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Christine Wunnicke

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Datei:Christine Wunnicke 2020.jpg
Christine Wunnicke (2019)

Christine Wunnicke (* 29. September 1966 in München) ist eine deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin. 2026 wurde ihr der Georg-Büchner-Preis zugesprochen.<ref name=":1">Georg-Büchner-Preis 2026 geht an Christiane Wunnicke. Pressemitteilung. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, abgerufen am 9. Juli 2026.</ref>

Leben[Bearbeiten]

Christine Wunnicke studierte in Berlin und Glasgow Linguistik, Altgermanistik und Psychologie. Nach dem Studium arbeitete sie in der Zentrale der Max-Planck-Gesellschaft in München.<ref>Georg-Büchner-Preis geht an Christine Wunnicke. In: Der Spiegel. 9. Juli 2026, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 9. Juli 2026]).</ref> Seit 1991 arbeitet sie als freie Autorin. Sie begann mit Radiofeatures und Hörspielen, später veröffentlichte sie auch Prosa. 1998 erschien mit Fortescues Fabrik ihr erster Roman, 2000 folgte Jetlag.<ref name="deutschlandfunkkultur-2026-07-09">Wiebke Porombka: Georg-Büchner-Preis für Christine Wunnicke: Unbekümmert eigensinnig und hochkomisch. In: Deutschlandfunk Kultur. 9. Juli 2026, abgerufen am 9. Juli 2026.</ref> Christine Wunnicke lebt in München und Berlin.<ref name="dw-2026-07-09">Georg-Büchner-Preis 2026 geht an Christine Wunnicke. In: Deutsche Welle. 9. Juli 2026, abgerufen am 9. Juli 2026.</ref>

Werk[Bearbeiten]

Neben einer Biografie über den Kastraten Filippo Balatri veröffentlichte Wunnicke eine Reihe von Romanen und eine Novelle. Wunnickes Prosawerk besteht häufig aus schmalen, historisch grundierten Romanen, die historisch verbürgte Figuren und Wissenswelten des 17. bis 19. Jahrhunderts in freie literarische Versuchsanordnungen überführen.<ref name="deutschlandfunkkultur-2026-07-09" /> Von 2015 bis 2020 wurden drei ihrer Titel für die Longlist des Deutschen Buchpreises berücksichtigt. Wunnickes 2020 erschienener Roman Die Dame mit der bemalten Hand war am erfolgreichsten. Er kam auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde mit dem Wilhelm Raabe-Literaturpreis ausgezeichnet.<ref>2020 Shortlist. In: deutscher-buchpreis.de (abgerufen am 29. März 2026).</ref> Thema ist die fiktive Begegnung des deutschen Forschungsreisenden Carsten Niebuhr mit einem persischen Astronomen. Der persische Gelehrte ist in dem Roman ein Astrolabienbauer namens Musa; die beiden Figuren versuchen, sich nach einer Strandung auf einer Insel über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg zu verständigen.<ref name="dw-2026-07-09" /> Die aus Sanskrit, Arabisch und Deutsch zusammengesetzte Verständigung der Figuren trägt dabei wesentlich zur Komik des Romans bei.<ref name="deutschlandfunkkultur-2026-07-09" />

Unter Christine Wunnickes Figuren finden sich ein schottischer Rockmusiker, die zwei Filmpioniere William Nicholas Selig und Francis Boggs und der japanische Nervenarzt Shimamura. Ihre Figuren sind oftmals „nicht nur exzentrisch und mit einer jeweils sehr besonderen Obsession gesegnet, sondern auch historisch verbürgt“, entwickeln jedoch in den Büchern ein Eigenleben.<ref name="swr-161841"/> Ihre Romane sind daher nicht als bloße historische Romane angelegt, sondern erweitern historische Stoffe um Erfindung, Fabulierlust und groteske Zuspitzung.<ref name="deutschlandfunkkultur-2026-07-09" /> Es sind, wie die Autorin selbst feststellt, „zerfallende Personen, fragmentierte Figuren“.<ref name="sz-3623876">Antje Weber: Nachtschattenfrau. Wenn es dunkel wird, beginnt Christine Wunnicke zu schreiben – über Spuk und Trug, über Wissenschaft und Wahn. In: sueddeutsche.de, Nr. 184, S. R16. 10. August 2017, abgerufen am 12. August 2017.</ref> Immer wieder beschreibt sie „Zwischenzustände, Grenzüberschreitungen, zweifelhafte Identitäten, Doppelgänger.“<ref name="sz-3623876"/> Sie befasst sich mit Themen wie Emanzipation, Aufklärung und queerer Liebe, die jedoch nicht programmatisch hervorgehoben, sondern in die Handlung und den Ton der Bücher eingewoben werden.<ref name="deutschlandfunkkultur-2026-07-09" />

In der Begründung der Jury des Wilhelm-Raabe-Literaturpreises heißt es, Wunnicke habe ein eigenständiges Werk geschaffen, in dem sich die Gattungen mischten, angefangen von gelehrten Grotesken über den historischen Miniaturroman bis hin zur Wissenschaftssatire. Außerdem beherrsche sie den Wissenschaftsjargon verschiedener Zeiten, mythologische und religiöse Idiomatiken sowie deren Parodien.<ref>Süddeutsche Zeitung: Christine Wunnicke erhält Raabe-Preis. Abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref> Auch die Jury des Georg-Büchner-Preises hob Wunnickes Verschmelzung von Fakt und Erfindung, ihren Eigensinn und ihren subtilen Sprachwitz hervor.<ref name="dw-2026-07-09" /> Ihre Schauplätze reichen dabei von Hollywood und Nagasaki bis Paris.<ref name="dw-2026-07-09" />

In ihrem Roman Wachs (2025) siedelt Wunnicke die Handlung im Frankreich des 18. Jahrhunderts an. Auch dieser Roman kam auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025. Im Mittelpunkt stehen zwei historische Persönlichkeiten, Marie Biheron, Tochter eines Pariser Apothekers, und Madeleine Basseporte, Illustratorin und Malerin.<ref name=":0">Fokke Joel: Historienroman von Christine Wunnicke: Wächserne Zeichen. In: Die Tageszeitung: taz. 4. Mai 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 4. Mai 2025]).</ref> Marie Biheron hat ein großes Interesse an Anatomie und versucht, mit dem Verkauf ihrer detaillierten, lebensnahen Wachsmodelle Geld für ihre Familie zu verdienen.<ref name=":0" /> Obwohl Frauen im 18. Jahrhundert von anatomischen Studien offiziell ausgeschlossen waren, schafft es Marie, sich zu behaupten.<ref name=":0" /> Madeleine Basseporte, bereits eine bekannte Zeichnerin, wird zu Maries Mentorin und später auch zu ihrer Partnerin und Marie Biheron kann vom Unterrichten und Verkauf ihrer Wachsmodelle leben.<ref name=":0" /> Der Roman richtet über die historische Liebes- und Wissenschaftsgeschichte hinaus den Blick auf Genderfragen sowie auf Mechanismen von Überlieferung und Macht.<ref name="taz-2026-07-09">Ulrich Rüdenauer: Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung. In: Die Tageszeitung: taz. 9. Juli 2026, abgerufen am 9. Juli 2026.</ref>

Werke[Bearbeiten]

Romane, Erzählung, Novelle[Bearbeiten]

  • Fortescues Fabrik. Albrecht Knaus Verlag, München 1998, ISBN 3-8135-0094-2.
  • Jetlag. Knaus, München 2000, ISBN 3-8135-0155-8.
  • Die Kunst der Bestimmung. Kindler Verlag, Berlin 2003, ISBN 978-3-463-40450-9.
  • Missouri. Männerschwarm Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-935596-44-8.
    • Neuausgabe bei Albino, Berlin 2020, ISBN 978-3-86300-308-1.<ref>Stefan Hölscher: Der Räuber und der Dichter. queer.de, erschienen und abgerufen am 5. Dezember 2020.</ref>
    • Missouri. Übersetzt von David Miller. Arsenal Pulp Press, Vancouver 2010.
  • Serenity. Roman. Osburg, Berlin 2008, ISBN 3-940731-06-4.
  • Nagasaki, ca. 1642. Novelle. Edition Epoca, Zürich 2010, ISBN 978-3-905513-51-6.
  • Selig & Boggs. Die Erfindung von Hollywood. Berenberg, Berlin 2013, ISBN 978-3-937834-59-7.
  • Der Fuchs und Dr. Shimamura. Roman. Berenberg, Berlin 2015, ISBN 978-3-937834-76-4.
  • Katie. Roman. Berenberg, Berlin 2017, ISBN 978-3-946334-13-2.
  • Die Dame mit der bemalten Hand. Roman. Berenberg, Berlin 2020, ISBN 978-3-946334-76-7.
  • Wachs. Roman. Berenberg, Berlin 2025, ISBN 978-3-91132703-9.

Biographien[Bearbeiten]

  • Die Nachtigall des Zaren. Das Leben des Kastraten Filippo Balatri. Claassen-Verlag, München 2001, ISBN 3-546-00248-2.

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • John Wilmot, 2. Earl of Rochester: Der beschädigte Wüstling. Männerschwarm Verlag, Hamburg 2005 und dtv, München 2008.
  • Ronald Firbank: Die Blume unter dem Fuße. Männerschwarm Verlag, Hamburg 2008.
  • E. M. Forster: Arthur Snatchfold, Der Antikenflügel, Spielt das denn eine Rolle? und Die Geschichte einer Panik. Erzählungen. In: ders.: Das künftige Leben. Männerschwarm Verlag, Hamburg 2009.
  • Margherita Costa: Die schöne Frau bedarf der Zügel nicht. Porträt, Werkauswahl und Übersetzung von Christine Wunnicke. Zweisprachige Ausgaben: Deutsch/Italienisch. Berenberg, Berlin 2023, ISBN 978-3-949203-48-0.

Hörspiele (Auswahl)[Bearbeiten]

Radiofeatures (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1993: Gott Lullo selbst, unsterblich und erhaben. Die „Lulliade“ des Ranieri de’ Calzabigi (WDR)
  • 1996: Radio Steam Calliope. Ezra Pounds Wege um die Musik (BR)
  • 2002: Leben, Tod und Mysterien des fabelhaften Joe Meek (BR)
  • 2006: Mountain High, River Deep – Glanz und Elend des Impresarios Phil Spector (BR)
  • 2007: Ich ziehe die Freiheit den Brillantenketten vor. Lady Mary Wortley Montagu (SWR)
  • 2008: Die unbeugsame Astrea. Über die englische Schriftstellerin Aphra Behn (SWR)
  • 2009: Die Welt, als Ohrring getragen. Leben und Anschauungen der Margaret Cavendish, Duchess of Newcastle (SWR)
  • 2010: Die Brauerin von Streatham Park. Vom Leben, Lieben und Schreiben der Hester Thrale Piozzi (SWR)
  • 2012: Die Geschichte des Derwischs Mirza Abdullah und seiner frommen Frau. Lady Isabel und Sir Richard Burton (SWR)
  • 2015: The Ghost Club. Regie: Günter Maurer (SWR)
  • 2019: Anatom der Welt. Vor 350 Jahren entdeckte der Däne Nicolaus Steno die Evolutionsgeschichte. (BR)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Rezeption[Bearbeiten]

Der Roman Katie (2017) wurde vom SWR im März 2017 als Buch der Woche ausgewählt. Ulrich Rüdenauer urteilte: „Christine Wunnicke hat mit Katie einen grotesk-komischen Roman geschaffen, ein Buch voll Zauberkraft, ein literarisches Meisterwerk.“<ref name="swr-161841">Ulrich Rüdenauer: Wunnicke, Christine: Katie – Buch der Woche – Literatur. In: swr.de. SWR2, 6. März 2017, abgerufen am 12. August 2017.</ref> Der Roman lotet den Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Spiritismus im London der 1870er-Jahre aus.<ref name="ndr-2026-07-09">Georg-Büchner-Preis 2026 geht an Christine Wunnicke. NDR, 9. Juli 2026, abgerufen am 9. Juli 2026.</ref>

Anlässlich der Vergabe des Georg-Büchner-Preises 2026 wurde Wunnickes Werk als Kombination aus intellektueller Durchdringung historischer Konstellationen und geistreicher Komik beschrieben.<ref name="taz-2026-07-09" /> Hervorgehoben wurden außerdem ihre Fähigkeit, die Entstehung von Wissen aus menschlicher Neugier in kurzweilige Handlungen zu übersetzen, sowie die besondere Balance ihrer Romane zwischen Erkenntnissuche, Vorläufigkeit des Wissens und lustvollem Verirren.<ref name="deutschlandfunkkultur-2026-07-09" /> Der hessische Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels bezeichnete Wunnickes Stimme als „klug, lakonisch und voller Sprachwitz“.<ref name="hessenschau-2026-07-09">Georg-Büchner-Preis 2026 geht an Christine Wunnicke. In: hessenschau.de. 9. Juli 2026, abgerufen am 9. Juli 2026.</ref>

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Christine Wunnicke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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