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Dimethylquecksilber

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Struktur von Dimethylquecksilber
Allgemeines
Name Dimethylquecksilber
Andere Namen

Dimethylhydrargyrum (Latein)

Summenformel C2H6Hg
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit süßlichem Geruch<ref name="GESTIS"/>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 209-805-3
ECHA-InfoCard 100.008.916
PubChem 11645
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 230,65 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

3,1 g·cm−3 <ref name="GESTIS">Eintrag zu Dimethylquecksilber in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

−42 °C<ref name="GESTIS"/>

Siedepunkt

92 °C<ref name="GESTIS"/>

Dampfdruck

66 hPa (20 °C)<ref name="GESTIS"/>

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser<ref name="GESTIS"/>

Brechungsindex

1,5452 (20 °C)<ref name="CRC90_3_130">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-130.</ref>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.008.916">Eintrag zu Dimethylmercury in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300​‐​310​‐​330​‐​373​‐​410
P: ?
MAK

nicht festgelegt<ref name="GESTIS"/>

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

59,8 kJ/mol<ref name="CRC90_5_22">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-22.</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Dimethylquecksilber stellt eine Organometallverbindung des Quecksilbers und ein starkes Nervengift dar. Die Dämpfe riechen schwach süßlich.<ref name="osha_SHIB">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig OSHA Safety Hazard Information Bulletin on Dimethylmercury.] In: Safety and Health Information Bulletins (SHIBs), 1997–1998. OSHA, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Eigenschaften und Herstellung[Bearbeiten]

Dimethylquecksilber ist eine leicht flüchtige, farblose Flüssigkeit mit süßlichem Geruch, welche praktisch unlöslich in Wasser ist. Sie zersetzt sich beim Erhitzen, wobei Quecksilberdämpfe und leicht entzündliche Zersetzungsprodukte entstehen.<ref name="GESTIS" />

Dimethylquecksilber wurde zuerst von dem englischen Chemiker George Bowdler Buckton im Jahr 1857 hergestellt und zählt damit zu einer der ersten künstlich hergestellten metallorganischen Verbindungen.<ref name="Buckton"/> Die chemische Reaktion die Buckton nutzte ist eine Reaktion von Methylquecksilberiodid mit Kaliumcyanid:<ref name="McAuliffe1977"/>

<math>\mathrm{2 CH_{3}HgI + 2 KCN \longrightarrow Hg(CH_{3})_{2} + 2 KI + (CN)_{2} + Hg}</math>

Daneben bestehen verschiedene andere Synthesemöglichkeiten. Der Chemiker Edward Frankland entdeckte, dass sich Dimethylquecksilber auch ausgehend von Natriumamalgam bilden lässt, dabei entsteht zusätzlich Natriumiodid (NaI):

<math>\mathrm{Hg + 2 Na + 2 CH_{3}I \longrightarrow Hg(CH_{3})_{2} + 2 NaI}</math>

Auch durch die Reaktion von Quecksilber(II)-chlorid mit Methyllithium entsteht neben Lithiumchlorid auch Dimethylquecksilber:

<math>\mathrm{HgCl_{2} + 2 LiCH_ {3} \longrightarrow Hg(CH_{3})_{2} + 2 LiCl}</math>

Verwendung[Bearbeiten]

Reines Dimethylquecksilber wurde früher als Referenz in der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) verwendet. Spektroskopische Untersuchungen von Quecksilberverbindungen mit der Methode basieren auf dem Isotop 199Hg, das etwa 17 % in natürlichem Quecksilber ausmacht. Reines Dimethylquecksilber eignet sich gut als Standard, da es eine stabile Flüssigkeit ist und eine hohe Konzentration an Quecksilber-Atomen enthält. Probleme durch Abhängigkeiten der spektroskopischen Eigenschaften vom Lösungsmittel, die bei metallischem 199Hg ausgeprägt ist, können so vermieden werden. Trotz der extremen Giftigkeit der Verbindung wird sie noch gelegentlich eingesetzt. Alternativ können in vielen Fällen Lösungen von Quecksilber(II)-chlorid oder Quecksilber(II)-perchlorat verwendet werden. Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung der Unified Chemical-Shift Scale, bei der die chemische Verschiebung für beliebige Kerne auf den Standard von Tetramethylsilan in Deuterochloroform bezogen wird.<ref></ref>

Sicherheitshinweise[Bearbeiten]

Dimethylquecksilber bildet giftige Dämpfe und kann beim Einatmen, aber auch bei Hautkontakt zu tödlichen Konzentrationen im Körper führen. Es kann die Blut-Hirn-Schranke (BHS) passieren und bildet vermutlich einen Komplex mit Cystein. Es wird angenommen, dass es vor dem Eindringen ins Zentrale Nervensystem zu Methylquecksilber metabolisiert wird. Neopren-, Latex- und Polyvinylchlorid-Handschuhe sind nicht geeignet zum Schutz, wie sich im Zusammenhang mit dem Tod der US-amerikanischen Chemikerin Karen Wetterhahn herausstellte. Bei nicht auszuschließendem Handkontakt werden für Arbeiten bis zu vier Schichten Nitrilkautschuk-Handschuhe über Handschuhen aus einem PE/Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer-Laminat (EVOH)<ref>Produktfamilie Silvershield der Firma Honeywell International Inc.</ref> empfohlen.<ref>Gefahrstoff-Information des GisChem zu Dimethylquecksilber.</ref>

Beim Auftreten von Vergiftungserscheinungen wie Schwindelanfällen oder Kopfschmerzen ist es häufig schon zu spät für eine effektive Therapie. Dimethylquecksilber wird im Körper nur langsam abgebaut, so dass es zu einer Akkumulation kommen kann. Der intraperitoneale LD50-Wert für Mäuse liegt bei 37,5 mg/kg Körpergewicht, jedoch kann die Exposition mit selbst kleinen Mengen (wie über die Hand verschütteter Flüssigkeit) zu starken Vergiftungen bis hin zum Tod führen. Eine effektive Behandlung der Vergiftung ist nicht bekannt.

Bekannte Todesfälle[Bearbeiten]

Karen Wetterhahn, eine US-amerikanische Chemikerin, kam 1997 als Folge eines Laborunfalls mit Dimethylquecksilber ums Leben.<ref>Sam Lemonick: 25 Years After Karen Wetterhahn Died of Dimethylmercury Poisoning, Her Influence Persists: Chemist left her mark on lab safety, the scientific method, and women in science. In: ACS Chemical Health & Safety. Band 29, Nr. 4, 25. Juli 2022, S. 327–332, doi:10.1021/acs.chas.2c00043.</ref>

Christoph Bulwin, einem deutschen Informatiker, wurde 2011 bei einem Giftanschlag mit einer Spritze Dimethylquecksilber injiziert. Er starb 2012 an den Folgen.

Weblinks[Bearbeiten]

Wiktionary: Dimethylquecksilber – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Buckton">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2 Received December 4, 1857.</ref> <ref name="McAuliffe1977"></ref> </references>