Dorothea Pichelt
Johanna<ref>(Ehrung einer Freiheitskämpferin). In: Saale-Zeitung Nr. 418, 6. September 1813 (Abend-Ausgabe, 3. Beiblatt) (Digitalisat).</ref> Dorothea Pichelt, verheiratete Geiger, (* 26. April 1790 in Nordhausen am Harz; † 19. Dezember 1824 in Magdeburg) war eine deutsche Soldatin in den Befreiungskriegen.
Leben[Bearbeiten]
Dorothea Pichelt wurde als jüngste Tochter des Weißgerbers Andreas Pichelt und der Waschfrau<ref>(Eine Heldin der Befreiungskriege). In: Unterhaltungsblatt. Tägliche Gratisbeilage zum Dortmunder General-Anzeiger Jg. 12, Nr. 295, 28. Oktober 1899 (Digitalisat).</ref> Eleonore Pichelt, geb. Schneegaß in der Freien Reichsstadt Nordhausen geboren. Sie wuchs mit vier Geschwistern auf und soll früh das Reiten erlernt haben.
Nach dem Tod ihrer Eltern lebte sie mit ihrem älteren Bruder. Als zur Bildung freiwilliger Jägerkorps Anfang Februar 1813 aufgerufen wurde, verließ sie unbemerkt in der Kleidung ihres Bruders das Elternhaus und galt als verschwunden. Sie nahm einen größeren Geldbetrag mit und kaufte sich dafür ein Pferd, eine Uniform und Waffen. Daraufhin trat sie als Theodor Pichelt dem östlich der Elbe gebildeten Freikorps als Dragoner (26. Regiment) bei, mit dem sie später auch durch Nordhausen kam. Als Frau soll sie unerkannt geblieben sein. Mit zwei anderen Soldaten rettete sie dem Schwadronsführer das Leben, wofür sie mit einer Denkmünze geehrt wurde. Nach dem Einzug der siegreichen preußischen Truppen in Magdeburg gestand sie dem Wachtmeister, dass sie eine Frau sei. Der Kommandeur rühmte Dorothea öffentlich für ihre Vaterlandsliebe und Verdienste.
Später heiratete sie den katholischen Feldwebel Johann Geiger (ca. 1784–1825).<ref>Susanne Wosnitzka: Geiger, Johanna Dorothea (Dorothee) Elis[abeth?], geb. Pichelt (Bügel / Biegel / Piegeln), Pseudonyme "Theodor Pichelt", "Karl Biegel / Piegeln". In: Eva Labouvie (Hrsg.): Frauen in Sachsen-Anhalt. Band 2: Ein biographisch-bibliographisches Lexikon vom 19. Jahrhundert bis 1945. Böhlau, Köln u. a. 2019, ISBN 978-3-412-51145-6, S. 169.</ref> Ihre Ehe blieb kinderlos.<ref>Artern, 10. September. In: Merseburger Kreisblatt. Tageblatt für Stadt und Land Jg. 142, Nr. 214, 12. September 1913 (Digitalisat).</ref> Sie ist in Magdeburg an „Halsschwindsucht“ verstorben und wurde am 19. Dezember 1824<ref>Vgl. Vermischte Nachrichten. In: Spenersche Zeitung Nr. 303, 24. Dezember 1824 (Digitalisat).</ref> auf dem Garnisonsfriedhof/Militärkirchhof feierlich und respektvoll begraben.<ref>Vgl. Der baierische Volksfreund, Band 2, München, den 11. Januar 1825, S. 22. Digitalisat und Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nro. 7, Samstag, den 8. Jan. Anno 1825, S. 3 (Digitalisat). Der Militärfriedhof, der nördlich des Hauptbahnhofs lag, wurde im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört und um 1970 eingeebnet. An seiner Stelle befindet sich heute eine Schule. Vgl. Hans-Joachim Krenzke: Magdeburger Friedhöfe und Begräbnisstätten. in: Landeshauptstadt Magdeburg/Stadtplanungsamt Magdeburg (Hrsg.): Dokumentationen des Stadtplanungsamts. Band 60, Magdeburg 1998, S. 151. Digitalisat pdf-Teil 2.</ref> Ein für sie errichtetes Denkmal wurde bei Umgestaltung des Friedhofes beseitigt. Am 18. Oktober 1913 wurde durch den Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein am Geburtshaus auf dem Lohmarkt eine Gedenktafel angebracht:
- In diesem Hause wurde die Kämpferin
- in den Freiheitskriegen
- Dorothea Pichelt
- am 26. April 1790 geboren.
Die Gedenktafel wurde bei den Luftangriffen auf Nordhausen im April 1945 zusammen mit dem Geburtshaus zerstört.
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Ernst Günther Förstemann, Friedrich Christian Lesser: Historische Nachrichten von der ehemals kaiserlichen und des heil. röm. Reichs freien Stadt Nordhausen gedruckt daselbst im Jahre 1740. Umgearbeitet und fortgesetzt. Eberhardt, Nordhausen 1860.
- Felix Haese: Deutsche Heldinnen und Helferinnen in den Freiheitskriegen. Haack, Nordhausen 1913, DNB 36145144X.
- Heinrich Heine: Unsere Heimat – Heimatkunde von Nordhausen und Umgegend. Schroedel, Halle a. d. S. 1914, DNB 361483007, S. 115 f.
- Ulrike Müller: Frauenorte in Thüringen – Die Region Northausen. VDG, Weimar 2005, ISBN 3-89739-304-2.
- Nordhäuser Persönlichkeiten aus elf Jahrhunderten. Geiger, Horb am Neckar 2009, ISBN 978-3-86595-336-0.
- Susanne Wosnitzka: Geiger, Johanna Dorothea (Dorothee) Elis[abeth?], geb. Pichelt (Bügel / Biegel / Piegeln), Pseudonyme "Theodor Pichelt", "Karl Biegel / Piegeln". In: Eva Labouvie (Hrsg.): Frauen in Sachsen-Anhalt. Band 2: Ein biographisch-bibliographisches Lexikon vom 19. Jahrhundert bis 1945. Böhlau, Köln u. a. 2019, ISBN 978-3-412-51145-6, S. 168–171.
Weblinks[Bearbeiten]
- Biografie auf NordhausenWiki
- Peter Kuhlbrodt: Mutige Frau in Männer-Armee. In: Thüringer Allgemeine. 24. September 2011.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pichelt, Dorothea |
| ALTERNATIVNAMEN | Pichelt, Theodor (Pseudonym) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Freiheitskämpferin unter napoleonischer Fremdherrschaft |
| GEBURTSDATUM | 26. April 1790 |
| GEBURTSORT | Nordhausen |
| STERBEDATUM | 19. Dezember 1824 |
| STERBEORT | Magdeburg |