Cornicen
Der Cornicen (Plural cornicines) war ein Hornbläser im Römischen Heer und Teil der Militärmusiker (Aeneatores), er blies auf dem cornu.
Die Cornicines riefen im frühzeitlichen Rom die Waffenfähigen zu den Zenturiatskomitien und wurden zu dieser Zeit bereits im Milizheer eingesetzt.<ref>Aulus Gellius, noctes Atticae 15, 27.</ref><ref>Titus Livius, ab urbe condita 1, 43, 7 (deutsche Übersetzung).</ref> In der Zeit der Republik, beim Wechsel von der Phalanx- zur Manipulartaktik, wurde der cornicen im Truppenkörper der ersten Centurie eines Manipels verwendet.<ref>Alfred Neumann: Manipulus. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 3, Stuttgart 1969, Sp. 960.</ref> In der Kaiserzeit, in der in einer Legion nun die Kohorte sich als die vorrangige taktische Kampfeinheit herausgebildet hatte, behielt der Hornbläser seinen Platz in dem weiter bestehenden Manipel. Er wurde hier zusätzlich, vermutlich mit einem Raubtierfell, besonders kenntlich gemacht.
Funktion der Cornicines[Bearbeiten]
Der Platz des Hornbläsers im Gefecht befand sich in unmittelbarer Nähe zum Feldzeichenträger (signifer). Als ein taktisches Führungs- und Einsatzmittel wurde der cornicen für die akustische Befehlsübermittlung des centurio, oder seines stellvertretenden optio, insbesondere an den optisch weitergebenden Befehlsübermittler, dem Standartenträger, bei einzunehmenden Kampfformationen zum Angriff, Sammeln oder zum Rückzug eingesetzt.<ref>Vegetius, epitoma rei militari 2, 22.</ref> Zusätzlich sollte das Dröhnen der Hörner den lauten Klang der Tuben verstärken und, verbunden mit dem Schlachtruf des angreifenden Heeres, eine Demoralisierung des Gegners bewirken. So berichtete Flavius Josephus in seiner Abhandlung über den Jüdischen Krieg, dass er seinen Kämpfern befahl, sich die Ohren zu verstopfen, um dem einschüchternden Kriegslärm der Römer zu entgehen.<ref>Flavius Josephus, Vom jüdischen Kriege Buch 3, 259–266 (25–27).</ref> Doch gab es cornicines auch bei der römischen Flotte.<ref>CIL 10, 03416</ref>
Bei Marschformationen zum oder außerhalb eines Gefechts, aber auch zur Parade, wurde die Einheit von dem Spiel der cornicines begleitet. Mit ihrem Signal riefen sie auch die Nachtwachen von ihren Posten ab.<ref>Vegetius, epitoma rei militari 3, 8.</ref> Bei zeremoniellen Handlungen, wie bei den Kulthandlungen des Tubilustrium und der Suovetaurilia, die der rituellen Reinigung (lustratio) des Heeres diente, wurde neben dem tubus auch das cornu gespielt. Während der Riten des Tubilustriums waren die Bläser verpflichtet, ihre Instrumente zu reinigen.<ref>Yann Le Bohec: Die römische Armee, Nikol, Hamburg 2009, ISBN 978-3-86820-022-5, S. 54.</ref>
In der Rangstufe noch unter einem Unteroffiziersrang (principales) stehend, wurde der cornicen wahrscheinlich zu den gehobenen Mannschaftsdienstgraden (immunes) gezählt, allerdings hinter den Tubicines rangierend. Er gehörte damit den speziellen Funktionsträgern der römischen Armee an, die von den alltäglichen Dienstvorrichtungen (munera militae) der einfachen Legionäre befreit waren. Die cornicines hatten ansonsten keine Befehlsgewalt und bezogen den gleichen Sold wie die übrigen Mannschaftsangehörigen (legionarius).
Cornu[Bearbeiten]
Das cornu war von etruskischer Herkunft und ein etwa 4 kg schweres, aus Bronze gefertigtes, kreisförmig gebogenes Horn, das als Blasinstrument benutzt wurde und aufgrund seiner Ausmaße vom cornicen beidhändig getragen werden musste.<ref>Vegetius, epitoma rei militari 2, 7.</ref> Der Hornbläser war daher nicht in der Lage, den großen Schild (scutum) eines Legionärs zu tragen, und war daher ursprünglich unbewaffnet. Zu seinem Schutz, in einem möglichen Nahkampf, trug er ab der Kaiserzeit auf seinem Rücken als Schutzwaffe den kleineren Rundschild (parma equestris) eines römischen Reiters.
Literatur[Bearbeiten]
- Otto Fiebiger: Cornicines. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band IV,1, Stuttgart 1900, Sp. 1602 f.
- Alfred Neumann: Cornicines. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 1, Stuttgart 1964, Sp. 1320.
- Marcus Junkelmann: Die Legionen des Augustus. Zabern, Mainz 6. Auflage 1994, S. 94, 109–110, 214–218.
- Cristina-Georgeta Alexandrescu: Blasmusiker und Standartenträger im römischen Heer. Untersuchungen zur Benennung, Funktion und Ikonographie (= Imagines. Band 1). Mega, Cluj-Napoca 2010, ISBN 978-606-543-064-8.
Anmerkungen[Bearbeiten]
<references />