zur Europawahl 2014 trat Kramm auf Platz 4 der Bundesliste an. Zusammen mit Anke Domscheit-Berg kandidierte er diesmal als Brandenburger.<ref>Wahlkampfauftakt der Piraten zur Europawahl: Von Brandenburg nach Brüssel. Piratenpartei Brandenburg, 31. März 2014, abgerufen am 26. September 2026.</ref> Da die Piratenpartei bundesweit lediglich 1,4 % der Stimmen erhielt, zog lediglich Felix Reda ins Europaparlament ein, der sich dort der Fraktion Die Grünen/Europäische Freie Allianz anschloss.
Zur Abgeordnetenhauswahl 2016 trat Kramm als Spitzenkandidat der Piratenpartei Berlin und im Wahlkreis Mitte 1 an. In seinem Wahlkreis erhielt er 2,3 % der Erststimmen und die Piratenpartei 1,8 % der Zweitstimmen. Da die Piratenpartei berlinweit lediglich 1,7 % der Zweitstimmen erhielt, schied sie aus dem Abgeordnetenhaus aus.
GEMA-Klage und der sogenannte „GEMA-Hack“[Bearbeiten]
Zusammen mit seinem Bandkollegen Stefan Ackermann klagte Kramm 2016 gegen die GEMA und das Recht der Verlage, an den Einnahmen aus Urheberrechten von Komponisten und Textern beteiligt zu werden. In den Zeitraum der Verhandlung fiel die Abgeordnetenhauswahl 2016, bei der die Piratenpartei unter seiner Ägide aus dem Abgeordnetenhaus ausschied. Nach der Wahl trat er seinen Worten nach wieder in seine alte Partei Bündnis 90/Die Grünen ein; diesmal im Landesverband Brandenburg.<ref name="ruecktritt" /> Am 14. November 2016 entschied das Berliner Kammergericht zu Gunsten von Kramm. Auf Youtube verkündete er am selbigen Tag „ich war immer Pirat, ich bin Pirat und ich bin wieder Pirat“ und äußerte sich zum „GEMA Urteil“ gegen die Profite von Verwertungsgesellschaften.<ref>Piratenpartei: Bruno Kramm zum GEMA Urteil. In: youtube.de. 14. November 2016, abgerufen am 15. November 2016.</ref> Kramm hatte seine Mitgliedschaft bei Bündnis 90/Die Grünen somit nur vorgetäuscht. Ein Blogeintrag der „Drachenrose“ stellte anschließend einen Zusammenhang zwischen dieser vorgetäuschten Mitgliedschaft und dem Ausgang des Gerichtsurteils her. Da Renate Künast Vorsitzende des Rechtsausschusses sei, fiele die Klage „in ein von den Grünen geführtes Ressort“ und der vorgetäuschte Parteiwechsel sei ein „Hack“ gewesen, um das Gerichtsurteil im positiven Sinne zu beschleunigen.<ref>………….. und dann haben wir einfach mal die Grünen gehackt. In: Gedanken von Drachenrose. 14. November 2016, abgerufen am 26. September 2026.</ref> Clemens Rostock, der grüne Landesvorsitzende, nahm es mit Humor und gratulierte Kramm zum Gerichtsurteil. Er nahm aber auch die Vermengung von Judikative, Exekutive und Legislative mit den Worten aufs Korn:
„Diejenigen, die glauben, dass eine Parteimitgliedschaft Einfluss auf Entscheidungen des Berliner Kammergerichts nehmen kann, gehen bitte zur Piratenpartei. Alle anderen, die nicht son verqueres Verschwörungszeug glauben, kommen bitte zu Bündnis 90/Die Grünen Brandenburg.“
Da zudem der Großteil der Berichterstattung zu dem Gerichtsurteil Kramm weiterhin den Grünen zuordnete,<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.GEMA darf nicht automatisch Geld an Musikverlage ausschütten ( vom 23. November 2016 im Webarchiv archive.today) rbb-Bericht zum Urteil vom 14. November 2016</ref><ref>Die GEMA und das Urteil zum Urheberrecht: Alles Recht den Urhebern. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 26. September 2026]).</ref><ref>GEMA-Urteil: Alles Geld den Kreativen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 14. November 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 15. November 2016]).</ref> bedankte sich Rostock sogar noch für den angeblichen Hack und rief die Beteiligten dazu auf, sollten sie jemals wieder so etwas planen, dies doch „bitte bitte“ wieder bei Bündnis 90/Die Grünen zu tun.<ref name="rostock" /> Auf twitter wurde dieses Ereignis unter dem Hashtag „Gemahack“ diskutiert.<ref>Twitter Suche nach Hashtag „Gemahack“</ref>
Am 31. Dezember 2016 erklärte Kramm auf seiner Facebookseite, dass er sich aus der aktiven Politik zurückziehe und ausschließlich wieder als Musiker auftrete.<ref>Bruno Gert Kramm: Facebook-Seite. In: facebook.com. Abgerufen am 28. September 2026.</ref>
Unternehmer[Bearbeiten]
2020 gründete er gemeinsam mit dem ehemaligen Google-Programmierer Alexander Alten das Unternehmen Infinite Devices, das die Plattform „infinimesh AIoT“ entwickelt.<ref>Über Uns – Infinite Devices. In: infinitydevices.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. August 2021; abgerufen am 11. August 2021.</ref> 2021 erhielt das Unternehmen den dritten Preis in der Kategorie Innovativste Produktentwicklung / Dienstleistungen / Geschäftsmodelle des Hugo-Junkers-Preises für Innovationen aus Sachsen-Anhalt.<ref>Staatssekretär Jürgen Ude verleiht Hugo-Junkers-Preise für Forschung und Innovationrs Preis: Aktuelles. In: Hugo Junkers Preis. 29. März 2021, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Juni 2021; abgerufen am 11. August 2021.</ref> Bruno Kramm war seit 2020 einer der Sprecher für den KI Verband Deutschland und fungierte als Experte für das KI-Observatorium des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).
Diskografie[Bearbeiten]
Als Kramm[Bearbeiten]
Studioalben
| Jahr | Titel Musiklabel |
Anmerkungen |
|---|---|---|
| 2001 | Coeur Synthetic Symphony |
Erstveröffentlichung: 2001 |
Mit Cyan Kills E.Coli[Bearbeiten]
Studioalben
| Jahr | Titel Musiklabel |
Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1995 | Do Not Open Gymnastic Records (GYM) |
Erstveröffentlichung: 1995 |
Mit Das Ich[Bearbeiten]
Vorlage:Eingebundene Diskografie
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references responsive />
Andreas Janson (2007–2008) | Andreas Baum (2008–2011) | Gerhard Anger (2011–2012) | Hartmut Semken (2012) | Christiane Schinkel (2012) | Gerhard Anger (2012–2014) | Christopher Lauer (2014) | Bruno Kramm (2014–2016) | Simon Kowalewski (seit 2016)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kramm, Bruno |
| ALTERNATIVNAMEN | Kramm, Bruno Gerd (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Musiker, Musikproduzent, IT-Unternehmer und Politiker (Bündnis 90/Die Grünen, Piratenpartei) |
| GEBURTSDATUM | 13. Oktober 1967 |
| GEBURTSORT | München |
| STERBEDATUM | 25. September 2026 |
| STERBEORT | Granada |
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