Differentielle Entropie
Die differentielle Entropie ist ein Begriff aus der Informationstheorie und stellt ein Maß für die Entropie einer kontinuierlichen Zufallsvariable dar, ähnlich der Shannon-Entropie für diskrete Zufallsvariablen.
Genaugenommen ist sie eine Kennzahl einer Wahrscheinlichkeitsverteilung. Sie kann zum Vergleich zweier kontinuierlicher Zufallsvariablen herangezogen werden, besitzt jedoch nicht die gleiche Aussage wie die Shannon-Entropie. Einen Versuch die differentielle Entropie anzupassen, um ähnliche Eigenschaften wie die der Shannon-Entropie zu erhalten, ist die "limiting density of discrete points" von Edwin Thompson Jaynes.<ref>Edwin Thompson Jaynes: Prior Probabilities. In: IEEE Transactions on Systems Science and Cybernetics. Band 4, Nr. 3, 1968, ISSN 0536-1567, S. 227–241, doi:10.1109/TSSC.1968.300117 (wustl.edu [PDF; abgerufen am 1. April 2021]).</ref>
Definition[Bearbeiten]
Eine kontinuierliche Zufallsvariable <math>X</math> kann unendlich viele Werte annehmen, d. h. könnte man ihre Werte exakt ermitteln, wäre die Wahrscheinlichkeit <math>P(\cdot)</math> für einen bestimmten Wert <math>x_0</math> gleich Null:
- <math>P(X = x_0) = \lim_{\varepsilon \to 0} \varepsilon f_X(x_0) = 0</math>
Und somit der Informationsgehalt eines jeden Werts unendlich:
- <math>\lim_{p_x \to 0} I(p_x) = -\lim_{p_x \to 0} \log_2(p_x) = \infty</math>
Sei <math>X</math> eine kontinuierliche Zufallsvariable mit der Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion <math>f_X</math>, dann ist ihre differentielle Entropie definiert als
- <math>h(X) = - \int_{-\infty}^{+\infty} f_X(x) \log f_X(x) \, \text{d}x = E[-\log f_X(x)]</math>
Im Gegensatz zur Shannon-Entropie kann die differentielle Entropie auch negativ sein.
Da die differentielle Entropie nicht skalierungsinvariant ist (s. u.), empfiehlt es sich, die Zufallsvariable geeignet zu normieren, sodass sie dimensionslos ist.
Eigenschaften[Bearbeiten]
- Die differentielle Entropie ist verschiebungsinvariant, d. h. <math>h(X + c) = h(X)</math> für konstante <math>c</math>. Es ist somit hinreichend, mittelwertfreie Zufallsvariablen zu betrachten.
- Für die Skalierung gilt: <math>h(A \textbf{X}) = h(\textbf{X}) + \log_2(|A|)</math> mit dem Zufallsvektor <math>\textbf{X} \in \mathbb{R}^n</math> und dem Betrag der Determinante <math>|A|</math>.
Differentielle Entropie für verschiedene Verteilungen[Bearbeiten]
Für eine gegebene Varianz <math> \sigma_x^2</math> besitzt die Gauß-Verteilung die maximale differentielle Entropie, d. h. ihre „Zufälligkeit“ oder ihr Überraschungswert ist – verglichen mit allen anderen Verteilungen – am größten. Sie wird deshalb auch zur Modellierung von Störungen beim Kanalmodell verwendet, da sie ein Worst-Case-Modell für Störungen darstellt (siehe auch additives weißes gaußsches Rauschen).
Für einen endlichen Wertebereich, d. h. ein gegebenes Betragsmaximum besitzt eine gleichverteilte Zufallsvariable die maximale differentielle Entropie.
| Verteilung | Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion | Differentielle Entropie (in Bit) | Träger |
|---|---|---|---|
| Gleichverteilung | <math>f(x) = \frac{1}{2a}</math> | <math>\log_2(2a)</math> | <math>[-a,+a]</math> |
| Normalverteilung | <math>f(x) = \frac{1}{\sqrt{2\pi\sigma^2}} \exp\left(-\frac{(x-\mu)^2}{2\sigma^2}\right)</math> | <math>\frac{1}{2} \log_2 (2 \pi e \sigma_x^2) </math> | <math>(-\infty,\infty)</math> |
| Laplace-Verteilung | x - \mu|}{\sigma_x} \right)</math> | <math>\frac{1}{2} \log_2 (2 e^2 \sigma_x^2 )</math> | <math>(-\infty,\infty)</math> |
| Symmetrische Dreiecksverteilung | <math>f(x) =
\begin{cases} \frac{1}{a} \left( 1 - \frac{|x|}{a} \right) & \forall \; |x| \leq a \\
0 & \forall \; |x| > a
\end{cases}</math> || <math>\frac{1}{2} \log_2 (6 e \sigma_x^2)</math>||<math>[0,1]</math> |
Literatur[Bearbeiten]
- Thomas M. Cover, Joy A. Thomas: Elements of Information Theory. John Wiley & Sons, 1991, ISBN 0-471-06259-6, S. 224–238.
- Martin Werner: Information und Codierung. Grundlagen und Anwendungen, 2. Auflage, Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-8348-0232-3.
- Peter Adam Höher: Grundlagen der digitalen Informationsübertragung. Von der Theorie zu Mobilfunkanwendungen, 1. Auflage, Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8348-0880-6.
Weblinks[Bearbeiten]
- Differential Entropy, Wolfram Mathworld
- Informations- und Codierungstheorie (abgerufen am 2. Februar 2018)
- Entropie différentielle (abgerufen am 2. Februar 2018)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />