Zum Inhalt springen

Capa-Haus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Capahaus-saniert.jpg
Capa-Haus im Dezember 2015

Das Capa-Haus in der Jahnallee 61 in Leipzig-Lindenau ist nach dem US-amerikanischen Kriegsreporter und -fotografen Robert Capa (geboren als Endre Ernő Friedmann, * 22. Oktober 1913 in Budapest, ab 1946 US-Staatsbürger, † 25. Mai 1954) benannt. Capa fotografierte dort die Fotoreihe „Last man to die“ (Der letzte Mann, der sterben musste) vom hier gefallenen US-Soldaten Raymond J. Bowman. Die Aufnahmen wurden mit ihrer Veröffentlichung im Life Magazine international bekannt.<ref>Ausgabe vom 14. Mai 1945 – Life Magazine, 2. Minibild unter dem Titelbild anklicken.</ref>

Geschichte[Bearbeiten]

Datei:Lehman Riggs.jpg
Lehman Riggs vor der Enthüllung der Gedenktafel am Capa-Haus am 17. April 2016

Während der Befreiung Leipzigs am 18. April 1945 durch amerikanische Truppen befanden sich Soldaten der 2. US-Infanterie-Division im damaligen Gebäude Frankfurter Straße 39 (heute Jahnallee 61) in der 2. Etage, um die Erstürmung der Zeppelinbrücke in unmittelbarer Nachbarschaft mit einem Browning MG Kaliber .30 zu decken. Dabei wurde ein Soldat vor den Augen Robert Capas tödlich getroffen; dieser begleitete damals die US-Soldaten und dokumentierte so die Ereignisse der letzten Kriegstage in Leipzig. Die drastische Fotoserie von Robert Capa aus der Leipziger (heutigen) Jahnallee wurde erstmals im Life Magazine am 14. Mai 1945 veröffentlicht, ohne dass der Name des Opfers genannt wurde. Die Identität Bowmans wurde erst 67 Jahre später durch Lehman Riggs, der damals dabei war, und den Militärhistoriker Jürgen Möller geklärt.<ref>Das Capa-Haus in Leipzig, Bürgerinitiative. In: WordPress. Abgerufen am 31. Januar 2020.</ref><ref>Das Capa-Haus als Erinnerungsstätte. In: leipzig-lese. Abgerufen am 20. Oktober 2023.</ref> 70 Jahre nach Bowmans Tod wurde das Teilstück der Erich-Köhn-Straße, das dem Capa-Haus gegenüberliegt, am 18. April 2015 im Rahmen einer Feierlichkeit in Capastraße umbenannt.

Gegenwart[Bearbeiten]

Das Haus stand seit Ende 1990 leer.<ref>Daniela Bensch: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Die Stiftung. Das Capa-Haus und seine Geschichte. (Memento vom 4. Februar 2017 im Internet Archive). In: Leipziger Denkmalstiftung, 4. Februar 2017.</ref> In der Silvesternacht 2011/2012 brannte es zum Teil ab; der Abriss konnte nur durch eine Bürgerinitiative aufgehalten werden.<ref>Jens Rometsch: @1@2Vorlage:Toter Link/www.lvz.deMatinee zum 100. Geburtstag von Robert Capa im Theater der Jungen Welt. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2023. Suche im Internet Archive) In: Leipziger Volkszeitung, 16. Oktober 2013.</ref> Der Investor Horst Langner übernahm die aufwändige denkmalgerechte Sanierung, die 2016 abgeschlossen wurde.<ref>Capa-Haus wird Palmengarten-Palais, in: Der Bauunternehmer, 9. November 2016</ref> Für die gelungene Sanierung wurde das Haus mit dem Bernhard-Remmers-Preis ausgezeichnet.<ref>Preisauszeichnung für die Rettung des Gebäudeensembles</ref><ref>bernhard-remmers-award. In: remmers. Abgerufen am 25. Mai 2026.</ref> Im Dezember 2015 wurde bereits das Café Eigler eröffnet.<ref>Café Eigler im Capa-Haus</ref> Damit die Ereignisse des 18. April 1945 nicht in Vergessenheit geraten, erinnert seit dem 17. April 2016 ein Ausstellungsraum im Erdgeschoss daran.

Aus gegebenen Anlass reiste der inzwischen 96-jährige amerikanische Zeitzeuge Lehman Riggs (er erlebte in unmittelbarer Nähe den Tod seines Kameraden Raymond Bowman) an den historischen Ort zurück, um u. a. die Straßenumbenennung an der Ecke Jahnallee/Lützner Straße in Bowmanstraße sowie die Enthüllung der Gedenktafel Raymond J. Bowman nach einem Entwurf von Harald Alff<ref>Gedenktafel. In: harald-alff. Abgerufen am 19. April 2022.</ref> am Capa-Haus persönlich mit vorzunehmen. Am 18. April 2019 gedachte die US-Konsulin Emily Yasmin Norris vor dem Capa-Haus der Weltkriegsopfer, hier insbesondere des in diesem Haus gefallenen US-Soldaten Raymond J. Bowman. Gleichzeitig erinnerte sie an Lehman Riggs, der gemeinsam mit Bowman auf diesem Balkon kämpfte.<ref>Jens Rometsch: Befreiung von Leipzig. Gedenken an alle Weltkriegsopfer. In: Leipziger Volkszeitung, 20. April 2019.</ref>

Lehman Riggs wurde 101 Jahre alt; er verstarb im Jahre 2021 in Cookeville/Tennessee.

Der neue Gebäudekomplex um das Capa-Haus heißt nach der Sanierung Palmengarten-Palais.<ref>Palmengarten Palais. Abgerufen am 1. September 2021.</ref>

Im September 2021 wurde bekannt, dass das Café Eigler<ref>Homepage Café Eigler. Abgerufen am 23. September 2021.</ref> zum Monatsende schließt. „Corona hat unser Café im Capa-Haus zerstört“, erklärte Pächter Thomas Eigler.<ref>Jens Rometsch: Café Eigler schließt: Das sind die Hintergründe – Leipzig wird wieder um ein Stück Caféhaus-Kultur ärmer. Am 30. September schließt Thomas Eigler einen gastlichen Ort in Lindenau, der nicht nur für seinen Apfel- und Mohnkuchen geliebt wurde, sondern auch authentische Einblicke in die Stadtgeschichte bot. „Corona hat unser Café im Capa-Haus zerstört“, sagt er. In: Leipziger Volkszeitung. 21. September 2021, abgerufen am 23. September 2021.</ref>

Zum 1. Juli 2023 wurde im ehemaligen Café Eigler der „Erinnerungsort Capa-Haus“ als Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Begegnungsort neu eröffnet, der nicht nur Robert Capa, sondern auch seiner Partnerin, der (Kriegs-)Fotografin Gerda Taro, gewidmet ist. Die CAPA Culture gGmbH verantwortet Veranstaltungen, Projekte und Sonderausstellungen, der Hentrich & Hentrich Verlag für jüdische Kultur und Zeitgeschichte unterstützt den „Erinnerungsort Capa-Haus“ sowohl fachlich als auch personell. Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig kuratiert und entwickelt den Dauerausstellungsbereich. Die Initiative Capa-Haus ist Projektpartner.<ref>Mathias Orbeck: Leipzig: neuer Schwung für Capa-Haus. 5. Juli 2023, abgerufen am 27. August 2023.</ref><ref>Mathias Orbeck: Leipziger Capa-Haus erinnert wieder an Kriegsfotografen. 21. August 2023, abgerufen am 27. August 2023.</ref>

80 Jahre nach Kriegsende wurde am 17. April 2025 der Befreiung durch die Amerikaner in Leipzig im Capa-Haus gedacht. Prominenter Gast war Albert II. (Monaco).<ref>Die Welt von gestern. In: Zeit Online. Abgerufen am 23. April 2025.</ref>

Denkmalwert des Capa-Hauses[Bearbeiten]

Das 1909 bis 1910 als Miethaus errichtete Capa-Haus in Reformstil-Architektur steht unter Denkmalschutz.<ref>Vorlage:Denkmaldatenbank des Landes Sachsen</ref> Zunächst als „herrschaftliche[s] Wohnhaus“ für den Goldschmied Oskar Menzel jun.<ref>siehe Leipziger Adreß-Buch 1911, damals noch unter der Adresse Frankfurter Straße 39 </ref> (Architekt: F. Otto Gerstenberger) erbaut, wechselte es bereits 1914 die Besitzer. In den Räumlichkeiten des oben erwähnten Café Eigler befanden sich früher die „Konditorei und Kaffeehaus des Westens“, dann die Anger-Tanzbar und später die von der HO betriebene Tanzbar „Melodie“.<ref>Melodie des Westens, auf der Seite Geheimtipp Leipzig 24. Mai 2018, abgerufen am 24. März 2023</ref> Eine genauere Beschreibung befindet sich auf der Liste der Kulturdenkmale in Altlindenau, H–N unter Jahnallee 61.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Möller: Kriegsschauplatz Leipziger Südraum 1945. Deutscher Rockstuhl Verlag, Bad Langensalza, ISBN 3-86777-168-5; 2., überarbeitete Auflage 2010, ISBN 978-3-86777-168-9.
  • Jürgen Möller: Die letzte Schlacht – Leipzig 1945. Verlag Rockstuhl 2014, ISBN 978-3-86777-687-5.
  • Ulrike Baumecker: Jahnallee 61 – Das Capa-Haus. In: Leipzig – Denkmalschutz und Denkmalpflege. Gehrig Verlagsgesellschaft, Merseburg 2018, DNB 118259106X, S. 26–27.<ref>Quelle: Vorlage, 4. Oktober 2021</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Capa-Haus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Koordinaten: 51° 20′ 17,6″ N, 12° 20′ 31,4″ O

 {{#coordinates:51,33823|12,34206|primary
   |dim=
   |globe=
   |name=
   |region=DE-SN
   |type=landmark
  }}