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Der Hausierer

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Der Hausierer (Hieronymus Bosch)
Der Hausierer
Hieronymus Bosch, um 1500
Öl auf Holz
71,0 × 70,6 cm
Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam
Datei:Triptyque du vagabond (reconstitution).jpg
Rekonstruktion des Triptychons: Links: Das Narrenschiff und Allegorie auf die Völlerei und die Wollust – Rechts: Tod eines Geizhalses – Unten: Der Hausierer

Der Hausierer ist ein Gemälde des niederländischen Malers Hieronymus Bosch. Es entstand um 1500.<ref name="Boijmans">https://www.boijmans.nl/en/collection/artworks/1556/the-pedlar</ref> Andere Bezeichnungen sind Der Wanderer, Der verlorene Sohn, Der Landstreicher ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) oder De landloper).

Das Bild mit den Maßen 71 cm × 70,6 cm<ref name="Boijmans" /> war ursprünglich Teil eines Triptychons<ref name="Vermet">Bernhard Vermet: Hieronymus Bosch: Maler, Werkstatt oder Stil? In: Hieronymus Bosch – Das Gesamtwerk. Katalog zur Ausstellung „Jheronimus Bosch“ im Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, 2001, Verlag Belser, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-7630-2563-3, S. 88.</ref> (Außenseiten), dessen Mitteltafel fehlt und zu dem auch die Allegorie auf die Völlerei und die Wollust sowie der Tod eines Geizhalses und Das Narrenschiff gehörten.<ref name="Vandenbroeck">Paul Vandenbroeck: Heronymus Bosch: Des Rätsels Weisheit. In: Hieronymus Bosch – Das Gesamtwerk. Katalog zur Ausstellung „Jheronimus Bosch“ im Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, 2001, Verlag Belser, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-7630-2563-3, S. 183.</ref><ref name="Vermet" /> Es befindet sich seit 1931 im Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam.<ref name="Boijmans" />

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Bild zeigt im Zentrum einen bereits ergrauten Mann in zerschlissener vormals guter Kleidung mit aufgeschlossenem Knie und notdürftig verbundenem Schienbein,<ref name="Fraenger">Wilhelm Fraenger: Hieronymus Bosch. Verlag der Kunst Dresden 1975, S. 258, 259</ref> der wohl nicht mehr als Hausierer angesehen wird,<ref>Ilsink, Koldeweij: Hieronymus Bosch. Visionen eines Genies, 2016, S. 16</ref><ref>Roger H. Marijnissen: Hieronymus Bosch – Das vollständige Werk. Mercartorfonds Antwerpen/Parkland Verlag Köln, 1999, ISBN 3-88059-971-8, S. 413.</ref> vor einer ländlichen Szenerie. Er trägt eine Kiepe auf dem Rücken, auf der ein Löffel für die Bettelsuppe und ein Katzenfell befestigt sind,<ref name="Fraenger" /> einen langen Stab in der rechten und seinen Hut in der nach vorne gestreckten linken Hand. An seinem Gürtel hat er einen Dolch und einen gefüllten Geldbeutel. Aus seinem Kittel hängt ein Schweinsfuß, Wahrzeichen niederer Triebe.<ref name="Fraenger2">Wilhelm Fraenger: Hieronymus Bosch. Verlag der Kunst Dresden 1975, S. 260</ref> Der Mann blickt sich, gebeugt vorwärts schreitend, um. Sein Blick geht zu einem verfallenden Haus, das oftmals als Bordell beschrieben wird,<ref name="Vandenbroeck" /> und hinunter zu einem kläffenden Hund, den er mit seinem Stab fernhält.

Datei:Hieronymus Bosch 049.jpg
Detail Wirtshaus

Während der Hausierer die Bildmitte dominiert, nimmt das verfallende Haus den linken Bildteil ein. In der Tür des Hauses steht ein Paar in anzüglicher Pose, ein Mann uriniert an die Außenwand und aus einem kaputten Fenster schaut eine ältere Frau heraus. Das Dach des Hauses ist schadhaft, ein außen angebrachtes Wirtshausschild zeigt einen weißen Schwan. Wäsche hängt zum Trocknen aus der Bodenluke.

Zur Rechten des Hausierers sieht man eine Buche<ref name="Fraenger2" /> mit dunkler Krone und ein gut unterhaltenes Weidegatter, hinter dem ein Rind aufschaut. Im Hintergrund sind sandige Hügel, grüne Felder und einzelne Häuser angedeutet, über die sich ein graubläulicher Himmel zieht. Im ganzen Bild verteilt sind verschiedene Tiere zu sehen, so in dem Baum eine Eule, die eine Kohlmeise anschaut, Elstern auf der hohen Stange in der Ferne, im Gatter und in einem Käfig am Haus – wobei ein vor die Tür gehängter Vogelkäfig als Wahrzeichen damaliger Frauenhäuser galt,<ref name="Fraenger2" /> zur Linken des Hausierers der Hund und eine Horde Schweine um einen Trog.

Das Gemälde wurde zu einem Rundbild zugeschnitten,<ref name="Mari410">Roger H. Marijnissen: Hieronymus Bosch – Das vollständige Werk. Mercartorfonds Antwerpen/Parkland Verlag Köln, 1999, ISBN 3-88059-971-8, S. 410.</ref> welches einen Durchmesser von etwa 71 cm hat. Es befindet sich heute in einem achteckigen Rahmen. Infolge des Zuschnitts erfolgten einige Kompositionsänderungen, am auffälligsten die Verkleinerung des Hundes.<ref name="Mari410" /> Es trägt keine Signatur.<ref>Bernhard Vermet: Hieronymus Bosch: Maler, Werkstatt oder Stil? In: Hieronymus Bosch – Das Gesamtwerk. Katalog zur Ausstellung „Jheronimus Bosch“ im Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, 2001, Verlag Belser, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-7630-2563-3, S. 95.</ref> Das Bildnis ist in sandigem Ton, fast farblos und in fein abgestuften Grautönen gemalt.<ref name="Mari410" /> Hut, Haube, Rock und Hose des Mannes sowie der Baumstamm sind einheitlich silbergrau, wovon sich der erdfarbige Hof absetzt. Tiefer Schlagschatten bedeckt den Bildmittelgrund.<ref name="Fraenger" /><ref>zur Pigmentierung siehe auch: Farbanalyse des Bildes auf colourlex.com, abgerufen am 17. Juli 2016.</ref> Dendrochronologische Untersuchungen ergaben, dass es nicht vor 1487 gemalt worden sein könnte. Die übliche Ablagerung und Trocknung des Holzes vor der Bemalung macht eine Herstellung ab etwa 1493 wahrscheinlich.<ref name="Vermet" />

Interpretation[Bearbeiten]

Datei:WLANL - Martijn Streefkerk - Detail 2 De Marskramer.jpg
Detail Gesicht

Das Gemälde erlebte im 20. Jahrhundert eine wechselnde Deutungsgeschichte. Prägend war zunächst die Erstbeschreibung von Gustav Glück (1904) und dessen Deutung als Verlorener Sohn nach Lukas 15,11–32 EU, die aber später von vielen Autoren als Fehldeutung angesehen wurde.<ref name="Mari410" /> Glück sah die Abwendung des in abgerissener Kleidung laufenden Mannes von dem Bordell und seine reumütige Hinwendung zur väterlichen Weide, sowie die Schweinehorde als korrespondierend mit der biblischen Erzählung.

Im Laufe der Zeit wurden Deutungen des Mannes als Landstreicher/Vagabund publiziert, sowie Versuche, die Darstellung im Zusammenhang eines astrologischen Programms zu sehen.<ref name="Mari410" /> Die Hypothese, der Hausierer sei ein Selbstbildnis Boschs wurde von Dirk Hannema 1931 erstmals aufgebracht, für sie gibt es jedoch keinerlei historische Belege.<ref name="Mari411_12" />

So wie das Gesamtbild waren auch die einzelnen Bilddetails Gegenstand unterschiedlicher Interpretationen und Vermutungen über ihren Symbolgehalt.<ref name="Mari411_12" />

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts setzten sich Deutungen durch, dass der Tafel „eine Idee, eine Abstraktion zu Grunde liege“.<ref>Elisabeth Sudeck: Bettlerdarstellungen vom Ende der XV. Jahrhunderts bis zu Rembradt. Straßburg 1931, zitiert nach Marijnissen (1999), S. 410.</ref> Sie zeige einen heimatlosen Hausierer als jemanden, der sein früheres zweifelhaftes Verhalten aufgegeben hat<ref name="Mari411_12">Roger H. Marijnissen: Hieronymus Bosch – Das vollständige Werk. Mercartorfonds Antwerpen/Parkland Verlag Köln, 1999, ISBN 3-88059-971-8, S. 411/412.</ref>. Dabei durchschreitet der Hausierer das Bild von links,<ref name="Fraenger" /> von dessen Treiben er sich nachdenklich abwendet und das ihm böse und lasterhaft erscheint, nach rechts zum Gatter und damit zur „guten Seite“ hin zum Rind, das in der Symbolgeschichte als Opfertier galt, und damit Erlösung verheißt.<ref>Stefan Fischer: Der Irrgarten der Bilder. Die Welt des H.B. Callwey, München 2016, S. 181.</ref> In dem Bild wird deutlich, dass „Bosch nicht einen bestimmten Pilger abgebildet hat, sondern den Menschen an sich, dem hier auf Erden eine kurze Zeit gegeben ist, der in seiner Unwissenheit ein sündhaftes Leben führt und darüber nachdenkt.“<ref>Roger H. Marijnissen: Hieronymus Bosch – Das vollständige Werk. Mercartorfonds Antwerpen/Parkland Verlag Köln, 1999, ISBN 3-88059-971-8, S. 415.</ref> Verwiesen wird auf das damals leitmotivische Thema der menschlichen Pilgerreise des homo viator, das eine Metapher für das Leben im Mittelalter darstellte. Jan Koldeweij sieht das Bild vom Gedankengut der Devotio moderna geprägt, die „jeden Gläubigen eindringlich dazu aufrief, das Christentum persönlich zu erleben und durch die individuelle Nachfolge Christi auszufüllen“.<ref>Jan Koldeweij: Hieronymus Bosch in seiner Stadt 's-Hertogenbosch In: Hieronymus Bosch – Das Gesamtwerk. Katalog zur Ausstellung „Jheronimus Bosch“ im Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, 2001, Verlag Belser, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-7630-2563-3, S. 62.</ref>

Datei:Hieronymus Bosch - Triptych of Haywain (outer wings) - WGA2533.jpg
Der Heuwagen, Außenseite, Museo del Prado

Der Hausierer korrespondiert mit einer sehr ähnlichen Darstellung auf den Außenflügeln des Triptychons Der Heuwagen, dessen Hintergrund jedoch anders gestaltet ist, aber dieselbe Intention verfolgt, nämlich den Betrachter zum Überdenken seines eigenen Lebensstils aufzufordern.

Provenienz[Bearbeiten]

Datei:Figdor auction Berlin 001.jpg
Versteigerung des Bildes bei Cassirer in Berlin am 29./30. September 1930 (Zeitungsausschnitt)

Das Bild befand sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Besitz des österreichischen Bankiers und Kunstsammlers Albert Figdor in Wien und wurde 1904 erstmals von Gustav Glück ausführlich beschrieben.<ref name="Mari410" /> Es war einige Jahre zuvor im Pariser Kunsthandel erworben worden.<ref>Lotte Brand Philip: The „Pedlar“ by Hieronymus Bosch, a study in detection, Nederlands Kunsthistorisch Jaarboek, 9/1958, S. 1–81 – zitiert nach Marijnissen (1999), S. 410.</ref> Im Jahr 1930 kam es bei der Versteigerung der Sammlung Figdor an den niederländischen Kunsthändler Jacques Goudstikker, der es 1931 an das Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, verkaufte, wo es sich noch heute befindet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Hartau: Das neue Triptychon von Hieronymus Bosch als Allegorie über den „Unnützen Reichtum“. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte 2005, Band 68, S. 305–338, Modul:JSTOR * Modul:JSTOR:170: attempt to index field 'wikibase' (a nil value).
  • Matthijs Ilsing und Jos Koldewij (Hrsg.), Hieronymus Bosch: Visionen eines Genies. Katalog zur Ausstellung, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-7630-2743-9.
  • Matthijs Ilsing, Jos Koldewij, Ron Spronk, Luuk Hoogstede (Hrsg.), Hieronymus Bosch: Maler und Zeichner, Stuttgart 2016.
  • Jan Koldeweij, Bernhard Vermet, Paul Vandenbroeck: Hieronymus Bosch – Das Gesamtwerk. Katalog zur Ausstellung „Jheronimus Bosch“ im Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, 2001, Verlag Belser, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-7630-2563-3, Seiten 28 (Abb.), 62, 78, 88, 95 und 183–186.
  • Roger H. Marijnissen: Hieronymus Bosch – Das vollständige Werk. Mercartorfonds Antwerpen/Parkland Verlag Köln, 1999, ISBN 3-88059-971-8, S. 410–419.
  • Konrad Renger: Versuch einer neuen Deutung von Hieronymus Boschs Rotterdamer Tondo. In: Oud Holland 1969, Band 84 Nr. 1, S. 67–76, Modul:JSTOR * Modul:JSTOR:170: attempt to index field 'wikibase' (a nil value).

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Der Hausierer – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />