Dignitatis Humanae Institute
Das Dignitatis Humanae Institute (DHI) ist eine Organisation, die nach eigenen Angaben „auf der Grundlage der Erkenntnis, dass der Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen“ sei, die „jüdisch-christlichen Grundlagen der westlichen Zivilisation verteidigen“ will.<ref>Überschrift im Banner. Abgerufen am 13. Januar 2024: „Defending the Judaeo-Christian foundations of Western civilisation through the recognition that Man is made in the Image and Likeness of God“</ref> Sitz der Organisation ist Rom. In der Presse wurde das DHI als „ultrakonservative katholische Denkfabrik“ bezeichnet.<ref>Gladiatoren für Bannon. NZZ, 23. Januar 2019, abgerufen am 13. Januar 2024.</ref>
Zielsetzung und Herleitung des Namens[Bearbeiten]
Das DHI versteht sich als Antwort auf eine angebliche säkularistische Intoleranz gegenüber Christen aller Konfessionen, die zu einer Vielzahl von Angriffen auf die Menschenwürde geführt habe.<ref>About the Institute, dignitatishumanae.com</ref><ref name="humanistfederation.eu anti-choice think-tank">humanistfederation.eu (EHF): Dignitatis Humanae Institute is an anti-choice think-tank (6. März 2017)</ref> Sein Name leitet sich von der Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Religionsfreiheit, Dignitatis humanae („Würde des Menschen“) ab, die Papst Paul VI. am 7. Dezember 1965 promulgierte. Wesentliche Inhalte der Erklärung sind die allgemeine Grundlegung der Religionsfreiheit und deren Betrachtung im Licht der Offenbarung.
Geschichte[Bearbeiten]
Die Organisation wurde am 8. Dezember 2008 in Brüssel von Benjamin Harnwell<ref name="dignitatishumanae.com BENJAMIN HARNWELL">dignitatishumanae.com: Benjamin Harnwell (7. März 2017)</ref> zusammen mit Nirj Deva gegründet, einem Mitglied des EU-Parlaments. Später siedelte es nach Rom um.<ref name="zeit.de pöttering 3-3-017" />
Den Anstoß zur Gründung des DHI soll die gescheiterte Bewerbung des italienischen Politikers Rocco Buttiglione für die EU-Kommission gegeben haben. Buttiglione war 2004 als Europaminister im Kabinett Silvio Berlusconis von der italienischen Regierung als Vizepräsident der Kommission vorgeschlagen worden. In einer Anhörung des EU-Parlaments hatte er daraufhin die Ansicht vertreten, Homosexualität sei „Anzeichen für moralische Unordnung“, und die Familie diene vor allem dazu, dass Frauen in einem geschützten Raum Kinder bekommen könnten. Dies provozierte so viel Protest, dass Buttiglione auf seine Kandidatur verzichtete. Unterstützer Buttigliones wandten ein, dieser habe lediglich die Lehre der katholischen Kirche vertreten und würde nun von der säkularen Öffentlichkeit verurteilt.<ref name="zeit.de pöttering 3-3-017" />
Benjamin Harnwell steht dem rechtskonservativen US-amerikanischen Publizisten und ehemaligen Trump-Berater Stephen Bannon<ref>Matthias Rüb: Ein Kloster für „Alt-Right“: „Gladiatorenschule für Kulturkrieger“. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 14. Januar 2019]).</ref> nahe. Zudem wurde das DHI von dem traditionalistischen US-Kardinal Raymond Leo Burke<ref name=":0">Frederic Martel: Sodom. S. Fischer, Frankfurt/Main 2019, ISBN 978-3-10-397483-6, S. 59 ff.</ref> unterstützt, bis sich dieser 2019 nach einem Zerwürfnis mit Bannon von der Organisation distanzierte.
Kartause Trisulti[Bearbeiten]
Anfang 2018 konnte das DHI nach Zustimmung des italienischen Kulturministeriums unter dem MoVimento-5-Stelle-Politiker Alberto Bonisoli (im Kabinett Conte) die mittelalterliche und als „einer der schönsten Orte Italiens“ bezeichnete Kartause Trisulti (seit 1873 Monumento nazionale) für € 100.000 Pacht pro Jahr als Fortbildungs-, Schulungs- und Veranstaltungsstätte sowie Studienzentrum übernehmen;<ref>Abbey of 6th Century Marian Apparition Now Under DHI Management. Abgerufen am 30. Mai 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Dieser italienische Think Tank hofiert Steve Bannon. br.de, 19. Oktober 2018, Zugriff am 30. Januar 2019</ref> Stephen Bannon und Benjamin Hartwell wollten hier eine Kaderschmiede für nationalistisch gesinnte Politiker traditionalistische Katholiken im Sinne der Ideen der „Konservativen Revolution“ aufbauen.<ref name=":0" /> Die Absolventen sollten in den Medien, bei politischen Kampagnen oder als leitende Angestellte in Regierungen tätig sein.<ref>Steve Bannon mietet ein Kloster in Italien – doch seine Pläne drohen zu versanden. Watson, 6. Mai 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. Mai 2019; abgerufen am 19. Mai 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Benjamin Harnwell erläuterte, das neue Institut werde „halb mittelalterlicher Campus, halb Gladiatorenschule“ und die „geistige Heimat von Bannons Gedankengut“ darstellen.<ref>In uralter Klosteranlage: Ex-Trump-Berater Bannon will mit „Gladiatorenschule für Kulturkämpfer“ Europa erobern. focus.de, 21. Januar 2019.</ref> Man wolle „das spirituelle Zuhause des Bannonismus sein“.<ref>Gladiatoren für Bannon. NZZ, 23. Januar 2019, abgerufen am 13. Januar 2024.</ref> Zur Finanzierung wandte sich Harnwell über Bannon an rechtsgerichtete amerikanische Stiftungen und an den amerikanischen Präsidenten Donald Trump.<ref name=":0" />
Im Mai 2019 leitete das italienische Kultusministerium ein Verfahren zum Entzug der Pacht wegen der „Verletzung vertraglicher Verpflichtungen“ ein. Einem Bericht zufolge wurde Dignitatis Humanae unter anderem vorgeworfen, ein gefälschtes Gutachten zum Finanzierungsplan vorgelegt zu haben.<ref>Minister bekräftigt Aus für Populisten-Akademie. KNA über domradio.de, 20. Juni 2019, abgerufen am 21. Juni 2019.</ref> Mitte März 2021 entschied das Oberste Verwaltungsgericht nach einem Rechtsstreit über mehrere Instanzen, die Stiftung müsse die gemietete Liegenschaft räumen. Im Juli 2021 wurde der Pachtvertrag mit der Übergabe des Objekts an den italienischen Staat rechtskräftig aufgelöst.<ref>Bannons geplatzter Traum von der Gladiatorenschule. faz.net, 27. Juli 2021, abgerufen am 30. August 2022.</ref>
Struktur[Bearbeiten]
Präsidentschaft[Bearbeiten]
Leiter und Präsident ist der Brite Benjamin Harnwell,<ref name="dignitatishumanae.com BENJAMIN HARNWELL"/> ein früherer Mitarbeiter des EU-Parlaments.<ref name="zeit.de pöttering 3-3-017" /> Ehrenpräsident war zunächst der frühere vatikanische Spitzendiplomat Renato Raffaele Kardinal Martino, der im Januar 2019 den Ehrenvorsitz niederlegte. Sein Nachfolger Raymond Leo Burke beendete bereits im Juni 2019 die Zusammenarbeit mit dem Institut und distanzierte sich gleichzeitig von Bannon.<ref>Kardinal Burke distanziert sich von Steve Bannon. Abgerufen am 24. Juli 2021.</ref>
Beirat[Bearbeiten]
Zum Beirat gehören unter anderen Kurienkardinal Robert Sarah und Kardinal Walter Brandmüller.
Schirmherrschaften (Auswahl)[Bearbeiten]
- Gründungspate („Founding Patron“) war Rocco Buttiglione.
- Matthew Festing († 2021), bis 2017 Großmeister des Malteserordens
- Otto von Habsburg († 2011)
- Kurienbischof Marcelo Sánchez Sorondo
Anfang März 2017 legte nach einem kritischen Bericht in der Christ und Welt der CDU-Politiker und ehemalige EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering seine 2013 auf Empfehlung des römischen Kardinals Renato Raffaele Martino übernommene Schirmherrschaft über die Organisation nieder. Das Institut, so Pöttering zur Begründung, unterhalte Verbindungen zu „Personen in Amerika, aber auch hier aus dem Bereich der Kirche“, mit denen er „nicht identifiziert werden möchte“.<ref name="zeit.de pöttering 3-3-017">Julius Müller-Meiningen, Raoul Löbbert: Hans-Gert Pöttering – Schutzpatron der guten Sache, Zeit Online, 3. März 2017</ref><ref>CDU-Politiker distanziert sich von katholischem Institut, Radio Vatikan, 23. Februar 2017</ref>
Finanzierung[Bearbeiten]
Die Organisation finanziert sich aus Spenden.<ref name="humanistfederation.eu anti-choice think-tank"/>
Allgemeine Erklärung der Menschenwürde[Bearbeiten]
Bei seiner Gründung veröffentlichte das DHI am 8. Dezember 2008 eine Universal Declaration of Human Dignity („Allgemeine Erklärung der Menschenwürde“). Darin wird „die Anerkennung der Tatsache, dass das eigene Menschsein nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurde“ als „vorrangiges Menschenrecht“ bezeichnet.<ref>Universal Declaration of Human Dignity. Abgerufen am 13. Januar 2024.</ref>
Veranstaltungen[Bearbeiten]
Das DHI veranstaltete jährliche Kongresse zu bestimmten Themen:
- 2012 (Im römischen Büro des Europäischen Parlaments): The Role of Christians in the Public Square („Die Rolle der Christen in der Öffentlichkeit“)
- 2013 (im Palazzo Casino di Pio IV., mit einer Audienz beim Papst): Squeezed between European and national legal orders: Is there room for Christianity? („Zwischen europäische und nationale Rechtsordnungen gepresst: Gibt es Raum für die Christenheit?“)
- 2014: (im Palazzo Casino di Pio IV.) Poverty and the Common Good: Putting the "preferential option for the poor" at the service of human dignity („Armut und das Gemeinwohl: Die ‚Option für die Armen‘ im Dienste der Menschenwürde“)
- 2015: The persecuted church: discipleship in the 21st century („Die verfolgte Kirche: Jüngerschaft im 21. Jahrhundert“)<ref>dignitatishumanae.com: Conferences (7. März 2017)</ref>
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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