Damara-Graumull
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Damara-Graumull in Botswana | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Fukomys damarensis | ||||||||||||
| (Ogilby, 1838) |
Der Damara- oder Damaraland-Graumull (Fukomys damarensis, Syn.: Cryptomys damarensis) ist eine mittelgroße Art der Graumulle (Fukomys) innerhalb der Sandgräber (Bathyergidae). Wie andere Graumulle ist sie an eine unterirdische und grabende Lebensweise angepasst. Die Art ist im südlichen Afrika von Namibia und Angola bis in den Nordwesten von Südafrika verbreitet.
Merkmale[Bearbeiten]
Allgemeine Merkmale[Bearbeiten]
Der Damara-Graumull erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 15,5 bis 17,8 Zentimeter bei einem Gewicht von 115 bis 210 Gramm, der Schwanz ist mit 2,1 bis 2,4 Zentimetern Länge sehr kurz. Die Männchen sind im Durchschnitt etwas größer und schwerer als die Weibchen.<ref name="HMW 2016" /> Dabei konnte anhand von Wachstumsmodellen nachgewiesen werden, dass der Größenunterschied auf einer erhöhten Wachstumsrate der Männchen über die gesamte Entwicklungszeit resultiert und nicht aus einer unterschiedlichen Wachstumsdauer oder Zeitraum des Wachstums.<ref name="Thorley & Clutton-Brock 2019" />
Die mittelgroße Art besitzt einen zylindrischen Körper mit abgestumpfter Schnauze, kurzen Beinen und kurzem Schwanz. Das Fell ist kurz und dick, einzelne Fühlhaare (Vibrissen) ragen aus diesem vor allem im Kopfbereich hinaus. Die Tiere haben eine glänzende beige oder dunkelbraune bis braun-schwarze Färbung mit einer auffälligen weißen Zeichnung auf der Kopfoberseite, die einzelne Sprenkel in der Fellfarbe beinhalten kann. Ein heller Bauchstreifen kann vorhanden sein.<ref name="HMW 2016" /> Innerhalb einer Kolonie können nur eine oder beide Farbmorphen auftreten. Dabei sind die Tiere in den südlichen Bereichen eher dunkel bis schwarz, die in Namibia eher beige.<ref name="Bennett 2013" /> Der Kopf ist abgestumpft, die vorderen Nagezähne sind ungefurcht und ragen über die Lippen hinaus, damit sind sie von außen auch bei geschlossenem Mund sichtbar. Die Augen sind sehr klein, äußere Ohren fehlen. Die Vorder- und Hinterfüße sind unbehaart und rosafarben. Der Schwanz ist sehr kurz und erreicht maximal 18 % der Kopf-Rumpf-Länge, er ist nackt und mit einzelnen harten Fühlborsten bedeckt.<ref name="Bennett 2013" /> Die Weibchen besitzen zwei Paar Zitzen im Brust- und eines im Lendenbereich, insgesamt also sechs Zitzen.<ref name="Bennett 2013" />
Der Chromosomensatz besteht aus 2n = 74 oder 78 (FN=92) Chromosomen.<ref name="HMW 2016" />
Merkmale des Schädels[Bearbeiten]
Der Schädel ist breit und dorso-ventral abgeflacht. Er besitzt einen deutlichen Scheitelkamm, und die Jochbögen sind weit nach außen gebogen. Das Infraorbitalfenster (Foramen infraorbitale) ist vergleichsweise klein und tränenförmig.<ref name="Bennett 2013" />
Unterschiede zu verwandten Arten[Bearbeiten]
Vom nahe verwandten Mashona-Graumull (Fukomys darlingii) in Simbabwe und Mosambik unterscheidet sich der Damara-Graumull durch die etwas dunklere Färbung und die größere durchschnittliche Größe, zudem durch genetische Merkmale wie der höheren Chromosomenzahl.<ref name="Bennett 2013" /> Auch der Afrikanische Graumull (Cryptomys hottentotus), der in Südafrika sympatrisch mit dem Damara-Graumull vorkommt, ist im Durchschnitt etwas kleiner. Er hat eine graue Färbung und ebenfalls eine geringere Chromosomenzahl.<ref name="Bennett 2013" />
Verbreitung[Bearbeiten]
Der Damara-Graumull ist im südlichen Afrika vom Süden von Namibia, Sambia und Angola über den größten Teil von Botswana und den Westen von Simbabwe bis in den Nordwesten von Südafrika verbreitet.<ref name="HMW 2016" /><ref name="IUCN" /> Die Lebensräume umfassen die Trockengebiete um Dordabis und Rheoboth in Namibia, die Kalaharigebiete in Südafrika und auch die Sumpfgebiete am Okavango in Botswana.<ref name="Bennett 2013" />
