Django (1966)
| Produktionsland | Italien, Spanien |
|---|---|
| Originalsprache | Italienisch |
| Erscheinungsjahr | 1966 |
| Länge | 91 Minuten |
| Altersfreigabe |
</ref> |
| Produktionsunternehmen | B.R.C. Produzione S.r.l., Tecisa-Madrid |
| Stab | |
| Regie | Sergio Corbucci |
| Drehbuch | Sergio Corbucci |
| Produktion | Manolo Bolognini |
| Musik | Luis Enriquez Bacalov |
| Kamera | Enzo Barboni |
| Schnitt | Nino Baragli |
| Besetzung | |
sowie
| |
| → Synchronisation | |
| Chronologie | |
Django (auch bekannt als Django, der mit dem Sarg ist da!) ist ein Italowestern von Sergio Corbucci aus dem Jahr 1966 mit Franco Nero in der Hauptrolle und José Bódalo, Loredana Nusciak, Eduardo Fajardo und Ángel Álvarez in tragenden Rollen. Der Film, der zahlreiche Regisseure und ihr Filmschaffen beeinflusst hat, enthält eine starke zeitgenössische gesellschaftskritische Komponente. Durch seine Brutalität und seinen bitteren schwarzen Humor unterschied er sich stark vom damaligen vom amerikanischen Western, hieß es im Filmportrait der Website KinoAmRaschplatz.<ref name="kinoamraschplatz">Django kinoamraschplatz.de. Abgerufen am 19. August 2026.</ref>
Das Filmplakat von Constantin-Film für den deutschen Markt titelte seinerzeit: „Ein Mann, eiskalt, hart und unerbittlich: Django. Sein Name läßt die Gegner zittern: Django. Ein gewaltiger Film, ein Western aus Stahl: Django.“<ref>Franco Nero als Django Abb. Filmplakat in der IMDb</ref>
Handlung[Bearbeiten]
In der ersten Einstellung marschiert der Protagonist des Films Django eine schlammige Straße entlang, während er einen Sarg hinter sich her zieht, und schließlich auf eine Kuppe gelangt, von der aus er die folgende Szene beobachtet: Die Halbmexikanerin Maria wird von einer Handvoll Mexikaner an einer Brücke, die über einen Sumpf führt, gefesselt und ausgepeitscht, weil sie vor ihnen fliehen wollte. Plötzlich erscheinen fünf Südstaatler mit roten Halstüchern und Kapuzen, erschießen die Mexikaner und wollen Maria aus rassistischen Motiven kreuzigen und verbrennen. Der wortkarge Django unterbricht sie dabei, erschießt die Südstaatler schließlich nach einem kurzen Dialog und befreit Maria.
Mit Maria zieht Django weiter in die nächstgelegene Stadt, das heruntergekommene und fast verlassene Nogales an der Grenze zu Mexiko. Django kehrt mit Maria im örtlichen Saloon ein, in dem nur noch der Wirt Nataniele und einige seiner Bardamen leben. Nataniele gewährt Maria und Django widerwillig ein Zimmer für eine Nacht und erzählt Django, dass die meisten Einwohner der Stadt durch die bewaffneten Konflikte zwischen einer abtrünnigen Einheit der mexikanischen Armee und einer rassistischen Südstaatler-Gruppe unter der Führung von „Major“ Jackson vertrieben worden seien.
Während Django isst, erscheint Bruder Jonathan – einer von Jacksons Leuten –, um vom Wirt Schutzgeld einzutreiben. Bruder Jonathan berichtet Jackson von Djangos Ankunft, während dieser gerade „Schießübungen“ an weglaufenden Mexikanern durchführt, daraufhin erscheint der Major mit einer Handvoll Leuten im Saloon und fordert Django heraus. Django macht mit Jacksons Leuten kurzen Prozess, lässt Jackson selbst allerdings laufen und fordert ihn auf, am nächsten Tag mit all seinen verbliebenen Männern wiederzukommen.
Nachdem Django die Nacht mit Maria verbracht hat, taucht Jackson am nächsten Tag tatsächlich mit seiner gesamten Truppe von 48 Leuten auf, Django öffnet nun zum ersten Mal seinen Sarg und tötet mit dem darin versteckten Maschinengewehr fast alle Gegner, verschont dabei allerdings wieder das Leben von Jackson. Während der Wirt die Toten auf dem örtlichen Friedhof bestattet, besucht Django dort das Grab seiner Frau. Diese wurde – wie sich nun herausstellt – seinerzeit von Major Jackson getötet, und damit wird nun auch klar, was Django eigentlich plant: er will sich an Jackson für die Ermordung seiner Frau rächen, die Django seinerzeit nicht verhindern konnte.
Zur selben Zeit taucht nun erstmals Jacksons Kontrahent auf der Bildfläche auf, der mexikanische Revolutions-General Hugo Rodriguez. Die eintreffenden Mexikaner erwischen den für Jackson arbeitenden Bruder Jonathan vor dem Saloon, in dem dieser gerade einen Streit zwischen den Bardamen provoziert hatte, und der General schneidet Bruder Jonathan das rechte Ohr ab und „füttert“ ihn damit, bevor er ihn erschießt. Als sich Django und Rodriguez im Saloon begegnen, stellt sich heraus, dass die beiden sich ebenfalls bereits kennen, weil Django dem General einst im Gefängnis das Leben gerettet hatte.
Django erzählt Rodriguez, dass Jackson sein gesamtes Vermögen in Gold in einem Stützpunkt der mexikanischen Armee hinter der US-mexikanischen Grenze in Sicherheit bringen möchte und er Jackson nur deswegen beide Male am Leben gelassen habe, um Jacksons Gold an sich zu bringen. Rodriguez benötigt das Gold ebenfalls für seine revolutionären Aktivitäten in Mexiko, daher schmieden er und Django einen gemeinsamen Plan: sie wollen im Wagen des Wirtes versteckt in den Stützpunkt eindringen, der das Fort einmal pro Woche mit seinen Bardamen besucht. Der Plan gelingt, Django, Rodriguez und einige andere können mithilfe von Djangos Maschinengewehr einen großen Teil der überraschten mexikanischen Soldaten töten und Jacksons Gold erbeuten. Der ebenfalls anwesende Major versteckt sich und verfolgt die fliehende Gruppe mit den überlebenden mexikanischen Soldaten, diese dürfen jedoch als Truppen der mexikanischen Armee die Grenze nicht überschreiten, und so muss Jackson die Verfolgung an der Grenze vorerst abbrechen.
Django und Rodriguez kehren unterdessen in die Stadt zurück und feiern ihren erfolgreichen Beutezug. Als Django jedoch merkt, dass der General ihn um seinen Anteil betrügen will, sprengt er das Versteck und flieht zusammen mit Maria. Rodriguez bemerkt den Diebstahl und verfolgt die beiden mit seinen Leuten. Beim Sumpf will sich Django von Maria trennen, dabei fällt aber der Sarg mit dem Gold vom Wagen und rutscht in den Sumpf. Django springt hinterher, um das untergehende Gold zu retten, versinkt dabei aber beinahe selbst und kann mit Marias Hilfe nur seinen Kopf über dem Sumpf halten. Rodriguez trifft mit seinen Leuten ein, schießt Maria an und rettet Django mit Seilen aus dem Sumpf, anschließend schenkt der General Django zwar mit der Bemerkung, dass sie jetzt quitt wären, das Leben, lässt aber beide Hände Djangos von einem seiner Leute mit einem Gewehrkolben brechen.
Während der schwer verletzte Django die angeschossene Maria in Natanieles Saloon zurückbringt, reitet General Rodriguez mit seinen Leuten über die Grenze zurück nach Mexiko, dort wartet jedoch bereits Major Jackson mit mexikanischen Soldaten in einem Hinterhalt und tötet Rodriguez und dessen Leute. Im Anschluss kehrt der Major nun mit seinen letzten fünf Männern in den Saloon zurück, um Django zu suchen. Nachdem er dessen Aufenthaltsort auf dem Friedhof erfahren hat, erschießt er den Wirt, die verwundete Maria bleibt in einer Ecke des Saloons unentdeckt.
Auf dem Friedhof kommt es schließlich zum Showdown: Nachdem Django mit seinen Handverletzungen seinen Revolver weder halten noch abfeuern kann, fühlt sich Jackson in Sicherheit und verhöhnt Django. Dieser kann jedoch seinen Revolver so in der Metallverzierung des Grabkreuzes seiner Frau einklemmen, dass er ihn beim Abfeuern nicht mit seinen gebrochenen Händen halten muss, und so kann Django schließlich den Major und seine restlichen Leute erschießen und damit den Tod seiner Frau rächen.
Produktion[Bearbeiten]
Produktionsnotizen[Bearbeiten]
Django gehört neben der von Sergio Leone produzierten Dollar-Trilogie zu den bekanntesten und prägendsten Filmen des Italowestern. Berühmt ist der gleichnamige Protagonist des Films für sein Maschinengewehr, das er in einem Sarg hinter sich her zieht.<ref>Wolfgang Seidel: Wie kam der Sturm ins Wasserglas?: Zitate, die zu Redewendungen wurden, Verlag Deutscher Taschenbuch Verlag, 2011, ISBN 978-3-423-40809-7, S. 62.</ref> Was spätere Westernfiguren und -filme auch besonders nachhaltig beeinflusste, war Djangos Auftreten als expliziter „Antiheld“ und gebrochener Mensch, das ihn wesentlich von den seinerzeit „klassischen“ amerikanischen Westernhelden unterschied: sein Charakter entzog sich der bis dahin im Westernfilm üblichen klaren Gut-Böse-Kategorisierung, insbesondere durch die Missachtung bürgerlicher Konventionen sowie die rücksichtslose Anwendung von Gewalt und Selbstjustiz. Hierzu passend kommen abgesehen von Django und Maria sowie den Bardamen alle Figuren des Films ums Leben.<ref name="filmzentrale"> Björn Thiele: Django filmzentrale.com (archive.org). Abgerufen am 19. August 2026.</ref>
Das ergänzte den Film um eine politische und gesellschaftskritische Ebene, die einen weiteren Faktor in der Loslösung von klassischen amerikanischen Westernmotiven darstellte. Der politisch links orientierte Regisseur Sergio Corbucci kritisierte mit dem Film die innenpolitische Situation in den USA zu Zeiten des Kalten Krieges, indem er den Protagonisten Django gegen eine Bande korrupter Südstaatler unter Führung eines ehemaligen Majors kämpfen lässt, deren Aussagen, Verhalten und Kostümierung an den Ku-Klux-Klan erinnern. Ähnlich wie in Leichen pflastern seinen Weg verwendete Corbucci auch Motive aus dem italienischen Mittelalter und der Hexenverfolgung<ref>Wolfgang Bräun: „Django“ wird 80 – Sein Film 55. In: IPOSS. 28. Juli 2021, abgerufen am 3. Juni 2022.</ref> und benutzte auch in seinem späteren Film Leichen pflastern seinen Weg erneut das Motiv der zerschlagenen Hände des Hauptdarstellers,<ref>Peter von Möllendorff, Annette Simonis, Linda Simonis: Historische Gestalten der Antike: Rezeption in Literatur, Kunst und Musik. Springer-Verlag, 2016, ISBN 978-3-476-00837-4, S. 867.</ref> das ursprünglich aus der römischen Geschichte stammt und auf die Geschichte von Gaius Mucius Scaevola verweist. Dies alles vereint sich zum Hauptmotiv einer maroden, pseudomoralischen und rassistischen Gesellschaft, die durch den Protagonisten demaskiert wird. Der Film wird dadurch zum Antiwestern, der jedoch letzten Endes nicht> einfach das „klassische“ Westerngenre auflöste, sondern einen der Grundsteine für die Weiterentwicklung des Genres darstellte.<ref name="poenack" />
Für einen Western wurde Django untypisch gefilmt; besonders auffällig ist der Verzicht auf die Totale, die Paradeeinstellung des US-Westerns. Corbucci setzte ganz auf in schneller Abfolge geschnittene Großeinstellungen, welche die Handlung vorantrieben, was von der Filmkritik häufig als „Comicstil“ bezeichnet wurde. Der Film erlangte im englischen Sprachraum deutlich weniger den Status eines Kultfilms als im Großteil Europas, was Filmkritikern zufolge vor allem daran lag, dass die englische Synchronisation so schlecht war, dass sie den Sinn der Dialoge völlig entstellte.<ref name="filmzentrale" />
Die deutsche Fassung ist gegenüber der Originalversion entschärft und teilweise auch entstellt, sie enthält längst nicht alle Anspielungen und Zynismen. Legendär ist etwa die Szene, in der sich Django beim Duell am Ende des Filmes hinter einem Grabkreuz versteckt, während sein Gegner auf ihn schießt und dabei sowohl den christlichen Segensspruch „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes“ ausspricht als auch beim Schießen symbolisch ein Kreuz schlägt. Dieser Dialog wurde, wie viele andere Szenen auch, in der deutschen Fassung entschärft und inhaltlich verändert. Einige Szenen sind in der deutschen Fassung gänzlich herausgeschnitten, so etwa die, in der General Rodriguez Jacksons Handlanger Jonathan dessen eigenes Ohr in den Mund steckt.<ref name="poenack" />
In Großbritannien wurde der Film wegen seiner Brutalität erst 1993 freigegeben. Für Hauptdarsteller Franco Nero bedeutete der Film den internationalen Durchbruch.<ref name="poenack" />
Die Idee, dass der Hauptheld des Films ein Maschinengewehr im Sarg bei sich trägt, soll Corbucci einem alten italienischen Comic entnommen haben. Hauptdarsteller Franco Nero war zur Zeit des Drehs erst 25 Jahre alt<ref>Roberto Curti: Italian Crime Filmography, 1968-1980. McFarland, 2013, ISBN 978-0-7864-6976-5, S. 307.</ref> und musste auf älter geschminkt werden, um glaubwürdig zu wirken.<ref name="poenack" /> Franco Neros „eisblaue Augen wurden zum Markenzeichen – einzigartig im Italowestern“. In Tarantinos Django Unchained (2012) hatte Nero über 45 Jahre später einen Cameo-Auftritt.<ref name="wilderwesten" />
Der Film wurde in den Elios-Studios in der Nähe von Rom gedreht. Die Szenen des Films, die in einem wie ausgestorben wirkenden Westernstädtchen spielen, sind oft voller Nebel oder Rauch. Dies liegt daran, dass die Kulissen teilweise schon ziemlich vom Zahn der Zeit angenagt waren und eigentlich hätten renoviert werden müssen. Dies wäre aber zu teuer gewesen, und deshalb warf man lieber die Nebelmaschine an. Das Budget für den Film war bescheiden, die Drehzeit knapp bemessen. Doch waren es diese Limitierungen die das Filmteam dazu zwangen, kreativ zu werden. So war der berühmte Schlamm, der in nahezu jeder Szene zu sehen ist, ursprünglich ein Wetterproblem am Set. Corbucci machte daraus jedoch ein „ästhetisches Prinzip. Die schlammbedecke Geisterstadt, in der sich die Handlung entfaltet, wurde zum visuellen Markenzeichen des Films und symbolisierte den moralischen Verfall einer Welt ohne Gesetz.“<ref name="wilderwesten" />
Sergio Corbucci galt „als radikalster Regisseur des Italowestern – politischer und brutaler als Leone“. Er verarbeitete „antifachistische Themen – Major Jackson als Allegorie auf Rassismus“.<ref name="wilderwesten" /> Dem Regisseur, dem ein Hang zum schwarzen Humor nachgesagt wurde, habe Franco Nero zum Ende der Dreharbeiten den Sarg einen Hügel hinaufziehen lassen,<ref>Markus Hirsch: No Pulp in the Fiction 2: Von "Death Proof" bis "Once Upon a Time...in Hollywood". Books on Demand, 2021, ISBN 978-3-7557-1864-2 (google.com [abgerufen am 3. Juni 2022]).</ref> ohne dass er sich dabei habe umdrehen dürfen. Während er mühsam den Hügel erklommen habe, seien die Filmkulissen abgebaut worden; und als die Kameraleute und Mitarbeiter die Szene verließen und der Schauspieler oben angelangt war, habe er allein mit seinem Sarg auf dem Hügel gestanden. Quentin Tarantino bezeichnete die Arbeit Corbuccis „als eine seiner größten Einflüsse“.<ref name="wilderwesten" />
Namensherkunft[Bearbeiten]
Den Namen „Django“ hatte Corbucci vom Jazz-Gitarristen Django Reinhardt übernommen; mit dieser Namensgebung erklärte er sich auch einen Teil des Erfolgs des Films.<ref>Sergio Corbucci zitiert nach Georg Seeßlen, Claudius Weil: Western-Kino, Geschichte und Mythologie des Western-Films, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1979, ISBN 3-499-17290-9, S. 181.</ref><ref name="poenack">Django (1966) In: Pönis Kinowoche, poenack.de, 21. Januar 2021. Abgerufen am 19. August 2026.</ref>
Rezeption und Nachwirkung[Bearbeiten]
Musik, Zitate, Nachwirkungen[Bearbeiten]
Das populäre, von Luis Enriquez Bacalov komponierte Titellied Django wurde von Roberto Fia interpretiert. In der italienischen Originalversion ist es in italienischer Sprache zu hören. Oftmals wird Fia dabei mit dem international besser zu vermarktenden Namen Rocky Roberts geführt.<ref>So in vielen italienischen Quellen, z. B. Roberto Poppi, Mario Pecorari: Dizionario del cinema italiano: I film Vol. 3. Gremese, 1992, S. 163.</ref> Für den internationalen Markt wurde eine englischsprachige Fassung verwendet. Es existieren Versionen auf Japanisch sowie verschiedene Instrumentalversionen.<ref>Django spaghetti-western.net</ref>
- Bekannt ist das Zitat aus dem Film: „Es gibt bloß eins, was wichtig ist: daß man sterben muß.“<ref name="westernlexikon">Django western-lexikon.de. Abgerufen am 19. August 2026.</ref>
- 1970 wurde Django – Ein Sarg voll Rache vom EUROPA-Verlag als Hörspielbearbeitung (Europa E 417) auf Schallplatte und inzwischen auch auf DVD herausgebracht<ref>Django – Ein Sarg voll Rache Abb. Schallplatten/DVD-Hülle Europa</ref>
- In der Fangemeinde des Films befindet sich auch Jonathan Meese, der auf seinen Kunstausstellungen immer wieder das Django-Filmplakat (Schlagzeile: „Der Mann mit dem Sarg ist da!“) zwischen seinen eigenen Bildern aufhängt.<ref>Jonathan Meese E 621, 2025 griffelkunst.de</ref>
- Jan Philipp Reemtsma bezeichnete Django als Nachfolger von Schillers Wilhelm Tell in seiner Funktion als von der Gesellschaft ausgestoßenem Antihelden.<ref>Romed Aschwanden: Sergio Corbucci, Django (1966) geschichtedergegenwart.ch</ref>
- Die Figur aus der Star-Wars-Reihe Jango Fett hat ihren Namen als Anspielung auf „Django“ erhalten.
- Ein an die Django-Figur angelehnter Sketch aus der Fernsehserie Klimbim („Django zahlt heut’ nicht“) wurde in Deutschland in den 1970er Jahren zum Kult-Sketch.<ref>Thomas Gross: Django In: Mannheimer Morgen, 23. November 2021. Abgerufen am 19. August 2026.</ref>
Veröffentlichung[Bearbeiten]
Am 6. April 1966 wurde der Film in Turin, am 9. April 1966 in Rom und am 11. Mai 1966 in Mailand in Italien veröffentlicht. In Japan wurde der Film am 23. September 1966 veröffentlicht, in der Bundesrepublik Deutschland am 2. November 1966, in Frankreich am 9. November 1966, in Südkorea am 12. November 1966 und in den Vereinigten Staaten im Dezember 1966. Im Iran erfolgte eine Veröffentlichung 1967, ebenso wie in Argentinien, in der Türkei, in Spanien und in Dänemark. 1968 wurde der Film in Portugal veröffentlicht, 1970 in Island und 1971 in Barcelona in Spanien. In Schweden erfolgte 1982 eine Videoveröffentlichung. Weitere Veröffentlichungen erfolgten 1984 in Finnland und 1993 im Vereinigten Königreich, wo der Film Fernsehpremiere hatte. Am 30. August 2007 wurde er auf dem Filmfestival im Venedig vorgestellt und am 21. Dezember 2012 auf dem Film-Forum in New York. In Brasilien erfolgte die erste Veröffentlichung als DVD, in Russland wurde der Film im September 2024 in einer limitierten Ausgabe gezeigt; vorgestellt wurde er zudem im Juni 2025 auf der Cinemateca Portuguesa – Museu do Cinema.
Weitere Veröffentlichungen des Films erfolgten in Australien, Bulgarien, Kanada, China, Estland, Griechenland, Ungarn, Indien, Mexiko, in den Niederlanden, in Norwegen, Singapur, Südafrika, Taiwan, in der Ukraine und in Vietnam.
Weitere Filme, die den Namen Django enthalten[Bearbeiten]
Nach dem großen Erfolg des Films entstanden weitere Django-Filme anderer Produzenten, die allesamt versuchten, den Stil des Originals nachzuahmen, mit oft bescheidenem Erfolg. Es gab zum Beispiel einen Western mit Franco Nero mit dem Titel Texas addio, der vor Django gedreht wurde und in dem er einen Sheriff mit Namen Burt Sullivan spielte; darin trug er schon die gleiche Kleidung wie in Django und hatte auch ein ähnlich forsches Auftreten. Nach dem Erfolg von Django wurde dieser Film in Django, der Rächer umbenannt und neu synchronisiert, und der Sheriff hieß plötzlich „Django Sullivan“. Auch wurde vielen billigen Spaghetti-Western ein deutscher Verleihtitel verpasst, der den Namen „Django“ enthielt, die im Original jedoch gar nicht an Corbuccis Django orientiert waren.<ref name="kinoamraschplatz" />
Die offizielle Fortsetzung hieß Djangos Rückkehr, entsprach aber nicht mehr dem Stil des Originals. Der einzige Film, der von Anhängern als Django-Fortsetzung akzeptiert wurde, ist der brutale Töte, Django mit Tomás Milián. Als Hommagen sind die Western von Enzo G. Castellari Keoma – Das Lied des Todes (1976) sowie Die Rache des weißen Indianers (1994), der von dem japanischen Regisseur Takashi Miike gedrehte Film Sukiyaki Western Django (2007) und Quentin Tarantinos Django Unchained (2012) anzusehen.<ref name="kinoamraschplatz" />
Auch außerhalb des deutschen Sprachraums gab es Namensepigonen. Italien schickte unter anderem Cjamango und Shango ins Rennen, in der Türkei ritt Cango über die Leinwand. Es entstanden jedoch auch zahlreiche Filme, die „Django“ schon im Originaltitel trugen; auch diese hatten nur lockere Verwandtschaft. Der Sohn des Django (1967) ist einer dieser Filme, die schon im Titel die Tradition der Filmserien früherer Jahre aufnahmen.
Franco Neros Filme wurden insbesondere im deutschen Sprachraum immer wieder mit dem Titel „Django“ betitelt. So wurde auch ein Haiabenteuer von Enzo G. Castellari in Dschungel-Django umbenannt, obwohl es sich bei dem Film nicht um einen Western handelt.
Django ist als wichtiger Entwicklungsschritt für den modernen Actionfilm zu werten, was unter anderem zahlreiche Django-Anspielungen in Filmen wie zum Beispiel Terminator 3 – Rebellion der Maschinen, der Rambo-Reihe, den Filmen von Quentin Tarantino (z. B. das Abschneiden eines Ohres in Reservoir Dogs – Wilde Hunde) sowie auch neuere deutschen Filmproduktionen belegen – Tarantino selbst ging sogar so weit, dass er ganze Einstellungen und Dialoge aus der italienischen Textfassung für seinen Film Django Unchained übernahm.<ref>Der Mythos „Django“ oe1.orf.at, 8. April 2017. Abgerufen am 19. August 2026.</ref>
Im Februar 2023 lief die als Neuinterpretation des Films konzipierte Fernsehserie Django mit Matthias Schoenaerts in der titelgebenden Hauptrolle an.<ref>Django fernsehserien.de</ref>
Synchronisation[Bearbeiten]
Die „Berliner Union Film“ besetzte unter der Dialogregie von Karlheinz Brunnemann, der das Dialogbuch von Ursula Buschow umsetzte, u. a. folgende Sprecher:<ref>Django. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 3. Februar 2021.</ref>
| Darsteller | Rolle | Synchronsprecher |
|---|---|---|
| Franco Nero | Django | Gert Günther Hoffmann |
| José Bodalo | General Hugo Rodriguez | Martin Hirthe |
| Loredana Nusciak | Maria | Beate Hasenau |
| Eduardo Fajardo | Major Jackson | Heinz Petruo |
| Ángel Álvarez | Nataniele | Eduard Wandrey |
| Simón Arriaga | Miguel | Toni Herbert |
| Giovanni Ivan Scratuglia | einer von Jacksons Leuten | Toni Herbert |
| Luciano Rossi | einer von Jacksons Leuten | Karlheinz Brunnemann |
| José Terrón Penaranda | einer von Jacksons Leuten | Günther Flesch |
| Gino Pernice | Jonathan | Jochen Schröder |
| Flora Carosello | Bardame | Lola Luigi |
| Remo De Angelis | einer von Hugos Leuten | Karlheinz Brunnemann |
| Giulio Maculani | einer von Jacksons Leuten | Hellmut Grube |
Kritik[Bearbeiten]
Christian Keßler führt in „Willkommen in der Hölle“ aus, dass „Django einer der unglaublichsten Filme aller Zeiten sei. Corbucci malt ein Bild von der Welt, das an Pessimismus nicht zu überbieten ist. Django ist ein durch den Tod seiner Frau gebrochener Außenseiter, der sich nur noch selbst begraben möchte. Doch er muss eine Kreuzigungs- und Wiederauferstehungsgeschichte durchleiden um am Schluss doch mit leeren Händen dazustehen. Corbucci schafft es, Illusionen von Gerechtigkeit zu erzeugen, die letztlich auch zum Scheitern verurteilt sind. Hallo Meisterwerk.“<ref>Christian Keßler: Willkommenin der Hölle, S. 75, 76. Terrorverlag, 2002, ISBN 3-00-009290-0.</ref><ref name="kinoamraschplatz" />
Friedemann Hahn sah den Film in Der Italo-Western ein wenig anders und führte aus, Django sei „ein von Minderwertigkeitsgefühlen geplagter Witzbold, der in einem Monat 125 bis 135 Menschen mit einem Maschinengewehr umlegt.“ Corbucci habe „viel Humor“.<ref>Zitiert in: Joe Hembus: Western-Lexikon. 1272 Filme von 1894–1975. 2. Auflage. Carl Hanser Verlag, München/Wien 1977, ISBN 3-446-12189-7, S. 122.</ref>
Phil Hardy wiederum war der Meinung, der Film sei neben Für eine Handvoll Dollar der einflussreichste Italowestern. Corbucci verwende in seiner Regie „seinen üblichen Comic-Stil“ und mische „Komödie und bizarre Gewalt mit einer Leichtigkeit, die irritierend ist.“<ref>Phil Hardy: The Encyclopedia of Western Movies. Woodbury Press, Minneapolis 1984, ISBN 0-8300-0405-X, S. 295.</ref>
Wolfgang Luley schreibt in der Filmzeitschrift Systhema:<ref>Zitiert nach Lexikon des internationalen Films, 2001, CD-ROM.</ref> „Mit ‚Django‘ wird endgültig das Massentöten in den Italowestern eingeführt, nicht mehr nur eine Handvoll Gegner werden erschossen, sondern gleich Dutzende auf einmal. Dabei werden die Sterbeszenen teilweise genüßlich vorgeführt, so daß Corbuccis Humor tiefschwarz eingefärbt erscheint und immer wieder in Zynismus umschlägt. ‚Django‘ etabliert Zooms, Closeups, schnelle Schnitte und eine originäre Musik (Bacalov). Außerdem bewirkt er eine Politisierung des Genres, Die gefürchteten Zwei, Von Angesicht zu Angesicht, Töte Amigo oder Töte, Django sind dafür eindrückliche Belege.“
Björn Thiele befasste sich für die Filmzentrale mit dem Film und führte aus: Nicht selten gewinnt man den Eindruck einer postapokalyptischen Szenerie, die sich nach dem Zerfall des glorreichen Wilden Westens aus dessen Trümmern erhoben hat. Der Schauplatz dieser Geschichte scheint auch, mit Ausnahme der am Stadtrand befindlichen Hängebrücke, wie von der restlichen Zivilisation abgeschnitten zu sein. Rückblickend könnte man damit sogar die These aufstellen, dass mit Django einer der ersten Endzeitfilme entstanden ist und Kassenschlager wie George Millers Mad-Max-Trilogie (1979, 1981, 1985) zweifellos stark beeinflusste. Zu verdanken haben wir das wohl zum großen Teil auch Ruggero Deodato, der später mit seinem Kannibalenepos Cannibal Holocaust (Nackt und zerfleischt, 1979) für weltweites Aufsehen sorgte, und hier als Regieassistent von Corbucci fungierte und für viele Szenen auch die Leitung übernahm. Doch trotz aller Härte ist der Film nicht frei von makabrem, teils rabenschwarzem Humor. Genau wie sein Titel gebender Antiheld, der sein eigenes, vom Hass zerfressenes Ego in Form eines Maschinengewehres in einem Sarg hinter sich herzieht.<ref name="filmzentrale" />
Im Western-Lexikon, das dem Film fünf von fünf möglichen Sternen gab, ist zu lesen, ‚Django‘ sei „einer dieser Streifen, die keine Anlaufzeit“ gebraucht hätten „und auf Anhieb gefallen“ würden. „Selbst die Credits, unter denen Franco Nero zu Luis Bacalovs unvergesslicher Musik bereits seinen Sarg durch die schlammige, italienische Landschaft“ ziehe, seien „schon beim ersten Mal Gucken Kult“. Genannt seien nur die „Stichworte: Sarginhalt, Ohr, Hände.“ Da lohne sich „auch ein mehrmaliges Ansehen, um das alles verarbeiten zu können“. Zwar würden Sergio Corbucci und Bruder Bruno in Zusammenarbeit mit Franco Rossetti und Piero Vivarelli, „von der Geschichte her das Rad natürlich nicht neu“ erfinden. „Wenn man ehrlich“ sei, sei ‚Django‘ „diesbezüglich sogar eine im wahrsten Sinne des Wortes zweigeteilte Angelegenheit“. In diesem Film dominierten „vor allem die Besonderheiten und Gimmicks, die den Streifen berühmt gemacht“ hätten („der Schlamm, der Sarg, das Maschinengewehr, Djangos Aussehen und Auftreten, die Geisterstadt, die roten Schals und Kapuzen…“) und „hätte man genau so weitergemacht“, hätte man dem Film „glatt die Höchstwertung verpassen“ müssen. Das mache dem „guten Sergio nämlich niemand nach“; das sei „Extraklasse!“ Von Franco Nero könne man „mit Fug und Recht behaupten“, dass ihn „vor diesem Wegweiser keiner“ gekannt habe – „danach aber alle Welt bzw. zumindest ganz Europa, denn obwohl er hier teilweise noch etwas unsicher“ wirke, trage er „diesen Streifen am Ende doch ganz locker“. Er sei „unverbraucht“, er sei „cool und er“ ziehe „verdammt schnell“. Der Soundtrack von Luis Enriquez Bacalov sei zudem „auch denkwürdig!“<ref name="westernlexikon" />
Auf der Website Western Filme – Alle Klassiker & Infos hieß es, Django sei „einer der einflussreichsten Italowestern aller Zeiten – ein Film, der mit seiner kompromisslosen Brutalität, seinem ikonischen Antihelden und einer unvergesslichen Titelmelodie die Kinogeschichte für immer verändert“ habe. Regisseur Sergio Corbucci habe mit seinem Werk „nicht nur einen Kultfilm“ geschaffen, sondern habe „eine ganze Welle von über 30 inoffiziellen Sequels und Nachahmungen“ begründet. „Der schweigsame Fremde, der seinen Sarg durch den Schlamm“ gezogen habe, sei „zum Archetyp des europäischen Western-Antihelde – und Franco Nero zum internationalen Star“ geworden.<ref name="wilderwesten">Django (1966) wilder-westen.org. Abgerufen am 19. August 2026.</ref>
In Reclams Filmführer (1982) heißt es: „Ein atmosphärisch dichter, gut gebauter und geschickt inszenierter Film, in dem auch die Landschaft, ein trister, sumpfiger Grenzstreifen, eine große Rolle spielt.“
„‚Django‘ wird ganz klar heute zu den Werken gezählt, die am meisten Einfluss auf das Genre und die dazugehörige Zeit ausübten. Regisseur Sergio Corbucci schuf ein zynisches Werk voller Gewalt, welches geprägt war von einer düsteren Grundstimmung und dem Bruch mit den Traditionen. Der Anti-Held stand im Vordergrund. Zusammen mit der grandiosen Vorstellung von Franco Nero sowie einer stimmigen Atmosphäre, wurde so ein Kult-Film geschaffen, den man nicht verpassen sollte.“
Literatur[Bearbeiten]
- Annette Kilzer: Django. In: Filmgenres – Western. Hrsg. von Thomas Koebner, Reclam junior, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-018402-9, S. 269–272.
Weblinks[Bearbeiten]
- Vorlage:IMDb/1
- Django in der Online-Filmdatenbank
- Django im Lexikon des internationalen Films
- Django Besprechung des Films bei Sense of View
- Vergleich der Schnittfassungen [[[:Vorlage:Schnittberichte/URL]]4434 FSK 16 – Keine Jugendfreigabe], [[[:Vorlage:Schnittberichte/URL]]245 FSK 18 – US DVD], [[[:Vorlage:Schnittberichte/URL]]1117861 Free-TV ab 18 – US-DVD] von Django bei Schnittberichte.com
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />