Deseret-Alphabet
Das Deseret-Alphabet war ein im 19. Jahrhundert im Umfeld führender mormonischer Autoritäten und der University of Deseret entwickeltes phonemisches Schriftsystem. Es sollte die englische Orthographie durch eine konsequente Zuordnung von Lauten und Schriftzeichen reformieren und dadurch insbesondere den Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen erleichtern. Das Alphabet entstand 1853 unter der Ägide Brigham Youngs (1801–1877) und orientierte sich deutlich an dem phonographischen System Isaac Pitmans. Das Vorhaben beruhte jedoch nicht allein auf pragmatischen Überlegungen zur Orthographiereform, sondern war zugleich Ausdruck weiterreichender religiös-utopischer Vorstellungen, die auf die Wiederherstellung der menschlichen Ursprache zielten. Ungeachtet der Unterstützung durch die kirchlich-politische Führung Utahs blieb das Alphabet ein Experiment von äußerst begrenzter Wirkung. Zwischen 1859 und 1869 erschienen einige wenige Drucke, darunter zwei Lesebücher sowie eine Ausgabe des Buches Mormon. Hohe Kosten, geringe Verbreitung und schwindendes Interesse führten schließlich dazu, dass das Projekt nach dem Tod Brigham Youngs im Jahr 1877 endgültig aufgegeben wurde.
Wurzeln und frühe Impulse[Bearbeiten]
Die Reform der englischen Orthographie war im 18. und 19. Jahrhundert Teil weitreichender sprachwissenschaftlicher Bestrebungen, die teilweise eine konsequent lautgetreue Schreibung anvisierten.<ref>Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 141f. Bekannt sind insbesondere die Reformversuche von Benjamin Franklin, welcher ebenfalls ein eigenes Alphabet entwarf; Kemp Malone: Benjamin Franklin on Spelling Reform. In: American Speech 1/2 (1925), S. 96–100; Douglas D. Alder [u. a.]: Creating a New Alphabet for Zion. The Origin of the Deseret Alphabet. In: Utah Historical Quarterly 52/3 (1984), S. 275–86, hier: S. 276f.</ref> Maßgeblichen Einfluss gewann Isaac Pitmans (1813–1897) 1837 als phonematische Schrift entwickelte Pitman-Kurzschrift,<ref>Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 141. Pitman entwickelte neben der Kurzschrift, die breite Anwendung fand, ab 1845 (Vorläufer ab 1843) mit dem ebenfalls phonematischen English Phonotypic Alphabet eine deutlich weniger erfolgreiche Langschrift, die auch Young erlernte.</ref> deren Systematik auch auf den aus Preston stammenden George D. Watt (1812–1881) früh prägend wirkte. Im Jahr der Veröffentlichung der Pitmanschen Lautschrift trat Watt nach Begegnungen mit Missionaren der Kirche der Heiligen der Letzten Tage der Kirche bei und wurde von Heber C. Kimball (1801–1868) getauft. 1842 emigrierte er mit seiner Frau nach Illinois und schloss sich der Nauvoo-Gemeinschaft an. Dort unterrichtete er Lautschrift, erstellte stenographische Protokolle offizieller Sitzungen und leitete den Phonographic Club des Ortes. Zu seinen Schülern zählten u. a. Heber C. Kimball, Orson Pratt (1811–1881) und Wilford Woodruff (1807–1898). Auch Brigham Young nahm bei ihm Unterricht und erwog bereits in dieser Frühphase der der Kirche zeitweilig die Entwicklung einer Sprachreform; die Ermordung Joseph Smiths 1844 und die anschließende Flucht Gemeinschaft aus Nauvoo unterbrachen jedoch diese Überlegungen. Watt verließ die Stadt 1846 zu einer Missionsreise nach Großbritannien.<ref>Larry Ray Wintersteen: A History of the Deseret Alphabet, master’s thesis, Brigham Young University 1970, S. 16–18; Douglas D. Alder [u. a.]: Creating a New Alphabet for Zion. The Origin of the Deseret Alphabet. In: Utah Historical Quarterly 52/3 (1984), S. 275–86, hier: S. 277f.; Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 64; Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, S. 19–22. </ref>
Entwicklung des Alphabets[Bearbeiten]
Nach der Ansiedlung im Tal des Großen Salzsees griff Brigham Young seine Reformpläne erneut auf. Am 13. März 1850 leitete er die konstituierende Sitzung des Kuratoriums der University of Deseret und forderte das Gremium in der folgenden Sitzung zur Entwicklung einer Sprachreform auf. Die konkrete Ausarbeitung überließ er dem Kuratorium. In diesem Zusammenhang erscheint erwähnenswert, dass das Bildungsniveau der Mitglieder des Gremiums stark variierte, insgesamt jedoch zum Minimum neigte. Nur wenige Mitglieder hatten eine höhere Schule besucht. Am 20. März legte W. W. Phelps (1792–1872) einen Entwurf zur Reform des lateinischen Alphabets vor, der keinen Bezug zu Pitmans Kurzschrift aufwies. Über Gestalt und Struktur dieses Entwurfs ist nichts überliefert. Als möglich gilt eine Orientierung an den pseudoägyptischen Hieroglyphen Joseph Smiths; nach jüngeren Forschungen könnte es sich bereits um jene Glyphen gehandelt haben, die später im Alphabet von 1853 Verwendung fanden.<ref>Vgl. dazu Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, S. 24–27.</ref> Young zeigte sich grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber dem Vorschlag, stellte jedoch die Frage, ob nicht ein angepasstes lateinisches Alphabet ausreiche und ob eine stärkere Orientierung an der Lautschrift möglich wäre – offenbar verstand Young den Tagesordnungspunkt „Sprachreform“ zu diesem Zeitpunkt nicht lediglich als Anpassung oder Änderung des Alphabets, sondern als umfassende Umwälzung der Sprache, wohl in Anlehnung an die radikalen Sprachvorstellungen Smiths. Der Vorstand vertagte daher weitere Schritte, um das Problem gründlicher zu prüfen. Angestrebt wurde zunächst ein klares und möglichst schlichtes Schriftsystem.<ref>Douglas D. Alder [u. a.]: Creating a New Alphabet for Zion. The Origin of the Deseret Alphabet. In: Utah Historical Quarterly 52/3 (1984), S. 275–86, hier: S. 278; Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, S. 23–27.</ref> Youngs Eindruck, das Gremium verfüge in Fragen der Sprachreform nur über eingeschränkte Sachkompetenz, bewog ihn offenbar dazu, Watt noch während seines Missionsaufenthalts in England nach Utah zurückzuberufen. Gegen Ende des Jahres 1850 erhielt Watt den Befehl zur Rückkehr nach Amerika; im Spätsommer 1851 erreichte er das Gebiet des Großen Beckens. Während seiner Abwesenheit hatte sich das Gremium intensiv dem Aufbau eines Schulsystems in Utah gewidmet; im November 1850 hatten mehrere Mitglieder des Kuratoriums Kritik an der bestehenden Orthographie geäußert und brachten Reformvorschläge ein, die den Lernfortschritt der Schüler beschleunigen sollten.<ref>Douglas D. Alder [u. a.]: Creating a New Alphabet for Zion. The Origin of the Deseret Alphabet. In: Utah Historical Quarterly 52/3 (1984), S. 275–86, hier: S. 278; Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 64.</ref>
Während der Generalkonferenz im April 1852 berichtete Orson Spencer (1802–1855), Kanzler der University of Deseret, über die Bildungsaktivitäten des Kuratoriums; Young betonte dabei die Notwendigkeit einer eindeutigen Laut-Buchstaben-Zuordnung.<ref>Douglas D. Alder [u. a.]: Creating a New Alphabet for Zion. The Origin of the Deseret Alphabet. In: Utah Historical Quarterly 52/3 (1984), S. 275–86, hier: S. 278f.; Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 65f.</ref> Die Reformarbeiten am lateinischen Alphabet stagnierten jedoch und wurden erst im April des folgenden Jahres wieder aufgenommen. John Vance (1794–1882), ein sonst weitgehend unbekannter Akteur, stellte im Kuratorium ein neues System für Konsonanten und Vokale vor, das Lautkombinationen nach phonographischen Prinzipien zusammenfasste. Die Protokolle legen nahe, dass Vance durch eine religiöse Vision zu seinem Vorschlag gebracht worden war.<ref>Zu diesem Aspekt vgl. Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, S. 31.</ref> Das Gremium befand, dass das System etwa halb so viel Schreibaufwand wie das lateinische Alphabet erforderte, aber doppelt so viel Raum wie die Lautschrift beanspruchte. Streitpunkt blieb, ob die Zahl der Zeichen reduziert oder jedem Laut ein eigenes Symbol zugewiesen werden sollte – offenbar eine Folge von Youngs uneinheitlichen Vorstellungen. Vances Vorschlag bildete letztlich einen Kompromiss. In der Sitzung vom 20. September 1853 wurde das Thema Sprachreform abermals aufgegriffen; Young erläuterte dabei, dass sowohl eine phonetische Schrift als auch ein hieroglyphisches System geeignete Mittel darstellen könnten, um Kindern die englische Sprache zu vermitteln.<ref>Douglas D. Alder [u. a.]: Creating a New Alphabet for Zion. The Origin of the Deseret Alphabet. In: Utah Historical Quarterly 52/3 (1984), S. 275–86, hier: S. 278–80; Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 144f.</ref>
Ende Oktober 1853 wurde ein Ausschuss aus Parley P. Pratt (1807–1857), Heber C. Kimball und Watt eingesetzt. Dieser präsentierte am 5. November ein vollständiges Alphabet, das sich als direkte Übernahme von Pitmans phonotypischem System erwies – mit vierzig Zeichen, jeweils einem Laut zugeordnet. Das Kuratorium diskutierten dieses System eingehend; manche Mitglieder forderten, es müsse gänzlich neue Zeichen enthalten, um Verwechslungen mit dem lateinischen Alphabet zu vermeiden. In der Folge legten mehrere Mitglieder eigene Entwürfe vor. Wenige Tage später präsentierte Vance in Anwesenheit Brigham Youngs seinen Vorschlag erneut. Young beharrte darauf, jedem Laut ein eigenes einfaches Zeichen zuzuweisen und keine kombinierten Zeichen zu verwenden. In den folgenden Sitzungen prüfte und benannte das Kuratorium die Zeichen einzeln. Von den vierzig Zeichen der Phonotypie wurden schließlich nur achtunddreißig angenommen.<ref>Douglas D. Alder [u. a.]: Creating a New Alphabet for Zion. The Origin of the Deseret Alphabet. In: Utah Historical Quarterly 52/3 (1984), S. 275–86, hier: S. 280; Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 145; Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, S. 29–33.</ref> Die beiden weggelassenen Buchstaben waren diejenigen für den Diphthong u in mule und den Diphthong oi in oil.<ref>Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 145.</ref> Da das Alphabet dem lateinischen Alphabet ähnelte, ließ es sich mit einiger Übung vergleichsweise leicht lesen.<ref>Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 145.</ref>
Am 24. November 1853 berichtete ein unbekannter Autor in der Deseret News, dass das Kuratorium über die Ergänzung des alten lateinischen Alphabets oder die Entwicklung eines neuen Alphabets debattierte. Zugleich hieß es, die Reform solle den Aposteln in Salt Lake City ermöglichen, so zu schreiben, dass jede Nation und Sprache sie sogleich verstehen könne.<ref>Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 145f.</ref> Der Artikel veranlasste Willard Richards (1804–1854), der zuvor nur selten an Sitzungen des Kuratoriums teilgenommen hatte, an der kommenden Beratung teilzunehmen. Dort erklärte er, Pitmans Phonotypie sei ungeeignet und müsse neu gestaltet werden; Spencer, Phelps und Grant (1816–1856) stimmten zu. Watt verwies auf den Auftrag, möglichst viele bestehende Buchstaben zu erhalten, und Woodruff forderte einen besseren Entwurf. Erst gegen Ende der Sitzung erschien Brigham Young zu den Beratungen und erklärte, die Einführung eines neuen Alphabets sei unproblematisch.<ref>Douglas D. Alder [u. a.]: Creating a New Alphabet for Zion. The Origin of the Deseret Alphabet. In: Utah Historical Quarterly 52/3 (1984), S. 275–86, hier: S. 280f.; Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 146.</ref> Das ausführliche Sitzungsprotokoll des Kuratoriums schließt mit dieser Versammlung ab. Eine knappe Übersicht späterer Aufzeichnungen liefert jedoch Hinweise auf den weiteren Verlauf. Zwischen dem 22. November und dem 22. Dezember beschäftigte sich das Kuratorium mit dem neuen Alphabet und beauftragte den Ausschuss, ein Lautschriftalphabet zu entwickeln, das sich grundlegend vom lateinischen Alphabet unterscheide. Am 22. Dezember 1853 wurde das Ergebnis einstimmig angenommen.<ref>Douglas D. Alder [u. a.]: Creating a New Alphabet for Zion. The Origin of the Deseret Alphabet. In: Utah Historical Quarterly 52/3 (1984), S. 275–86, hier: S. 282; Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 146f.; Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, S. 31–37.</ref> Die Bezeichnung als Deseret-Alphabet setzte sich erst im Lauf der Zeit durch.<ref>Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, S. 39.</ref>
Mögliche Inspirationsquellen der Glyphen[Bearbeiten]
Die Herkunft der Zeichen des Deseret-Alphabets ist unklar. Zahlreiche Autoren haben versucht, die Inspirationsquellen für die ungewöhnlichen Glyphen zu identifizieren. Teilweise sind die Zeichen mit denen verglichen worden, die Smith auf den Platten des Buchs Mormon verglichen worden. Die Ähnlichkeiten beschränken sich auf jene Zeichen welche griechischen Buchstaben ähneln. Es wurden Anleihen am hebräischen, phönizischen, äthiopischen und griechischen Alphabeten diskutiert. Einige Zeichen sind offenkundig Abwandlungen lateinischer Buchstaben. Die Laute des Alphabets entstammen der Pitmanschen Lautschrift.<ref>Vgl. dazu insbes. Douglas D. Alder [u. a.]: Creating a New Alphabet for Zion. The Origin of the Deseret Alphabet. In: Utah Historical Quarterly 52/3 (1984), S. 275–86, hier: S. 282–84; und Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, S. 89–105. auch: Stanley S. Ivins: The Deseret Alphabet. In: Utah Humanities Review 1/3 (1947), S. 223–39, hier: S. 228f.; Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 67; Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 147.</ref>
Konzeption und Aufbau[Bearbeiten]
Das Deseret-Alphabet erfuhr unmittelbar nach seiner Einführung im Jahr 1853 mehrere Modifikationen und Neuordnungen; verschiedene Fassungen waren parallel in Gebrauch.<ref>Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 71; Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, S. 39. Für einen Überblick über das Thema und einem Vergleich der unterschiedlichen Fassungen vgl. Kenneth R. Beesley: Typesetting the Deseret Alphabet with LaTeX and metafront. In: TeX, XML, and Digital Typography, hrsg. v. Apostolos Syropoulos [u. a.], Berlin/Heidelberg 2004, S. 68–111, insbes. S. 74ff.</ref> Allerdings bildete eine Version mit 38 Zeichen (mit leichten Abweichungen) die Grundlage für sämtliche Druckerzeugnisse.<ref>Kenneth R. Beesley: Typesetting the Deseret Alphabet with LaTeX and metafront. In: TeX, XML, and Digital Typography, hrsg. v. Apostolos Syropoulos [u. a.], Berlin/Heidelberg 2004, S. 68–111, hier: S. 92f.; Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 71</ref> Jedes Zeichen erschien in nur einer Form; Groß- und Kleinschreibung unterschieden sich ausschließlich durch die Größe.<ref>Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 71.</ref> Gestalterische Elemente wie Ober- und Unterlängen oder diakritische Zeichen wurden bewusst vermieden.<ref>Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 71.</ref> Daraus resultierte ein homogener, monotoner Stil, der beim Lesen rasch ermüdete.<ref>Kenneth R. Beesley: Typesetting the Deseret Alphabet with LaTeX and metafront. In: TeX, XML, and Digital Typography, hrsg. v. Apostolos Syropoulos [u. a.], Berlin/Heidelberg 2004, S. 68–111, hier: S. 81, 92; Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 76, Anm. 47. </ref> Eine Schreibschrift bestand nicht.<ref>Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 147.</ref>
Das Alphabet war phonematisch angelegt: Jedem der achtunddreißig Zeichen war – zumindest der Konzeption nach – ein eindeutig definierter Laut des Englischen zugeordnet.<ref>Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 71.</ref> Damit sollten die Unregelmäßigkeiten der englischen Orthographie umgangen und der Spracherwerb für Kinder wie auch für nichtenglischsprachige Einwanderer erleichtert werden.<ref>Samuel Monson: Deseret Alphabet. In: Encyclopedia of Mormonism, Bd. 1, New York 1991, S. 373–74; Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 143, 147.</ref> Diese phonematische Zuordnung wurde allerdings nicht konsequent durchgehalten. Die Zeichen konnten sowohl ihren lautlichen Wert als auch ihren konventionellen Buchstabennamen repräsentieren. So schrieb etwa Watt people als ppl und setzt damit voraus, dass der Leser das erste p als pi artikuliert, also gemäß dem traditionellen Namen des Buchstabens beim Aufsagen des Alphabets.<ref>Kenneth R. Beesley: Typesetting the Deseret Alphabet with LaTeX and metafront. In: TeX, XML, and Digital Typography, hrsg. v. Apostolos Syropoulos [u. a.], Berlin/Heidelberg 2004, S. 68–111, hier: S. 79f.</ref> Da dem Alphabet der Schwa-Laut als grundlegender englischer Laut fehlte, erforderte dies bei Teilen des Wortschatzes eine Neuschreibung auf Grundlage der traditionellen Rechtschreibung.<ref>Samuel Monson: Deseret Alphabet. In: Encyclopedia of Mormonism, Bd. 1, New York 1991, S. 373–74.</ref>
Motivationen und Zielsetzungen der Reform[Bearbeiten]
Warum die Mormonen einen solch beträchtlichen Aufwand für eine Alphabetreform betrieben, bleibt letztlich schwer zu erklären. Die Regierung Utahs investierte trotz zahlreicher vordringlicher Aufgaben erhebliche Mittel in die außerhalb des Territoriums erfolgende Herstellung der Lettern – ein bemerkenswerter Ressourceneinsatz für eine Gemeinschaft, deren Kräfte zu jener Zeit vor allem durch die Konsolidierung ihrer Ansiedlungen am Großen Salzsee gebunden waren. Im mittleren 19. Jahrhundert herrschte innerhalb der Kirche die Erwartung einer umfassenden Sprachreform und der Wiederherstellung der vollkommenen Sprache des Paradises vor dem Sündenfall und der babylonischen Sprachverwirrung.<ref>Zu diesem Aspekt siehe Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, insbes. S. 136–54.</ref> Frühere Verlautbarungen der Deseret Typographical Association betonten, das Alphabet sei lediglich der erste Schritt dieser Reform. Das Projekt ist damit auch als Teil einer breiteren Vision zu begreifen, in der religiöse, politische und wirtschaftliche Ziele verschmolzen und eine ideale Ordnung bis zur Wiederkunft Christi vorbereitet werden sollte.<ref>Stanley S. Ivins: The Deseret Alphabet. In: Utah Humanities Review 1/3 (1947), S. 223–39, hier: S. 224; Douglas D. Alder [u. a.]: Creating a New Alphabet for Zion. The Origin of the Deseret Alphabet. In: Utah Historical Quarterly 52/3 (1984), S. 275–86, hier: S. 285f.</ref> Brigham Young verstand die Alphabetreform als Bestandteil eines umfassenden zivilisatorischen und religiösen Programms, das alle Bereiche der entstehenden „Zionsgesellschaft“ – von Sprache, Erziehung und Ökonomie bis hin zu Körperdisziplin, Mission und sozialer Ordnung – durchdringen und normieren sollte. Daraus leitete sich die Erwartung ab, das neue, in seinem Konzept strikt phonetische Schriftsystem könne nicht nur den inneren Zusammenhalt der Gemeinschaft festigen, sondern zugleich als effizientes Instrument missionarischer Expansion dienen, indem es die rasche Alphabetisierung von Konvertiten unterschiedlicher Herkunft erleichterte und so die universale Zugänglichkeit des Evangeliums beförderte.<ref>Stanley S. Ivins: The Deseret Alphabet. In: Utah Humanities Review 1/3 (1947), S. 223–39, hier: S. 224; Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 142; vgl. auch Max Perry Mueller: “One in Faith, One in Color, One in Language” – The Deseret Alphabet and Early Latter-day Saint Theologies of Racial Restoration. In: Journal of the American Academy of Religion 94/1 (2026), S. 81–105.</ref> Praktische Überlegungen spielten ebenfalls eine Rolle. Das Alphabet sollte das Lesenlernen erleichtern und die Schulzeit verkürzen. Außerdem galt es als Möglichkeit, Nicht-Muttersprachlern das Erlernen des Englischen zu erleichtern. Spätere Theorien, nach denen das Alphabet Kinder vor äußeren Einflüssen schützen sollte, finden in den zeitgenössischen Quellen keine Bestätigung.<ref>Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 71f.</ref> Jüngere Untersuchungen heben den Charakter des Alphabets als Geheimschrift hervor.<ref>Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, S. 121–30.</ref>
Implementierung, praktische Hindernisse und Scheitern[Bearbeiten]
Die Einführung des neuen Alphabets erfolgte schrittweise und stieß von Anfang an auf praktische Hindernisse. Bereits 1854 kündigte die Deseret News an, dass das Alphabet zunächst für den Schulunterricht eingesetzt werden solle. Die ersten Lehrkräfte waren lokale Lehrer sowie Mitarbeiter des Historian’s Office. Ein zentrales Problem erwies sich jedoch das Fehlen geeigneter Drucktypen.<ref>Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 68.</ref> Mehrere Versuche, die Lettern lokal herzustellen, scheiterten; erst 1857 wurden in St. Louis Lettern gegossen, deren Qualität Young jedoch als unzureichend bewertete. Zuvor hatten Diskussionen über mögliche Änderungen am Alphabet die weitere Umsetzung erheblich behindert. Zwischen 1854 und 1855 wurde zeitweilig das vierzig Buchstaben umfassende Alphabet erprobt. Im August 1854 schlug Watt Young ein alternatives Alphabet mit dreiunddreißig Buchstaben vor, zeigte Beispiele in Schreibschrift und verglich seine Modifikation sowohl mit dem bestehenden Deseret-Alphabet als auch mit Pitmans Phonotypie. Als zentrales Problem machte Watt aus, dass Buchstaben in Deseret teils entgegen der Schreibrichtung geschrieben werden mussten. Young lehnte Änderungen am Alphabet jedoch ab.<ref>Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 68f.; Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 150f.</ref> Schließlich führten der Utah-Krieg und der Amerikanische Bürgerkrieg dazu, dass das Projekt nahezu vollständig zum Erliegen kam.<ref>Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 69.</ref> Zwischen 1859 und 1860 sowie erneut 1864 erschienen in der Deseret News mehrere Artikel in einer Version des Alphabets, das jenen der Lesebücher und des Buches Mormon in Deseret im Wesentlichen entsprach.<ref>Kenneth R. Beesley: Typesetting the Deseret Alphabet with LaTeX and metafront. In: TeX, XML, and Digital Typography, hrsg. v. Apostolos Syropoulos [u. a.], Berlin/Heidelberg 2004, S. 68–111, hier: S. 92.</ref> Ein Versuch Youngs, 1862 die Veröffentlichung eines Lesebuchs in der von ihm in diesem Zusammenhang als „trash“ bezeichneten Standardschrift zu verhindern, scheiterte.<ref>Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 156.</ref> Zwischen 1866 und 1867 bevorzugte der wechselmütige Young zeitweilig die Pitman-Lautschrift gegenüber dem Deseret-Alphabet und Watt warb für die Einführung des seiner Meinung nach dem System von Pitman überlegenen Graham-Systems.<ref>Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 158.</ref>
1868 kam neuer Schwung in das Projekt: das Das Kuratorium beschloss, zwei Lesefibeln<ref>Zu den Lesebüchern vgl. insbes. Leah R. Frisby/Hector Lee: The Deseret Readers. In: Utah Humanities Review 1/3 (1947), S. 240–44.</ref> für Grundschüler in Deseret drucken zu lassen. Orson Pratt (1811–1881) erstellte die Manuskripte, und David O. Calder (1823–1884) beaufsichtigte den Druck in New York. Einige tausend Exemplare wurden gedruckt und nach Utah versandt. Dort offenbarten sich eklatante Fehler in den Büchern. 1869 folgte eine Ausgabe des Book of Mormon im Deseret-Alphabet, allerdings nur in einer geringen Auflage von 500 Exemplaren.<ref>Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 69f.</ref> Zur Veröffentlichung der bereits in Manuskripten vorliegenden Bibel in Deseret kam es nie. Die vier Bände blieben letztlich die einzigen in Deseret gedruckten Werke.<ref>Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, S. 159.</ref>
Trotz intensiver Bemühungen fand das Alphabet in der Bevölkerung weitgehend keine Beachtung. Einige Schulen in Utah verwendeten die neuen Bücher, und kleinere Gruppen sowie einzelne Lehrer erprobten das System. Es erscheint in wenigen privaten Tagebüchern und kirchlichen Dokumenten der Zeit; zeitweilig wurden Münzen in Deseret geprägt, und vereinzelt finden sich die Zeichen sogar auf Grabsteinen. Doch all dies blieben Randerscheinungen. Die große Mehrheit der Mormonen zeigte weder Bereitschaft noch Interesse, ein völlig neues Schriftsystem zu erlernen, da sie ja bereits mit dem herkömmlichen Alphabet vertraut war. Für Personen, die gerade Englisch lernten, bot das Deseret-Alphabet nur wenig geeigneten Lesestoff, während das lateinische Alphabet über eine breite Textbasis verfügte – erst recht, nachdem 1869 die Eisenbahn Utah erreicht hatte.<ref>Samuel Monson: Deseret Alphabet. In: Encyclopedia of Mormonism, Bd. 1, New York 1991, S. 373–74; Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 71f.; Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009, hier: S. 156.</ref> Lehrer lehnten die Reform weit überwiegend ab.<ref>Stanley S. Ivins: The Deseret Alphabet. In: Utah Humanities Review 1/3 (1947), S. 223–39, hier: S. 227ff.</ref>
Bereits in der zweiten Hälfte des Jahres 1870 zeichnete sich das Scheitern des Alphabets deutlich ab. Besonders augenfällig zeigte sich dies darin, dass die Deseret News in dieser Zeit den Verkauf von in Deseret gesetzten Büchern einstellte. Im Verlauf der 1870er Jahre verschwand das Alphabet vollständig aus dem öffentlichen Diskurs.<ref>Larry Ray Wintersteen: A History of the Deseret Alphabet, master’s thesis, Brigham Young University 1970, S. 40; Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 70.</ref> 1877 reiste Orson Pratt nach England, um das Buch Mormon und die Lehre und Bündnisse im Pitman-Lautschrift drucken zu lassen – ein Zeichen dafür, dass Young auch weiterhin an die Notwendigkeit einer Reform des lateinischen Alphabets glaubte.<ref>Larry Ray Wintersteen: A History of the Deseret Alphabet, master’s thesis, Brigham Young University 1970, S. 40; Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 70.</ref> Mit dem Tod Youngs war das mormonische Experiment einer umfassenden Orthographiereform im August 1877 endgültig gescheitert.<ref>Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 70.</ref>
Als zentrale Faktoren für das Scheitern des Projekts<ref>Vgl. dazu insbes. Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, S. 66–71.</ref> gelten u. a. erhebliche finanzielle Belastungen durch den Druck und die Distribution eigener Lehrmittel, die insgesamt über 20.000 Dollar betrugen, während lediglich ein geringer Teil der Aufwendungen über Verkäufe kompensiert werden konnte. Mit dem Bau der transkontinentalen Eisenbahn im Jahr 1869 gelangten zudem kostengünstige Druckerzeugnisse von der Ostküste nach Utah; die Exklusivität des neuen Alphabets wurde wirtschaftlich sinnlos.<ref>Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 73f.</ref> Erschwerend wirkte ferner das Fehlen eines staatlich organisierten Schulwesens, das eine flächendeckende Durchsetzung des Systems hätte gewährleisten können.<ref>Stanley S. Ivins: The Deseret Alphabet. In: Utah Humanities Review 1/3 (1947), S. 223–39, hier: S. 227f.</ref> Zeitgenössische nicht-mormonische Presseorgane kritisierten das Vorhaben zudem scharf und werteten die finanziellen Aufwendungen als Missbrauch von Mitteln der öffentlichen Bildungsförderung. In der breiten Bevölkerung Utahs wurde das Projekt schließlich zunehmend als antiquiert, provinziell und fehlgeleitet wahrgenommen.<ref>Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, S. 66.</ref> Zuletzt starb mit Brigham Young auch der maßgebliche Förderer und die treibende Kraft hinter dem Projekt; Reformen des Schriftsystems verschwanden nun von der Agenda der Kirchenleitung.<ref>Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 70.</ref>
Moderne Linguistik und populäre Rezeption[Bearbeiten]
Nach dem Tod Brigham Youngs wurde das Vorhaben einer grundlegenden alphabetischen Reform von den Mormonen nicht weiter verfolgt. Das Deseret-Alphabet gilt seither als kulturhistorische Kuriosität und als markantes Beispiel für Sprachplanung im 19. Jahrhundert, das sich insbesondere durch seine religiöse Komponente von anderen zeitgenössischen Projekten abhebt. Da das System phonematisch konstruiert war, erlaubte seine Schreibung einen unmittelbaren Rückschluss auf die zeitgenössische Aussprache – zumindest auf jene der Personen, die an seiner Entwicklung beteiligt waren. Auffällig ist etwa die Transkription von Deseret, die nicht dem heute üblichen de-ze-ret [ˌdɛ.zəˈɹɛt], sondern einem de-see-ret [ˌdɛ.siːˈɹɛt] entspricht. Weitere im Utah-Territorium belegte Aussprachen lauten harse (horse), farbid (forbid), shart (short), barn (born) und archurd (orchard); ebenso nur-see-ri (nursery), e-nee-mi (enemy) und to-urds (towards). Mitunter wurde vermutet, das Alphabet habe ungewöhnliche regionale Akzente im Gebiet des Großen Beckens hervorgebracht. Angesichts seiner geringen Verbreitung kann dies allerdings ausgeschlossen werden. Die im Schriftbild erkennbaren Varianten geben vielmehr bereits bestehende lokale Ausspracheformen wieder.<ref>Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76, hier: S. 71.</ref> Darüber hinaus hat das Alphabet über die Aufzeichnungen von Marion Jackson Shelton als Träger wertvoller historischer Daten für die moderne Hopi-Linguistik Bedeutung erlangt.<ref>Kenneth R. Beesley/Dirk Elzinga: An 1860 English-Hopi Vocabulary Written in the Deseret Alphabet, Salt Lake City 2015.</ref>
Ab dem ausgehenden 20. Jahrhundert erlangte das Alphabet in populären und künstlerischen Kontexten vermehrte Präsenz.<ref>Kenneth R. Beesley: The Deseret Alphabet in Unicode. In: Proceedings of the 22nd International Unicode Conference, Bd. 2, San Jose 2002, Consortium Paper C10, S. 1–43, hier: S. 37–39.</ref> Seit der Aufnahme des Alphabets in Unicode 2001 als Unicodeblock Mormonenalphabet hat sich zudem eine kleine, aber aktive Fankultur herausgebildet, die vor allem im digitalen Raum agiert. Sie setzt sich aus linguistisch und historisch interessierten Laien sowie Künstlern zusammen, die das Alphabet in Memes, typographischen Experimenten und Rekonstruktionsversuchen als „lebendige Tradition“ bewusst weiterführen und popularisieren.<ref>Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026, S. 155–72; vgl. auch Jodi Heckel: Researchers make Deseret Alphabet texts available for study, online auf phys.org, 6. April 2022 [Zugriff am 23. März 2026].</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Douglas D. Alder [u. a.]: Creating a New Alphabet for Zion. The Origin of the Deseret Alphabet. In: Utah Historical Quarterly 52/3 (1984), S. 275–86.
- Richard G. Moore: The Deseret Alphabet Experiment. In: The Religious Educator 7/3 (2006), S. 63–76.
- Ronald G. Watt: The Mormon Passage of George D. Watt. First British Convert, Scribe for Zion, Logan 2009.
- Ryan K. Shosted/Neal E. Davis: The Deseret Alphabet. A Fixed and Unalterable Sound, Illinois 2026.
Weblinks[Bearbeiten]
Anmerkungen[Bearbeiten]
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