Daniel Mojon
Daniel Stéphane Mojon (* 29. Juli 1963 in Bern) ist ein Schweizer Augenarzt. Er gilt als Begründer der minimalinvasiven Strabismuschirurgie (MISS)<ref>Daniel S. Mojon: Minimally invasive strabismus surgery. In: Eye (London). 29, 2015, S. 225–233, doi:10.1038/eye.2014.281, Epub 28. November 2014.</ref>.
Werdegang[Bearbeiten]
Mojon, Sohn des Kunsthistorikers Luc Mojon, studierte Humanmedizin an der Universität Bern und in den USA an der Columbia University in New York. Er hielt leitende Positionen an der Universitäts-Augenklinik Bern und an der Klinik für Augenheilkunde im Kantonsspital St. Gallen. Am Universitätsspital Bern (Inselspital) war er leitender Arzt der Abteilung für Strabologie und Neuroophthalmologie sowie Leiter der Glaukomsprechstunde. An der Klinik für Augenheilkunde am Kantonsspital St. Gallen leitete er die Labors für experimentelle Okulographie. Seine Habilitation erfolgte im Jahr 2000 an der Universitäts-Augenklinik Bern. Seitdem lehrt er an der Universität Bern, ab 2007 als Honorarprofessor; ausserdem ist Mojon Consultant an der Augenklinik der Johannes-Kepler-Universität Linz. 2012 legte er seine Funktion am Kantonsspital St. Gallen nieder und ging in die private Forschung und Praxis. Er operiert heute in St. Gallen, am Airport Medical Center Zürich und am Spital Bülach.<ref>CV Daniel Mojons bei Augenärzte am Bahnhof St. Gallen.</ref><ref>Ronald D. Gerste: Daniel Mojon – Pionier der Minimally Invasive Strabismus Surgery (MISS): «Schielen ist auch ein Stigma». In: Schweizerische Ärztezeitung. 100 (9), 2019, S. 317–318.</ref><ref>https://www.spitalbuelach.ch/news/neueroeffnung-der-amc-eye-clinic-am-spitalcampus-buelach</ref> Mojon ist mit der Gesundheits-Ökonomin Stefania Mojon-Azzi verheiratet.
Wissenschaftliches Werk[Bearbeiten]
Einen wissenschaftlichen Schwerpunkt stellen die psychosozialen Aspekte der Strabologie dar. In mehreren Studien wies Mojon nach, wie sehr Patienten mit einem Strabismus im täglichen Leben benachteiligt<ref>Stefania M. Mojon-Azzi, Daniel S. Mojon: Opinion of headhunters about the ability of strabismic subjects to obtain employment. In: Ophthalmologica. 221, 2007, S. 430–433.</ref> und stigmatisiert sind.<ref>Ronald D. Gerste: Augenmuskeloperationen: Weit mehr als Kosmetik. In: Deutsches Ärzteblatt. 2015, S. A 1835–1836.</ref> Zudem entwickelte Mojon eine minimal-invasive Form der Chirurgie bei Schielen (MISS), bei der im Gegensatz zur herkömmlichen Türflügel-Technik nach Harms oder Fornix-Technik nach Parks die Bindehaut nur mit sehr kleinen Schnitten in der Grössenordnung von nur zwei bis maximal drei Millimetern eröffnet wird.<ref>Daniel S. Mojon: Comparison of a new, minimally invasive strabismus surgery technique with the usual limbal approach for rectus muscle recession and plication. In: British Journal of Ophthalmology. 91, 2007, S. 76–82.</ref> Zehn Jahre nach ihrer Einführung sind die Sicherheit dieser Methode und die schnellere Rehabilitation nach einem solchen Eingriff weithin anerkannt; sie ist indes für den Operateur schwieriger zu erlernen und durchzuführen als die herkömmliche Strabismuschirurgie mit Schnitten von üblicherweise über 1 Zentimeter.<ref>Ioannis Asproudis, Nikolaos Kozeis, Andreas Katsanos, Saurabh Jain, Paris G. Tranos, Anastasios-Georgios P. Konstas: A Review of Minimally Invasive Strabismus Surgery (MISS): Is This the Way Forward? In: Advances in Therapy. 34, 2017, S. 826–833.</ref> Neben MISS engagierte sich Mojon in der Weiterentwicklung von OP-Verfahren bei komplexen Augenfehlstellungen. So publizierte er eine modifizierte Technik der geraden Muskel-Plikation (Falten des Muskels) als Alternative zur herkömmlichen Muskelresektion.<ref>Daniel S. Mojon: Comparison of a new, minimally invasive strabismus surgery technique with the usual limbal approach for rectus muscle recession and plication. In: British Journal of Ophthalmology. 91, 2007, S. 76–82.</ref>
