Dagny Juel
Dagny Juel, geborene Dagny Juell, verheiratete Dagny Przybyszewska (* 8. Juni 1867 in Kongsvinger, Norwegen; † 5. Juni 1901 in Tiflis, Russisches Kaiserreich) war eine norwegische Schriftstellerin.
Familie[Bearbeiten]
Dagny Juell war das zweites Kind des Arztes Hans Lemmich Juell<ref>Hans Lemmich Juell. In: myheritage.de. Abgerufen am 7. Juli 2022.</ref> und seiner Frau Minda Albertsdatter Juell (geborene Blehr).<ref>Minda Juell. In: geni.com. Abgerufen am 7. Juli 2022.</ref> Sie hatte drei Schwestern: Ragnhild (verheiratete Bäckströmer)<ref>Ragnhild Bäckström. In: geni.com. Abgerufen am 7. Juli 2022.</ref>, Gudrun (verheiratete Westrup)<ref>Gudrun Westrup. Abgerufen am 7. Juli 2022.</ref> und Astrid Juell.<ref>Astrid Juel. In: geni.com. Abgerufen am 7. Juli 2022.</ref> Ihr jüngerer Bruder Hans Lemmich Juell starb bereits im Alter von vier Monaten.<ref>Hans Lemmich Juell. In: geni.com. Abgerufen am 7. Juli 2022.</ref> Ihr Onkel Otto Albert Blehr war mehrfach Ministerpräsident und Minister Norwegens.
Leben[Bearbeiten]
Dagny Juell studierte in Berlin Musik und wurde zur Muse der dortigen skandinavischen Studentenkreise um Edvard Munch und August Strindberg. Munch malte sie als Madonna<ref>David Hunziker: Sündenböcke ihrer Lust. In: Die Wochenzeitung (WOZ). 29. September 2022, abgerufen am 29. September 2022.</ref> und wurde ihr Geliebter. Anfangs versuchte er, sie vor dem Rest der Bohème-Szene zu verheimlichen, 1893 nahm er sie jedoch erstmalig mit. Im Schwarzen Ferkel lernte sie dann ihren zukünftigen Ehemann kennen, den polnischen Schriftsteller Stanisław Przybyszewski.<ref name="Brömsel" />
Sie heirateten 1893, auch um ihrem beschädigten Ruf entgegenzutreten, denn die von ihr ausgelebte sexuelle Freizügigkeit einer Femme fatale war damals nicht gern gesehen. Mit Przybyszewski hatte sie zwei Kinder:
- Zenon Przybyszewski Westrup (28. September 1895 bis 27. November 1988), von seiner Tante Gudrun Westrup adoptiert und später schwedischer Diplomat
- Ivi Przybyszewska-Westrup-Bennet (3. Oktober 1897), lebte später in Rom
Noch während der ersten Schwangerschaft erfuhr Dagny, dass auch ihr Mann in sexueller Freizügigkeit gelebt hatte. Er war bereits dreifacher Vater mit Marta Foerder, die er verlassen hatte und die am 9. Juni 1896 während ihrer vierten Schwangerschaft Suizid beging.<ref name="Brömsel" />
Im Jahr 1898 zog das Ehepaar nach Krakau, da Przybyszewski dort die redaktionelle Leitung der Wochenzeitschrift Zycie übernahm. In der ersten Ausgabe wurden, und zwar ohne sie als Autorin zu nennen, Texte von Dagny veröffentlicht. 1900 war die Ehe vollends zerrüttet, so dass die beiden sich im Schlechten trennten. In den nächsten 14 Monaten reiste sie in Europa umher, immer ihren Sohn Zenon bei sich, während die Tochter beim Vater lebte, der seine Frau so erpressbar hielt. Juell unternahm schließlich mit ihrem jungen Krakauer Liebhaber Władysław Emeryk eine Reise nach Georgien. Dort wurde sie von ihm, offenbar aus Eifersucht, am 5. Juni 1901<ref>Flügel in Flammen. Abgerufen am 14. Juni 2026.</ref> erschossen, ehe Emeryk selbst Suizid beging.<ref name="Brömsel" />
Werke (norwegisch)[Bearbeiten]
Vorlage:Hinweisbaustein Zu Lebzeiten veröffentlichte Dagny Juell fast nichts. Auch in Norwegen wurden erst 1996 die literarischen Arbeiten ediert.<ref name="Brömsel">Sven Brömsel: Die Schriftstellerin Dagny Juel Bohémienne, erotische Ikone, Mordopfer. In: Deutschlandfunk Kultur. 13. November 2021, abgerufen am 3. November 2024.</ref> Darum fehlen auch im Folgenden die Erscheinungsdaten.
- Den sterkere (Drama)
- Ravnegård (Drama)
- När solen går ned (Drama)
- Synden (Drama)
- Rediviva (Novelle)
Werke (deutsch)[Bearbeiten]
- Flügel in Flammen. Gesammelte Werke. Aus dem Norwegischen und mit einem Essay von Lars Brandt. Weidle Verlag, Bonn 2019, ISBN 978-3-938803-91-2.<ref>Joachim Dicks: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Archivierte Kopie ( des Vorlage:IconExternal vom 12. November 2019 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., NDR Kultur, 19. Mai 2019.</ref>
„Ach, die Blumen seiner Liebe waren zu üppig um sie herum gewachsen, der Duft hatte ihr das Atmen schwer gemacht, die Blumenranken hatten sich um ihr Leben geschlungen, bis sie sich an Händen und Füßen gefesselt fühlte. In seinen Augen lagen stets Tausende Fragen: Liebst du mich? Liebst du mich jetzt? Liebst du mich so … Sie hatte sich wie ein Schuldner gefühlt, der seine Schuld nicht begleichen kann. Sie hatte sich erniedrigt gefühlt, beschämt durch die große, unergründliche Leidenschaft, die selbst zu empfinden ihr die Gabe fehlte […]“
Filme über Dagny Juel[Bearbeiten]
- Dagny, ein polnisch-norwegischer Film des Regisseurs Haakon Sandøy (1978).
- Dead Madonna, ein norwegischer Dokumentarfilm von Ingeranna Krohn-Nydal und Evald Otterstad (2006).
Musik[Bearbeiten]
- Kari Bremnes widmet ihr auf dem Album Og så kom resten av livet (2012) das Lied På kanten av et liv.
- Einstürzende Neubauten widmet ihr mit Grand Hotel Tblisi ebenfalls ein Lied.<ref>Grand Hotel Tblisi. Abgerufen am 14. Juni 2026.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Roar Lishaugen: Dagny Juel: tro, håp og undergang. Andresen & Butenschøn, Oslo 2002, ISBN 82-7694-108-7 (norwegisch).
- Martin Nag: Kongsvinger-kvinne og verdensborger. Dagny Juel som dikter og kulturarbeider. Kongsvinger Museum, Kongsvinger 1987 (norwegisch).
- Mary Kay Norseng: Dagny: Dagny Juel Przybyszewska, the woman and the myth. University of Washington Press, Seattle 1991, ISBN 0-295-96999-7 (englisch).
- Torben Recke: Die Tragödie in Tiflis. Eine editionsphilologische Analyse der Berichte vom tragischen Ende der Dagny Juel Przybyszewska. In: Orbis Linguarum, 30 (2006), ISSN 1426-7241, ISBN 83-7432-146-6, S. 95–118.
- Torben Recke: Näheres über die Tragödie in Tiflis. Eine Ergänzung zu der editionsphilologischen Analyse der Berichte vom tragischen Ende der Dagny Juel Przybyszewska. In: Orbis Linguarum, 31 (2007), ISSN 1426-7241, ISBN 978-83-7432-260-7, S. 283–289.
- Thaddeus Wittlin: Eine Klage für Dagny. Biographie der Dagny Juel-Przybyszewska. Igel Verlag, Paderborn 1995, ISBN 3-89621-016-5.
- Zurab Karumidze: Dagny oder ein Fest der Liebe. Weidle Verlag, Bonn 2017, ISBN 978-3-95988-090-9.
- Sven Brömsel: Süße Seele, bitterer Tod. In: art – Das Kunstmagazin. Mai 2021, ISSN 0173-2781, S. 42–49.
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Dagny Juel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Blixa Bargeld - Grand Hotel Tbilisi. dedicated to Dagny Juel-Przybyszewska. (YouTube) In: Giorgi Latsuzbaia, 20. März 2016.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Juel, Dagny |
| ALTERNATIVNAMEN | Juel-Przybyszewska, Dagny |
| KURZBESCHREIBUNG | norwegische Schriftstellerin und Dramatikerin |
| GEBURTSDATUM | 8. Juni 1867 |
| GEBURTSORT | Kongsvinger |
| STERBEDATUM | 5. Juni 1901 |
| STERBEORT | Tiflis |
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