Daniel Bollius
Daniel Bollius (auch Daniel Pollius,<ref>Vergleiche die Angaben im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek</ref> * um 1590 in Hechingen; † um 1642 wahrscheinlich in Mainz) war ein deutscher Komponist des Frühbarock.<ref name="HePro_1">Regionalgeschichte.net des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, abgerufen am 16. Januar 2018.</ref>
Leben und Wirken[Bearbeiten]
Daniel Bollius’ Vater war der Kapellmeister Marcus Bollius (auch Marcus Pollius). Es wird vermutet, dass dieser sein erster Lehrer war,<ref name="DeBio_1">Werner Bollert: Bollius (Pollius), Daniel. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 2. Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).</ref> später unterrichtete ihn Jakob Haßler. Schon als Jugendlicher soll er bei Tanzveranstaltungen die Cister gespielt haben.<ref>Webseite Böblingen Gitarren Blog, abgerufen am 30. April 2019.</ref> 1603 besuchte Bollius die Universität Dillingen. Zehn Jahre später übernahm er das Amt des Hoforganisten am Hof der Grafen von Hohenzollern-Sigmaringen in Sigmaringen. 1626 kam er in den Dienst des Erzbischofs von Mainz, dort wurde er 1628 Kapellmeister, nach anderer Darstellung hatte er neben dem Hoforganistenamt 1631 nur die Funktion des stellvertretenden Kapellmeisters.<ref name="DeBio_1" /> Dem Erzbischof widmete er verschiedene Kompositionen. Die Liste der Organisten des Mainzer Doms sieht ihn als seit 1627 wirkend.<ref>Webseite Domorgel Mainz, abgerufen am 30. April 2019.</ref> Sein Wirken im Bistum Mainz ist bis nach 1638 belegt. Um 1642 starb er vermutlich in Mainz. Als Fachmann für den Orgelbau hatte Bollius einen guten Ruf. Dies galt auch für sein Schaffen als Musiker.<ref name="HePro_1" /> Zu Lebzeiten war er hochgeachtet.<ref name="DeRadio_1">Nachklang: Ensemble Chelycus mit Wiederentdeckung Deutschlandradio Kultur, Beitrag vom 12. Oktober 2010, abgerufen am 22. Januar 2018.</ref>
Als einer der frühesten Repräsentanten des „italienischen oratorischen Stils“<ref name="HePro_1" /> komponierte er zwischen 1616 und 1626<ref>Irmgard Scheitler: Deutschsprachige Oratorienlibretti. Von den Anfängen bis 1730. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2005, ISBN 3-506-72955-1, S. 25. (Digitalisat)</ref> die Repraesentatio harmonica conceptionis et nativitatis S. Joannis Baptistae („Musikalische Darstellung der Empfängnis und Geburt des heiligen Johannes des Täufers“), die als erstes Oratorium eines deutschen Komponisten gilt<ref>Beschreibung bei JPC, abgerufen am 16. Januar 2018.</ref> und auch als „erstes Oratorium im italienischen Stil auf deutschem Boden“ bezeichnet wird.<ref>The first oratorio in the Italian style on German soil. Howard E. Smither: A History of the Oratorio: Vol. 1: The Oratorio in the Baroque Era: Italy, Vienna, Paris Centuries. The University of North Carolina Press, 1977, ISBN 0-8078-1274-9, S. 365 (Digitalisat)</ref> In einer Aufnahme von 2014 mit dem Johann-Rosenmüller-Ensemble unter der Leitung von Arno Paduch<ref>Webseite des Johann Rosenmüller-Ensembles, abgerufen am 15. April 2023.</ref> ist dieses Werk die einzige auf CD erhältliche Komposition von Bollius. Er schuf auch Instrumentalmusik sowie geistliche Konzerte und Dialoge.<ref name="HePro_1" /> Manche Werke von Bollius galten bis ins 21. Jahrhundert hinein als verschollen und werden nach und nach wieder aufgeführt. Dabei zeigt sich, dass er ein wichtiger Komponist seiner Epoche ist.<ref>Webseite des Ensembles Chelycus, abgerufen am 16. Januar 2018.</ref> Der Fagottist Adrian Rovatkay entdeckte Bollius-Werke in der Staatsbibliothek Berlin und wirkte bei deren Herausgabe mit. Er führte beim Musikfest Erzgebirge im Jahr 2010 zusammen mit dem Ensemble Chelycus das Werk Harmonische Dialoge auf.<ref name="DeRadio_1" />
Literatur[Bearbeiten]
- Werner Bollert: Bollius (Pollius), Daniel. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 2. Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Greta Konradt, Ernst Fritz Schmid: Bollius, Daniel. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 3 (Bjelinski – Calzabigi). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2000, ISBN 3-7618-1113-6 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)
Weblinks[Bearbeiten]
- Werke von und über Daniel Bollius im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Daniel Bollius bei Discogs
- Noten ausgewählter Werke mit Hinweisen zu Notenfunden
- Gemeinfreie Noten von Daniel Bollius in der Choral Public Domain Library – ChoralWiki (englisch)
- Programmheft mit Vorwort von Arno Paduch zur Abendmusik mit Bollius’ Repraesentatio unter der Leitung von Jörg-Andreas Bötticher in der Predigerkirche Basel (Juni 2018)
- Hörprobe von Daniel Bollius’ Johannes-der-Täufer-Oratorium auf YouTube
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bollius, Daniel |
| ALTERNATIVNAMEN | Pollius, Daniel |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Komponist und Orgelsachverständiger des Frühbarock |
| GEBURTSDATUM | um 1590 |
| GEBURTSORT | Hechingen |
| STERBEDATUM | um 1642 |
| STERBEORT | unsicher: Mainz |