Informationszeitalter
Das Informationszeitalter, auch als Computerzeitalter oder Digitalzeitalter bezeichnet, stellt nach der Agrargesellschaft und dem Industriezeitalter die dritte Epoche der Technik, der Wirtschaft und einer Gesellschaftsform dar.<ref> https://www.jstor.org/stable/resrep67304.4</ref> Der Übergang vom Industrie- zum Digitalzeitalter wird auch als „digitale Revolution“ bezeichnet. Damit ist gemeint, dass alle Informationen über elektronische Geräte zunächst als digitale Daten (Bits bzw. Bytes) erzeugt werden. Anschließend werden diese Daten verarbeitet und kommuniziert.
Geschichte[Bearbeiten]
Das Digitalzeitalter geht mit der Entwicklung der Computer- und Informationstechnik (IT) einher. Hintergrund sind die rasanten technischen Entwicklungen und speziell die dominierende Rolle der Silicium-basierten Halbleiterbauelemente, die seit den 1960er Jahren die Welt der Elektronik bis hin zur heutigen Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) verändern.<ref></ref> In Anlehnung an andere Epochen wie das Bronzezeitalter wird in diesem Zusammenhang auch vom Siliciumzeitalter gesprochen.<ref></ref><ref></ref>
Zu den Pionieren dieser Entwicklung zählen unter anderem George Boole, Charles Babbage, Alan Turing, Claude Shannon, John von Neumann oder Konrad Zuse. In diesem Zusammenhang sind die technologischen Entwicklungen der Halbleiterindustrie und der Mikroelektronik zu erwähnen, die eng mit der metropolregion Silicon Valley verbunden sind. Es begann in der 391 San Antonio Road.
Die weiteren technologischen Veränderungen seit den 2000er Jahren, die mit dem Aufkommen und der Verbreitung des World Wide Web (Internet) einhergingen, führten zu einer globalen Verbreitung von Informationen.<ref></ref> Das „Web 1.0“ wurde folglich zum „Web 2.0“. Dies umfasst die Erstellung, Verarbeitung und Nutzung von Daten durch Nutzer (EVA-Prinzip). Auf dieser Grundlage bildeten sich eine Internetökonomie, eine Informations-, Daten- oder Netzwerkgesellschaft und schließlich eine Wissensgesellschaft (Bildung) heraus.<ref></ref><ref></ref><ref></ref><ref></ref> Damit verbunden sind – als Teil der Globalisierung<ref></ref> und Öffnung der weltweiten Märkte nach dem Kalten Krieg – der erste Wirtschaftsboom, die „Neue Wirtschaft“ und seit den 2010er Jahren die zweite Phase der „Digitalwirtschaft“ oder der Industrie 4.0.<ref></ref>
Ein weiterer Trend seit den 2010er Jahren ist die „Datafizierung“. Damit ist der Umstieg von der Nutzung von Daten aus dem Internet oder anderen digitalen Quellen bis hin zu deren Verarbeitung als Teil von Big Data oder Data Mining gemeint. In diesem Umfeld sind auch die als „Big Tech“ bekannten Unternehmen sowie die seit den 2000er Jahren entstandenen modernen Softwareentwicklungsprozesse prägend. Sie haben die heutige software-getriebene IT-Infrastruktur weltweit vorangetrieben.
Das massenhafte Verfügbarwerden von Computern und schnellen Netzwerktechnologien, damals als „Datenautobahnen“ bezeichnet, (vgl. Geschichte der Datenübertragung) prägt bis heute auch die Arbeitswelt. In diesem Kontext spielen die CAx-Technologien eine wichtige Rolle. Die Rechenzentren bilden das Rückgrat der genannten Technologien und Anwendungen.
Seit den 2020er Jahren wird das Informationszeitalter durch die KI-Ära erweitert.
Je nach zugrunde liegenden Parametern gibt es jedoch auch erweiterte Wortbedeutungen.
Wortbedeutung[Bearbeiten]
Enggefasste Definition[Bearbeiten]
Das Hauptmerkmal des Informationszeitalters besteht darin, dass Informationen überwiegend in digitaler Form in der „digitalen Welt“ gespeichert und übermittelt werden.<ref>Eckehard Steinbach: Digitalisierung als Grundlage des Informationszeitalters. Technische Universität München 2004, aus dem Archiv abgerufen am 13. September 2021</ref> Gekennzeichnet ist diese Phase auch von der zentralen Bedeutung von Information als Rohstoff und Ware. Erst durch die elektronische Datenverarbeitung und die Globalisierung von Informationsflüssen mit Lichtgeschwindigkeit konnte diese zentrale Stellung erlangt werden.
Der Soziologe Manuel Castells erläutert den Begriff wie folgt:<ref>Manuel Castells: Bausteine einer Theorie der Netzwerkgesellschaft, Berliner Journal für Soziologie, 11(4), 2001, S. 423–439.</ref>
„Informationszeitalter [...] bezeichnet eine historische Epoche menschlicher Gesellschaften. Das auf mikroelektronisch basierten Informations- und Kommunikationstechnologien sowie der Gentechnologie beruhende technologische Paradigma, welches diese Epoche charakterisiert, ersetzt bzw. überlagert das technologische Paradigma des Industriezeitalters, das primär auf der Produktion und Distribution von Energie beruht.“
Weitergefasste Definition[Bearbeiten]
Für Neil Postman ist das Informationszeitalter mit einem exponentiellen Wachstum von Informationen verbunden, über die die Menschheit zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügen kann. Das stetige Wachstum der verfügbaren Menge an Informationen beginnt ihm zufolge bereits mit der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg.<ref></ref> Postman weist ausdrücklich die Engführung der Standarddefinition des Begriffs Informationszeitalter zurück: „Nichts wäre irreführender als die Behauptung, die Computertechnologie habe das Informationszeitalter hervorgebracht. Die Druckpresse hat damit begonnen, und seither sind wir nicht mehr von ihr losgekommen.“
Robert Darnton behauptet, dass jedes Zeitalter ein Informationszeitalter gewesen sei.<ref>Robert Darnton: Die Bibliothek im Informationszeitalter | Die Politik des Suchens. 8. April 2011, abgerufen am 7. August 2026.</ref> Er begründet das damit, dass Informationen in der Kommunikation zwischen Menschen immer schon die Form der Nachricht angenommen hätten und dass diese Form ein „Artefakt“ sei.
Gert Scobel fragt sich zwar, „ob nicht die Einführung der Schrift den Anfang des Informationszeitalters markiert“, gibt aber zu bedenken, dass seit der internationalen Vernetzung digitaler Daten sich völlig neue Strukturen ergeben hätten, die es geboten erscheinen ließen, von einer Informationsgesellschaft im engeren Wortsinn zu sprechen.<ref>Gert Scobel: Scobels Kolumne: Wir leben in einem Informationszeitalter. Mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen. 3sat. Juli 2012</ref>
Siehe auch[Bearbeiten]
- Geschichte der Datenübertragung
- Informationsmanagement
- Informationsökonomie
- Informationswirtschaft
- Internet Archive<ref>Looking back on “Preserving the Internet” from 1996 | Internet Archive Blogs. 2. September 2025, abgerufen am 7. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Die drei Bände von Manuel Castells, siehe die Literaturangaben zur Netzwerkgesellschaft
Weblinks[Bearbeiten]
- Hannes Michalek: Das Informationszeitalter kann sich nicht einigen über den Begriff der ”Information“. Universität Leipzig. Sommersemester 2006
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
- Wikipedia:Seite mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Interner Fehler
- Historischer Zeitraum
- Informatik und Gesellschaft
- Zeitalter
- Geschichte der Informatik
- Geschichte der Kommunikation
- Geschichte der Kommunikationstechnik
- Information und Kommunikation
- Digitale Transformation
- Technischer Fortschritt
- Technikgeschichte (20. Jahrhundert)