Buntes Springkraut
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| Buntes Springkraut | ||||||||||||
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| Datei:Korina 2017-09-28 Impatiens edgeworthii 4.jpg
Buntes Springkraut (Impatiens edgeworthii) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Impatiens edgeworthii | ||||||||||||
| Hook. f. |
Das Bunte Springkraut (Impatiens edgeworthii) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Springkräuter (Impatiens) innerhalb der Familie Balsaminengewächse (Balsaminaceae). Sie ist im Himalaya, vor allem in Pakistan beheimatet. In vielen Gebieten der Welt ist sie ein Neophyt, beispielsweise in Deutschland gilt sie als in Einbürgerung befindlicher Neophyt.<ref name="Floraweb" />
Beschreibung und Ökologie[Bearbeiten]
Vegetative Merkmale[Bearbeiten]
Beim Bunten Springkraut handelt es sich um eine aufrecht wachsende, reich verzweigte einjährige krautige Pflanze. Die Wuchshöhe wird für Pakistan mit 20 bis 60 Zentimeter angegeben. Pflanzen in Mitteleuropa erreichen deutlich größere Höhen, verbreitet 100 bis 120, im Extremfall 220 Zentimeter. Die lang gestielten, elliptischen bis elliptisch-ovalen Blätter erreichen 40 bis 180 Millimeter Länge und 15 bis 75 Millimeter Breite. Das Blatt ist zugespitzt, der Blattrand kerbig gesägt. An der Spitze der Zähne sitzt je eine kleine, stachelspitzige Drüse.
Generative Merkmale[Bearbeiten]
Die Blüten sitzen auf dünnen, aufrechten Blütenstielen gehäuft im oberen Abschnitt der Pflanze (subterminal).<ref name="Pakistan" /><ref name="Baade" /><ref name="Weiss" />
Die Blüten sind zwittrig; das Bunte Springkraut kann sich sowohl über Fremdbestäubung wie auch durch Selbstbestäubung vermehren. Die Blüten sind um 180 Grad gedreht (resupiniert). Die Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die seitlichen Kelchblätter sind grün gefärbt und klein, oval bis herzförmig. Von den fünf Kronblättern sind jeweils die beiden seitlichen paarweise miteinander verwachsen, sie bilden mit dem blütenblattähnlich ausgebildeten fünften Kelchblatt, das den Sporn ausbildet, eine zygomorphe Blütenröhre aus. Beim Bunten Springkraut beträgt die Blütenlänge (mit Sporn) etwa 25 bis 30, gelegentlich bis 36 Millimeter. Der Sporn ist stark nach unten hin gekrümmt. Die Blütenfarbe ist, auch innerhalb einer Population, hochgradig variabel; es kommen vor hellgelb, sattgelb, weißlich, blassviolett, manchmal mehrfarbig oder bunt geadert. Sie tragen fast immer eine bräunliche Schlundzeichnung. Nach Züchtungsexperimenten<ref name="Weiss" /> sind rein gelb, weiß und violett blühende Pflanzen reinerbig, bei Kreuzung zwischen ihnen bildet sich, den Mendelschen Regeln entsprechend ein Schwarm verschieden gefärbter Hybride. Die fünf Staubfäden und Staubbeutel sind miteinander verwachsen.<ref name="Pakistan" /><ref name="Baade" /><ref name="Weiss" />
Die aufrecht stehende Kapselfrucht mit dem Springkraut-typischen Schleudermechanismus für die Samen, ist knapp 3 Zentimeter lang. Die bei einer Länge etwa 3 Millimetern länglichen Samen sind längsrunzelig strukturiert. Die Blütezeit reicht von Juli (ausnahmsweise Ende Juni) bis September, reife Samen treten ab Ende Juli auf.<ref name="Pakistan" /><ref name="Baade" /><ref name="Weiss" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 12 oder 14.<ref name="IPCN" />
Vorkommen[Bearbeiten]
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Impatiens edgeworthii liegt im nordwestlichen Himalaja, von Afghanistan bis Kaschmir<ref>Verbreitung der weltweiten Beobachtungsmeldungen für Impatiens edgeworthii in iNaturalist [1]</ref>.
Der erste Fund in Mitteleuropa war 2001 im Leinawald<ref>Das Bunte Springkraut Impatiens edgeworthii in Mitteleuropa. In: Volkmar Weiss: Neo-Neophyten und ihre Einnischung. Ergebnisse der Experimentellen Geobotanik. S. 202-261.KDP: 2026 [2]</ref> in Thüringen. Wenig später genannte Fundorte sind der Leipziger Auwald und die Ufer der Krummen Lanke in Berlin. Inzwischen ist die Art in einer Reihe Waldgebiete in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen<ref name="Baade2" /><ref name="Weiss2" /><ref>Volkmar Weiss: Impatiens edgeworthii, an invasive balsam in Central Europe by its ecology. Does it be an aggregate species? BoD Kindle Direct Publishing 2020, ISBN 979-8-6409-0581-6</ref> und Hessen<ref>Daniela Guicking, Marcus Schmidt: Das Bunte Springkraut breitet sich im Reinhardswald aus. Jahrbuch Naturschutz in Hessen 18 (2019) S. 80–81 [3] pdf</ref> gefunden worden<ref name="Weiss" /> und scheint sich weiter auszubreiten. Im Westen Deutschlands existiert seit etwa 2000 ein Vorkommen im Borbecker Schlosspark in der Stadt Essen (Nordrhein-Westfalen).<ref name="Kalveram"/> Aus den Niederlanden gibt es bisher fünf Orte mit Fundmeldungen<ref>FLORON Verspreidingsatlas Vaatplanten. Bont springzaad [4]</ref>.
In Pakistan gilt Impatiens edgeworthii als eines der häufigsten der dort sehr artenreichen Gattung Impatiens. Es wächst gesellig in Höhenlagen von 1.800 bis 3.000 Metern, sowohl an besonnten wie an beschatteten Standorten.<ref name="Pakistan" />
Die Vorkommen in Mitteleuropa liegen an gestörten Stellen im Wald, am Rand von Waldwegen, auf Schlägen, an Waldschneisen, in baumbestandenen Parkanlagen mit Waldcharakter. Vorkommen im Inneren ungestörter Wälder bestehen bisher nicht, eine Ausbreitung dorthin gilt aber als hochwahrscheinlich. Die Art vermag einen anderen, vor ihr angekommenen Neophyten, das Kleinblütige Springkraut (Impatiens parviflora), lokal völlig zu verdrängen.<ref name="Weiss" /> Im Leinawald im Altenburger Land in Thüringen bildete die Art Massenbestände in durchforsteten Laubholzforsten, die vorher überhaupt keine Krautschicht besessen hatten. Die Art steht in ihren ökologischen Ansprüchen etwa zwischen Impatiens parviflora und Impatiens noli-tangere, sie benötigt mehr Bodenfeuchte als Impatiens parviflora, ist aber nicht so luft- und bodenfeuchtebedürftig wie Impatiens noli-tangere. Pflanzensoziologisch ist sie als Art der stickstoffreichen Wald-Innensäume des Verbands Geo-Alliarion zu kennzeichnen.<ref name="Baade" />
Das Bunte Springkraut ist sehr frostempfindlich und stirbt mit den ersten Nachtfrösten ab. Es überwintern nur die Samen. Die ersten Keimlinge sind ab März zu sehen. Bisher tritt die Art in Mitteleuropa nur unterhalb Höhenlagen von etwa 400 Metern auf, möglicherweise ist in größerer Höhe ihr Wärmebedürfnis nicht erfüllt.
Mögliche Schäden[Bearbeiten]
Volkmar Weiss geht davon aus, dass sich das Bunte Springkraut zwar weiter ausbreiten wird, aber keine ökologischen Schäden durch sie zu erwarten sind, da sie entweder eine Krautschicht auf vorher kahlem Waldboden ausbildet, oder bestenfalls sehr häufige Arten bzw. andere Neophyten verdrängen kann.<ref name="Weiss" /> Daniel Lauterbach und Stefan Nehring kommen in ihrer Risikobewertung für das Bundesamt für Naturschutz zur Einschätzung, es handele sich um einen „potenziell invasiven“ Neophyten, schließen aber ökonomische Schäden aus.<ref name="BfN" />
Verwandtschaft[Bearbeiten]
Die sehr artenreiche Gattung Impatiens hat ihr Verbreitungszentrum in Ostasien, in Indien und China. Die Art Impatiens edgeworthii ist nach den bisherigen Daten Schwesterart von Impatiens scabrida. Auch Impatiens parviflora und Impatiens balfourii sind nahe verwandt.<ref name="Janssens" />
Ethnobotanik[Bearbeiten]
In Pakistan wird die dort „Buntil“ genannte Art äußerlich gegen Brandwunden und innerlich gegen Gonorrhoe eingesetzt.<ref name="Qureshi" />
Weblinks[Bearbeiten]
- Verbreitungskarte für Deutschland. In: Floraweb.
- Impatiens edgeworthii bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Floraweb"> Impatiens edgeworthii Hook., Buntes Springkraut auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Weiss"> Volkmar Weiss: Zur Ökologie von Impatiens edgeworthii HOOK. f. in Mitteldeutschland. In: Mitt. florist. Kart. Sachsen-Anhalt 18, 2013, S. 15–29 PDF.</ref> <ref name="Pakistan"> Impatiens edgeworthii bei Tropicos.org. In: Flora of Pakistan. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Baade">Hartmut Baade, Peter Gutte: Impatiens edgeworthii HOOK. f. – ein für Deutschland neues Springkraut. In: Braunschweiger Geobotanische Arbeiten, 9, 2008, S. 55–63. Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.PDF. ( vom 13. Dezember 2014 im Internet Archive)</ref> <ref name="Baade2">Hartmut Baade: Neue Erkenntnis zur Ausbreitung von Impatiens edgeworthii Hook. in der Umgebung von Altenburg. Mauritiana 25, 2013, S. 229–233.</ref> <ref name="Weiss2">Volkmar Weiss: Die rote Pest aus grüner Sicht: Springkräuter – von Imkern geschätzt, von Naturschützern bekämpft. Graz: Leopold Stocker Verlag 2015, ISBN 978-3-7020-1506-0, darin S. 116–134: Das Bunte Springkraut Impatiens edgeworthii, mit 16 farbigen Abbildungen dieser Art auf den S. 65–80.</ref> <ref name="Kalveram"> Thomas Kalveram (2014): Das Bunte Springkraut (Impatiens edgeworthii) in Essen-Borbeck (Nordrhein-Westfalen). In: Veröffentlichungen des Bochumer Botanischen Vereins Band 6, 6, S. 47–49. PDF.</ref> <ref name="BfN"> Daniel Lauterbach, Stefan Nehring: Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertung Impatiens edgeworthii – Buntes Springkraut. In Stefan Nehring, Ingo Kowarik, Wolfgang Rabitsch, Franz Essl (Herausgeber): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen. BfN-Skripten Heft 352, 2013. ISBN 978-3-89624-087-3</ref> <ref name="Janssens"> Steven B. Janssens, Eric B. Knox, Suzy Huysmans, Erik F. Smets, Vincent S.F.T. Merckx: Rapid radiation of Impatiens (Balsaminaceae) during Pliocene and Pleistocene: Result of a global climate change. In: Molecular Phylogenetics and Evolution Volume 52, 2009, S. 806–824. doi:10.1016/j.ympev.2009.04.013</ref> <ref name="Qureshi"> Rizwana Aleem Qureshi, Muhammad Asad Ghufran, Syed Aneel Gilani, Kishwar Sultana, Muhammad Ashraf (2007): Ethnobotanical studies of selected medicinal plants of Sudhan Gali and Ganga Chotti hils, district Bagh, Azad Kashmir. Pakistanian Journal of Botany, Volume 39, Issue 7, 2275–2283.</ref> <ref name="IPCN">Impatiens edgeworthii bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum</ref> </references>