Lebensweise[Bearbeiten]
Die Lebensräume befinden sich typischerweise in offenen und sandigen Halbwüstenflächen und in den Arenosolen der Kalahari mit Dornengebüschen, Savannen- und Grasvegetation.<ref name="Bennett 2013" /><ref name="HMW 2016" /> Diese Gebiete sind in der Regel sehr trocken mit jährlichen Niederschlagsmengen von 200 bis 400 Millimeter, die Boden- und Bautemperaturen reichen von 30 °C im Sommer bis 19 °C im Winter.<ref name="Bennett 2013" /> Wie andere Graumulle lebt auch diese Art weitgehend unterirdisch in Kolonien mit zwei bis 14 Tieren. Sie graben Baue im Bereich der Vegetation und ernähren sich herbivor von verdickten Wurzeln, Knollen und anderen Pflanzenteilen. Die Tiere haben einen regelmäßigen zircadianen Tagesrhythmus und graben vor allem nach Regenfällen.<ref name="HMW 2016" /> Innerhalb der Kolonie ist nur ein Paar aus einem, manchmal zwei Männchen und einem Weibchen paarungsfähig und sexuell aktiv, die restlichen Individuen stammen aus mehreren Generationen und sind nicht reproduktionsfähig. Sie übernehmen den Bau der Gänge, die Nahrungssuche und die Verteidigung der Kolonie. Die Tiere gelten als eusozial. Wie beim Nacktmull wird die Fortpflanzungsfähigkeit der Weibchen durch das sexuell aktive Weibchen aktiv unterdrückt. Einzelne Tiere und nicht-reproduktive Koloniemitglieder verteilen sich und legen neue Baue an. Der Aktivitätsradius der Tiere beträgt einen bis drei Hektar.<ref name="HMW 2016" />
Eine feste Paarungs- und Fortpflanzungszeit gibt es nicht, Jungtiere können über das gesamte Jahr geboren werden. Das dominante Weibchen bekommt bis zu drei Mal im Jahr Nachkommen. Die Tragzeit beträgt etwa 78 bis 92 Tage, und die typische Wurfgröße besteht aus einem bis drei Jungtieren.<ref name="Bennett 2013" /><ref name="HMW 2016" /> Das Geschlechterverhältnis der Jungtiere ist ausgeglichen oder etwas zugunsten der Männchen verschoben.<ref name="HMW 2016" /> Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt.
Systematik[Bearbeiten]
Der Damara-Graumull wird als eigenständige Art innerhalb der Gattung der Graumulle (Fukomys) eingeordnet, die aus zehn bis vierzehn Arten besteht. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung stammt von William Ogilby aus dem Jahr 1838 als Bathyergus damarensis und erfolgte anhand von Individuen aus der Region des damaligen Damaraland in Namibia.<ref name="Ogilby 1838" /><ref name="HMW 2016" /> Taxonomische Synonyme der Art sind Georychus lugadi de Winton 1998, Georychus micklemi Chubb 1909 und Cryptomuys ovamboensis Roberts 1946.<ref name="Ingram et al. 2004" /> Der Damara-Graumull wurde 1953 von John Ellerman dem Afrikanischen Graumull (Cryptomys hottentotus) als Unterart zugeschlagen, seit den 1990ern und spätestens seit Mitte der 2000er Jahre aufgrund genetischer und morphologischer Merkmale jedoch wieder als eigenständige Art betrachtet.<ref name="Bennett 2013" /> 2006 wurde die Gattung Cryptomys anhand von molekularbiologischen Merkmalen in zwei Gattung aufgetrennt, der Damara-Graumull wurde dabei mit den meisten anderen Arten der neuen Gattung Fukomys zugeteilt,<ref name="Ingram et al. 2004" /><ref name="Kock et al. 2006" /> die Aufspaltung wird jedoch nicht allgemein angenommen.<ref name="Bennett 2013" /><ref name="Wilson & Reeder 2005" />
Innerhalb der Art werden neben der Nominatform keine Unterarten unterschieden.<ref name="HMW 2016" /><ref name="Bennett & Jarvis 2004" />
Status, Bedrohung und Schutz[Bearbeiten]
