Colin Turnbull
Colin Macmillan Turnbull (* 23. November 1924 im Londoner Stadtbezirk Harrow, England; † 28. Juli 1994 in Kilmarnock, Virginia) war ein britisch-amerikanischer Anthropologe. Größere Bekanntheit erlangte er durch seine Bücher The Forest People (über die Mbuti-Pygmäen des damaligen Zaire) und The Mountain People (über das Volk der Ik aus Uganda).<ref name=":britannica">https://www.britannica.com/biography/Colin-Macmillan-Turnbull Abgerufen am 19. März 2017</ref>
Er beschäftigte sich zudem mit Musikethnologie.<ref name=":bbc">BBC Radio 4 - Music of the Forest. In: bbc.co.uk. 26. August 2014, abgerufen am 4. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Leben[Bearbeiten]
Turnbull kam im Londoner Stadtbezirk Harrow zur Welt.<ref name=":nytimes">Eric Pace: Colin M. Turnbull, 69, Anthropologist and Author (Published 1994). In: nytimes.com. 1. August 1994, abgerufen am 3. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Seine Eltern waren Helen Dorothy Wellesley Chapman (1894–1977) und John Rutherford Turnbull (1884–1975).<ref name=":charleston">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Archivierte Kopie ( des Vorlage:IconExternal vom 9. Oktober 2011 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Abgerufen am 19. März 2017</ref> Er ging an die Westminster School und studierte am Magdalen College in Oxford. Während des Zweiten Weltkrieges war er von 1942 bis 1946 in der Royal Navy tätig. Danach schloss er in Oxford sein Studium ab.<ref name=":britannica" /><ref name=":charleston" /><ref name=":chronology">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Archivierte Kopie ( des Vorlage:IconExternal vom 10. Februar 2009 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Abgerufen am 19. März 2017</ref> Im Anschluss daran zog er nach Indien, um im Ashram des Gurus Anandamayi Ma zu leben.<ref name=":chronology" /> Dort studierte er indische Religion und Philosophie.<ref name=":nytimes" /> Turnbull traf in Indien seinen späteren Begleiter Newton Beal.<ref name=":chronology" />
Nach seinem Universitätsabschluss reiste er 1951 mit Newton Beal in den Ituri-Regenwald des damaligen Belgisch-Kongo (heute: Demokratische Republik Kongo) zum Camp von Patrick Putnam und Anne Eisner-Putnam, um die Mbuti-Pygmäen zu studieren. Er blieb bis 1952 dort.<ref name=":chronology" />
In dieser Zeit war er auch als Gelegenheitsarbeiter für den Hollywood-Produzenten Sam Spiegel in Afrika tätig. Turnbull war für den Bau des Bootes "African Queen" des gleichnamigen Filmes African Queen verantwortlich.<ref name=":chronology" /> An dem Film waren auch die Schauspieler Humphrey Bogart und Katharine Hepburn beteiligt.
Nach seiner ersten Reise nach Afrika kam Turnbull 1953 nach Yellowknife im Nordwesten Kanadas, um dort für kurze Zeit als Goldgräber zu arbeiten.<ref name=":charleston" /><ref name=":chronology" />
Um weiter zu studieren, ging er 1954 an die Oxford University zurück.<ref name=":charleston" /><ref name=":chronology" /> Er absolvierte dort die Studiengänge Sozialanthropologie (1956) und Literatur (1957).<ref name=":britannica" /> In dieser Zeit verlobte er sich mit der Inderin Kumari Mayor.<ref name=":chronology" />
In den Jahren 1954 und 1957 reiste er wieder zu den Pygmäen in Afrika.<ref name=":charleston" />
In den USA war er von 1959 bis 1969 als Kurator der afrikanischen Ethnologie am American Museum of Natural History beschäftigt.<ref name=":britannica" /><ref name=":nytimes" /><ref name=":charleston" /> 1959 endete die Beziehung mit Kumari Mayor.<ref name=":chronology" />
1961 veröffentlichte er sein Buch The Forest People.<ref name=":nytimes" /><ref name=":chronology" /> 1964 erlangte er in Oxford seinen Doktortitel im Fach Anthropologie.<ref name=":britannica" /><ref name=":charleston" /><ref name=":chronology" />
Turnbull wurde 1965 amerikanischer Staatsbürger.<ref name=":chronology" />
Nach der Tätigkeit im Museum lehrte er Anthropologie an der Hofstra University (Bundesstaat New York) von 1969 bis 1972.<ref name=":britannica" /><ref name=":charleston" /><ref name=":chronology" />
Danach lehrte er das Fach an der Virginia Commonwealth University (1972 bis 1975)<ref name=":britannica" /><ref name=":charleston" /> und an der George Washington University (Washington, D.C.) von 1976 bis 1983.<ref name=":britannica" /> Auch an anderen Universitäten war er beschäftigt.<ref name=":charleston" />
Im Jahre 1972 veröffentlichte er sein Buch The Mountain People. In dem Werk geht es um das Volk der Ik, welche durch moderne Grenzziehungen zwischen Uganda, Kenia und dem Sudan gezwungen waren, in Uganda sesshaft zu werden.<ref name=":nytimes" /><ref name=":charleston" />
Später arbeitete Turnbull mit Peter Brook an einer theatralischen Version des Buches The Forest People.<ref name=":charleston" /><ref name=":chronology" />
Joseph Towles[Bearbeiten]
Joseph Allen Towles wurde am 17. August 1937 in Senora, Virginia geboren und war Afro-Amerikaner. Seine Eltern waren Arcellius Towles († 1959) und Lucy Blair († 1991).<ref name=":charleston" /> Towles ging in Virginia zur Schule und absolvierte 1957 einen High-School-Abschluss.<ref name=":charleston" /> Towles zog im selben Jahr nach New York City, um eine Karriere als Schauspieler und Autor anzustreben.<ref name=":charleston" /> Dort traf er im Jahr 1959 Turnbull, um ihn im darauffolgenden Jahr zu heiraten. Beide lebten bis zu Towels Tod in einer homosexuellen, interkulturellen Ehe.<ref name=":charleston" />
Towles kam zur Anthropologie, als er sich als freiwilliger Mitarbeiter in der anthropologischen Abteilung des American Museum of Natural History mit Turnbull befand.<ref name=":charleston" /> Von 1965 bis 1967 half er bei der "Man in Africa Hall"-Dauerausstellung mit (Diese wurde später in "Hall of African Peoples" umbenannt).<ref name=":charleston" /> Er erstellte weiterhin die "Slavery in the New World"-Abteilung des Museums.<ref name=":charleston" />
Im Jahr 1963 ging er an das Pace College, um dort Geschichte und Anthropologie zu studieren. Er schloss das Studium 1968 ab.<ref name=":charleston" />
Von 1965 bis 1967 untersuchten Turnbull und Towles zusammen in Afrika die Ik des nördlichen Uganda.<ref name=":charleston" /> 1970 untersuchten sie die Nkumbi bezüglich ihres Beschneidungsritus für Jungen und den Asa-Mythos, welcher seine Ursprünge bei den Mbo des Ituri-Regenwaldes hat.<ref name=":charleston" />
1979 unternahmen beide als Pilger eine Weltreise.<ref name=":charleston" /> Towell wandte sich der Bibel und dem Schreiben von Theaterstücken und Romanen zu. Towell reagierte wütend auf Turnbull's Autobiografie The Human Cycle aus dem Jahr 1983, worin die Hinweise auf ihre Beziehung weggelassen wurden.<ref name=":charleston" /> Towell starb am 19. Dezember 1988 an den Folgen einer AIDS-Erkrankung.<ref name=":charleston" /><ref name=":chronology" />
Turnbull veröffentlichte Towles' Forschungsberichte posthum. Es erschienen 1993 Nkumbi initiation ritual and structure among the Mbo of Zaïre und Asa: Myth of Origin of the Blood Brotherhood Among the Mbo of the Ituri Forest in den Annalen des Königlichen Museums für Zentral-Afrika mit Sitz in Tervuren in Belgien, Band 137.<ref>http://openlibrary.org/b/OL839785M/Nkumbi_initiation Abgerufen am 20. März 2017</ref>
Spätere Jahre[Bearbeiten]
1978 nahm sich Turnbull den Ursachen der Todesstrafe an.<ref name=":chronology" /> Nachdem sein Partner Towles gestorben war, spendete er sein eigenes und Towels' Forschungsmaterial dem College of Charleston (South Carolina).<ref name=":chronology" /><ref name=":charleston" /> 1989 spendete er all sein Geld und Besitz an den United Negro College Fund.<ref name=":chronology" />
1989 zog Turnbull nach Bloomington, Indiana, um mit seinem Freund Thubten Jigme Norbu (dem älteren Bruder des 14. Dalai Lamas) beim Bau eines tibetanischen Kulturzentrums zu helfen.<ref name=":chronology" /> Später zog er nach Dharamsala in Indien, um als Mönch dem tibetanischen Buddhismus nachzugehen. Seinen Mönchsschwur erhielt er vom Dalai Lama. Sein Mönchsname lautete Lobsang Rigdol.<ref name=":charleston" /><ref name=":chronology" />
1994 starb er an den Folgen einer AIDS-Erkrankung in Kilmarnock, Lancaster County.<ref name=":charleston" /><ref name=":chronology" /> Als Todesursache wurde eine Lungenentzündung angegeben.<ref name=":nytimes" />
Veröffentlichungen[Bearbeiten]
- 1961 The Forest People. ISBN 0-586-05940-7
- 1962 The Lonely African. ISBN 0-671-20069-0
- 1962 The Peoples of Africa.
- 1965 The Mbuti Pygmies: An Ethnographic Survey in Anthropological Papers of the American Museum of Natural History, 50, S. 139–282
- 1965 Wayward Servants; The Two Worlds of the African Pygmies. ISBN 0-8371-7927-0
- 1966 Tradition and Change in African Tribal Life.
- 1968 Tibet: Its History, Religion and People. (mit Thubten Jigme Norbu). ISBN 0-7011-1354-5
- 1972 The Mountain People. ISBN 0-671-64098-4
- 1973 Africa and Change editor. ISBN 0-394-31520-0
- 1976 Man in Africa. ISBN 0-14-022035-6
- 1978 Rethinking the Ik: A functional Non-Social System. In: Charles D. Laughlin, Jr., Ivan A. Brady (Hrsg.): Extinction and Survival in Human Populations. Columbia University Press, New York
- 1983 The Human Cycle. ISBN 0-586-08493-2
- 1983 The Mbuti Pygmies: Change and Adaptation. ISBN 0-03-061537-2
- 1992 Music of the Rain Forest Pygmies: The Historic Recordings Made By Colin M. Turnbull Label: Lyrichord Discs Inc.
Siehe auch[Bearbeiten]
- Simha Arom, untersuchte die Pygmäenkulturen
Literatur[Bearbeiten]
- Roy Richard Grinker: In the Arms of Africa: The Life of Colin M. Turnbull. University of Chicago Press, Chicago 2001, ISBN 0-226-30904-5
Weblinks[Bearbeiten]
- Offizielle Website der Biographie
- Inventory of the Joseph A. Towles Papers, circa 1920s - 2009 des College of Charleston
- Vorstellung des ersten Kapitels der Autobiographie; von R. R. Grinkler
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Turnbull, Colin |
| ALTERNATIVNAMEN | Turnbull, Colin Macmillan |
| KURZBESCHREIBUNG | britisch-US-amerikanischer Anthropologe und Sachbuchautor |
| GEBURTSDATUM | 23. November 1924 |
| GEBURTSORT | London |
| STERBEDATUM | 28. Juli 1994 |
| STERBEORT | Kilmarnock |
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