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Cat Content

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Datei:2026-08-05 DASA Dortmund 19.jpg
Katzencontent als Aufhänger für eine Ausstellung über Gefahren im Internet, DASA Dortmund.

Cat Content (auch: Katzencontent) ist ein vorwiegend zum Bereich der Populärkultur gezähltes Internet-Phänomen.<ref name=Miau></ref> Der Begriff ist ein Scheinanglizismus und bedeutet wörtlich übersetzt „Katzen-Inhalte“.<ref name=MiauMiau>Markus Brauer: Phänomen der Katzen-Videos. Der Miau-Miau-Netz-Wahnsinn. In: Stuttgarter Nachrichten. 3. Februar 2016, abgerufen am 25. September 2019.</ref> Im englischen Sprachraum ist der Begriff „Cat Content“ dagegen nicht verbreitet. Dort spricht man von „Cats on the internet“.<ref name=Miau/>

Datei:Francisco de Goya - Don Manuel Osorio Manrique de Zuñiga.jpg
Detail: Francisco de Goya: Don Manuel Osorio Manrique de Zuñiga. Öl auf Leinwand, 1787, Metropolitan Museum of Art

Cat Content bezeichnet die zahlreichen Bilder und weitere Darstellungen von Hauskatzen im Internet.<ref>Stephan Porombka, Christiane Frohmann: Internetkatzen. Ein Gespräch über Cat Content. Frohmann Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-944195-21-6.</ref> Angebote mit und über Katzen finden sich in Nachrichtenartikeln, Katzenmemen und Videos. Zum Bereich von Cat Content gehören im weiteren Sinne aber nicht nur digitale Darstellungen von Katzen, sondern auch solche in Printmedien, Fernsehen, Filmen, Büchern sowie in der bildenden Kunst und im Bereich des Konsums. Katzen spielen nach allgemeiner Auffassung eine große Rolle in der Öffentlichkeit.<ref name=Miau/> Sie gelten als im weltweiten Internet besonders verbreitet:<ref></ref><ref name=AnimalMediators></ref> So soll ein Prozent des gesamten Datenverkehrs im Netz Tierinhalten zuzuordnen sein.<ref>deutschlandfunkkultur.de: Memes, Gifs und Videos - Der Einfluss der Katzen auf die Geschichte des Internets. 15. Dezember 2018, abgerufen am 14. Oktober 2025.</ref> Von Bedeutung ist Cat Content in der Gegenwart insbesondere auf Plattformen für Social Media.<ref name=Emotion>Jessica Gall Myrick: Emotion regulation, procrastination, and watching cat videos online. Who watches Internet cats, why, and to what effect? In: Computers in Human Behavior. Band 52. Indiana 2015, S. 168–176, doi:10.1016/j.chb.2015.06.001. </ref>

Cat Content und seine massenhafte Rezeption erhält seit dem Beginn der 2010er Jahre immer mehr Aufmerksamkeit in der Wissenschaft und auch in der Populärkultur selbst, die ihn hervorgebracht hat.<ref name=Intimität>Ina Bolisnski: Cat Content. Zur Intimität der Mensch-Haustier-Beziehung in digitalen Medien. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft. Band 8, Nr. 2, 2016, S. 73–82, doi:10.25969/mediarep/1903.</ref> Die Frage nach den Auswirkungen einer häufigen Nutzung des Internets zum Betrachten von Cat Content auf den Menschen erweckt dennoch erst seit der Mitte der 2010er Jahre das Interesse aktueller wissenschaftlicher Forschung.<ref name=Emotion/>

Geschichte[Bearbeiten]

In Kunst, Mythologie und Literatur spielen Katzen seit mehreren tausend Jahren eine Rolle.<ref name=Miau/> In der Antike wurde in der ägyptischen Stadt Bubastis ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) am Heiligtum der Bastet, einer Göttin mit einem freundlichen Wesen, deren heiliges Tier die Katze war und die als Katze dargestellt worden ist, jährlich mit großer Freude ein ausgelassenes Fest gefeiert, zu dem große Menschenmengen aus allen Teilen des Landes strömten.<ref>Kurt Sethe: Bubastis. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band III,1, Stuttgart 1897, Sp. 930–932.</ref> Über das Verhältnis von Katze und Mensch dachte der Philosoph Michel de Montaigne bereits im 16. Jahrhundert nach und stellte die Frage „Wenn ich mit meiner Katze spiele, woher weiß ich, dass sie nicht mit mir spielt?“.<ref name=AnimalMediators/> Nach einer wechselvollen Geschichte von Katze und Mensch wurden Bilder von Katzen besonders seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in der Kunst beliebt. Auch die Literatur seit dem 19. Jahrhundert nimmt sich der Katze an. Bekannt ist zum Beispiel Kater Murr bei E. T. A. Hoffmann. Weitere Autoren, die im Zusammenhang mit Katzen genannt werden, sind Lewis Carroll, T. S. Eliot, Edgar Allan Poe, Doris Lessing, Charles Baudelaire, Michail Bulgakow und James Joyce.<ref name=Miau/> Für den einflussreichen Anthropologen Claude Lévi-Strauss war der Blickaustausch mit einer Katze ein Schlüsselmoment. Sein Hauptwerk Traurige Tropen beendete er in den 1950er Jahren mit der Hoffnung, der Mensch werde im Blick zwischen Katze und Mensch sein Wesen erkennen: „in dem Blick – schwer von Geduld, Heiterkeit und gegenseitigem Verzeihen – den ein unwillkürliches Einverständnis zuweilen auszutauschen gestattet mit einer Katze.“<ref name=SchonsMonopol>Donna Schons: Katzenfotograf Walter Chandoha – Der Großvater des Cat Content. In: Monopol. 9. August 2019, abgerufen am 25. September 2019.</ref>

Als Pioniere im Bereich Cat Content gelten der britische Fotograf Harry Pointer, der bereits um 1870 Katzen in Kleidung fotografierte und die Fotos mit Kommentaren versah,<ref>Franziska Schwarz: C wie Cat Content. In: Bayerischer Rundfunk. 10. März 2015, abgerufen am 8. September 2019.</ref> Harry Whittier Frees, der 1906 mit Cat Content begann, indem er der Katze seiner Familie einen Hut aufsetzte und eine Fotografie anfertigte,<ref>Cyriaque Lamar: Even in the 1870s, humans were obsessed with ridiculous photos of cats. In: Gizmodo. 9. April 2012, abgerufen am 26. September 2019.</ref> aber auch Walter Chandoha, der ab 1949 Katzen fotografierte.<ref> name=SchonsMonopol</ref><ref>Der Mann, der Katzen fotografierte, lange bevor es alle machten In: GEO, abgerufen am 17. August 2022.</ref>

Katzenvideofans haben Katzenfilme des Fin de Siècle als Vorläufer bezeichnet, zum Beispiel Étienne-Jules Mareys La Chute du chat (1894), William K. L. Dicksons Boxing Cats (1894), Louis Lumières La Petite fille et son chat (1899) und George Albert Smiths Sick Kitten (1901). Diese Vergleiche können allerdings auch als anachronistisch bezeichnet werden.<ref name=SilentCinema></ref>

Diskutiert wird, ob Frank the Cat die erste Internetkatze war.<ref>Hannes Stein: Katzen sind einfach die besseren Kinder. In: Die Welt. 17. August 2015, abgerufen am 26. September 2019.</ref> Er wurde im Jahre 1994 das erste Mal im Internet gepostet und war ursprünglich eine gewöhnliche Katze mit gewöhnlichen Handlungen.<ref name=MiauMiau/> Als gesichert gilt, dass 1995 in Newsgroups „Meowchat“ entstand, eine Gruppe, in der die Nutzer eine Art Katzensprache nachahmten. Dieser Augenblick gilt als prägend für das Internet, mit dessen Anfängen auch Katzen verbunden werden. Gegen Ende der 1990er Jahre entwickelte sich der Trend, Katzen auf einen Fotokopierer zu setzen, abzuscannen und die auf diese Weise entstandenen Bilder im Internet zu veröffentlichen. In dieser Handlung kann ein Beginn von User-generated content gesehen werden. Cat Content wird in diesem Zusammenhang als ein Faktor zur Entstehung sozialer Medien wie zum Beispiel Facebook, Twitter und Instagram angesehen.<ref name=Kultur>Mike Herbstreuth: Der Einfluss der Katzen auf die Geschichte des Internets. In: Deutschlandfunk Kultur. 15. Dezember 2018, abgerufen am 25. September 2019.</ref>

Datei:Breaded Cat.jpg
Eine durch ein Brot blickende Katze.

Die erste Katze auf dem 2005 gegründeten Videoportal YouTube war „Pajamas“, die sich im Besitz des Youtube-Mitgründers Steve Chen befand.<ref>Die Ahnenreihe der Internet-Katzen. In: Süddeutsche Zeitung Magazin. 16. Juni 2019, abgerufen am 26. September 2019.</ref>

Ab 2006 wurden Lolcats durch den Blog „I Can Has Cheezburger“ bekannt. Binnen kurzer Zeit entwickelte sich der Blog zu einem wirtschaftlich florierenden Unternehmen.<ref>Kai Biermann: Das Netzwerk der lachenden Katzen. In: Zeit Online. 30. Mai 2012, abgerufen am 26. September 2019.</ref> Keyboard Cat ist bereits 1984 gefilmt worden, bekannt wurde sie aber erst im Jahre 2007.<ref name=Stern>Anne Richter: Social-Media-Trend. Wie Cat-Content das Internet eroberte. In: Stern. 2. Juni 2018, abgerufen am 26. September 2019.</ref> Weitere bekannte Katzen im Internet sind Grumpy Cat,<ref name=Kultur/> Maru, Surprised Kitty und Henri, le Chat Noir, die als existentialistische Katze gilt.<ref name=Maria>Maria Bustillos: How cats won the internet. In: BBC. 21. September 2015, abgerufen am 26. September 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Globale Lage[Bearbeiten]

Nachrichten über Katzen werden international rezipiert, wie zum Beispiel ein Bericht von der russischen Katze Mascha, die einen Säugling vor dem Erfrieren gerettet haben soll. Sogar eigene Benutzerkonten von Katzen bei Twitter und Instagram existieren.<ref>Bernadette Bayrhammer: Der Miau-Faktor. Eine Forscherin entdeckt den Cat Content. In: Die Presse. 23. Januar 2018, abgerufen am 25. September 2019.</ref> Die vom Suchmaschinenbetreiber Google LLC entworfene Künstliche Intelligenz, die im Internet selbstständig lernen kann, entwickelte sich um das Jahr 2012 rasch zum Experten zum Thema Katzen, da sie Katzen aufgrund ihres häufigen Vorkommens im Internet als relevantes Thema einstufte.<ref name=Süßigkeit>„Cat Content“ im Netz. Wie Süssigkeiten fürs Gehirn. In: Schweizer Radio und Fernsehen. 8. August 2013, abgerufen am 25. September 2019.</ref><ref>John Markoff: How Many Computers to Identify a Cat? 16,000. In: The New York Times. 25. Juni 2012, abgerufen am 3. Oktober 2019.</ref> Im Jahre 2018 gab es bei YouTube über zwei Millionen Katzenvideos, die insgesamt rund zwei Milliarden Mal betrachtet worden sind.<ref name=Kultur/>

Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Zahlreiche Universitäten in Deutschland fühlen sich mit Katzen auf ihrem Campus verbunden. Universitäten mit einer Katze sind die Universität Konstanz, die Universität Freiburg, die Universität Augsburg und die Universität Hildesheim sowie die Universität Bayreuth.<ref>Saskia Ibrom: Achtung, #CatContent. Katerstimmung auf dem Campus. In: Spiegel Online. 20. August 2014, abgerufen am 26. September 2019.</ref>

Datei:Siamesa curiosa.JPG
Ein Bild einer neugierigen Katze.

Soziologische Aspekte[Bearbeiten]

Die gesellschaftliche Struktur der speziellen Beziehung zwischen Tier und Mensch kann unter dem Aspekt des Begriffs der Intimität bei dem Soziologen Niklas Luhmann verstanden werden, der Intimität als „zwischenmenschliche Interpenetration“ auffasste. Zusätzlich wirken die technischen Bedingungen und tierische Akteure wie Katzen wechselseitig aufeinander ein. Intimität wird technisch vermittelt. Daher wird auch von einem „Internet der Tiere“ gesprochen in Anlehnung an die Wendung „Internet der Dinge“.<ref name=Intimität/> Cat Content funktioniert auch in der mobilen Nutzung des Internets gut und wird über alle Länder- und Sprachgrenzen hinweg allgemein verstanden.<ref name=MiauMiau/>

Bedeutung von Cat Content für den politischen Diskurs[Bearbeiten]

Einer medienwissenschaftlichen Theorie zufolge fördert und ermöglicht Cat Content Internetaktivismus. Userinnen und User, die nicht im Internet politisch aktiv sein wollen, stoßen auf der Suche nach Unterhaltung auch auf Themen des politischen Diskurses.<ref name=Kultur/>

Cat Content macht auch nach aktuellen kommunikationswissenschaftlichen Studien aufmerksam auf andere Inhalte und lenkt nicht notwendigerweise von Themen ab, die allgemein als bedeutender beurteilt werden. Von heiteren Themen wie Cat Content eingerahmte (Framing) politische Inhalte werden sogar intensiver wahrgenommen und verarbeitet.<ref name=Politik>Cornelia Grobner: Politik im Schatten von Cat Content. In: Die Presse. 23. August 2019, abgerufen am 25. September 2019.</ref>

Verbreitet ist die Auffassung, dass der Charme von Videos von Katzen alle Grenzen von Klasse, Geschlecht und Nationalität überschreitet.<ref name=Maria/><ref name=MiauMiau/>

Datei:Grumpy Cat by Gage Skidmore.jpg
Grumpy Cat.