Der Damara-Graumull wird bei der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) als „nicht gefährdet“ (least concern) eingestuft. Begründet wird dies mit dem häufigen Vorkommen und dem vergleichsweise großen Verbreitungsgebiet. Die Art kommt zudem in einigen geschützten Gebieten vor, und es gibt keine bestandsgefährdenden Risiken.<ref name="IUCN" /> In geeigneten Lebensräumen kann die Art sehr häufig vorkommen und teilweise bis zu 380 Tiere pro Quadratkilometer erreichen.<ref name="Bennett 2013" />
Belege[Bearbeiten]
<references> <ref name="HMW 2016">R. L. Honeycutt: Damara Mole-rat - Fukomys damarensis. In: Don E. Wilson, T.E. Lacher, Jr., Russell A. Mittermeier (Herausgeber): Handbook of the Mammals of the World: Lagomorphs and Rodents 1. (HMW, Band 6), Lynx Edicions, Barcelona 2016; S. 370. ISBN 978-84-941892-3-4.</ref> <ref name="Bennett 2013">Nigel C. Bennett: Cryptomys damarensis - Damaraland Mole-Rat (Mashona Mole-Rat) In: Jonathan Kingdon, David Happold, Michael Hoffmann, Thomas Butynski, Meredith Happold und Jan Kalina (Hrsg.): Mammals of Africa Volume III. Rodents, Hares and Rabbits. Bloomsbury, London 2013, S. 651–653; ISBN 978-1-4081-2253-2.</ref> <ref name="IUCN">[[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:IUCN“ ist nicht vorhanden.] in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2016.2. Eingestellt von: M.F. Child, S. Maree, 2008. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Ingram et al. 2004">Colleen M. Ingram, Hynek Burda, Rodney L. Honeycutt: Molecular phylogenetics and taxonomy of the African mole-rats, genus Cryptomys and the new genus Coetomys Gray, 1864. Molecular Phylogenetics and Evolution 31 (3), 2004; S. 997–1014. doi:10.1016/j.ympev.2003.11.004</ref> <ref name="Kock et al. 2006">Dieter Kock, Colleen M. Ingram, Lawrence J. Frabotta, Rodney L. Honeycutt, Hynek Burda: On the nomenclature of Bathyergidae and Fukomys n. gen. (Mammalia: Rodentia). Zootaxa 1142, 2006; S. 51–55.</ref> <ref name="Wilson & Reeder 2005">Cryptomys damarensis. In: Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 2 Bände. 3. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.</ref> <ref name="Bennett & Jarvis 2004">Nigel C. Bennett, Jennifer U.M. Jarvis: Cryptomys damarensis. Mammalian Species 756, 12. Dezember 2004; S. 1–5. ( Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Volltext ( vom 3. März 2016 im Internet Archive))</ref> <ref name="Thorley & Clutton-Brock 2019">Jack Thorley, Tim H. Clutton-Brock: A unified-models analysis of the development of sexual size dimorphism in Damaraland mole-rats, Fukomys damarensis. Journal of Mammalogy 100 (4), 27. Juli 2019; S. 1374–1386. doi:10.1093/jmammal/gyz082</ref> <ref name="Ogilby 1838">William Ogilby: On a collection of Mammalia procured by Captain Alexander during his journey into the country of the Damaras. Proceedings of the Zoological Society of London, 1838; S. 5–6. (Volltext)</ref> </references>
Literatur[Bearbeiten]
- R. L. Honeycutt: Damara Mole-rat – Fukomys damarensis. In: Don E. Wilson, T.E. Lacher, Jr., Russell A. Mittermeier (Herausgeber): Handbook of the Mammals of the World: Lagomorphs and Rodents 1. (HMW, Band 6), Lynx Edicions, Barcelona 2016; S. 370. ISBN 978-84-941892-3-4.
- Nigel C. Bennett: Cryptomys damarensis – Damaraland Mole-Rat (Mashona Mole-Rat) In: Jonathan Kingdon, David Happold, Michael Hoffmann, Thomas Butynski, Meredith Happold und Jan Kalina (Hrsg.): Mammals of Africa Volume III. Rodents, Hares and Rabbits. Bloomsbury, London 2013, S. 651–653; ISBN 978-1-4081-2253-2.
- Nigel C. Bennett, Jennifer U.M. Jarvis: Cryptomys damarensis. Mammalian Species 756, 12. Dezember 2004; S. 1–5. (Volltext)
Weblinks[Bearbeiten]
- [[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:IUCN“ ist nicht vorhanden.] in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2016.2. Eingestellt von: M.F. Child, S. Maree, 2008. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.