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Das Haus (Maier)

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Das Haus ist der Titel des 2011<ref> bei Suhrkamp</ref> erschienenen zweiten Teils einer elfbändigen Romanserie mit autobiographischen Bezügen von Andreas Maier. Er handelt von den ersten Lebensjahren bis ins Grundschulalter des von seinen Eltern „Problemandreas“ genannten Erzählers in Friedberg und Bad Nauheim in der Wetterau.

Inhalt[Bearbeiten]

Der Roman ist in zwei Teile, „DRINNEN“ (S. 7–92) und „DRAUSSEN“ (S. 93–165), mit jeweils fünf Unterkapitel untergliedert.

Drinnen[Bearbeiten]

Andreas gilt schon bald nach seiner Geburt als Problemkind. Früh zeigt sich eine bis in sein drittes Lebensalter reichende Sprachentwicklungsverzögerung, verbunden mit einer sozialen Gehemmtheit und einer Neigung sich in seine Spielwelt zurückzuziehen. Die Eltern sind berufstätig, der Vater arbeitet als Jurist bei der Henninger Brauerei in Frankfurt, die Mutter führt nach dem Tod ihres Vaters den Familien-Steinmetzbetrieb, und deshalb wird Andreas tagsüber von der Großmutter und der Urgroßmutter in Bad Homburg versorgt. Da er sich dagegen wehrt, einen Kindergarten zu besuchen, dehnt sich diese Betreuung bis zu seiner Einschulung aus. In den Altbauwohnungen seiner Großmutter und Urgroßmutter und bei den Spaziergängen durch den Kurpark mit den hohen Gadierwerken und dem Ententeich fühlt er sich geborgen: „Diese Welt, meine erste, war die Welt meiner Großeltern und Urgroßeltern“.<ref>Andreas Maier: Das Haus. Suhrkamp Verlag Berlin, 2011, S. 14.</ref>

Den Bezug des neuen Hauses der Eltern 1970 in Friedberg empfindet der Dreijährige als Einbruch in sein Leben: „Das Haus meiner Kindheit war groß und leer.“<ref>Andreas Maier: Das Haus. Suhrkamp Verlag Berlin, 2011, S. 9.</ref> Schon das marmorgeflieste Foyer mit den Treppen ins Kellergeschoss, wie ein „Schlund“, eine „dunkle, unheimliche Öffnung“,<ref>Andreas Maier: Das Haus. Suhrkamp Verlag Berlin, 2011, S. 12.</ref> und ins lichtdurchflutete Obergeschoss „der Aufstieg in den Himmel“,<ref>Andreas Maier: Das Haus. Suhrkamp Verlag Berlin, 2011, S. 13.</ref> erschreckt ihn wegen der ungewohnten Dimension: „Seitdem wir in dem neuen Haus wohnten, änderten sich die Geschichten über mich. Sie waren nun nicht mehr lieblich“.<ref>Andreas Maier: Das Haus. Suhrkamp Verlag Berlin, 2011, S. 32.</ref>

Draußen[Bearbeiten]

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„Die Kinderspiele“ vom älteren Pieter Brueghel

Mit „Draußen“ ist der zweite Teil überschrieben. Andreas geht nun zur „Musterschule“ in Friedberg und gilt auch dort als Sonderling. Wegen seiner vielen Krankheitstage beschimpfen ihn seine Mitschüler als Schwänzer. Seine tägliche Angst beginnt damit, dass er um 7 Uhr morgens wach im Bett liegt, auf das Klingeln des Weckers wartet und sich in allen Einzelheiten ausmalt, was auf ihn zukommt: Aufstehen, Frühstück, Weg zur Schule, Pausenhof, Hänseleien der Mitschüler: „Das Bild meiner Angst und aller meiner damaligen Tage, wie ein Gemälde von Brueghel liegt es vor mir, der Schulhof und die Schüler und die Lehrer und die Schule.“<ref>Andreas Maier: Das Haus. Suhrkamp Verlag Berlin, 2011, S. 9.</ref>

Bei diesen Gedanken baut sich in Andres ein Kloß-im-Hals-Gefühl auf, mit dem er schließlich zum Frühstück mit den Eltern und den beiden älteren Geschwistern erscheint: „Die erste Gesellschaft am Tag. Unter Menschen. Nun musst du sein, was du nicht bist, und du weißt es schon so lang, und jeden Tag wiederholt sich das Missverständnis. Jetzt musst du deine Rolle spielen, um du kannst deine Rolle nicht spielen, und im Grunde haben sich auch schon alle daran gewöhnt, dass du deine Rolle nicht spielst, aber da sie keine andere Rolle für dich haben, fordern sie von dir die Rolle dennoch ab, aus bloßer Gewohnheit, wenn auch inzwischen ohne jede Hoffnung […] weil du, ihr Kind, sie enttäuscht hast. Auch wenn sie es nicht sagen.“<ref>Andreas Maier. Das Haus. Suhrkamp Verlag Berlin, 2011, S. 119.</ref> Andreas kann keinen Bissen hinunterschlucken und mit seinem Kloß nicht in die Schule gehen. Da an diesem Tag sein Vater seine wöchentliche Migräneattacke hat und die Mutter ihn zum Arzt fahren muss, bleibt der Junge allein zu Haus. Er macht einen Rundgang durch die stillen Räume, frühstückt langsam und die Beengung löst sich auf: „Ich im Haus und alle anderen draußen. Dieser Zustand erschien mir als das Notwendigste auf der Welt, aber er lähmte mich […] auch, eigentlich verbrachte ich die meiste Zeit damit, auf ebenjene Stille zu hören“. Aber die damit verbundene Euphorie verursacht kein „Gefühl von Befreiung oder Durchatmenkönnen“: „[E]s war vielmehr so, dass das Licht, das durch die Vorhänge kam, dass die Möbel an ihren traurigen Plätzen, dass die halbgeöffneten Türen und die von irgendwem irgendwo stehengelassenen Dinge plötzlich wie mein eigenes Seelenbild waren“.<ref>Andreas Maier: Das Haus. Suhrkamp Verlag Berlin, 2011, S. 162.</ref>

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Andreas Maier: Das Haus. Roman. Suhrkamp, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-42266-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Koordinaten: 50° 20′ 25,4″ N, 8° 45′ 33,1″ O

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