Mojon hat weitere minimal-invasive Operationsmethoden in die Augenchirurgie eingeführt: die sogenannte VIP-Technik (viscoelastic and irrigation pressurized technique)<ref>Vorteile von CO-MICS mit easyTip. Oertli Instrumente.</ref><ref>Daniel S. Mojon: Advantages of coaxial Micro-Incision Cataract Surgery with Easytip CO-MICS. In: Cataract and Refractive Surgery Today Europe. Juli/August 2021, S. 49–50.</ref> für die Operation der Katarakt und die tiefe Sklerokeratodissektion für die operative Behandlung des Glaukoms<ref>Anna Sophie Musch-Edlmayr, Daniel S. Mojon, Michael Ring, Peter Laubichler, Nikolaus Luft, Siegfried Georg Priglinger: Comparison of deep sclerokeratodissection, a new variant of nonpenetrating glaucoma surgery, with deep sclerectomy. In: Indian Journal of Ophthalmology. 64, 2016, S. 914–918.</ref>. Mojons Erfahrungen in der Kataraktchirurgie führten zu seinen Empfehlungen und Ratschlägen für Patienten, die vor der Operation des Grauen Stars stehen, in einem aktuellen Ratgeber.<ref>Ronald D. Gerste: Der Graue Star: Patientenratgeber zur Katarakt-Operation. Springer, Heidelberg und Berlin 2024, ISBN 978-3662684023.</ref> Die hohe Erfolgsrate der Kataraktchirurgie und die oft umgehend von Patienten wahrgenommene Verbesserung der Sehschärfe dokumentierte er in zahlreichen Videos für ein breites Publikum.<ref>Ein Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=PDovupkL1kk&t=196s</ref>
Glaukom (grüner Star) ist ein weiterer Forschungsschwerpunkt Mojons. Mit seiner Forschergruppe wies er unter anderem die enge Assoziation des Schlafapnoe-Syndroms (OSAS) mit dieser häufigen Augenerkrankung nach.<ref>Daniel S. Mojon, Christian W. Hess, David Goldblum, Johannes Fleischhauer, Fritz Koerner, Claudio Bassetti, Johannes Mathis: High prevalence of glaucoma in patients with sleep apnea syndrome. In: Ophthalmology. 106, 1999, S. 1009–1012.</ref><ref>Daniel S. Mojon, Johannes Mathis, Mario Zulauf, Fritz Koerner, Christian W. Hess: Optic neuropathy associated with sleep apnea syndrome. In: Ophthalmology. 105, 1998, S. 874–877.</ref> Dies ist nicht die einzige Assoziation der Schlafapnoe mit einer Augenkrankheit: Mojons Forschungsgruppe konnte zeigen, dass Patienten mit einer nicht-arteriitischen anterioren ischämischen Optikusneuropathie (NAION) überproportional häufig an OSAS leiden: In einer von ihm veröffentlichten Fall-Kontroll-Studie hatten 71 % der NAION-Patienten ein Schlafapnoe-Syndrom, verglichen mit nur 18 % der Kontrollpersonen ähnlichen Alters.<ref>Daniel S. Mojon, Thomas R. Hedges, Bruce Ehrenberg et al.: Association between sleep apnea syndrome and nonarteritic anterior ischemic optic neuropathy. In: Archives of Ophthalmology. 120, 2002, S. 601–605.</ref>
Mojon ist ein Pionier in der computergestützte Erkennung retinaler Blutgefäße; er publizierte zu dieser diagnostischen Methode bereits 2003<ref>mit Xiaoyi Jiang, Daniel S. Mojon: Adaptive local thresholding by verification-based multithreshold probing with application to vessel detection in retinal images.In: IEEE Transactions on Pattern Analysis and Machine Intelligence2003;25:S.131–137.</ref>, lange bevor die Bildanalyse von Befunden am hinteren Augenabschnitt mit Hilfe künstlicher Intelligenz in der Augenheilkunde zu einem Thema wurde<ref>Martina Lenzen-Schulte: Algorithmen für den Augenarzt In: Deutsches Ärzteblatt 2019;116: S. A146-A149.</ref>. Im Jahr 2016 rief Mojon mit mehreren Schweizer Augenarzt-Kollegen (u. a. Dietmar Thumm, Albert Franceschetti, Carl Herbort) die Swiss Academy of Ophthalmology ins Leben. Das Ziel der Stiftung ist, aktiv Qualitätssicherung, Forschung und Fortbildung in der praktischen Augenheilkunde zu fördern. Im September 2018 hielt Mojon als erster Schweizer Augenarzt eine Keynote Lecture auf einer Tagung der DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft). Thema war die minimal-invasive Augenchirurgie.<ref>Programm des DOG-Kongresses im September 2018, Bonn (PDF; 4,9 MB).</ref> Für seine Verdienste um Innovationen in der operativen Augenheilkunde und speziell für die Erfindung von MISS wurde Mojon im April 2019 von der University of Toronto mit einer Ehrenvorlesung am Jack Crawford Day gewürdigt.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.The 30th Annual Jack Crawford Day 2019 ( vom 29. Mai 2019 im Internet Archive). In: cvent.com.</ref> Die American Academy of Ophthalmology (AAO) ehrte ihn im November 2020 als einen «Unsung Hero», einen bislang nicht ausreichend gewürdigten Innovator der modernen Augenchirurgie.<ref>Mit ruhiger Hand und kühlem Kopf. In: St. Galler Tagblatt. 2. Dezember 2020.</ref> Mojon ist Initiator eines internationalen Kongresses für auf die Operation der Katarakt spezialisierte Augenärzte, der erstmals im Oktober 2023 in Zürich stattfand.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Website von cataract-circle.com. ( des Vorlage:IconExternal vom 20. Mai 2024 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Ronald D. Gerste: Daniel Mojon – Pionier der Minimally Invasive Strabismus Surgery (MISS): «Schielen ist auch ein Stigma». In: Schweizerische Ärztezeitung. 100 (9), 2019, S. 317–318.
- Review Daniel Mojon: Minimally invasive strabismus surgery. In: Eye (London). 29, 2015, S. 225–233, doi:10.1038/eye.2014.281, Epub 28. November 2014.
Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]
- mit Howard Fine (Hrsg.): Minimally invasive ophthalmic surgery. Springer, Berlin 2010, ISBN 978-3-642-02601-0.
- Früherkennung und Behandlung des Strabismus. In: Therapeutische Umschau. 73, 2016, S. 67–73.
- mit Stefania Mojon-Azzi: Opinion of headhunters about the ability of strabismic subjects to obtain employment. In: Ophthalmologica. 221, 2007, S. 430–433.
- mit Stefania Mojon-Azzi, A. Kunz: Strabismus and discrimination in children: are children with strabismus invited to fewer birthday parties? In: British Journal of Ophthalmology. 95, 2011, S. 473–476.
- mit M. Kaup, Stefania Mojon-Azzi, A. Kunz: Intraoperative conversion rate to a large, limbal opening in minimally invasive strabismus surgery (MISS). In: Graefe’s archive for clinical and experimental ophthalmology. 249, 2011, S. 1553–1557.
- Comparison of a new, minimally invasive strabismus surgery technique with the usual limbal approach for rectus muscle recession and plication. In: British Journal of Ophthalmology. 91, 2007, S. 76–82.
- Minimally invasive strabismus surgery for horizontal rectus muscle reoperations. In: British Journal of Ophthalmology. 92, 2008, S. 1648–1652.
Weblinks[Bearbeiten]
- Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Biografie Daniel Mojons auf der Website der Klinik St. Georg ( vom 5. Oktober 2015 im Internet Archive)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mojon, Daniel |
| ALTERNATIVNAMEN | Mojon, Daniel Stéphane (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Augenarzt |
| GEBURTSDATUM | 29. Juli 1963 |
| GEBURTSORT | Bern |