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Collie (Hunderasse)

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Die schottische Bezeichnung Collie ist der Name mehrerer Hunderassen, die genetisch näher miteinander verwandt sind. Sie alle gehören genetisch zur sogenannten Collie-Clade (UK Rural Clade) und sind aufgrund hoher Beliebtheit verhältnismäßig oft auch Mitbegründer oder eingekreuzt in andere Rassen. Definiert wurde die Clade durch durch die Genomstudie von Dr. Heidi Parker und Dr. Elaine Ostrander (NIH)<ref>Genomic Analyses Reveal the Influence of Geographic Origin, Migration, and Hybridization on Modern Dog Breed Development, Heidi G Parker at el 2017, DOI:10.1016/j.celrep.2017.03.079</ref> aus dem Jahr 2017 – auf deren Daten auch die Algorithmen von Embark basieren. Sie testeten über 161 Rassen die sie in 23 Claden einteilten. Diese Claden sind nicht identisch mit der FCI-Einteilung, da die FCI Einteilung historisch entstand.

Das Alter der Clade wurde auf 150 bis 195 Jahren berechnet, wobei von einem Reproduktionszyklus von 3 Jahren ausgegangen wird. Die genetischen Linien der britischen Hütehunde trennten sich also vor etwa 50 bis 65 Generationen und manifestierten sich zu isolierten Einzelrassen. Dies passt zu den historischen Daten der ersten Stammbücher und ihrer Hunde, die zwischen 1830 und 1870 liegen, allerdings muss man ein wenig differenzieren. Tatsächlich zeigen die frühen Stammbucheintragungen das damalige Colliezüchter bereits mit Hunden im Alter von 18 bis 24 Monaten züchteten. Man nennt das den sogenannten Showhund-Effekt, der besonders bei Showcollies zum Tragen kam, während bei Arbeitshunden ein verzögerter Workingdog-Effekt und das Reproduktionsalter auf 4-6 Jahre erhöht hat.<ref>Genomic Analyses Reveal the Influence of Geographic Origin, Migration, and Hybridization on Modern Dog Breed Development, Heidi G Parker at el 2017, DOI:10.1016/j.celrep.2017.03.079</ref>

Die nahe Verwandtschaft dieser Rassen konnte 2004 durch die erbliche Verbreitung des MDR1-Gendefekts und der gemeinsamen Collie Eye Anomaly (CEA) bereits erstmals begründet werden. Dabei wurde die molekularische Zerfallsrate von Gendefekten ermittelt, wo das Auftreten des MDR1 Gendeffekts auf vor 40-120 Generationen bei einer Reproduktionsrate von 4 Jahren errechnet wurde, was nach der neuen Reproduktionsrate etwa 30-90 Generationen entspricht. Inzwischen tauchen jedoch immer mehr Rassen auf, wo der Effekt nachgewiesen wurde was auf anhaltende Einkreuzungen von Hunden der Collie-Clade insbesondere durch TV Serien wie Lassie, den beliebten Border Collies und Australien Shepherds zu verdanken ist. <ref>Neff et al 2004, Breed distribution and history of canine mdr1-1Delta, a pharmacogenetic mutation that marks the emergence of breeds from the collie lineage, 10.1073/pnas.0402374101</ref>

Eine Studie von 2025 berechnete zudem die Anteile von Wolfsgenetik in weit über 150 Hunderassen, darunter mehrere Rassen der Collie-Clade. Sie stellten u.a. fest das Border Collie, Shetland Sheepdog und Australian Cattle Dog keinerlei noch messbaren Wolfsanteile (unter 250 Basenpaare, entspricht 0,00001 Prozent) tragen und demzufolge der ältesten europäischen Hundepopulation entstammen. Das heisst im Klartext, sie entstammen alle einer britisch/irischen Hütehunde-Population, die ähnlich alt ist wie der Pool kontinentaler Hütehunde. Dieser Genpool hat Europa bis in die Bronzezeit dominiert, während zwei Drittel aller getesteten Rassen (in der selben Studie) auf etwa die Latene-Zeit der Kelten- bzw. Römerzeit oder noch deutlich jünger datiert wurden. Diese tragen im Schnitt noch durchaus messbare Wolfsgene.<ref>Lin et al 2025, A legacy of genetic entanglement with wolves shapes modern dogs, November 24, 2025, 122 (48) e2421768122, https://doi.org/10.1073/pnas.2421768122</ref>

Im Neolithikum und auch in der Bronzezeit veränderte sich dann die europäische Hundepopulation durch Zuwanderung genetisch neuer Linien, die zum ersten Mal bei Hunden im Tumulus von Newgrange nachgewiesen wurden, bei der sich die lokalen und zugewanderte Linien vermischen. Dabei kam es zu einem genetischen Umbruch der die ältere lokale Genetik assimilierte und genetisch die Dominanz übernahm. Dies entspricht durchaus der Neolithischen Revolution und der Bronzezeitlichen Zuwanderung aus der Jamnaja-Kultur die bei Menschen ebenfalls einen genetischen Umbruch in Europa einleitete. Die Forschung zeigt somit das die Hunde auch ein Spiegel der Menschlichen Wanderbewegungen sind.<ref>Bergström et al 2020, Origins and genetic legacy of prehistoric dogs, Science Vol 370, Issue 6516, pp. 557-564, DOI: 10.1126/science.aba9572</ref><ref>Marsh, W.A., Scarsbrook, L., Yüncü, E. et al. Dogs were widely distributed across western Eurasia during the Palaeolithic. Nature 651, 995–1003 (2026). https://doi.org/10.1038/s41586-026-10170-x</ref>

Zur Collie-Clade gehören nach heutigem Wissensstand:

  • Der Langhaarcollie (FCI 156) engl. Rough Collie, der üblicherweise als „Collie“ bezeichnet wird.
  • Der Kurzhaarcollie (FCI 296),
  • Galway Collie, ein bodenständiger irischer Collie der inzwischen ausgestorben ist, aber als Stammvater der Collies dokumentiert ist. Das Dublin Viking Dog Projekt untersucht derzeit die historische Basis dieser Irischen Hunde.
  • der Shetland Sheepdog (FCI 88) oder Sheltie, der ursprünglich Shetland Collie genannt wurde,
  • der Border Collie (FCI 297),
  • Der Welsh Sheepdog wird gelegentlich als Welsh Collie oder English Collie bezeichnet, hat aber dieselben Vorfahren wie die Collies und steht ihn genetisch nahe. Er wird in der historischen walisischen Literatur als Ci Defaid Cymreig oder Bugeilgi bezeichnet und von der seit 1997 von der Welsh Sheepdog Society auf Reinheit gezüchtet. Er dient dem Toftie/ProCollie Backcrossing Projekt als genetische Reserve um den Genpool der Collies wieder zu erweitern.
  • der Bearded Collie (FCI 271), eine Rasse die besonders entlang der Ostküste und rund um die zentral gelegenen Viehmärkte heimisch war.
  • der Old English Sheepdog (FCI 16), der in Publikationen des 19. Jhd. als Bobtail, English Sheepdog manchmal auch als English Collie bezeichnet wurde. Die natürlich verkürzte Rute wird inzwischen als Fehler angesehen und ist damit unerwünscht. Daher auch die Namensänderung von Bobtail in Old English Sheepdog. Die Rasse hatte ursprünglich deutlich kürzeres Haar und wurde besonders Viehtreibern eingesetzt, da sie vielseitiger als reine Schäferhunde waren.

Als Subclade für Zwerg-Heeler wird die Gruppe der Corgi definiert, die man wohl als erste Opfer eines Modetrends bezeichnen kann. Angeblich sollen sie zu kurzbeinigen Hütehunden gezüchtet worden sein, um von den Huftritten der Rinder nicht getroffen zu werden. Aber Tierärzte bezweifeln das die Hunde auf ihren kurzen Beinen überhaupt in der Lage sind längere Hütearbeiten zu leisten. Vorstellbar wären da eher Enten oder Gänse. Das ihre Vorfahren mal richtige Hütehunde waren beweist ihr natürlicher Hüteinstinkt der im Widerspruch zu ihren kurzen Beinen steht.

Als erweiterte Clade, also internationale Nachfolge-Rassen die im Wesentlichen auf der UK Collie-Clade beruhen, werden folgende Rassen zugeordnet:

  • Australian Shepherd (FCI 342), hier sind verkürzte Ruten zulässig, der Standard verlangt eine Mindestlänge von 10,16 cm.

