Cassandra Wilson
Cassandra Marie Fowlkes Wilson (* 4. Dezember 1955 in Jackson, Mississippi; † 2. September 2026 ebenda) war eine US-amerikanische Jazzsängerin und Songwriterin.<ref name="nyt2026">Will Friedwald, Adam Bernstein: Cassandra Wilson, Star Jazz Singer, Dies at 70. In: The New York Times. 2. September 2026, abgerufen am 18. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Wilson nutzte Jazz, Delta Blues, Gospel, Folk, Pop und Rock und wurde besonders für eigenständige Neuinterpretationen bekannter Lieder bekannt.<ref name="rollingstone2026">Kory Grow: Cassandra Wilson, Grammy-Winning Jazz Singer, Dead at 70. In: Rolling Stone. 2. September 2026, abgerufen am 18. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Kennzeichnend waren ihre tiefe, rauchige Altstimme und ein Repertoire, das vom Great American Songbook über afroamerikanische Musiktraditionen bis zu zeitgenössischen Pop- und Folksongs reichte.<ref name="nyt2026" /> Sie war zweifache Grammy-Preisträgerin.<ref name="rollingstone2026" />
Leben und Werk[Bearbeiten]
Wilson war das jüngste von drei Kindern der Pädagogin Mary (geb. McDaniel) Fowlkes und Herman Fowlkes Jr., der ebenfalls als Lehrer tätig war und in örtlichen Bands Bass spielte.<ref name="guardian2026">John Fordham: Cassandra Wilson obituary. In: The Guardian. 16. September 2026, abgerufen am 18. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Mit sechs Jahren begann sie Klavier und mit zwölf Jahren Gitarre zu spielen.<ref name="rollingstone2026" /> In der Highschool spielte sie außerdem Klarinette und begann, eigene Lieder zu schreiben.<ref name="guardian2026" /> Prägend waren die Delta-Blues- und Gospelklänge ihrer Kindheit, die Gitarrenharmonien ihres Vaters sowie die Begeisterung beider Eltern für Miles Davis und Motown.<ref name="guardian2026" /> Nach der verspäteten Aufhebung der Rassentrennung an den Schulen Mississippis kam sie in der elften Klasse erstmals in engeren Kontakt mit weißen Mitschülern; mit zwei von ihnen gründete sie ein Folk-Trio, in dem die gemeinsame Begeisterung für Bob Dylan und Joni Mitchell zu einem musikalischen Wendepunkt wurde.<ref name="nyt2026" />
Wilson besuchte zunächst das Millsaps College und schloss 1980 an der Jackson State University ein Studium der Massenkommunikation ab.<ref name="nyt2026" /> 1981 zog sie mit ihrem ersten Ehemann Anthony Wilson, einem Radiomoderator, nach New Orleans, wo sie als Assistentin in der Öffentlichkeitsarbeit eines Fernsehsenders tätig war.<ref name="nyt2026" /> Dort sang sie bei der lokalen Gruppe Jasmine die Hauptstimme auf dem von Allen Toussaint produzierten Latin-Jazz-Album Tropical Breeze und trat auch mit Ellis Marsalis auf.<ref name="guardian2026" />
1982 zog Wilson nach New York, beteiligte sich an Jam-Sessions, nahm Gehörbildungsunterricht bei dem Posaunisten Grachan Moncur III und schloss sich dem Musikerkollektiv M-Base um Steve Coleman an.<ref name="guardian2026" /> Ihre Beiträge zu Colemans Alben Motherland Pulse (1985) und On the Edge of Tomorrow (1986) erweiterten ihre Möglichkeiten der wortlosen Improvisation und der flexiblen Phrasierung.<ref name="guardian2026" /> 1986 veröffentlichte sie mit Point of View ihr erstes Album unter eigenem Namen.<ref name="rollingstone2026" /> Der Münchner Produzent Stefan Winter veröffentlichte ihre frühen Alben auf dem neu gegründeten Label JMT; dabei entwickelte sich ihre Musik von der strukturellen Radikalität des M-Base-Umfelds zunehmend zu liedorientierten Eigenkompositionen und Coverversionen, die stärker auf ihre musikalischen Wurzeln in Mississippi zurückgriffen.<ref name="guardian2026" /> 1986 nahm sie mit AACM-Mitbegründer Henry Threadgill und seinem Trio Air New Air No. 1 auf.<ref>All About Jazz: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Musician Henry Threadgill ( vom 20. Juni 2012 im Internet Archive) (englisch)</ref> Das ausschließlich aus Standards bestehende Album Blue Skies (1988), eingespielt mit Mulgrew Miller, Lonnie Plaxico und Terri Lyne Carrington, erschloss ihr ein breiteres Publikum; 1989 eröffnete sie beim Chicago JVC Jazz Festival für Miles Davis.<ref name="nyt2026" />
1993 nahm der Produzent Bruce Lundvall Wilson für Blue Note Records unter Vertrag.<ref name="nyt2026" /> Blue Light ’Til Dawn (1993) und der Nachfolger New Moon Daughter enthielt eigene Kompositionen und Jazzstandards, Delta Blues sowie Lieder von Joni Mitchell, Van Morrison, Robert Johnson, Neil Young, U2 und den Monkees, meist in sparsamen, überwiegend akustischen Arrangements.<ref name="rollingstone2026" /> Ihre verlangsamte Interpretation von Last Train to Clarksville hob die Antikriegsdimension des Liedtextes hervor.<ref name="nyt2026" /> New Moon Daughter verkaufte sich mehr als 400.000-mal und brachte ihr 1997 den Grammy für die beste Jazz-Gesangsdarbietung ein.<ref name="nyt2026" />
In Wynton Marsalis’ Jazzoratorium Blood on the Fields sang Wilson die Rolle der Leona und ging 1997 mit dem Werk, der ersten mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Jazzkomposition, auf internationale Tournee.<ref name="rollingstone2026" /> Das von Wilson produzierte Album Traveling Miles (1999) ging aus einem von Jazz at Lincoln Center beauftragten Miles-Davis-Programm hervor; sie versah dabei unter anderem Miles Runs the Voodoo Down, Seven Steps to Heaven und Blue in Green mit eigenen Texten.<ref name="nyt2026" /> Belly of the Sun (2002), eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen des Blues, nahm sie in einem stillgelegten Bahnhof in Clarksdale auf.<ref name="nyt2026" /> Loverly (2008) war nach längerer Pause eine Rückkehr zu Jazzstandards und entstand unter anderem mit dem Pianisten Jason Moran; 2009 erhielt Wilson dafür ihren zweiten Grammy.<ref name="guardian2026" />
2012 verließ sie Blue Note und veröffentlichte Another Country bei der unabhängigen Ojah Media Group mit Sitz in ihrer Heimatstadt Jackson, deren Veranstaltungsort Yellow Scarf sie auch konzipierte.<ref>Cassandra Wilson. Ojah Media Group, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 23. März 2013; abgerufen am 3. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Ihr letztes Soloalbum Coming Forth by Day erschien 2015 als Hommage an Billie Holiday anlässlich deren 100. Geburtstags.<ref name="rollingstone2026" /> Im selben Jahr kehrte sie dauerhaft nach Jackson zurück und gründete gemeinsam mit der Sängerin Rhonda Richmond einen Jazzclub und ein Plattenlabel zur Förderung der Künste in Mississippi.<ref name="guardian2026" /> Ihren letzten Liveauftritt hatte sie im Juni 2026 beim Toronto Jazz Festival.<ref name="guardian2026" />
Wilsons Ehen mit Anthony Wilson, Bruce Lincoln und dem Schauspieler Isaac de Bankolé wurden geschieden; sie hatte einen Sohn namens Jeris.<ref name="nyt2026" /> Sie starb am 2. September 2026 im Alter von 70 Jahren in ihrem Haus in Jackson, umgeben von ihrer Familie, engen Freunden und ihrem Manager; eine Todesursache wurde nicht bekanntgegeben.<ref name="rollingstone2026" />
Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]
Wilson wurde viermal für einen Grammy nominiert und gewann zweimal; außerdem erhielt sie den französischen Django d’Or und einen Edison und wurde mit einer Gedenktafel des Mississippi Blues Trail geehrt.<ref name="rollingstone2026" /> 2001 bezeichnete sie das Magazin Time als „Amerikas beste Sängerin“.<ref name="guardian2026" /> 2020 verlieh ihr das Berklee College of Music die Ehrendoktorwürde; 2022 wurde sie vom National Endowment for the Arts als NEA Jazz Master ausgezeichnet.<ref name="guardian2026" />
Diskografie[Bearbeiten]
Alben[Bearbeiten]
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Weitere Alben
- 1986: Point of View
- 1987: Days Aweigh
- 1988: Blue Skies
- 1990: Jumpworld
- 1991: She Who Weeps
- 1991: Live
- 1992: After the Beginning Again
- 1992: Dance to the Drums Again
- 1996: Songbook
- 1997: Rendezvous
- 2002: Sings Standards
- 2004: Love Phases Dimensions
- 2009: Closer to You: The Pop Side
- 2010: Silver Pony
- 2014: Moonglow
Singles (Auswahl)[Bearbeiten]
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Auszeichnungen für Musikverkäufe[Bearbeiten]
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Weblinks[Bearbeiten]
- cassandrawilson.com (englisch)
- Profil bei Blue Note Records
- Ted Ownby: Cassandra Wilson. Eintrag bei Mississippi Encyclopedia, 11. Juli 2017, zuletzt aktualisiert am 11. Juni 2018.
- Cassandra Wilson in der Grammy-Datenbank
- Vorlage:Laut
- Cassandra Wilson bei Discogs
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wilson, Cassandra |
| ALTERNATIVNAMEN | Fowlkes, Cassandra Marie (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische Jazzsängerin und Songwriterin |
| GEBURTSDATUM | 4. Dezember 1955 |
| GEBURTSORT | Jackson, Mississippi, USA |
| STERBEDATUM | 2. September 2026 |
| STERBEORT | Jackson, Mississippi, USA |