Corroboratio
Die Corroboratio (von lat. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value): stärken, kräftigen) ist eine Formel in mittelalterlichen Urkunden, die der Nennung der Beglaubigungsmittel des Schriftstücks dient.<ref>Horst Enzensberger: Formularaufbau von Urkunden, Universität Bamberg</ref>
Begriff[Bearbeiten]
Die Corroboratio ist der abschließende Teil des Kontextes vor dem Eschatokoll, welches die abschließenden Protokollformeln der Urkunde enthält. In ihr werden die Beglaubigungsmittel der Urkunde aufgezählt, etwa Zeugen (testes), als Liste oder Reihe, oder angekündigt, z. B. eigenhändige Unterschriften. Bei besiegelten Urkunden ist in der Regel eine Siegelankündigung oder Siegelbefehl enthalten. Bisweilen wird auch der verantwortliche Notar genannt. Außerdem kann sich in der Corroboratio eine Bezeichnung für die Urkunde finden, entweder nach den äußeren Merkmalen (z. B. scriptum, carta, pagina) oder nach der Art des Rechtsgeschäfts (z. B. praeceptum, privilegium, concessio, traditio), bisweilen auch in einer Verbindung beider Elemente.
Verwendung[Bearbeiten]
Die Corroboratio erscheint erstmals in Urkunden des 6. Jahrhunderts z. B. bei Papst Gregor dem Großen.<ref>Leo Santifaller: Liber diurnus, Hrsg. Harald Zimmermann, Reihe Päpste und Papsttum, Band 10, S. 29</ref> Die Kanzleien der weltlichen und geistlichen Höfe verwendeten häufig einen sehr schematischen Aufbau der Corroboratio mit vielfach wiederkehrenden Formulierungen.<ref>Sebastian Gleixner: Sprachrohr kaiserlichen Willens: Die Kanzlei Kaiser Friedrichs II, 1226-1236, S. 431ff</ref><ref>Ludwig Bittner: Die Lehre von den völkerrechtlichen Vertragsurkunden, S. 130</ref><ref>Thomas Ludwig: Die Urkunden der Bischöfe von Meißen, S. 221</ref><ref>Ute K. Boonen: Die mittelniederländische Urkundensprache in Privaturkunden des 13. und 14. Jahrhunderts, S. 37</ref>
Ein beispielhafter Text für eine Corroboratio aus einer Urkunde Kaiser Heinrichs II.:<ref>Haus der Bayerischen Geschichte: Der Aufbau einer Urkunde an einem Beispiel Kaiser Heinrichs II.</ref>
„Et ut haec nostrae traditionis auctoritas stabilis et inconvulsa permaneat, hanc praecepti paginam inde conscriptam manu propria roborantes sigilli nostri inpressione insigniri iussimus.“
„Und um der Autorität dieser unserer Übertragung feste und unerschütterliche Dauer zu verleihen, haben wir befohlen, diese durch unsere eigene Hand bekräftigte Urkunde durch das Eindrücken unseres Siegels zu unterzeichnen.“
Ob eine solche Bekräftigungsformel Bestandteil einer Urkunde wurde, war u. a. von ihrem Inhalt abhängig. In der Kanzlei Kaiser Friedrichs II. wurde die Corroboratio z. B. bei Privilegien immer eingefügt, bei Mandaten dagegen konnte sie meistens fehlen.<ref>Sebastian Gleixner: Sprachrohr kaiserlichen Willens: Die Kanzlei Kaiser Friedrichs II, 1226-1236, S. 431</ref> Ähnliches lässt sich auch für die Urkunden der Bischöfe von Meißen feststellen.<ref>Thomas Ludwig: Die Urkunden der Bischöfe von Meißen, S. 220</ref> In päpstlichen Urkunden ist die Corroboratio eher selten zu finden.<ref>Stefan Ruhnke: Papsturkunden des Mittelalters und ihre Bedeutung für den Historiker, S. 5</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Bernd Schneidmüller: Corroboratio. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 3. Artemis & Winkler, München/Zürich 1986, ISBN 3-7608-8903-4, Sp. 281–282.
- Christine Ganslmayr: Formulierungsmuster in der Corroboratio Freiburger Urkunden des 13. Jahrhunderts. In: Mechthild Habermann (Hrsg.): Textsortentypologien und Textallianzen des 13. und 14. Jahrhunderts, Berlin [u. a.] 2011, S. 353–418 (Berliner sprachwissenschaftliche Studien, 22)
- Sebastian Gleixner: Sprachrohr kaiserlichen Willens: Die Kanzlei Kaiser Friedrichs II, 1226–1236. Böhlau, Köln 2006, ISBN 978-3-412-03906-6.
- Thomas Ludwig: Die Urkunden der Bischöfe von Meißen. Diplomatische Untersuchungen zum 10.–13. Jahrhundert. Böhlau, Köln 2006, ISBN 978-3-412-25905-1.
- Ute K. Boonen: Die mittelniederländische Urkundensprache in Privaturkunden des 13. und 14. Jahrhunderts. Waxmann, Münster 2010, ISBN 978-3-830-97330-0.
- Stefan Ruhnke: Papsturkunden des Mittelalters und ihre Bedeutung für den Historiker. GRIN, München 2008, ISBN 978-3-638-90805-4.
- Leo Santifaller: Liber diurnus (= Päpste und Papsttum. Band 10. Hrsg. Harald Zimmermann). Hiersemann, Stuttgart 1976, ISBN 978-3-777-27612-0.
Weblinks[Bearbeiten]
- Haus der Bayerischen Geschichte: Der Aufbau einer Urkunde an einem Beispiel Kaiser Heinrichs II.
- Horst Enzensberger: Formularaufbau von Urkunden, Universität Bamberg
- Friedensverträge der Vormoderne von Peter Seelmann auf historicum.net
- Textbeispiele für die Corroboratio aus Diplomen Heinrichs IV. für Speyer
Anmerkungen[Bearbeiten]
<references/>