Der Name ist irreführend da man früher davon ausging das diese Hunde mit Schafen aus Australien kamen, tatsächlich kamen die Schafe aber aus Europa.

  • Miniature American Shepherd (FCI 367) ist eine moderne Miniaturzüchtung, auch hier sind verkürzte Ruten derzeit zulässig.
  • Englischer Shepherd, ist ein Allzweckhund auf den Farmen, der mit englischen und Schottischen Siedlern um 1800 in die damaligen britischen Kolonien in Nordamerika gelangte. Die Hunde wurden 1927 beim UKC als Rasse, damals unter dem Namen American Farm Shepherd geführt aber landläufig auch als Farm Collie, Farm Shepherd, Black Shepherd, Ring Tailed Shepherd und Ring Necked Shepherd bezeichnet. Genetische Tests von Embark (die eine Kooperation mit dem UKC haben) ergaben eine enge Verwandtschaft zu Rough Collie und Border Collie sowie Australian Shepherd.<ref>English Shepherd Organisation, https://englishshepherd.org/es-breed-history/</ref><ref>Embark Vet Dog Breed,https://embarkvet.com/pages/dog-breeds/english-shepherd</ref>
  • Australian Kelpie (FCI 293), ist eine angepasste Züchtung für die riesigen australischen Schaffarmen. Eine Dingo-Einkreuzung wurde jedoch genetisch ausgeschlossen.
  • Australian Cattle Dog (FCI 287)
  • Australian Stumpy Tail Cattle Dog („Stumpy“) (FCI 351) ist eine auf natürliche Stummelrute gezüchtete Variante des Australian Cattle Dog. In Deutschland fällt diese Rasse unter dem Begriff Qualzucht des Tierschutzgesetzes.
  • Australian Koolie, in den USA als Rasse anerkannt. Eine Rasse aus dem zentralen Outback, die besonders gut mit der großen Hitze klar kommt.
  • Patagonian Sheepdog (Ovejero magallánic oder auch Perro de Pastor Magallánico), in Chile als Rasse anerkannt, basiert auf dem Bearded Collie beruht.<ref>Patagonian sheepdog: Genomic analyses trace the footprints of extinct UK herding dogs to South America, Barrios at el 2022, https://doi.org/10.1371/journal.pgen.1010160</ref>
  • Ovelheiro Gaúcho (Ovelheiro-brasileiro), in Brasilien als Rasse anerkannt und von Embark durch ein Projekt getestet beruht die Rasse zu 50% auf Langhaarcollie, weitere 25% teilen sich Shetland Sheepdog und Border Collie. Dazu kommen weitere Einkreuzungen allen voran altdeutsche Hütehunde bzw. deutsche Schäferhunde sowie weitere Rassen die europäische Einwanderer mit brachten.
  • Nova Scotia Duck Tolling Retriever (FCI 312), wird vom FCI in der Gruppe 8 der Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde, Sektion 1 - Apportierhunde eingeordnet. Die oben genannte Genstudie ordnet ihn der Retriever-Clade zu. Der Langhaarcollie kam sicherlich mit einem gälischen Einwanderer nach Nova Scotia, während der Retriever vermutlich von den Großfarmen entlang der Chesapeake Bay Area stammte, was der Geburtsort der Chesapeake Bay Retriever ist und Zielort vieler gälischer Contract Auswanderer war, die dort ihre Atlantik-Überfahrt abarbeiteten mussten.

Die angeborene Stummelrute (Brachyurie) ist für einige Rassen zugelassen, für andere nicht und beim Australian Stumpy Tail Cattle Dog sogar erwünscht. Der Genotyp ist homozygot letal, das bedeutet wenn das Gen von beiden Eltern vererbt wird, stirbt der Welpe bereits im Mutterleib. Innerhalb eines Wurfes kann es Welpen mit und ohne Stummelrute geben. Typisch waren Stummelruten bis ins 19. Jhd. für das vereinte Königreich sowie im deutschen Bund und im deutschen Kaiserreich, die durch die Einführung von hohen Hundesteuern und der Befreiung Arbeitshunden aufgrund von Stummelruten erst so richtig gefördert wurden. Heute werden Stummelruten bei vielen Zuchtverbänden abgelehnt und teilweise auch als Qualzucht angesehen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />