Doppelte Philippsbirne
Die Doppelte Philippsbirne ist eine alte Sorte der Birne (Pyrus communis). Sie wurde um 1800 in Belgien als Zufallssämling aufgefunden und 1847 durch Bivort erstmals beschrieben. Die ertragreiche Herbstbirne stellt keine hohen Ansprüche an Boden und Klima. Die Früchte sind wohlschmeckend, aber nur kurze Zeit lagerfähig. Sie war Streuobstsorte des Jahres 2006 des Verbands der Gartenbauvereine Saarland-Pfalz.<ref name="Gartenbauvereine">Verband der Gartenbauvereine Saarland / Rheinland-Pfalz e. V.: Streuobstsorte des Jahres 2006: Doppelte Philippsbirne</ref>
Herkunft und Bezeichnungen[Bearbeiten]
Die Doppelte Philippsbirne wird in Belgien und Frankreich als Philippe double oder Double Philippe bezeichnet. Jahn vermutet, dass die Doppelte Philippsbirne diesen Namen in Belgien erhielt, wo die ebenfalls kleinfrüchtige und im Oktober reifende Sorte Philippe le bon (Philipp der Gute) verbreitet war. Die Sorte wurde durch Jean-Baptiste van Mons kultiviert, der sie einem Grafen von Mérode-Westerloo widmete. Auf diese Verbindung gehen die Bezeichnungen Beurré de Mérode, Beurré de Mérode-Westerloo, Beurré de Westerloo, Poire de Mérode und Doyenne de Mérode zurück.<ref name="Jahn">Franz Jahn, Eduard Lucas, Johann Oberdieck: Illustrirtes Handbuch der Obstkunde. Band 2: Birnen. Ebner & Seubert, Stuttgart 1860, Nr. 206, S. 435–436.</ref> Im deutschen Sprachraum wurde die Doppelte Philippsbirne auch als Sommer Diel oder Frühe Diel<ref name="Gartenbauvereine" /> bezeichnet, weil sie etwas früher reif wird als die ähnliche Diels Butterbirne.<ref name="Arche">Arche Noah: Doppelte Phillipsbirne.</ref>
Baum[Bearbeiten]
Die Doppelte Philippsbirne wächst stark und bildet auf Sämlingsunterlage eine breitkugelige und gut verzweigte Krone. Sie kann in verschiedenen Formen gezogen werden und eignet sich auch als Spalierbaum. Mit Quitte als Unterlage sollen die Birnen eine intensivere Rotfärbung bekommen,<ref name="Jahn" /> was jedoch eine Zwischenveredelung erfordert.<ref name="Gartenbauvereine" />
Birnbäume dieser Sorte eignen sich besonders für warme und leichte Böden. Sie sind windfest und gedeihen auch in den raueren Lagen Mitteleuropas bis hinein in die Alpen.<ref name="Jahn" /><ref name="Arche" />
Die Fruchtbarkeit tritt schon früh ein, die Doppelte Philippsbirne bringt hohe Erträge.<ref name="Arche" />
Blüte[Bearbeiten]
Die Doppelte Philippsbirne blüht ziemlich früh im Jahr, sie ist kein guter Pollenspender. Befruchtersorten sind beispielsweise ‘Clapps Liebling’, ‘Gellerts Butterbirne’, ‘Gute Luise’, ‘Köstliche aus Charneux’ oder ‘Williams Christ’.<ref name="Arche" />
Reife und Frucht[Bearbeiten]
Der Reifezeitpunkt kann je nach Witterung und Standort zwischen Anfang September<ref name="Arche" /> und Anfang November<ref name="Jahn" /> liegen. Die Früchte hängen fest am Baum, unreif geerntet bleiben sie sauer.<ref name="Arbeit">Zeitschrift „Nach der Arbeit“: Doppelte Philippsbirne</ref> Die Birnen werden mittelgroß bis groß, etwa 65–95 mm lang und 58–78 mm breit. Ihre Form wird als „breit kegelstumpfförmig bis dickbäuchig birnförmig“<ref name="Arche" /> beschrieben. Die Grundfarbe ist zunächst mattgrün, zur Reifezeit wird sie hellgelb, gelegentlich an einer Seite gerötet. Die Birnen sind mit zahlreichen feinen bräunlichen Schalenpunkte bedeckt. Um den Kelch und den Stiel kann die Schale etwas Rost zeigen.<ref name="Jahn" />
Die Früchte gelten als sehr gute Tafelbirnen, die sich auch zur Herstellung von Saft oder Kompott eignen.<ref name="Arbeit" /> Jahn beschreibt sie als „sehr saftreich, von weinartigem, gezuckertem, erfrischenden Geschmack“.<ref name="Jahn" /> Die Birnen sollten nach der Ernte rasch verzehrt werden, die Angaben zur Lagerfähigkeit liegen zwischen zwei<ref name="Arche" /> und vier Wochen.<ref name="Arbeit" />
Pflanzenkrankheiten[Bearbeiten]
Die Doppelte Philippsbirne gilt als widerstandsfähig gegen Krankheiten. Sie hat jedoch eine starke Anfälligkeit für Feuerbrand<ref name="Gartenbauvereine" /> und eine geringe für Schorf. Kupferspritzmittel verträgt sie schlecht.<ref name="Arche" />
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Weblinks[Bearbeiten]
- Karteikarte der Sorte in der Obstsortendatenbank des BUND Lemgo
Rote Sternrenette (2000) | Großer Rheinischer Bohnapfel (2001) | Roter Bellefleur (2002) | Gute Graue (2003) | Gelber Edelapfel (2004) | Metzer Mirabelle (2005) | Doppelte Philippsbirne (2006) | Harberts Renette (2007) | Spanisch Braune (2008) | Trockener Martin (2009) | Luxemburger Renette (2010) | Kaiser Wilhelm (2011) | Hauszwetsche (2012) | Weißer Trierer Weinapfel (2013) | Goldparmäne (2014) | Köstliche aus Charneu (2015) | Porzenapfel (2016) | Erbachhofer Mostapfel (2017) | Mirabelle aus Nancy (2018) | Moseleisenapfel (2019) | Große Prinzesskirsche (2020) | Roter Trierer Weinapfel (2021) | Eifeler Rambur (2022)