Burg Seeberg
| Burg Seeberg Hrad Seeberg | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Staat | Tschechien | |||||
| Ort | Ostroh | |||||
| Entstehungszeit | 12. Jahrhundert | |||||
| Burgentyp | Höhenburg | |||||
| Erhaltungszustand | vollständig | |||||
| Ständische Stellung | König | |||||
| Bauweise | Naturstein | |||||
| Geographische Lage | 50° 8′ N, 12° 17′ O
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| Höhenlage | 498 m | |||||
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Burg Seeberg ist eine Burg im Ortsteil Ostroh der tschechischen Gemeinde Poustka im Okres Cheb. Sie liegt auf einem Felsrücken oberhalb einer vom Slatinný potok (Schladabach) gebildeten Schlucht. Über diese Schlucht führt eine Hängebrücke, die den Burgfelsen mit dem gegenüberliegenden Teil von Ostroh mit der Kirche St. Wolfgang verbindet.
Geschichte[Bearbeiten]
Nach überwiegender herrschender Meinung handelt es sich bei Burg Seeberg um eine ursprünglich romanische Ministerialburg, die vermutlich im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts errichtet wurde.<ref>Hrad Seeberk. Národní památkový ústav, abgerufen am 3. Juni 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Diese zeitliche Einordnung liegt etwa einhundert Jahre vor der von Heinrich Gradl im Jahr 1893 getroffenen Annahme einer Entstehung zwischen 1266 und 1300.<ref>Heinrich Gradl: Geschichte des Egerlandes (Bis 1437). H. Dominicus (Th. Gruß), Prag 1893, S. 160.</ref> Später wurde die Burg im gotischen und Renaissance-Stil umgebaut. Sie besteht aus einem romanischen und einem gotischen Palast, die durch einen Renaissanceflügel mit Arkadengang miteinander verbunden sind.
Über die Ursprünge der Burg und ihre Erbauer ist wenig bekannt. Die von Vinzenz Prökl 1870 veröffentlichte These, dass die erste urkundliche Erwähnung von Seeberg aus dem Jahr 1042 stamme, als ein Wilhelm von Seeberg als Reichsministerialer unter dem Markgrafen Diepold I. von Vohburg genannt wird<ref name=":0" details="S. 4">Vinzenz Prökl: Schloss Seeberg im Egerlande, seine Geschichte, seine Geschlechter, seine Kirche. Commissions-Verlag von Kobrtsch und Gschihay, Eger 1870.</ref>, gilt nach einer kritischen Abhandlung von Karl Siegl aus dem Jahr 1915 als widerlegt.<ref name=":1" details="S. 210 ff.">Karl Siegl: Schloß Seeberg im Egerlande. In: O. Weber (Hrsg.): Mitteilungen des Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen. Vierundfünzigster Jahrgang, 3. Heft. A. Haase, k. u. k. Hofbuchdrucker, Prag 1915.</ref> Auch die Darstellung von Johann Gottfried Sommer, nach der die Egerer Familie Honigar Schmidl (von Seeberg) von 1260 bis 1271 als älteste Besitzer von Seeberg bekannt sei, ist nicht haltbar.<ref>Johann Gottfried Sommer: Böhmen. Elbogner Kreis. In: Das Königreich Böhmen; statistisch-topograpjisch dargestellt. Fünfzehnter Band. Verlag der Buchhandlung von Friedrich Ehrlich, Prag 1847, S. 337.</ref> So gilt als erste verbriefte Nennung der „Feste Seeberg“ jenes Dokument vom 4. Oktober 1322, in dem König Ludwig der Bayer das Egerland an König Johann von Böhmen verpfändete: „Wir Ludwig ... verseczen im Eger, die stat vnd das land mit den vesten Hohenberg, Seberg, Kynsperk ...“.<ref name=":1" details="S. 213" />
Wegen der hohen strategischen Bedeutung der Burg für die Stadt Eger, ließ diese sich von Kaiser Karl IV. 1349 das Recht einräumen, einen städtischen Amtmann eigener Wahl dort einzusetzen. Diese Regelung wurde wiederholt bestätigt, endete aber im Jahr 1434, als Kaiser Sigismund die Burg und die dazugehörigen Dörfer seinem Kanzler Kaspar Schlick als erbliches Gut verlieh. In der Folgezeit saßen verschiedene Mitglieder der Familie Schlick auf Seeberg. 1444 ließen sie sich von Kaiser Friedrich III. das Recht bestätigen, Seeberg „zu verkaufen, zu versetzen und zu vergeben“.<ref name=":1" details="S. 216" /> 1461 kaufte Caspar Juncker, Ehemann von Anna Schlick, einer Nichte des Kaspar Schlick, Seeberg und durfte sich von da an Juncker von Seeberg nennen. Caspar Juncker war Ratsherr und mehrmaliger Bürgermeister von Eger. Mit einem Lehensbrief König Podiebrads aus dem Jahr 1463 wurde Seeberg zu einem frei vererbbaren Lehen erklärt. Ungeachtet dieser Zusage entzog König Vladislaw 1485 der Familie Juncker das Lehen, um es seinem Kammerherren Burian Guttenstein zu überlassen. Nachdem Seeberg für kurze Zeit noch einmal an die Familie Schlick gelangt war, wurde 1497 die Familie Neuberg (bzw. Neybergk) damit belehnt. Mit Zustimmung von Kaiser Rudolf II. verkaufte Hans Albrecht von Neuberg seinen Besitz um 1580 an Georg von und zu Brandt. Nachdem die Familie Brandt zur protestantischen Konfession übergetreten waren, war Wolf Georg von Brandt<ref> Dieter Arzberger: Herr gib Frieden, der ernährt. Der Dreißigjährige Krieg im Fichtelgebirge. Teil 1. Selb 2014, ISBN 978-3-927313-70-5, S. 39.</ref> aufgrund der Rekatholisierung im Dreißigjährigen Krieg 1635 gezwungen, die Burg aufzugeben und an den kaiserlichen Major Melchior Adam Moser von Öttingen zu verkaufen. Immerhin hatten die Brandt mit dem Schlottenhof bei Arzberg einen weiteren Sitz außerhalb Böhmens, auf den sie sich zurückziehen konnten. Bald danach gelangte Seeberg an Veit Dietrich von Steinheim.
In der Endphase des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg am 7. April 1648 von schwedischen Truppen unter Hans Christoph von Königsmarck erstürmt und niedergebrannt.
Mit dem Aussterben der Familie Steinheim in männlicher Linie 1657 fiel das Lehen nach dem Ableben der Witwe von Veit Dietrich von Steinheim 1662 zurück an die Krone Böhmen. Von dort wurde es von Kaiser Leopold I. zunächst seinem Kanzler Nostitz überlassen, der es aber sogleich an den Stadtkommandanten von Eger, Jakob Freiherr von Gerak, verkaufte. Von dessen Erben erwarb die Stadt Eger Seeberg im Jahr 1703 für 19.500 Gulden und Burg und Ort blieben seitdem in deren Besitz.<ref name=":0" details="S. 29" />
In der kommunistischen Ära der Tschechoslowakei waren Burg und Kirche dem Verfall preisgegeben. Inzwischen wurde die Burg umfassend renoviert und beherbergt ein Museum zur Geschichte der Burg und ihres Umlandes.
Beschreibung[Bearbeiten]
Am Torturm des inneren Grabens zieren vier Wappen gut sichtbar den Eingangsbereich, es handelt sich um die Familienwappen derer von Junker, von Brandt, von Gerard und von Steinheim. Das Wappen derer von Junker ist auch am Verwaltungsgebäude davor angebracht. An der Rückseite des Schlosses befinden sich die Wappen derer von Nostiz, von Neuberg und von Seeberg.
Eine erste Umfassungsmauer schließt ein Verwaltungsgebäude und – als Teil der Ausstellung – eine Fachwerkscheune und einen Knechtstall aus dem 18. Jahrhundert mit bäuerlichem Hausrat und Arbeitsgerät ein. Ein Turmspeicher aus dem Jahr 1717 wurde aus dem Dorf Mlýnek (Mühlgrün) hierhin versetzt, dazu ein historischer Schuppen aus dem Egerland.
Über den Burggraben gelangt man in die Kernburg. Archäologische Erkenntnisse deuten darauf hin, dass diese eine kleinere Fläche einnahm als die heutige Bebauung.<ref></ref> Teilweise erhalten ist eine romanische Burgmauer mit einem Tor, an deren Nordostecke später ein turmartiger romanischer Bau angebaut wurde. Die ursprüngliche Ausdehnung des Kerns wurde vor dem Jahr 1349 verkleinert, der hintere Teil durch eine Mauer mit einem Tor abgetrennt und die Bebauung darin abgerissen. Im Zuge einer der gotischen Umbauten entstand ein Vorburgwall, der ursprünglich den gesamten Kern umgab, sowie ein langgestrecktes, teilweise hervorstehendes Tor.<ref></ref>
Die mehrgeschossigen Hauptgebäuden der Burg dienen als Ausstellungsräume. Gezeigt werden Beispiele für Inneneinrichtungen des 19. Jahrhunderts sowie Erzeugnisse der tschechischen Glas- und Porzellanindustrie. Im Jahr 2011 wurden die Kellerräume der Burg für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und weitere Schauräume eingerichtet: Goethe und seine Liebschaften, der Egerer Henker Karl Huss, eine Waffenkammer und eine Bibliothek. Seit 2014 ist in den Räumlichkeiten des ehemaligen Burgrestaurants die Ausstellung „Der Tod des Waldsteins – Geschichte eines blutigen Mordes“ zu sehen (Stand 2026).
Literatur[Bearbeiten]
- Johann Theodor Benjamin Helfrecht: Ruinen, Alterthümer und noch stehende Schlosser auf und an dem Fichtelgebirge. Ein Versuch. Gottfried Adolph Grau, Hof 1795, S. 189 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
- Vinzenz Prökl: Schloss Seeberg im Egerlande, seine Geschichte, seine Geschlechter, seine Kirche. Commissions-Verlag von Kobrtsch & Gschihay, Eger 1870
- Karl Siegl: Schloss Seeberg im Egerlande. In: O. Weber (Hrsg.): Mitteilungen des Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen. 54. Jahrgang, 3. Heft. 1915, Prag
Weblinks[Bearbeiten]
- Burg Seeberg. In: burgenwelt.org
- Burg Seeberg. In: muzeum-frantiskovylazne.cz (Geschichte der Burg).
- Karlovarský kraj. In: wehrbauten.de (mit Links auf Videos von der Burg + Innenaufnahmen).
- Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Seeberg ( vom 31. Dezember 2009 im Internet Archive) In: castles.cz (tschechisch).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references></references>