Datenfernübertragung
Datenfernübertragung (DFÜ) ist die Übermittlung von Daten zwischen Computern über ein Medium, z. B. ein Telefonnetz, bei der ein zusätzliches Kommunikationsprotokoll verwendet wird.<ref>DFÜ - Datenfernübertragung. In: Elektronik-Kompendium.de. Abgerufen am 21. Juni 2026.</ref><ref>Peter Welzel: Datenfernübertragung. Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden 1993, ISBN 978-3-528-24369-2, doi:10.1007/978-3-322-91974-8 (springer.com [abgerufen am 21. Juni 2026]).</ref> Historisch betrachtet war die DFÜ über das Telefonnetz am weitesten verbreitet.<ref name=":0">Thomas A. Wetzstein, Hermann Dahm, Linda Steinmetz, Anja Lentes, Stephan Schampaul, Roland Eckert: Gegenstand und Markt der Datenfernübertragung. In: Datenreisende. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 1995, ISBN 978-3-531-12796-5, S. 17–35, doi:10.1007/978-3-322-92506-0_3 (springer.com [abgerufen am 21. Juni 2026]).</ref> Üblich sind aber auch andere physikalische Übertragungsmedien wie Funk (Mobilfunk) bzw. Nachrichtentechnik.
Im deutschen Sprachraum wird im spezielleren Sinn auch der wesentlich enger definierte elektronische Datenaustausch als DFÜ bezeichnet. Systeme zur Fernschaltung von Anlagen und Fernwirkeinrichtungen der Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik (MSR) bzw. Automatisierungstechnik verwenden einzelne DFÜ-Standards (vgl. auch Feldbus).<ref>Wolfgang Helbig: Datenübertragung in der Messtechnik. In: Praxiswissen in der Messtechnik. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2021, ISBN 978-3-658-27801-4, S. 107–115, doi:10.1007/978-3-658-27802-1_7 (springer.com [abgerufen am 21. Juni 2026]).</ref><ref>Gerhard Schnell, Bernhard Wiedemann (Hrsg.): Bussysteme in der Automatisierungs- und Prozesstechnik. 9. Auflage. Springer Vieweg, Wiesbaden 2019, doi:10.1007/978-3-658-23688-5 (springer.com [abgerufen am 21. Juni 2026]).</ref>
Auch die Kommunikation eines Personal Computer (PC) mit dem Internet (World Wide Web) ist eine Form der DFÜ. Um die digitalen Daten übertragen zu können, müssen sie für das Medium geeignet vorbereitet werden (vgl. Modulation/Demodulation/Kodierung).<ref>P.-F. Kuhrt, R. Giesecke, V. Maurer: Datenfernübertragung. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 1966, ISBN 978-3-663-15707-6, doi:10.1007/978-3-663-16297-1 (springer.com [abgerufen am 21. Juni 2026]).</ref> Dafür ist spezielle Hardware, z. B. ein Modem oder ein Router notwendig. Das Breitband-Internet hat ältere DFÜ-Technologien wie Integrated Services Digital Network (ISDN) abgelöst.
Geschichte[Bearbeiten]
In der Anfangszeit der Datenfernübertragung waren zum Austausch von Daten die Verwendung von Disketten, Magnetbändern, Lochstreifen und der Versand dieser Datenträger per Kurier (das sogenannte Turnschuhnetz) üblich.
Allerdings gab es schon seit langem in manchen Bereichen, wie dem Betrieb langer Leitungen und der Weltraumfahrt, Datenfernübertragung über Leitungen, Richtfunk und Trägerfrequenzanlagen.
Die elektronische Datenfernübertragung wurde anfangs auch über Spezialadapter auf speziellen Daten- oder Telex-Leitungen, über Fernschreiber, aber auch über die serielle Schnittstellen und analoge Telefonleitungen oder über einfache Funkverbindungen betrieben. Dazu wurden anfangs Akustikkoppler, die an einem normalen Telefonhörer angebracht werden konnten, und später Modems verwendet.
Die DFÜ erlangte Ende der 1980er Jahre auch für Privatanwender mit den entstandenen lokalen und globalen Mailboxsystemen, z. B. dem FidoNet, dem MausNet, Compuserve oder dem Datex-P eine große Bedeutung.<ref name=":0" />
Die Technischen Universitäten stellten den Studenten seit 1988 über einen Hochschulzugang eine (externe) Einwahlmöglichkeit in die Rechenzentren und ab 1989 auch einen Zugang zum Usenet zur Verfügung. Zunächst waren diese Ports für eine Übertragungsgeschwindigkeit von 300 Baud ausgelegt, das heißt, die Studenten konnten ihren Zugang zum Hochschulrechenzentrum vom heimischen PC aus mit Hilfe eines Modems nutzen.
Seit 1988 gab es die ersten Chat-Möglichkeiten in einzelnen Mailboxen, wie der WDR-Mailbox in Köln und der Elsa-Mailbox in Aachen. Damals wurde die maximale Anzahl der User im Chat von den verfügbaren Ports bestimmt, die jeweils einer anderen Telefonnummer zugeordnet waren: Ein Multi-User-Chat war 1988 nur über ein Multi-Port-System realisierbar.
Viele dieser DFÜ-Systeme hatten später über Gateways eine Verbindung in das Internet, wurden jedoch mit dem Siegeszug des Internets Ende der 1990er Jahre größtenteils eingestellt.
Übertragungsstandards (Auswahl)[Bearbeiten]
Internet, Telefon und Ethernet[Bearbeiten]
- DOCSIS (Kabelmodem)
- Ethernet
- Glasfasernetz
- xDSL mit den Varianten ADSL, ADSL2+, SDSL und VDSL
- Ältere/Historisch:
Mobilfunkstandards[Bearbeiten]
- LTE mit der Erweiterung LTE-Advanced (4G) bzw. seit den 2020er Jahren 5G bzw. 6G
- Ältere/Historisch:
Weitere Standards[Bearbeiten]
- Bluetooth in verschiedenen Generation (4.x, 5.x usw.)
- Infrared Data Association (IrDA)
- RS-232
- WLAN (Spezifikations-Konsortium: Wi-Fi)
Siehe auch[Bearbeiten]
- Datenflusssteuerung
- OSI-Modell
- Parallel Datenübertragung
- Serielle Datenübertragung
- Signalübertragung
Literatur[Bearbeiten]
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
- Herbert Hofer: Datenfernverarbeitung: Außenstelle — Datenfernübertragung Rechenzentrum — Betriebsabwicklung Eine Einführung. Hrsg.: Lothar Moos (= Heidelberger Taschenbücher. Band 120). Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 1984, ISBN 978-3-540-13165-6, doi:10.1007/978-3-642-82231-5.
- Hubert Zitt: ISDN & DSL für PC und Telefon. Markt-und-Technik-Verlag, München 2005, ISBN 978-3-8272-6987-4.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references /> Vorlage:Hinweisbaustein