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Der 100. Psalm

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Der 100. Psalm, op. 106, ist eine Komposition von Max Reger in D-Dur für gemischten Chor und Orchester, eine spätromantische Vertonung von Psalm 100. Reger begann mit der Komposition im Jahr 1908, um das 350. Jubiläum der Universität Jena zu feiern. Teil I wurde am 31. Juli des Jahres zu diesem Anlass aufgeführt. Reger vervollständigte das Werk 1909. Es wurde im gleichen Jahr veröffentlicht, und vollständig erstmals am 23. Februar 1910 aufgeführt, gleichzeitig in Chemnitz und Breslau. Das vollständige viersätzige Werk ist eine Chorsinfonie.

Geschichte[Bearbeiten]

Reger begann das Werk für die 350-Jahr-Feier der Universität Jena.<ref name="Bio" /> Die Textgrundlage ist der 100. Psalm in der Übersetzung Martin Luthers.<ref name="Institut" /> Reger komponierte das Werk in Leipzig, vom 24. April 1908 bis Anfang Juli. Er schrieb in seiner Widmung „Der hohen Philosophischen Fakultät der Universität Jena zum 350jährigen Jubiläum der Universität Jena“.<ref name="Institut" /> Teil I wurde am 31. Juli 1908 zum Jubiläum aufgeführt. Fritz Stein leitete den Akademischen Chor Jena und die Sängerschaft zu St. Pauli, die Kapelle des 71. Infanterieregiments Erfurt und Mitglieder der Weimarer Hofkapelle, mit dem Organisten Kurt Gorn.<ref name="Institut" /> Reger hatte dem Dirigenten geschrieben: „Die Hörer des Psalms müssen nachher als ‚Relief‘ an der Wand kleben; ich will, dass der Psalm eine niederschmetternde Wirkung bekommt! Also sei so gut und besorge das!“<ref name="Score" /> Nach der Aufführung erhielt Reger die Ehrendoktorwürde der Universität.<ref name="Bio" /><ref name="Leipzig" />

Reger vervollständigte die Komposition von Mai bis August 1909.<ref name="Institut" /> Sie wurde von Peters in Leipzig veröffentlicht, zuerst im September 1909 die Chorpartitur, die Reger selbst angefertigt hatte. Die Partitur und die Stimmen erschienen im Dezember des Jahres.<ref name="Institut" /> Das vollständige Werk erklang erstmals am 23. Februar 1910, gleichzeitig in der Lukaskirche in Chemnitz sowie in Breslau. In Chemnitz dirigierte Reger den Kirchenchor St. Lukas und die Städtische Kapelle, mit Georg Stolz (1870–1931)<ref>sps.kirchechemnitz.de@1@2Vorlage:Toter Link/sps.kirchechemnitz.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im August 2026. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)</ref> an der Orgel. In Breslau leitete Georg Dohrn die Sing-Akademie und den Orchester-Verein, mit dem Organisten Max Ansorge.<ref name="Institut" /> Ein Rezensent der Neuen Musikzeitung schrieb danach: „Noch unter dem Eindruck des Gehörten, des Miterlebten stehend, ist es mir unsagbar schwer, all das Tiefempfundene, das Erhabene und Göttliche jener Stunde hier zum Ausdruck zu bringen. Man war tief erschüttert, als die gewaltige Doppelfuge verklungen war, hatte etwas Unvergessliches erlebt.“<ref name="Score" />

2016 wurde das Werk zur Feier des Reger-Jahrs in der Thomaskirche in Leipzig am Todestag Regers, dem 11. Mai, aufgeführt. Der Leipziger Universitätschor und das MDR-Sinfonieorchester wurden von David Timm geleitet.<ref name="Reger in Leipzig" /><ref name="Regerjahr" />

Aufbau und Besetzung[Bearbeiten]

Der Text des Psalms ist in vier Sätze als eine Chorsinfonie aufgeteilt.<ref name="Kirshnit" /> Die folgende Tabelle beruht auf dem Klavierauszug und zeigt den Textbeginn, Psalmvers(e), Stimmen des SATB-Chors, Vortragsbezeichnung (Bez.), Tonart und Tempo.<ref name="Score" />

Aufbau von Regers Der 100. Psalm
Nr. Text Vers Stimmen Bez. Tonart Tempo
1 Jauchzet 1,2 SATB {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) D-Dur 4/4
2 Erkennet 3 SSAATTBB {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) 4/4
3 Gehet zu seinen Toren ein 4 SSAATTBB {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) 3/4
4 Denn der Herr ist freundlich 5 SATB {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) D-Dur 4/4

Das Werk ist besetzt mit einem vierstimmigen Chor, der manchmal weiter aufgeteilt ist, Orgel und einem Sinfonieorchester von zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotten, vier Hörnern, zwei Trompeten, drei Posaunen, Tuba, drei Pauken sowie weiterem Schlagzeug und Streichern. Im letzten Satz spielt ein zusätzlicher Bläserchor aus vier Trompeten und vier Posaunen als cantus firmus die Melodie von Luthers Choral Ein feste Burg ist unser Gott.<ref name="Institut" /> Alle vier Sätze sind in D-Dur notiert, doch Reger moduliert häufig. Die Sätze gehen ohne Unterbrechung ineinander über. Zwischen dem 3. und 4. Satz steht eine kurze instrumentale Überleitung, die {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) bezeichnet ist.<ref name="Score" />

Jauchzet[Bearbeiten]

Der Einsatz des Chores wird durch einen Paukenwirbel von zwei Takten vorbereitet, gesteigert von pp. Im dritten Takt setzt das Orchester ff mit einem D-Dur-Akkord ein, der Chor fällt synkopisch und unisono ein und singt zunächst nur wiederholt das Wort „Jauchzet“, mit verschiedenem Ausdruck. Erst in Takt 16 wird der Text fortgesetzt, indem die Stimmen schnelle Koloraturen in Imitation steigern bis zum Ausruf „alle Welt“, der nach einer Pause unisono wiederholt wird.<ref name="Score" />

Der folgende Psalmvers ist in großem Gegensatz ruhig und verhalten, {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) und pp bezeichnet.<ref name="Score" /> Der Gedanke „Dienet“ wird in Imitation von den tiefen Stimmen her aufgebaut, wobei alle vier Chorstimmen geteilt sind. „Dienet dem Herrn“ wird vom Alt vorgetragen, die anderen Stimmen fallen ein. „Dienet dem Herrn mit Freuden“ erscheint zuerst in den Unterstimmen, der Sopran übernimmt das Thema einen Takt später in ausdrucksvoller Steigerung, {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) und crescendo bezeichnet.<ref name="Score" /> Zunehmend erscheinen freudige Gruppen von Sechzehnteln, erst in einzelnen Stimmen, dann verdichtet, und der Anfangsgedanke „Jauchzet“ wird wieder aufgegriffen. In Takt 111 erscheint erstmals der dritte Gedanke „Kommt“. Auch dieses Wort wird mehrfach wiederholt, bis auch „vor sein Angesicht“ erklingt, schließlich „mit Frohlocken“. In Takt 130 beginnt eine Reprise des ersten Abschnitts, der mit einem weiteren unisono „alle Welt“ endet, wobei jede Silbe mit einer Fermate versehen ist.<ref name="Score" />

Erkennet[Bearbeiten]

Der zweite Satz beginnt mit einer leisen instrumentalen Einleitung von dreizehn Takten. Hörner und Posaunen spielen zunächst unisono drei gleiche Töne B, denen das Wort „Erkennet“ unterlegt werden könnte. Dieser Rhythmus durchzieht die Einleitung. Die Chorstimmen nehmen ihn auf, wenn sie das Wort, ppp, unisono auf C, singen. Nach mehreren Wiederholungen des Wortes wird in Takt 26 fortgeführt „dass der Herr Gott ist“, mit einer schnellen Steigerung von Herr zu Gott. In einem Mittelteil wird überwiegend homophon gesungen: „Er hat uns gemacht und nicht wir selbst …“ Danach erscheint eine Reprise des Anfangsgedankens, diesmal pp endend.<ref name="Score" />

