Dub-Techno
Dub-Techno ist eine Stilrichtung der elektronischen Tanzmusik, die Anfang der 1990er Jahre im Umfeld des Berliner Labels Basic Channel entstand. Sie verbindet Elemente des Techno mit Produktionsweisen des Dub und ist insbesondere durch den Einsatz von Echo-, Delay- und Reverb-Effekten sowie stark reduzierte Klangstrukturen geprägt.
Begriff und Einordnung[Bearbeiten]
Der Begriff „Dub-Techno“ setzte sich erst in den frühen 2000er Jahren als Genrebezeichnung durch, obwohl die musikalischen Grundlagen bereits in den frühen 1990er Jahren entwickelt wurden.
In der Fachliteratur wird Dub-Techno häufig als Schnittmenge aus Techno und Dub beschrieben, wobei der Schwerpunkt auf einer spezifischen Produktionsästhetik liegt.<ref>Mark J. Butler: Unlocking the Groove: Rhythm, Meter, and Musical Design in Electronic Dance Music. Indiana University Press, 2006.</ref>
Stilistisch bewegt sich Dub-Techno zwischen Techno, Minimal Techno und Ambient Techno, wobei die Produktion stärker auf Klangraum und Atmosphäre als auf rhythmische Variation ausgerichtet ist.
Entstehung[Bearbeiten]
Dub-Techno entstand Anfang der 1990er Jahre in Berlin im Umfeld der Produzenten Basic Channel (Moritz von Oswald und Mark Ernestus). Diese übertrugen Produktionsprinzipien des jamaikanischen Dub auf minimalistische Techno-Strukturen und entwickelten einen stark reduzierten, atmosphärischen Klang.
Zentral für die frühe Entwicklung ist der kreative Einsatz von Studioeffekten wie Delay und Reverb, die nicht nur zur Klangbearbeitung, sondern als kompositorische Mittel eingesetzt werden.
Die Veröffentlichungen auf Labels wie Chain Reaction trugen wesentlich zur Etablierung des Stils bei und prägten dessen internationale Wahrnehmung.
Internationale Verbreitung[Bearbeiten]
Ab Ende der 1990er Jahre verbreitete sich Dub-Techno international und wurde von Produzenten außerhalb Deutschlands aufgegriffen. In den 2000er Jahren entstanden regionale Szenen unter anderem in Skandinavien, Kanada und Großbritannien.
Eine wichtige Rolle spielten dabei unabhängige Labels sowie digitale Veröffentlichungsplattformen, die zur globalen Verbreitung des Stils beitrugen.<ref>Thom Holmes: Electronic and Experimental Music: Technology, Music, and Culture. Routledge, 2008.</ref>
In den 2000er Jahren war insbesondere die Netlabel-Szene prägend. Labels wie Thinner sowie ~scape veröffentlichten zahlreiche Werke im Umfeld von Dub-Techno und trugen zur digitalen Verbreitung des Genres bei.
Eine zweite Entwicklungsphase wurde zudem durch Künstler wie Deepchord (Rod Modell) geprägt, die den Stil in Richtung längerer, ambientorientierter Klangstrukturen weiterentwickelten.
Merkmale[Bearbeiten]
Dub-Techno basiert meist auf einem 4/4-Takt im Bereich von etwa 110 bis 125 BPM. Charakteristisch sind tiefe Bassstrukturen, reduzierte Rhythmusmuster und der intensive Einsatz von Effekten wie Reverb, Delay und Filterbearbeitung.
Typisch sind kurze, wiederholte Klangmotive („Chord Stabs“), die durch Effekte räumlich erweitert werden und dichte, atmosphärische Klangflächen erzeugen.
Die Produktionsweise geht direkt auf die Techniken des Dub zurück, bei denen das Mischpult als kreatives Instrument eingesetzt wird und einzelne Spuren live bearbeitet werden.<ref>Michael E. Veal: Dub: Soundscapes and Shattered Songs in Jamaican Reggae. Wesleyan University Press, 2007.</ref>
Dub-Techno im Film[Bearbeiten]
- Kvadrat – Dokumentarfilm mit Bezug zu DJs und Produzenten aus dem Dub-Techno-Umfeld, darunter Havantepe, Claro Intelecto, Luke Hess und Monolake.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />