Carl Pretzel
Carl Louis Albert Pretzel (* 14. August 1864 in Groß-Tychow, Kreis Belgard, Pommern; † 2. September 1935 in Berlin) war ein deutscher Reformpädagoge, Beamter in der preußischen Schulverwaltung und Lehrerverbandsfunktionär.
Pretzel stammte aus einer Bauern- und Handwerkerfamilie, sein Vater war Lehrer in einem Dorf in Hinterpommern. Der Sohn ergriff den gleichen Beruf, absolvierte ein Lehrerseminar und wurde Volksschullehrer. Von Lauenburg in Pommern wechselte er 1893 an die 172. Gemeindeschule in Berlin-Moabit. Von 1908 bis 1919 war er Rektor der 105. Gemeindeschule für Knaben in der Prenzlauer Allee (Stadtteil Prenzlauer Berg).<ref name="Gedenk">Gedenk- und Informationstafel in Erinnerung an Schuldirektor und Schulreformer Carl Louis Albert Pretzel (1864–1935). Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner, Museum Pankow, Berlin 2019.</ref>
Nach der Novemberrevolution und der Ausrufung der Weimarer Republik holte der neue, sozialdemokratische Kultusminister Konrad Haenisch das DDP-Mitglied Pretzel im Dezember 1919 ins preußische Kultusministerium und beauftragte ihn mit der Überarbeitung der Lehrpläne für die Volksschule. Dabei lehnte er sich an das von Georg Kerschensteiner entwickelte, reformpädagogische Konzept der „Arbeitsschule” an und forderte einen größeren Freiraum für die natürliche Entwicklung des Kindes. Dazu gehörten didaktische Spiele, Handarbeiten oder das Beobachten von Naturvorgängen, wodurch die Kinder Wissen nicht bloß theoretisch vermittelt bekommen, sondern innerlich erleben und selbsttätig erwerben sollten. Als Regierungsdirektor wurde Pretzel 1922 Leiter der Volksschulabteilung im Berliner Provinzialschulkollegium. 1929 ging er in den Ruhestand.<ref name="Gedenk"/>
Im Deutschen Lehrerverein war Pretzel ab 1895 im regionalen Berliner Vorstand, ab 1898 im Geschäftsführenden Ausschuss auf der Reichsebene. Er gründete eine Statistische Zentralstelle und den Zeitungsdienst und führte den Verband um 1912 als Geschäftsführer<ref>Einladung zur Deutschen Lehrerversammlung in Berlin. In: Schlesische Schulzeitung, Band 41, Nr. 3, 18. Januar 1912, S. 1.</ref>. Auch saß er der Erziehungswissenschaftlichen Hauptstelle vor und war von 1913 bis 1932 Schriftleiter der Fachzeitschrift Die Deutsche Schule (DDS). Sein Nachfolger als Schriftleiter der DDS war der Nationalsozialist Kurt Higelke. Der Deutsche Lehrerverein wurde nach der NS-Machtübernahme 1933 in den Nationalsozialistischen Lehrerbund überführt. Pretzel musste in dieser Zeit die Zerstörung seines pädagogischen und schulpolitischen Lebenswerks beobachten.<ref name="Gedenk"/>
Carl Pretzel war mit Wanda geb. Lehmann (1875–1962) verheiratet, die ebenfalls Tochter eines Volksschullehrers aus einer Handwerkerfamilie war. Das Paar bekam vier Kinder, darunter der Germanist Ulrich Pretzel und der Publizist Sebastian Haffner (eigentlich Raimund Pretzel).<ref name="Gedenk"/>
Carl Pretzel wurde auf dem Parkfriedhof Berlin-Lichterfelde West beigesetzt. Die Grabstätte gehört heute zu den Ehrengräbern des Landes Berlin.
Schriften[Bearbeiten]
- Die Frage des Religionsunterrichts, Beltz, Langensalza 1919 u.ö.
- Die Neuordnung der Lehrerbildung, Berlin 1920
- Geschichte des deutschen Lehrervereins in den ersten fünfzig Jahren seines Bestehens, Leipzig 1921
- Neuzeitliche Volksschularbeit: Winke zur Durchführung der neuen preußischen Lehrplanrichtlinien, Langensalza 1923 u.ö.
Literatur[Bearbeiten]
- Rainer Bölling: Volksschullehrer und Politik: Der Deutsche Lehrerverein 1918–1933, Göttingen 1978 (E-Book 2011 – online)
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Carl Pretzel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pretzel, Carl |
| ALTERNATIVNAMEN | Pretzel, Carl Louis Albert; Pretzel, Louis |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Lehrer und Verbandsfunktionär |
| GEBURTSDATUM | 14. August 1864 |
| GEBURTSORT | Groß-Tychow, Pommern |
| STERBEDATUM | 2. September 1935 |
| STERBEORT | Berlin |