Gehet zu seinen Toren ein[Bearbeiten]

Instrumental wird die Tonart Fis-Dur im Dreiertakt kurz eingeführt. In diesem Satz bringen die geteilten Frauenstimmen des Chores den ganzen Psalmvers, homophon und „dolcissimo“, „Gehet zu seinen Toren ein“, wobei die drei Viertel des Taktes meist als Halbe und Viertel erscheinen. Die Männerstimmen, ebenfalls geteilt, antworten mit „Gehet“, die Frauen wiederholen ihren Text in neuer Fassung. Dann wiederholt sich der Ablauf mit vertauschten Rollen. Der weitere Text wird zunehmend verdichtet und gesteigert, auch durch fortwährende Modulation. Kurz vor einem Höhepunkt erscheinen erstmals in diesem Satz Achtelnoten, im Bass von Chor und Orchester. Sie bestimmen den Charakter der Begleitung, während der Chor unisono singt „Danket ihm“, weiterhin in Vierteln und Halben. Der Chor übernimmt die Achtel für den Schluss, „Lobet seinen Namen“, in vierstimmiger Imitation.<ref name="Score" />

Denn der Herr ist freundlich[Bearbeiten]

Nach einer kurzen instrumentalen Einleitung singen Sopran und Tenor die simultanen Themen einer Doppelfuge, die beide lebhaft bewegt sind, jedoch die schnellsten Bewegungen zu verschiedenen Zeiten bringen. Nach einem Zwischenspiel, das in Takt 77 beginnt, erklingt ab Takt 91 zu den Fugenthemen in Bass und Sopran als cantus firmus die Choralmelodie von Luthers Ein feste Burg ist unser Gott. Das Werk endet mit einer langsamen Steigerung auf den Text „und seine Wahrheit für und für“.<ref name="Score" />

Fassungen[Bearbeiten]

Hindemith[Bearbeiten]

Paul Hindemith schrieb eine revidierte Fassung, in der Absicht, der Musik mehr Klarheit zu verleihen.<ref name="Kirshnit" /> Stephen Luttmann bemerkte, dass Hindemith versuchte, Regers unkontrollierte Erfindungsgabe (uncontrolled invention) zu zügeln.<ref name="Luttmann" />

Orgelfassung[Bearbeiten]

François Callebout erstellte eine Orgelfassung, die 2004 im Musikverlag Dr. J. Butz erschien. Wie Gabriel Dessauer im Vorwort ausführt, war das Werk für die oratorischen Chöre zu Beginn des 20. Jahrhunderts konzipiert, in denen durchaus bis zu 500 Sängerinnen und Sänger mitwirkten. Die Orgelfassung entstand, um auch kleineren Chören den Zugang zu dem Werk zu erschließen.<ref name="Score" /> Sie wurde 2003 vom Reger-Chor in St. Bonifatius – Wiesbaden –, uraufgeführt, in der Gemeinde, der Reger während seiner Studienjahre in Wiesbaden angehörte.<ref name="Kurier" />

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Score"> Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung </ref> <ref name="Kurier"> Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name „Niederschmetternd“ / Eine Reger-Uraufführung in St. Bonifatius, 8. September 2003. Abgerufen im 10. August 2016Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2 </ref> <ref name="Kirshnit">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Max Reger, Psalm 100, Op. 106.] American Symphony Orchestra, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 9. Mai 2016 (englisch).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> <ref name="Luttmann"> </ref> <ref name="Bio">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Lebenslauf.] Max-Reger-Institut, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 3. April 2010.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> <ref name="Institut"> Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Der 100. Psalm Op. 106.] Max-Reger-Institut, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 22. April 2016.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung </ref> <ref name="Leipzig"> Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Max Reger in Leipzig.] leipzig-lese.de, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 9. Mai 2016.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung </ref> <ref name="Regerjahr"> Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Leipziger Universitätschor gedenkt Max Regers mit Festkonzert.] Leipzig, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 16. Juni 2016.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung </ref> <ref name="Reger in Leipzig"> Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Festkonzert zum 100. Todestag von Max Reger.] reger-in-leipzig.de, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 4. Juni 2016.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung </ref> </references>

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