Kritik[Bearbeiten]

Gelegentlich werden die Auswirkungen auf Tiere auch unterschätzt. So kann eine Katze, die Angst vor einer Gurke hat, von ihrem Futterplatz abgehalten werden.<ref name=Stern/> Einige in Katzenvideos gezeigte Situationen können für Katzen Stress bedeuten und sollten vermieden werden.<ref>Ariane Alter: Psychotest. Was sagen Katzen zu Cat Content? In: Bayerischer Rundfunk. 17. Juli 2015, abgerufen am 26. September 2019.</ref>

Datei:Wikipedia-lolcat.jpg
Ein Lolcat-Bild im „I’m in ur...“-Format.

Psychologische Theorien zur Niedlichkeit[Bearbeiten]

Aus psychologischer Sicht ist ein Grund für den Erfolg von Cat Content das Kindchenschema.<ref name=TooCute></ref> Das Phänomen Cat Content hängt außerdem mit zeitgenössischer Mediennutzung und damit verbundenen teilweise kürzeren Aufmerksamkeitsspannen zusammen: Er kann in kleinen Abschnitten konsumiert werden, um die Stimmung aufzuhellen. In der Psychologie vergleicht man diese Verhaltensweise mit dem Verzehr eines kleinen Bonbons.<ref name=Focus>Oh Gott, wie süß: Im Internet herrscht der „Catcontent“. In: Focus Online. 9. August 2013, abgerufen am 25. September 2019.</ref> Die emotionale Reaktion auf Niedlichkeit rückt erst in jüngster Zeit in den Mittelpunkt der Forschung, die versucht, Begriffe für die emotionale Wahrnehmung von Niedlichkeit zu finden. Niedlichkeit ruft eine sozial-relationale Emotion auf, die als „bewegt“, „berührt“ und „herzerwärmend“ bezeichnet werden kann. Diese Emotion ist ein liebevolles gemeinsames Teilen, das von Vertrauen und Einheit geprägt ist.<ref name=TooCute /> In der Wissenschaft wird diese Emotion zunehmend mit dem Begriff Kama Muta (in Sanskrit etwa: „von Liebe bewegt“) bezeichnet.<ref>Julia Köppe: Wissenschaftler geben Emotion einen Namen: Was ist Kama Muta? In: Der Spiegel. 29. Januar 2026, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 4. Februar 2026] S+).</ref>

Gesundheitliche Gefahren[Bearbeiten]

Die Auswirkungen des Internet-Katzenkonsums auf die emotionalen Zustände des Menschen werden in der Gegenwart weiter diskutiert.<ref></ref> Das Betrachten von Online-Katzenmedien kann den emotionalen Zustand des Betrachters verbessern. Die neuere Forschung weist darauf hin, dass es auch negative Ergebnisse im Zusammenhang mit der Nutzung des Internets zur Betrachtung von Cat Content geben kann, indem die Prokrastination gefördert wird. Verschiedene Persönlichkeitstypen sprechen Studien zufolge unterschiedlich stark auf diese Zusammenhänge an.<ref name=Emotion/>

Eine Studie hat ergeben, dass die Betrachtung von als niedlich beurteilten noch nicht erwachsenen Katzen die Produktivität steigern kann und Handlungen nach dem Betrachten derartiger Fotos umsichtiger durchgeführt werden.<ref></ref><ref>Cindy Perman: Validated! Watching Cute Cat Videos Boosts Productivity. In: CNBC. 12. Oktober 2012, abgerufen am 28. September 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ina Bolisnski: Cat Content. Zur Intimität der Mensch-Haustier-Beziehung in digitalen Medien. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft. Band 8, Nr. 2, 2016, S. 73–82, doi:10.25969/mediarep/1903.
  • Stephan Porombka, Christiane Frohmann: Internetkatzen. Ein Gespräch über Cat Content. Frohmann Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-944195-21-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />