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Bukidomino

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Datei:Bukidomino.jpg
Eine Partie Bukidomino. Die Einsätze der Spieler werden auf dem Stamm (Talon) platziert. Das Anlegen der Steine erfolgt in (alt-)österreichischer Manier.

Bukidomino, Sechser-Domino, auch Buki-Domino, Bookie-Domino bzw. Booky-Domino geschrieben, oder kurz Buki ist ein Glücksspiel, das in Wien zu Anfang des 20. Jahrhunderts viel gespielt wurde.<ref>Manfred Zollinger: Geschichte des Glücksspiels. Vom 17. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg. 1997, abgerufen am 10. September 2026.</ref>

Literarische Erwähnung fand das Bukidomino bei Joseph Roth (Zipper und sein Vater), Egon Erwin Kisch (Lederbranche in Nachlese), vor allem aber im 15. Kapitel des Romans Zwischen neun und neun von Leo Perutz, das zur Gänze der präzisen Schilderung einer Buki-Partie gewidmet ist.<ref name="durst2011">Uwe Durst: „Der Perspektive-Handlungskonflikt in Perutz' Roman ‚Zwischen neun und neun'“. In: Sprachkunst, Bd. XLII, Heft 2/2011, S. 301–320, online.</ref><ref name="stepath2006">Katrin Stepath: Gegenwartskonzepte. Eine philosophisch-literaturwissenschaftliche Analyse temporaler Strukturen. Königshausen & Neumann, Würzburg 2006 (Epistemata Philosophie, Bd. 405), S. 221–234, online.</ref> Die literaturwissenschaftliche Forschung zu Perutz' Roman hat das 15. Kapitel als Beispiel einer bewussten Verlangsamung der Romanhandlung durch eine detailgetreue Einzelszene innerhalb der eng bemessenen Zeitspanne „zwischen neun und neun“ beschrieben.<ref name="durst2011" /><ref name="stepath2006" /> Die folgende Beschreibung stützt sich auf die in Perutz' Roman gegebenen Hinweise sowie auf die im Literaturverzeichnis angeführten Quellen.<ref>Zwischen neun und neun, by Leo Perutz—A Project Gutenberg eBook. Abgerufen am 10. September 2026.</ref>

Spielbeschreibung[Bearbeiten]

Vier Spieler spielen eine Partie „normales Domino“; gemeint ist ein Blockdomino für vier Personen. Domino wurde in Österreich früher mit 36 Steinen gespielt: man nahm die 45 Steine eines Doppel-Acht-Spiels und entfernte daraus die neun Doppelsteine (0-0, 1-1 bis 8-8)<ref name=":1">Austrian Dominoes - domino game rules. Abgerufen am 10. September 2026.</ref><ref name=":0">Ingram Braun: Die Kenntnis des Dominospiels in Europa: Archäologie, Geschichte, Bibliographie. In: Board Game Studies Journal. Band 10, Nr. 1. Ludus Association, 29. September 2016, ISSN 2183-3311, S. 61–100, doi:10.1515/bgs-2016-0004.</ref>. Das Dominospiel selbst verbreitete sich, wie eine 2016 erschienene Übersichtsarbeit zu seiner europäischen Rezeption zeigt, seit dem 18. Jahrhundert ausgehend von Italien über den gesamten Kontinent und wurde im deutschsprachigen Raum zunächst in Spielbüchern des späten 18. und 19. Jahrhunderts dokumentiert, ehe sich lokale Spielarten wie das Doppel-Acht-Domino herausbildeten.<ref name=":0" /> Die Steine werden vom Spielleiter, dem Buki oder Bankhalter, verdeckt gemischt, jeder der Spieler erhält sechs Steine, der Bankhalter bedient sich selbst zuletzt. Die verbleibenden Steine bilden den Stamm und werden im Laufe des Spieles nicht verwendet.

Auf der Liste verbotener Spiele des k.u.k. Justizministeriums wird das Booky- oder Sechser-Domino angeführt: Im Gegensatz dazu wurde laut Beck<ref>Fritz Beck: Domino in vielen Spielarten, Verlag Perlen Reihe, Wien 1960, S. 109</ref> das Buki-Spiel mit sieben Steinen je Spieler nicht als Glücksspiel angesehen und von den Behörden toleriert.

Das erste Spiel einer Partie beginnt derjenige Spieler, der den höchsten Stein besitzt, d. h. den Stein 8–7, falls dieser nicht im Stamm liegt. Nach dem ersten Spieler legen die übrigen Spieler nacheinander je einen Stein an; gespielt wird gegen den Uhrzeigersinn. Wer nicht anlegen kann, muss aussetzen; es gibt kein Kaufen. Wer zuerst alle Steine angelegt hat, ist Sieger. Bei einer gesperrten Partie, d. h., wenn keiner der vier Spieler mehr anlegen kann, gewinnt der Spieler, der die wenigsten Augen in der Hand hält.

Vor jedem Spiel können neben den beteiligten Spielern auch die Zuschauer, Kiebitze oder Galeristen genannt, auf einen der vier aktiven Spieler – bzw. nach Unger und Beck: auf einen der drei Gegenspieler des Bankhalters – setzen. Diese Wetten werden beim Buki abgeschlossen.

Die Bezeichnung Buki leitet sich von engl. bookie (seltener booky geschrieben), der Abkürzung für bookmaker, ab. Um 1900 war im Pferderennsport die englische Bezeichnung bookmaker gebräuchlich, die eingedeutschte Bezeichnung Buchmacher setzte sich erst später durch. Die Verbindung zur Pferdewette wird in Perutz’ Roman zum einen durch den Hinweis deutlich, dass man auf die Spieler „wie auf Rennpferde“ setzt, zum anderen lässt Perutz diese Episode im Café Turf spielen.

Gewinnquoten und Bankvorteil[Bearbeiten]

Gewinnt der Spieler, auf den man gesetzt hat, so erhält man vom Buki „dreifaches Geld“. Wie aus Perutz’ Beschreibung klar hervorgeht, ist damit eine Gewinnquote von 2 : 1 gemeint: Nachdem Stanislaus Demba, die Hauptfigur des Romans, 10 Kronen gesetzt und gewonnen hat, besitzt er 30 Kronen, sein Gewinn beträgt daher nur 20 Kronen. Sodann lässt er Einsatz und Gewinn stehen – er legt „Geld auf Geld“ – und gewinnt abermals, wodurch sich sein Vermögen auf 90 Kronen erhöht. Nach einem weiteren Gewinn besitzt er 270 Kronen und wird dann vom Buki um den Gewinn und den ursprünglichen Einsatz geprellt.

Da der Buki im Fall eines Gewinnes nur eine Quote von 2 : 1, anstelle der fairen Quote von 3 : 1 bezahlt, gewinnt er im Mittel 25 Prozent der getätigten Einsätze (Bankvorteil). Beck gibt eine Gewinnquote von 2½ : 1 an, der Bankvorteil beträgt dann 12,5 Prozent.

Bei diesen Berechnungen gilt die – sehr unrealistische – Voraussetzung, dass ein Spieler in jedem einzelnen Spiel denselben Einsatz riskiert – unabhängig davon, ob er selbst den ersten Stein setzen darf oder nicht. Müssen die Spieler ihre Einsätze nicht zur Gänze vor dem Aufnehmen der Steine tätigen, so verbessert das ihre Chancen ganz erheblich.

Für die Chancen der Spieler ist das Verhältnis zwischen Mindest- und Höchsteinsatz ausschlaggebend, dabei erscheint ein Verhältnis von 3 : 1 zwischen Maximum und Minimum als angemessen<ref name=":1" />. Ein kleines Verhältnis zwischen Minimum und Maximum begünstigt den Bankhalter, ein großes Verhältnis verschiebt den Vorteil zu Gunsten der Gegenspieler.

Fortsetzung der Partie[Bearbeiten]

Der Gewinner eines Spieles hat den Ansatz beim nächsten Spiel (d. h., er darf den ersten Stein setzen); er muss seinen Einsatz vor dem Spielen des ersten Steines tätigen. Die anderen Spieler dürfen – nach Beck – mit ihren Einsätzen solange warten, bis sie das dritte Mal an der Reihe sind anzulegen, bzw. – nach Unger – müssen ihren Einsatz leisten, solange sie noch mindestens fünf Steine besitzen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Das Spiel wurde Anfang September 1916 von der österreichischen Regierung nach § 522 öStGB verboten.<ref>Verordnung des Leiters des Ministeriums des Innern vom 6. September 1916 [1]</ref><ref name="lettner2024">Jan Lettner: Ausgewählte Aspekte des österreichischen Glücksspielstrafrechts. Diplomarbeit, Johannes Kepler Universität Linz, Institut für Strafrechtswissenschaften, 2024, S. 10–12, online.</ref> § 522 StG 1852 war zu dieser Zeit die zentrale Strafnorm gegen „Hazard- oder reine Glücksspiele“ und wurde erst 1920 auf sogenannte gemischte Glücksspiele ausgeweitet, ehe die Bestimmung 1974 in § 168 StGB überging.<ref name="lettner2024" /> Das Booky- oder Sechser-Domino blieb auch nach 1916 auf den behördlichen Listen ausdrücklich verbotener Spiele verzeichnet: Die Verordnung des Bundeskanzleramtes vom 2. Jänner 1933 über die verbotenen Spiele führte es unverändert als eigenen Punkt an, was auf eine über Jahrzehnte fortgesetzte Ächtung des Spiels durch die Behörden hindeutet.<ref>Verordnung des Bundeskanzleramtes vom 2. Jänner 1933 über die verbotenen Spiele (Glücksspielverordnung 1933), Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich 1933, Stück 2, Nr. 6, online über ÖNB-ALEX.</ref>

„Galerie“ ist eine Bezeichnung für die Wiener Unterwelt; dieser Name leitet sich vom Photoalbum der Polizei ab, das ebenfalls Galerie genannt wird; die darin abgebildeten Personen heißen „Galeristen“<ref>Peter Wehle: Sprechen Sie Wienerisch? Wien 1980</ref> (vgl. Stoß)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />